Obsidian (Thomas Mathoi)
Ep. 06

Obsidian (Thomas Mathoi)

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Episode description

Wann wird aus einem Notiz-Tool ein zweites digitales Gehirn – und wann nur eine Dauerbaustelle, die mehr Zeit kostet, als sie spart? Thomas Mathoi spricht über Obsidian, den flexiblen Markdown-Editor, der sich vom schlanken Notizbuch bis zur digitalen Denkzentrale ausbauen lässt. Als Projektmanagement-Dozent und langjähriger Blogger zum persönlichen Wissens- und Projektmanagement zeigt er, wie man das Tool produktiv nutzt, ohne sich im Einrichten zu verlieren. Du erfährst, wie du mit deinem digitalem Zettelkasten die Datenhoheit behältst und dank durchdachter Workflows strukturierter arbeitest.

Themen der Folge

  • Vom schlanken Markdown-Editor zum persönlichen Wissensmanagement
  • File-over-App-Prinzip und Datenhoheit durch offene Markdown-Dateien
  • Bidirektionale Links und Backlinks
  • Aufgaben, Kalender und Journaling
  • Plugins: weniger ist mehr, Perfektionismus vermeiden
  • Obsidian als Ideentreibhaus statt To-do-Schleuder
  • KI und Markdown: eigene Notizen auswerten bei voller Datenhoheit

Über den Gast

Thomas Mathoi unterrichtet im Fachbereich Projektmanagement am Institut für Architektur- und Bauingenieurwesen der FH Joanneum in Graz und ist Mitgründer sowie Geschäftsführer der Projektdokumentationssoftware iPROT.info. Seit 2009 bloggt er zum Thema Projektmanagement. Mit den Jahren verlagerte sich sein Fokus immer stärker auf das persönliche Wissens- und Projektmanagement. Seit 2023 ist Obsidian fester Bestandteil seiner täglichen Arbeit - und seines Blogs.

Das Buch zur Folge

In Obsidian – Wissen, Aufgaben und Projekte managen zeigt Thomas Mathoi, wie du den flexiblen Markdown-Editor gezielt für dein persönliches Wissens- und Projektmanagement einsetzt. Du richtest deinen ersten Vault ein, lernst Funktionen wie Bases, Canvas und den Web Clipper kennen und überträgst bewährte Methoden in konkrete Workflows: vom digitalen Zettelkasten über Journaling bis zur mehrstufigen Projektplanung.

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0:00

Thomas Und ich würde anstelle der Aufgabe der Aufgabenoptimierung für das Pflanzengießen eigentlich lieber Obsidian als Ideentreibhaus nutzen und, mich dann mit aufs Wesentliche fokussieren und versuchen, aus den Inhalten, die ich dort einpflege und kuratiere, neue Ideen entwickeln zu können. Das ist eigentlich auch eine der großen Stärken, für die man Obsidian nutzen kann in einer Form von produktivem Wissensmanagement, so wie ich das in meinem Buch genannt habe.

0:38

Ali Hallo und herzlich willkommen zu Klüger als gestern, ein Podcast des Rheinwerk Verlags. Mein Name ist Ali Hackalife und heute freue ich mich sehr, über Obsidian reden zu dürfen. Ein Tool, um Notizen zu managen, das eigene Wissen zu managen. Manche nennen es das zweite digitale Gehirn. Darüber hat Thomas Mathoi ein Buch geschrieben mit dem gleichnamigen Titel Obsidian – Wissen, Aufgaben und Projektmanagement. Und ich freue mich sehr, ihn hier begrüßen zu dürfen. Hallo Thomas.

1:02

Thomas Hallo Ali, danke für die Einladung. Freut mich sehr, dass ich da mit dir über mein neues Buch quatschen darf.

1:08

Ali Genau, dein Buch erscheint im Rheinwerk Verlag als E-Book und Obsidian ist so eins der Tools, wo es ein gewisses Paradox gibt. Man kann damit seine Produktivität managen und ich kenne doch einige Leute, mich eingenommen, die am Ende des Tages mehr Zeit mit dem Obsidian einrichten verbringen, als mit dem Produktivität managen. Und deswegen war ich sehr froh, dein Buch in die Hände zu bekommen, um mal zu sehen, was ist die Philosophie dahinter, was ist die richtige Anwendung, wie ist das eigentlich gedacht, damit das Produktivitätstool auch Produktivität erhöht. Fangen wir vielleicht mal vorne an. Wo hast du angefangen, dich mit Obsidian zu beschäftigen, bevor wir uns anschauen, was Obsidian ist?

1:44

Thomas Ja, also mein erster Kontakt mit Obsidian war eigentlich erschreckend. Das war kurz nachdem es herausgekommen ist, irgendwann in der Corona-Zeit, ich glaube 2020 oder 2021, habe ich die Software das erste Mal installiert und dann auch sofort wieder gelöscht, weil das war buggy und nicht so toll. Und ein, zwei Jahre später kam dann die erste vollwertige Release. Davor war es ja eine Beta und seither, seit Herbst 2022, nutze ich die Software täglich. Und eigentlich ist ja Obsidian ein Markdown-Editor, also eine Schreib-App, ganz vereinfacht gesagt, um Notizen zu schreiben. Dass man das dann ausbauen kann, um damit die Produktivität zu managen, ist eigentlich – Ja, ich würde jetzt fast sagen, eine Erweiterung, die einfach durchs Benutzen entstanden ist.

2:44

Ali Bevor wir da zu sehr einsteigen, Markdown ist eine Form der Notation, wo ich in meinen Text Angaben reinschreibe, wie die dann später formatiert werden sollen. Also, dass ich Überschriften definiere, Dinge fett hervorheben kann, unterstreichen, durchstreichen und so weiter. Und Markdown ist ja jetzt erstmal ein Standard, der ist Obsidian völlig unabhängig. Da gibt es viele Editoren für und das ist ja auch Teil des Verkaufsarguments und Teil der Philosophie von Obsidian. Wenn ich mich da einarbeite und irgendwann mal das Projekt nicht mehr weiter betrieben wird, dann kann ich trotzdem mit meinen Dateien, die ich da eingelegt habe, zum nächsten Editor gehen und sie weiter benutzen.

3:20

Thomas Ja genau, das File-over-App-Prinzip liegt da zugrunde und es ist, so wie du richtig sagst, völlig egal, ob ich meine Notizen mit Obsidian schreibe oder mit einem anderen Editor. Und das macht ja sozusagen einen, wesentlichen Grund aus, um die eigene Datenhoheit, die man da mit Obsidian sozusagen behalten kann, weil man es nicht in irgendein proprietäres System quetscht, sondern jede Notiz ist einfach eine Datei. Im eigenen Filesystem, am eigenen Rechner primär mal. Und Markdown ist natürlich die Auszeichnungssprache, die recht einfach zu verwenden ist und mit der man auch Texte dann entsprechend formatieren kann. Bis hin zum Einbinden von Grafiken ist da eigentlich alles möglich. Und die Formatierungszeichen, die verwendet werden im Markdown, stören den Lesefluss eigentlich überhaupt nicht. Und daher ist es völlig irrelevant, ob ich meine Notizen mit Obsidian schreibe oder mit einem anderen Editor. Ich kann sie dann auch später weiterverwenden.

4:24

Ali Jetzt habe ich einige andere Editoren benutzt. Also bei mir gibt es bei Notizen von, ich schreibe in ein physisches Papierheft, hin zu, ich habe mir tagelang Gedanken über Systemhierarchien gemacht. So ein bisschen alles und ich bin noch nicht beim Weisheit letzter Schluss angekommen, aber Obsidian bietet ja genau das an, von der einfachen To-Do-TXT, die man auf dem Desktop gepflegt hat, bis hin zu meinem in sich vernetzten Wiki mit Mindmaps und Dashboards und so weiter. Also es ist eine unfassbar große Plattform mittlerweile geworden, an die sich viele Leute Plugins gebaut haben. Es gibt eine ganze Community dazu. Aber ein großes Argument für Obsidian, würde ich sagen, ist die Philosophie, unter der es entwickelt wurde. Da hast du in deinem Buch auch länger drüber geschrieben. Für viele Leute ist das Argument mit, es ist kostenlos, ja schon mal sehr attraktiv. Aber dann kommt schnell die Argumentation, was nichts kostet, ist auch nichts, beziehungsweise dann bist du das Produkt. Und da muss man ja sagen, das hat Obsidian sehr interessant gelöst, dass dem nicht so ist. Also, dass Sie kostenlos Ihren Editor anbieten können und trotzdem profitabel ein Unternehmen mit sieben oder acht Mitarbeitern damit leiten.

5:29

Thomas Ja, das Unternehmen ist wirklich schlank und es ist wirklich erstaunlich, wie Sie das gemacht haben, weil Sie nämlich auf Venture Capital komplett verzichten auch. Also, das hat sogar der CEO von Obsidian unlängst dezidiert ausgeschlossen in einem Blogbeitrag und auch in einem Interview, glaube ich. Das Geld verdient Obsidian eigentlich damit, dass sie ihr Synchronisations-Tool, verkaufen, das allerdings zu einem recht überschaubaren Preis. Ich glaube, es liegt bei ca. Knapp 100 US-Dollar oder Euro im Jahr, um die 90 oder 100 Euro im Jahr und damit finanzieren sie sich natürlich großteils und dann gibt es noch ein paar andere Sachen, die sie verkaufen, und zwar man kann sich registrieren einmalig. Auch gegen einen einmaligen, relativ kleinen Betrag von 25 Euro für die Vorab-Versionen. Das ist wie eine Art Beta-Version, die man dann einfach früher auch installieren kann. Das nennen sie Catalyst, dieses Modell. Und da bekommt man halt die neuen Versionen von Obsidian schon ein bisschen früher, bevor sie dann offiziell released werden. Und das dritte Standbein, das Sie haben, ist Obsidian Publish. Das sie auch verkaufen. Damit kann man dann die eigenen Notizen oder den ganzen Ordner, indem man seine Notizen vorhält, veröffentlichen im Internet mit wenigen Klicks eigentlich. Dafür verlangen sie ein bisschen Geld.

7:03

Ali Jetzt gibt es verschiedene Anwendungsfälle und das ist ja So ein bisschen die Schwierigkeit zu erklären, warum möchte man Obsidian benutzen oder wo ist es hilfreich. Es ist ein sehr multifunktionelles Werkzeug und das ist so ein bisschen wie, wenn ich mit Leuten darüber rede, warum es Sinn hat, dass ich ein Schweizer Taschenmesser immer dabei habe. Jetzt könnte man sagen, das ist in seinen einzelnen Funktionen nicht das ideale Tool, aber der Umstand, viele Funktionen mit sich mitzuführen, der macht Obsidian so stark und dass es eben so schlank ist. Also wie gesagt, Leute bauen da ganze Wiki-Strukturen raus. Ich habe es jetzt auch mal für Mindmaps benutzt. Man baut Abläufe, Flowcharts für Prozesse, aber man kann im Prinzip auch die einfache Notizendatei und die Abhaken-To-Do-Liste damit erstellen. Und dementsprechend, es wächst anhand dessen, wie komplex man es braucht, wie stark man es braucht. Und ich würde sagen, wir können ja mal einen Anwendungsfall, den du zum Beispiel hast, skizzieren, um zu erklären, was Obsidian so stark macht.

7:59

Thomas Naja, diese Plug-in-Struktur und diese Flexibilität und Erweiterbarkeit, die ist natürlich Reiz und Gefahr zugleich. Also Obsidian kann da schnell recht aufgeblasen werden. Deswegen ist mein Credo auch im Buch, das ich immer sozusagen postuliere dort, möglichst einfach und schlank zu bleiben. Nicht zu viele Plug-ins auf einmal gleich zu installieren, sondern zuerst einmal mit dem anzufangen, was Obsidian von Haus aus einmal bietet. Und da kann man schon recht viel machen. Da kommt man schon ziemlich weit. Also so wie du sagst, Mindmaps sind möglich mit der Canvas-Funktion. Auch Prozessabläufe kann man damit darstellen etc. Und erst wenn man da an die Grenzen stoßt oder nicht mehr weiterkommt, dann lohnt sich sicher ein Blick in diese umfangreiche Plugin-Bibliothek. Wofür man es dann verwenden kann, liegt immer. In der Erwartungshaltung der Benutzer. Und ich nutze es eigentlich primär für mich selber zum Schreiben. Natürlich, das ist die Hauptarbeit, die ich damit mache. Ich habe das ganze Buch in Obsidian, das Manuskript für das Buch in Obsidian geschrieben. Und auch alle Grafiken, die im Buch sind, habe ich mit Obsidian erstellt. Dafür habe ich allerdings ein Plugin gebraucht, das Excalidraw Plugin. Mit dem habe ich da gearbeitet. Und dafür kann man es natürlich super nutzen, Obsidian. Und darüber hinaus, du hast das eh schon einfach angesprochen, kann man es natürlich auch für das Aufgabenmanagement und bis hin zum Projektmanagement verwenden. Und dafür nutze ich es mittlerweile auch. Ich nutze es für meine Aufgabenverwaltung, ich nutze es für mein Projektmanagement, ich nutze es sogar als Kalender. Also ich führe meinen digitalen Kalender ausschließlich seit über einem Jahr in Obsidian.

9:51

Ali Ich habe auch bei mir festgestellt, es gibt in meinem Arbeitsablauf viele Prozesse, die immer sehr ähnlich aussehen. Also wenn ich mit Gästen in die Absprache komme für eine Terminfindung, dann muss man einen Zeitpunkt finden, dann schicke ich den Gästen kurze Anweisungen, was sie technisch vorzubereiten haben, damit es reibungslos abläuft, aber auch so standardisierte Anschreiben. Also wenn ich mit Leuten aus der Politik spreche, sehen die anschreiben sehr ähnlich aus, aber sie sehen anders aus, wenn ich mit Leuten spreche, die ein Buch schreiben oder wenn ich mit Verlagen spreche. Und da habe ich jetzt im Moment recht lose drei Dateien gehabt mit verschiedenen quasi vorformulierten Textbausteinen, dass ich schnell was zusammensetzen kann, wenn man mehrere Leute anschreibt. Aber jetzt in Obsidian bietet mir das die Möglichkeit, mir eine Ablaufstruktur zu bauen, in der ich dann direkt auf die Dateien untereinander verlinke. Also dieses Verlinkungssystem, dass ich Notizen untereinander in Bezug setzen kann, das ist ja eine extreme Stärke, die viele andere Notiz-Apps nicht haben.

10:43

Thomas Das ist tatsächlich etwas, was Obsidian sozusagen einzigartig macht noch. Es gibt schon andere Apps, die jetzt nachziehen oder die gab es auch schon davor, muss man der Fairness halber dazu sagen. Es gab vorher Roam Research, die also auch schon dieses untereinander verlinken konnten und viele andere mehr. Und jetzt ziehen natürlich auch Produkte nach, wie zum Beispiel Apples Notizen-App, die das seit ein bisschen mehr als einem Jahr oder zwei Jahren kann. Aber Obsidian macht das relativ cool, auch von der Art, wie man Links anlegt, weil es reicht einfach, zweieckige Klammern zu tippen und dann den Titel oder das Schlagwort einzugeben von der anderen Notiz, die man einbinden möchte. Und dann hat man den Link schon und gleichzeitig wird dann automatisch ein Backlink angelegt, also von, Der Notiz, zu der man verlinkt, die bekommt auch noch einen Link, nämlich wieder zurück zur ursprünglichen Notiz, von der der Link ausgegangen ist. Und dieses bidirektionale Verlinken ist durchaus etwas, was Obsidian sehr effizient macht im Aufbau von Wissensnetzwerken.

11:54

Ali Ich hatte gesehen, dass Leute für Vorlesungen damit lernen. Ich habe früher im Studium vor allem mit Mindmaps gelernt, also dass ich Texte gelesen und mir dann Unterpunkte zu Unterpunkten zu Unterpunkten als Baumdiagramm aufgeschrieben habe. Das war für mich das richtige Tool, aber wurde auch schnell sehr chaotisch. Also wenn man das dann als PDF exportiert und man sieht, würde man das jetzt drucken, die mehrere Quadratmeter groß wäre und das ist dann nur ein Modul, das ich in eine riesige Mindmap gepackt habe, da hat man dann schnell optisch einfach Schwierigkeiten, den Überblick zu behalten. Und Obsidian hat ja dadurch, dass es am Ende des Tages alles Markdown ist, viele Funktionen für verschiedene Darstellungen von solchen Hierarchien. Also es gibt Ordnersysteme, die gerade erwähnte Mindmap und da gibt es jede Menge Community Plugins, um sein Wissen zu strukturieren. Also ich war sehr beeindruckt zu sehen, wie Leute ihr im Prinzip komplettes Semester an Modulen in Obsidian durchgemanagt haben und dann Bezüge zueinander hergestellt, bei einzelnen Leuten Wikipedia-Artikel verlinkt, also auch raus ins Web und dadurch ein sehr übersichtliches Tool, das den ganzen Stoff aus Fließtexten hin zu visuell aufbereiteten Clustern bringt.

13:01

Thomas Ja, dafür ist es wirklich ideal. Also ich habe in meinem Buch einen kurzen Abschnitt, drinnen über die Einsatzmöglichkeiten von Obsidian gerade für Studierende. Und Schüler und Schülerinnen. Da entfaltet es natürlich sein volles Potenzial. Einmal durch das Vernetzen von Inhalten, die man zum Beispiel aus Vorlesungen oder im Unterricht generell aufnimmt und das dann verknüpfen kann auch mit externen Inhalten, so wie du sagst, eben ins Web hinaus. und, das dann auch zum Beispiel grafisch zu visualisieren mit Canvas oder einem Plugin wie Excalidraw oder einem anderen Mindmap-Builder. Das ist alles toll möglich mit Obsidian. Und das Schöne dabei ist, man bleibt dann immer in dieser App und muss nicht switchen zwischen vielen verschiedenen Anwendungen, die es dann auch unter Umständen zu einer kognitiven Überlastung führen kann durch das viele Wechseln. Sondern man kann sich wirklich da drinnen drauf fokussieren. Das ist eigentlich für diese Anwendungsfälle ideal.

14:08

Ali Ich finde auch generell das Konzept des PWM oder PKM, also des persönlichen Wissensmanagements, da kennen wir den Luhmannschen Zettelkasten als das große Beispiel in der Soziologie. Aber den privat anzulegen, also dass, wenn ich etwas Neues gefunden habe, das ich interessant finde, auf das ich später nochmal referieren möchte, das irgendwo einzusortieren und mit anderen Dingen in Verbindung zu bringen, das ist natürlich für Recherchearbeit hilfreich. Aber das ist auch für, wenn man einen Produktivitätsablauf erlernt und den sich nach und nach aufschreibt, um den dann anderen Leuten mitzuteilen. Also wie oft passiert es, dass irgendwo ein Kollege gewechselt hat und das war der Einzige, der zufällig wusste, welches Passwort nochmal die WLAN-Steckdosen hatten, die er eingerichtet hat und jetzt stehen alle da und fragen sich, können wir das noch umziehen, müssen wir die resetten und solcher Kleinkram, der ja im Alltag einfach anfällt, den dort abzulegen als Wissensmanagement, dass solche Dinge verwaltet sind und wieder aufrufbar und vor allem an andere vermittelbar, das ist ja eine Stärke, die haben herkömmliche Notizen-Apps in der Regel nicht.

15:09

Thomas Nein, nicht alle, aber mit Obsidian kann ich das natürlich auch bilden. Das ist natürlich diese Knowledge-Base-Struktur, die man mit Obsidian schön aufsetzen kann. Und der PKM-Ansatz dahinter, beziehungsweise, wie soll ich sagen, der Luhmannsche Zettelkasten, der steckt da natürlich mit drinnen, aber im Grunde. Ich nutze in meinem Buch auch den Luhmannschen Zettelkasten und auch in meinem Alltag. Also er ist sozusagen das Herzstück. Für die Art und Weise, wie ich Obsidian nutze. Und viele andere nutzen es natürlich auch auf diese Weise. Der bietet einerseits ausweichend Flexibilität und andererseits kann man natürlich damit diese verlinkten Strukturen wunderbar aufbauen. Und es gibt natürlich auch andere Methoden und ich bin jetzt nicht gezwungen, unbedingt den Luhmannschen Zettelkasten zu nutzen, aber es bietet sich natürlich ideal an und diese Art, dieses Wissensmanagement-System aufzubauen mit einzelnen Notizen, an denen man arbeitet, die man untereinander verlinkt und dann mit Strukturnotizen sozusagen zusätzlich sich einen Überblick verschaffen kann. Und Themen untereinander auch vernetzen kann. Das ist natürlich eine tolle, tolle Geschichte. Und Luhmann hat das natürlich in Papierform damals praktiziert mit einem Schubladenkasten. Und jetzt das digital abzubilden, vereinfacht natürlich einiges. Macht es auch nicht mehr notwendig, dass man so streng mit sich selber beim Schreiben von Notizen ist, wie es Luhmann hat sein müssen. Aus geometrischen Gründen konnte er natürlich keine umfassenden Notizen oder allzu umfassenden Notizen in seinem Zettelkasten unterbringen, weil die Karteikarten, die er dafür benutzt hat, einfach beengte Platzverhältnisse hatten. Und dadurch musste er natürlich eine Systematik sich zurechtlegen, um das zu umgehen. Und das hat er geschafft. Und im digitalen Zettelkasten bin ich da aber frei. Ich kann durchaus längere Notizen verfassen und die auch untereinander verlinken und vielleicht auch später wieder aufsplitten. Man darf nicht so eng sehen alles. Also da ist sehr viel möglich.

17:37

Ali Und ich kann es vor allem digital sehr viel einfacher durchsuchen. Also es ist ja das eine, sich eine Hierarchie ausgedacht zu haben, aber am Ende des Tages, wenn man die zu schnell macht, also das ist was dir alle in der Obsidian Community raten, sei vorsichtig damit, wie viele Unterordner und Unterbegriffe du hast, damit du Dinge nicht falsch wegsortierst, aber zur Not kannst du sie auch einfach mit Strg+F wiederfinden. Also da ist einiges möglich.

18:01

Thomas Ja, das ist natürlich der Vorteil des digitalen Zettelkastens. Und was man auch noch machen kann, ist, man kann natürlich auch weitere digitale Möglichkeiten nutzen, wie zum Beispiel Schlagworte. Obsidian bietet ja die Möglichkeit, Schlagworte zu benutzen, ganz einfach, wie man es aus den sozialen Medien zum Beispiel kennt, mit Hashtags. Und da kann ich natürlich auch Notizen vielen, oder zumindest mehrere Notizen einem Thema zuordnen oder auch mehreren Themen zuordnen und das ist durchaus praktisch und mit einem einfachen Klick auf das Schlagwort bekomme ich dann ein Suchergebnis, das mir alle Notizen aufliste, die zum Beispiel zu diesem Thema dazu passen und das ist der Vorteil, wenn man es digital aufsetzt. Das geht natürlich in Papierform natürlich nicht.

18:48

Ali Jetzt ist Obsidian ja kein Selbstzweck und ich erlebe das oft, dass wenn Leute mit Produktivitätstools anfangen, sie kopieren wollen, was andere machen. Das ist bei Obsidian ja dahingehend schwierig, dass der YouTuber, der mir gezeigt hat, welchen Arbeitsaufwand er damit optimiert, hat vielleicht einen ganz anderen Workflow als ich aus einem ganz anderen Grund. Oder jemand, der mit anderen zusammenarbeitet, Informationen teilen muss oder möchte, hat einen ganz anderen Workflow als ich. Dementsprechend ist so ein bisschen die Hürde, aber auch das Faszinierende, dass man sich am Ende des Tages seine eigene Nutzung zusammenbaut und dann eine sehr individuelle Lösung schafft. Also ich schaue mir immer fasziniert an, was andere haben, aber ich merke, wenn ich dann einfach mal was kopiere, was Leute so als ihre Templates online stellen, funktioniert das für mich nicht so gut. Wie hast du da deinen eigenen Stil entwickelt?

19:32

Thomas Das hat sich im Laufe der Zeit so ergeben. So ganz genau kann ich das gar nicht mehr rekonstruieren. Ich habe natürlich auch am Anfang mich im Internet schlau gemacht, wie nutzen denn das andere oder wie bauen denn andere dort ihre Strukturen auf. Und, man stößt dann gleich einmal auf den Tiago Forte mit seinem Second Brain Ansatz. Und dort hat er ja eine Struktur drinnen, die er PARA nennt. Und mit der habe ich es probiert, dann gibt es noch viele andere. Und im Endeffekt bin ich draufgekommen, so wie du eh schon sagst, das sind alles gute Informations- und Inspirationsquellen vor allem. Aber im Endeffekt muss man seinen eigenen Weg dann finden und der kristallisiert sich dann halt im Laufe der Zeit heraus. Und das ist eigentlich das Wichtigste, dass man mit Obsidian versucht, den eigenen Weg dann zu finden und zu gehen, was die Struktur betrifft und auch, wie man es nutzt. Nutzt es zum Beispiel nur für meine Notizverwaltung oder will ich wirklich auch mehr damit machen, wie zum Beispiel Aufgabenmanagement oder bis hin zum Kalender oder fürs Journaling. Es ist ja toll geeignet, um damit ein Logbuch oder Tagebuch zu verfassen. Ja.

20:47

Ali Und da auch wieder der große Vorteil, den kann man nicht genug betonen, am Ende des Tages sind es meine Dateien auf meinem System und bei Tagebüchern, ich bin im Apple-Ökosystem und dann doch immer sehr unzufrieden, wenn Apple so etwas anbietet wie das eigene Journal als Funktion, das auch optisch sehr gut aussieht und direkt die Fotos mit einbinden kann und so weiter und weiß, wo man war über die Kalendereinträge, aber halt auf der Plattform hängt. Und wenn ich mich dann mal dagegen entscheiden sollte oder nicht möchte, dass mein persönliches Tagebuch über den Server synchronisiert wird, auch wenn es verschlüsselt ist. Aber allein für Datenhoheit ist es schön zu wissen, das findet auf meinem Rechner statt und das muss nicht synchronisieren. Also es hat Vorteile, vor allem wenn man mobil sich Notizen anlegen möchte zu synchronisieren. Aber fürs Journaling ist es schön zu wissen, dass das meine Daten sind und mein Tagebuch hängt nicht davon ab, dass diese Firma weiter existiert.

21:34

Thomas Ja, das haben wir, glaube ich, eh schon kurz besprochen. Das ist ein großer Vorteil, die Datenhoheit und auch dieses bereits erwähnte File-over-App-Prinzip, dass man sozusagen... Zum Beispiel Tagebucheinträge und auch Notizen aller Art primär mal auf dem eigenen Rechner vorliegen hat, solange ich es nicht synchronisiere. Sobald ich anfange Obsidian natürlich auch auf einem Smartphone zu nutzen oder auf einem Tablet, brauche ich natürlich irgendeine Form der Synchronisation. Und dann hängt es davon ab, wenn also diese Notizen und Tagebucheinträge dann beginnen, meinen Rechner zu verlassen in Richtung Smartphone über irgendeinen Sync-Service, den man sich aussucht, dann muss man sich natürlich die Frage stellen, zur Datensicherheit und zum Datenschutz unweigerlich. Aber im Grunde genommen nutzt man ja meistens ein verschlüsseltes Tool und bleiben die Daten einmal primär am eigenen Rechner. Und das ist natürlich, wie man eh schon erwähnt, ein großer Pluspunkt von Obsidian.

22:39

Ali Obsidian selbst bietet ja einen Sync-Service an, der auch Server in Frankfurt betreibt. Also man kann sie auch auf deutschem Grund und Boden lassen, wenn das berufsbedingt für den Arbeitgeber wichtig ist, dass die Daten das Land nicht verlassen. Da gibt es ja durchaus sinnvolle Vorgaben. Also sie bieten einem da auch elegant und schon mitgedacht an, dass man, wenn man Strukturen baut, die jetzt nicht nur privat, sondern gewerblich sind, dass man die auch auf deutschen Servern nach deutschem Recht verwalten kann.

23:05

Thomas Ja, das stimmt. Also man kann sich, wenn man Obsidian Sync nutzt, aussuchen, über welchen Server man sozusagen synchronisieren will. Und eine der Auswahlmöglichkeiten ist in der Europäischen Union, unter anderem Frankfurt. Und damit gilt natürlich auch dort europäisches Datenschutzrecht. Das ist ein weiterer großer Vorteil, wenn man darauf Wert legt.

23:30

Ali Jetzt hattest du vorhin gesagt, du hast deinen Kalender in Obsidian abgebildet. Was sind das für Vorteile und wie habe ich mir das vorzustellen?

23:40

Thomas Die Vorteile für mich sind wieder, dass ich dort... Meine Kalendereinträge auch direkt in Obsidian habe und dafür keine zusätzliche App benötige. Das bietet aber nicht nur Vorteile, sondern man muss sich auch bewusst sein, dass halt so bequeme Funktionen wie zum Beispiel, auf eine Kalendereinladung, die per E-Mail kommt, einfach draufklicken und akzeptieren und dann ist sie schon im eigenen Kalender. Auf das muss man dann verzichten. Das funktioniert dort nicht. Da gibt es aber Workarounds, wie man das einfach mit einem Copy-Paste dann rüberbringen kann, bis hin zu. Wenn man im Apple-Ökosystem unterwegs ist, kurzen Siri-Shortcut, mit dem man Kalendereinträge aus dem Kalender der Wahl dann nach Obsidian exportieren kann ins Markdown-Format. Wie man sich sonst vorstellen muss, ist relativ einfach und schlicht gehalten. Ich nutze dafür die täglichen Notizen. Das ist eine Funktion, die Obsidian mitbringt, sozusagen als Standard-Erweiterung. Und mit dieser Funktion kann man sich für jeden Tag eine neue eigene Notiz anlegen. Die trägt dann das Datum des Tages in der Regel. Des jeweiligen Tages als Dateinamen und dort trage ich diese Kalendereinträge, ein und auch die Aufgaben, die zum Beispiel da anstehen. Und dort kann man dann auch, wenn man möchte, ein Tagebuch oder ein Logbuch führen, zusätzlich noch in dieser täglichen Notiz. Und die Kalendereinträge sind mit einem speziellen Icon versehen bei mir. Es ist so ein Kalender-Icon, ein einfaches. Und dazu gibt es dann Beginn- und Endzeit und dann den Titel des Ereignisses und vielleicht noch eine Ortsangabe, wo das Kalenderereignis stattfindet.

25:38

Ali Und dadurch, dass du ja im Prinzip mit der Notiz arbeitest wie mit allen anderen Notizen auch, nur dass sie halt die Kalenderartefakte hat, kann man auch sehr einfach so Sachen machen wie ein digitales Ticket hinterlegen. Also zum Beispiel bekomme ich manchmal von Veranstaltern Einladungskarten, die sind dann nicht als Wallet direkt. Es gibt ja bei Apple einen Standard, dass ich eine Wallet laden kann und dann das Ticket als Ticket auch direkt auf dem Telefon vorzeigen. Aber man bekommt dann oft auch einfach so eine PDF als Anhang, die man dann noch selber ausdrucken soll und so weiter und so fort. Und die kann ich einfach direkt mit in die Notiz werfen und dann existiert sie da als Grafik, die ich vorzeigen kann.

26:15

Thomas Genau, also PDFs kann ja Obsidian sowieso recht gut verwalten. Es hat auch einen relativ guten PDF-Viewer und natürlich kann ich dann eine Einladungskarte, die ich als PDF per E-Mail zugeschickt bekomme, in meinem Obsidian Vault speichern und dort dann mit dem Kalenderereignis gleich direkt verlinken und mit einem, Klick oder am Smartphone dann mit einem Tab, auf den Link öffnen und vorzeigen beim Eingang. Das ist natürlich ein großer Vorteil, das funktioniert wunderbar.

26:47

Ali Jetzt machst du unter anderem auch das Kapitel mit dem persönlichen Projektmanagement auf und den Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz. Und da ist mir aufgefallen, ich benutze das eigentlich synonym, aber es meint ja schon etwas Unterschiedliches. Kannst du auf den feinen Unterschied vor allem bei persönlichen Projekten mal eingehen?

27:03

Thomas Der feine Unterschied zwischen Effektivität und Effizienz ist, dass man bei Effizienz versucht, in zum Beispiel einer vorgegebenen Zeit möglichst viel zu erledigen, möglichst viele Aufgaben zu erledigen, um die Zeit eben bestmöglich zu nutzen. Und bei Effektivität ist es so, dass man die Zeit, die man zur Verfügung hat. Für die Aufgaben nutzt, die man zu erledigen hat und zwar zuerst einmal die wichtigsten macht und dann auch darauf achtet, dass man sie bestmöglich erledigt. Also es geht weniger um die Quantität an Aufgaben, die man erledigen möchte, als vielmehr um die Qualität. Das ist meiner Meinung nach der wesentliche Unterschied dabei. Und ja, das hat jetzt weniger direkt mit Obsidian zu tun. Beim eigenen Projektmanagement spielt es natürlich schon eine Rolle. Man muss halt dann auch selber abwägen oder von der Situation das abhängig machen, ob ich, jetzt effizient sein muss, weil es zum Beispiel die Fülle an Aufgaben, an kleinen Aufgaben zum Beispiel nicht anders zulässt, als ich jetzt zwei Stunden Zeit habe und jetzt muss ich schauen, dass ich da möglichst viel erledige. Oder ob ich auch effektiv arbeiten kann. Wenn ich jetzt zum Beispiel an einer Publikation arbeite, dann spielt natürlich die Qualität der Publikation auch eine große Rolle und dann liegt der Fokus eher auf Effektivität als auf Effizienz.

28:41

Ali Also ich erlebe in meiner persönlichen Arbeit sehr oft, dass der Unterschied zwischen der Zeitkritikalität entscheidet, wie schnell ich etwas bearbeite. Also Dinge, die jetzt gerade noch im Gesprächsthema sind, jetzt gerade Zeitgeist, die müssen mit hoher Priorität bearbeitet werden, weil man ja am Ende des Tages in meinem Job Aufmerksamkeit generiert. Und dann ist es gut, wenn zum Beispiel ein Kinofilm zu, also als die Odyssee rauskam, hat es Sinn gemacht, dass ich dann meine Sendung über das antike Troja veröffentlicht habe. Das hat einen hohen Stellenwert gehabt, das schnell zu bearbeiten. Während hingegen andere Sendungen, bei denen ich weiß, die sind zeitlos, die interessieren in zwei Jahren genauso viel wie heute die Leute, die kriegen einen anderen Stellenwert. Da habe ich lange versucht, mein eigenes Management mit Ordnern über hat hohe Priorität, muss bis dann und dann fertig sein, zu verwalten und habe jetzt auch festgestellt, dass diese ganze Hierarchie sich sehr, sehr gut in Obsidian abbilden lässt, in To-Dos, die möglichst zeitnah gemacht werden müssen und To-Dos, die nicht zeitnah gemacht werden müssen. Also da habe ich für mich eine Ordnung festgestellt, die hätte man auch mit einem anderen Tool haben können, aber so habe ich sie jetzt teilautomatisiert, dass mir zumindest auch mein, also im Prinzip mein eigenes Ticketsystem erstellt wird. Was liegt gerade an und was liegt grundsätzlich an im Vergleich zu was liegt heute und sofort an?

29:55

Thomas Ja, also solche Systeme kann man sich dort aufbauen. Priorisierung spielt natürlich eine Rolle im Aufgabenmanagement. Das ist klar, das Trennen des Wichtigen vom Dringenden ist immer ein Thema. Ich habe es bemerkt. Bei meiner Aufgabenverwaltung etwas einfacher umgesetzt. Also ich habe es gibt bei mir Aufgaben und es gibt wichtige Aufgaben. Und wichtige Aufgaben sind die, die wahrscheinlich dringender und schneller zu erledigen sind als alle anderen. Und ich versehe die einfach mit einem kleinen Rufezeichen vorneweg. Nach der nach der Checkbox für die Aufgabe, nach der typischen Checkbox für die Aufgabe kommt zuerst ein kleines Rufezeichen in runden Klammern und dann der Aufgabentitel und alle Aufgaben, die so ein Rufezeichen haben, die sind halt von der Priorität her höher gereiht und müssen, sollten möglichst rasch erledigt werden oder angegangen werden. Und alle übrigen kann man dann auch zum späteren Zeitpunkt erledigen. Aber das muss wiederum, wie gesagt, jede und jeder für sich selber entscheiden, welches System da. Am besten geeignet ist Obsidian bietet natürlich alle Möglichkeiten. Man kann das, so wie du sagst, komplett automatisieren. Ich habe schon sehr komplexe Aufgabenstrukturen auch in Obsidian gesehen, die das Tasks-Plugin verwenden oder ähnliche. Und damit kann man natürlich ein hohes Maß an Automatisierung erreichen, bis hin zu wiederkehrenden Aufgaben, die in einem gewissen Rhythmus immer wieder sozusagen in die zum Beispiel tägliche Notiz eingefügt werden an der entsprechenden Stelle etc.

31:36

Ali Ich hatte was gesehen, das ist ja, wir sprechen hier viel über das Obsidian-Nutzungsverhalten von anderen. Die Community von Obsidian ist wirklich relevant. Also das kenne ich von keinem anderen Tool in dem Umfang. Also natürlich Leute teilen ihre Produktivitätstipps und Tricks auf Reddit miteinander, aber der Umfang, in dem über Obsidian-Nutzungsverhalten gesprochen wird, das ist ein Mikrokosmos und ein Hobby für sich. Und ich hatte jemanden gesehen, der hat sehr strukturiert dort übernommen aus den Abbuchungen von, ich glaube, sein letztes Jahr hat er lokal alle Abbuchungen als CSV-Datei durchsucht und da dann daraus abgeleitet, was sind Versicherungen fürs Auto, was sind Nachzahlungen für den Strom und so weiter und so fort, die zu Zeitpunkten anfallen, die er nicht spontan in Erinnerung hat, sodass er jetzt schon für das nächste Jahr budgetieren kann, wann wo welches Geld anfällt. Vor allem bei Posten, die man nur jährlich zahlt und nicht zum 1.1., also Versicherungen, die einmal im Jahr abbuchen, dass er die auf dem Schirm hat. Also bei Autofahrern ist es wohl mehr ein Thema. Ich bin da ein bisschen raus, aber ich habe sofort verstanden, warum es Sinn macht, dass man seine Finanzbuchhaltung auch so unterstützt mit Obsidian, zumindest für ihn jetzt privat.

32:46

Thomas Ich habe sogar schon Fallbeispiele gesehen, wo jemand seine ganze eigene private Finanzbuchhaltung mit Obsidian gemacht hat. Also ich bin dann da reingestolpert und habe auch gesehen, es gibt sogar eigene Webseiten, die sich mit Buchhaltung im reinen Textformat beschäftigen. Und natürlich kann man sich dann auch daraus die entsprechenden Aufgaben und Budgetpläne ableiten. Das ist klar. Aber da stelle ich schon die Sinnfrage, ob man das machen will oder ob das sinnvoll ist oder ob man nicht solche Auswertungen, wann welche Versicherungszahlungen fällig sind, zum Beispiel auch über eine, KI-Auswertung machen kann. Aber das ist natürlich jedem selber überlassen. Aber die Gemeinschaft, die du angesprochen hast, die gibt natürlich wahnsinnig viel rund um Obsidian. Die ist mega aktiv und extrem hilfsbereit und sympathisch. Und das ist natürlich auch ein zusätzlicher Benefit, wenn man die App nutzt und irgendwo anschlägt und eine Frage hat, irgendjemand hilft einem bestimmt in irgendeiner Form weiter. Das heißt jetzt, wenn man die Frage einfach im Subreddit postet oder auf Mastodon oder sich sonst irgendwo Hilfe sucht, in Blogbeiträgen oder Online-Kursen, gibt es viele Möglichkeiten.

34:10

Ali Jetzt sind sehr viele der Beispielprojekte, die Leute mit Obsidian lösen, sehr IT und Technik nah, was ja auch ein bisschen sich daraus ergibt, dass das Tool vor allem bei Leuten beliebt ist, die Spaß an technischen Spielereien haben. Aber ich glaube, vor allem in dem Bereich der Leute, die eben nicht so techniknah sind und mit vielen Post-its und so alltäglich noch analog hantieren, da ist viel... Optimierung beziehungsweise Erleichterung möglich. Also ich habe ganz lange Dinge in meinem Kalender gehabt, die einfach als dieses Event erinnert mich alle zwei Wochen daran, das und das zu erledigen. Also von Sachen bis Zimmerpflanzen gießen, über Bett neu beziehen und so weiter, wo ich mir gedacht habe, es ist etwas, das schiebt man viel zu lange auf die lange Bank. Wenn ich einfach ein wiederkehrendes To-Do habe, denke ich eher dran und tue mich auch leichter, das abzuarbeiten. Und solchen Kleinkram kann man auch prima ins Persönliche einfach Zeitmanagement mit übernehmen und also ich habe Spaß der technischen Spielerei, ich verstehe Leute, die davon abgeschreckt sind, aber Obsidian bietet ja eben diese Granularität zwischen, es ist einfach nur eine Notizendatei hin zu ich automatisiere alles, was in meinem Leben an wiederkehrenden Aufgaben stattfindet. Da hat man ja sehr viel Spielraum. Gibt es bei dir Dinge, die du mal automatisiert hast, die du wieder rausgenommen hast, wo du festgestellt hast, das Spiel mit Obsidian hat jetzt nicht wirklich deine Produktivität gesteigert?

35:30

Thomas Ja, genau das, was du jetzt gerade erwähnt hast. Also diese weil diese mini kleinen Aufgaben, die eigentlich Routinetätigkeiten sind, wie zum Beispiel Pflanzen gießen oder Rasen mähen oder was auch immer, bis hin zum Auto waschen oder whatever, die habe ich früher auch in Obsidian weitestgehend automatisiert gehabt mit dem Task-Plugin. Aber irgendwann bin ich draufgekommen, dadurch produziere ich nur eine Fülle an Aufgaben. Auch in meiner täglichen Notiz in der Aufgabenliste, dort, die mich eigentlich zusätzlich stressen. Und irgendwann habe ich beschlossen, ich nehme das raus. Ich will das da gar nicht. Ich will mich, wenn ich Obsidian verwende, auf die wesentlichen Dinge fokussieren und konzentrieren. Und diese alltäglichen Routineaufgaben, die man ohnehin erledigen muss, da frage ich mich ohnehin, ob die in der Aufgabenliste gehören oder nicht. Das ist rausgeflogen bei mir.

36:34

Ali Du hast in deinem Buch auch explizit dazu einen Abschnitt, der heißt, weniger ist mehr Qualität ohne Perfektionismus. Das ist, glaube ich, bei ganz vielen Leuten, die sich für Produktivitätstools interessieren, wo Obsidian ja dazu zählt, ist das eine riesige Falle, dass man perfektionistisch versucht, jetzt alles in diesem Tool abzubilden. Und dann trifft man auf eine Community und jede Menge Plugins, die sagen, ja, natürlich kannst du alles hier abbilden. Also wenn du unbedingt dein Pflanzengießen hier abbilden möchtest, geht das auf jeden Fall. Und also es ist ein schmaler Grad. Ich habe ja auch Spaß daran, mehr Automatisierung zu basteln. So und auf der anderen Seite, oft verbringe ich mehr Zeit mit dem Optimieren meiner Automatisierung als mit der Aufgabe selbst. Und das ist ja auch nicht des Rätsels Lösung.

37:15

Thomas Genau, das ist es. Und, dieser Perfektionismus, der macht dann im Endeffekt auch nicht wirklich produktiver. Wenn man da alles Mögliche abbildet mit vielen Plugins oder anderen Möglichkeiten bis hin zum Pflanzengießen, dann macht es auch nicht wirklich produktiver. Und ich würde anstelle der Aufgabe der Aufgabenoptimierung fürs Pflanzengießen eigentlich lieber Obsidian als Ideentreibhaus nutzen und, mich dann mit aufs Wesentliche fokussieren und versuchen aus den Inhalten, die ich dort einpflege und kuratiere, neue Ideen entwickeln zu können. Ja, das ist eigentlich auch eine der großen Vorteile. Der großen Stärken, für das man Obsidian nutzen kann in einer Form von produktivem Wissensmanagement, so wie ich das in meinem Buch genannt habe.

38:07

Ali Das stelle ich auch fest, das ist mir auch schon aufgefallen beim Strukturieren meines Uni-Arbeitens in Mindmaps, dass man auf einmal feststellt, es gibt hier ganz viele Verbindungen oder potenzielle Verbindungen in einem Thema, die der Autor gar nicht selber so hervorgehoben hat, die mir auffallen, wenn ich es für mich nochmal anders visualisiere. Und dadurch dann interessante Nebenaspekte festzustellen, die jetzt gar nicht in erster Linie so hervorgehoben waren oder die der Autor selbst gar nicht gesehen hat. Und das, was du sagst, dieses Gewinnen von neuen Ideen, das ist ja der heilige Gral. Dafür wollen wir am Ende des Tages unsere Gedanken sortieren und uns ein Wissensmanagement-System bauen, dass wir nicht nur, also es bringt mir nichts, wenn ich kleinteilig Dinge abtippe, die ich genauso gut in der Wikipedia nachfinden könnte, aber es bringt mir extrem viel, wenn ich meinen Bezug zu den Dingen sortiert habe und dann selbst erkenne, hier habe ich in einem Buch ein interessantes Zitat, das passt zu dem Themenkomplex oder hier habe ich an einem Ort eine Infotafel im Museum gesehen, die habe ich abfotografiert, dann mit einem OCR-Plugin als Notiz. Bei Obsidian mit eingetragen und sie ist verbunden. Also dieses Zusammensammeln von Wissen aus Orten, die nicht ausschließlich das Internet sind, das ist ja ein großer Vorteil, den man mit diesem Personal Knowledge Management hat.

39:19

Thomas Ja, also das Zusammensammeln ist der eine Aspekt. Das ist richtig und das kann man natürlich alles wunderbar in Obsidian in einzelnen Markdown-Dateien dann auch speichern. Aber der zweite Aspekt ist, ich muss das in Bezug setzen zueinander und verlinken untereinander. Das haben wir vorhin schon einmal kurz besprochen. Das ist dann sozusagen die eigentliche Arbeit, die man in Obsidian erledigt. Einmal das Text erfassen, ja, in Notizen, aber dann das Vernetzen der Notizen untereinander. Da entstehen dann im Laufe der Zeit schon interessante Zusammenhänge. Luhmann beschreibt es auch in seinem Aufsatz über die Kommunikation mit Zettelkästen. Wo er seinen Zettelkasten als Gesprächspartner bezeichnet hat dann im Laufe der Zeit, dem er Fragen stellt und dann völlig verblüfft war, was da für Antworten rauskommen. Jetzt übertragen auf den digitalen Zettelkasten in Obsidian würde das bedeuten, ich pflege dort mein Wissen ein, sammle Notizen, interessante Zitate, alles Mögliche und vernetze es immer untereinander. Und wenn ich dann an einem speziellen Thema arbeite, zum Beispiel im Studium an einer Seminararbeit arbeite, dann suche ich mal zunächst in Obsidian, was habe ich denn alles zu diesem Thema? Und dann finde ich dort unter Umständen ganz interessante Zusammenhänge, an die man sonst vielleicht nicht unbedingt denken würde oder auf die man sonst nicht unbedingt stoßen würde. Und daraus entwickeln sich dann diese neuen Ideen. Das ist etwas, was man in Obsidian super umsetzen kann.

40:56

Ali Jetzt hast du gesagt, du hast dieses Buch auch in Obsidian entworfen und zusammengetragen. Mir geht es so, immer wenn ich etwas schreibe und veröffentliche, fällt mir kurz darauf ein, was ich übersehen habe. Wie ist das bei dir? Hast du direkt nach dem Veröffentlichen gedacht, hier fehlt was? Denn es ist ja eine sehr beginnerfreundliche Anleitung hin zu praktischen Beispielen. Also du erklärst wirklich, von welchen Klick muss ich machen, um es zu installieren, bis hin zu, so kann man seinen persönlichen Zettelkasten anlegen. Was hättest du rückblickend gerne in dem Buch noch drin gehabt oder was musst du raus?

41:28

Thomas Raus müssen hat zum Glück gar nichts. Das war der Vorteil. Ich habe sogar eigentlich die ursprüngliche Vorgabe des Verlages sehr strapaziert, was die Seitenanzahl betrifft, überstrapaziert nämlich. Und zum Glück musste nichts raus. Im Nachhinein gesehen fällt jetzt mir einmal primär noch nichts in diesem Buch. Ich hätte vielleicht an der einen oder anderen Stelle noch einen Abschnitt zur Nutzung von KI und LLMs unterbringen können. Aber das hätte jetzt wirklich den Rahmen dieses Buches wahrscheinlich gesprengt. Und da müsste man sich überlegen, ob das vielleicht in der zweiten Auflage dann Platz findet. So gesehen würde mir jetzt persönlich noch nichts fehlen in dem Buch, aber ich bin mir sicher, im Laufe der Zeit verändert man sich ja auch und wickelt sich weiter. Und dann würde man das natürlich auch gern wieder in das Buch mit einpflegen. Wenn ich mir die Entwicklung, die ich selber gemacht habe in der Nutzung mit Obsidian in den letzten vier Jahren, dann würde ich, wenn ich das Buch vor vier Jahren oder vor drei Jahren geschrieben hätte, nach einem Jahr Obsidian-Nutzung, hätte das Buch wahrscheinlich ganz anders ausgeschaut, als es jetzt ausschauen würde oder ausschaut.

42:45

Ali Wo du KI ansprichst, das ist ja ein Riesenthema, weil Obsidian selbst keine KI-Tools einbindet, aber die Community hat natürlich Plugins geschrieben und man als Herr über die eigenen Daten sehr selbstverwaltend entscheiden kann. Die KIs, also die großen Large Language Models, sprechen Markdown ja auch intern, um sich selbst zu strukturieren. Also wenn ich einen Prompt bei ChatGPT oder bei Claude reingebe, dann wird das in Markdown aufgeteilt und bearbeitet. Dementsprechend super effizient können sie auf den eigenen Markdown-Dateien arbeiten. Jetzt können aber auch die lokalen KIs immer besser damit umgehen. Also so Sachen wie überprüfen, ob ich zu einem Thema zweimal etwas unter nur leicht anderem Namen geschrieben habe und es schlecht verschlagwortet habe oder mir strukturieren hier diese Notizen sind unsortiert, bringen eine Form von System rein, erstellen Inhaltsverzeichnis. Das sind ja Sachen, wo KI mittlerweile immer potenter wird oder auch das Ableiten. Ich könnte aus meinen Textbausteinen meine Anfragen an Gäste von der KI zusammenschreiben lassen. Da gibt es jede Menge Potenziale, die auch nochmal einen Produktivitätsgewinn versprechen und trotzdem... Lässt Obsidian den Nutzern die Freiheit, sich da selbst beliebig in den Fuß zu schießen, indem sie sagen, von uns gibt es erstmal keine Standard-KI-Einbindung, keine API-Integration, sondern das müsst ihr dann selbst verwaltet entscheiden?

44:01

Thomas Ja, ich finde das jetzt gar nicht so überraschend, ehrlich gesagt, weil Obsidian eigentlich oder die Daten, die in Obsidian liegen, ja eigentlich nichts anderes sind wie ein Verzeichnis voller Markdown-Dateien am eigenen Rechner. Und so wie du eh schon gesagt hast, diese KI-Modelle sprechen selber Markdown und können natürlich mit Markdown-Dateien perfekt umgehen. Und nachdem das alles in einem Verzeichnis auf dem Rechner liegt, kann man natürlich, wenn man das möchte, Stichwort Datenschutz, Fragezeichen, jedes KI-Modell auf diesen Ordner mit den Markdown-Dateien loslassen und nach allen Regeln der Kunst dann auswerten, Fragen stellen, Zusammenfassungen erstellen lassen, bis hin zu, so wie du sagst. Duplikate finden, Schlagworte nachführen etc. Also da sind die Anwendungsgebiete vielfältig. Mir persönlich würde es am meisten interessieren, so ein KI-Modell für die Recherchearbeit, zum Beispiel für einen neuen Fachartikel einzusetzen. Und auf ein eigenes Projektverzeichnis dann innerhalb meines Obsidian Vaults loszulassen und dort einmal zunächst manuell, Literatur einzupflegen und bereits vorhandene Notizen unter Umständen und dann über das KI-Modell zum Beispiel eine Struktur erstellen zu lassen. Oder vielleicht habe ich sogar selber schon eine inhaltliche Struktur und dann bitte das KI-Modell, das ist meine Struktur, da ist der Subordner für das Projekt, für diese Publikation. Geh den bitte durch und ordne alle Notizen und Literatur, die du da drinnen findest, dem Inhaltsverzeichnis zu und begründe, warum du jetzt diese Notizen zu diesem Abschnitt in dem Inhaltsverzeichnis zugeordnet hast. Also das liefert dann, glaube ich, auch wieder spannende oder könnte spannende Ansätze liefern und auch neue Ideen entwickeln. Also dafür wäre es hilfreich. Aber ich glaube, das muss jetzt eigentlich gar nicht so von Obsidian selber als Unternehmen und Softwarehersteller kommen, als wie viel mehr. Dass es das eh schon eigentlich gibt und möglich ist und die Benutzer das einsetzen können aufgrund der offenen Struktur.

46:18

Ali Wo du ansprichst, wie man mit eigenen Quellen für Fachartikel arbeiten kann. Ich habe genau das gemacht bei der Veröffentlichung meines letzten Buchs, habe ich mein Literaturverzeichnis am Ende aus der von Hand getätigten Recherche gegen eine KI geworfen und gesagt, guck mal, ob es zu irgendeinem dieser Bücher eine Neuauflage gibt, die eins der Kapitel betrifft, aus denen ich zitiere. Also einfach um zu schauen, wie hat sich da der Stand der Forschung geändert, ist da überholtes Wissen bei, gibt es Dinge, die als Fehler revidiert wurden, habe dann auch Makulatur gefunden, aber alleine, dass das mittlerweile geht, dass ich mit wenigen Klicks einen Auftrag losschicken kann und dann sage, ich habe hier nach bestem Wissen und Gewissen recherchiert, aber ich kann ja auch nicht prüfen, ist jedes Buch, das ich verwende, die neueste Auflage, gibt es hier nirgendwo eine Richtigstellung oder wurde ein Paper zurückgezogen und sowas mit der KI überprüfen zu lassen, da sehe ich auch große Potenziale, um sich selbst Fehler vorwegzunehmen.

47:08

Thomas Ja. Da bietet die KI viele, viele, viele Möglichkeiten genau für solche Sachen. Aber die Frage ist, wie tief man die KI in den eigenen Vault sozusagen eingreifen lassen möchte. Das muss man im Anlassfall betrachten oder für sich selber entscheiden. Ich nutze es eigentlich sehr spärlich, muss ich dazu sagen. Ich habe auch mein Literaturverzeichnis für dieses Buch und für andere Publikationen, die ich mit Obsidian geschrieben habe. Manuell noch angelegt, so wie du es für deine gemacht hast, offensichtlich. Und für die Literaturverwaltung ist natürlich Obsidian selber auch schon relativ gut gewappnet. Es ersetzt natürlich jetzt im wissenschaftlichen Betrieb vielleicht keine Zotero oder ähnliche spezialisierte Anwendungen dafür. Aber selbst wenn man zum Beispiel jetzt Zotero verwendet, kann man das für die Literaturverwaltung mit Obsidian super verknüpfen. Da gibt es Plugins dafür, mit denen man dann Textmarkierungen, Literaturverzeichnisse und alles ins Markdown-Format exportieren kann und nach Obsidian überspielen kann. Um das dann dort weiter zu verarbeiten, in der eigenen Publikation oder in der Seminararbeit. Ich habe es allerdings klassisch gemacht und altmodisch. Ich habe mein Literaturverzeichnis, gut, das war für das Buch auch relativ überschaubar, muss ich sagen, händisch gepflegt einfach, einfach manuell gepflegt.

48:34

Ali Ich verwende dann unter anderem zum Schreiben bevorzugt Ulysses und für Zitate Citavi. Und genau das ist dann, also dass ich Markdown-Dateien problemlos in Ulysses einflicken kann, Also ja, natürlich mit kleinen Abstrichen. Es gibt Formatvorgaben, die Obsidian kennt, zum Dinge highlighten, die Ulysses nicht kennt. Aber im Wesentlichen habe ich ja die Freiheit, dann in andere Editoren umzuziehen und vor allem, wenn es dann Richtung publizieren geht und ich Dinge entsprechend setzen möchte oder rausrendern möchte als EPUB, als PDF und so weiter. Da ist die Offenheit, die Obsidian einem mit den eigenen Notizen lässt, wirklich ein absoluter Vorteil. Und ich glaube, wir haben das jetzt oft betont, aber man kann es nicht gut genug betonen, was es bedeutet, über die eigenen Daten Hoheit zu haben.

49:18

Thomas Ja, klar. Aber weil du die Exportmöglichkeiten ansprichst, die sind in Obsidian, erschreckend überschaubar. Also ich kann Notizen als PDF exportieren. Mehr geht nicht. Möchte ich mehr machen, kann ich zum Beispiel auf Pandoc zurückgreifen und auch dafür gibt es ein Plugin. Und dann kann ich natürlich Notizen in alle möglichen Formate exportieren, von PDF über HTML bis hin zu Doc-Formaten für Word etc. Aber das ist natürlich schon ein sehr spezialisierter Anwendungsfall. Das Markdown-Format selber ist natürlich, wie soll ich sagen, man kann das natürlich auch verwenden. Und soweit ich jetzt weiß, ich glaube, ich habe es auch einmal kurz getestet, kann die neueste Version oder die jüngsten Versionen von LibreOffice zum Beispiel können Markdown lesen. Und dann kann ich das dort in dem Writer, in LibreOffice, kann ich meine in Obsidian geschriebene Markdown-Datei eröffnen und dann dort als Word-Dokument oder Open-Text-Dokument speichern und weiter vorarbeiten. Das würde auch gehen.

50:28

Ali Also du hast recht, die Exportfunktion ist sehr schmal auf der anderen Seite. Dadurch, dass ich Markdown exportieren kann und sehr viel Software mit Markdown wirklich gut umgehen kann. Ich exportiere ja in einem Standard, der mir viele Möglichkeiten offen lässt. Und ich bin nach wie vor schockiert, wie viele Leute immer noch in proprietären Dokumentenstandards Dateien rumschicken. Aber das müssen die für sich ausmachen. Ich glaube, wir haben einen ganz guten Überblick über dein Buch gegeben. Und wie gesagt, das bietet vom Einstieg zum ersten Klick der Installation bis hin zum Zettelkasten einen wirklich großen Rundumschlag. Danke, Thomas, für deine Zeit. Es hat mich sehr gefreut. Und ich wünsche den Leuten viel Spaß beim Organisieren mit Obsidian.

51:06

Thomas Ja, das wünsche ich auch. Und noch einmal herzlichen Dank für die Einladung.