Planung ist alles (Christian Wenz)
Ep. 08

Planung ist alles (Christian Wenz)

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Episode description

Wie schreibt man über 150 Fachbücher und sieht sich trotzdem nicht als Vollzeitautor? Christian Wenz ist Softwarearchitekt, Consultant und Fachautor mit Schwerpunkt Webtechnologien und Web-Security. Zum Programmieren kam er über ein praktisches Problem – als Schüler half er seinem Vater, riesige RTF-Dokumente für ein Rechtslexikon zu sortieren – und ist bei PHP und ASP seit den späten 90ern dabei. Du erfährst, warum er das Schreiben vor allem als Lernmethode und planbares Handwerk versteht, wie er mit Co-Autor Tobias Hauser ein Buch aus einem Guss entstehen lässt und was PHP heute besser macht als vor 20 Jahren.

Themen der Folge

  • Von den ersten Programmierversuchen zur Informatik
  • Warum ihm das Wirtschaftsinformatik-Studium mehr Freude gebracht hat als erwartet
  • Wie aus Zufallskontakten auf der CeBIT das erste Buch wurde
  • »Occasional Author«: Schreiben als Lernmethode und der Lackmustest des Erklärens
  • Zusammenarbeit mit Tobias Hauser: Kapitel aufteilen und trotzdem ein Buch aus einem Guss
  • Was sich in PHP verbessert hat: Professionalisierung, OOP und ein gewachsenes Ökosystem
  • Warum das Cross-Site-Scripting-Vorurteil an PHP hängt und was didaktisch dagegen hilft
  • Sein Blick auf die Zukunft des Fachbuchs im KI-Zeitalter

Über den Gast

Christian Wenz ist Softwarearchitekt, Consultant und Fachautor mit Schwerpunkt Webtechnologien und Web-Security und führt Digitalisierungsprojekte im Unternehmensumfeld im In- und Ausland durch. 2005 gründete er eine Digitalagentur in München, ist seit 2004 Microsoft MVP im Bereich Developer Technologies und Hauptautor der Zend-PHP-Zertifizierung. Über 150 Bücher hat er veröffentlicht, viele davon als Mitautor; seine Titel wurden in rund ein Dutzend Sprachen übersetzt.

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0:00

Christian Wenz Ich habe einmal im Monat, wenn ich das erzählen darf, einen Albtraum. Ungefähr einmal im Monat. Ich schlafe immer sehr gut, aber ich habe diesen einen Albtraum, dass da dieses eine Buch ist, wo ich 15 von 20 Kapiteln oder so schon habe. Und ich muss doch noch ein Kapitel schreiben. Das habe ich total vergessen. Das hätte ich schon vor 'nem Jahr abgeben müssen. Aber es fehlt immer noch ein Kapitel. Furchtbar, furchtbar.

0:29

Christian Ullenboom Mein heutiger Gast ist Christian Wenz. Er hat Informatik an der TU München und Wirtschaftsinformatik an der Fernuniversität in Hagen studiert. Heute ist er Softwarearchitekt, Consultant und Fachautor mit Schwerpunkt Webtechnologien. Er hat über 150 Bücher veröffentlicht, einige davon als Mitautor und über 300 Konferenzvorträge gehalten. Seit 2004 ist Christian Microsoft Most Valuable Professional MVP im Bereich Developer Technologies. Microsoft zeichnet damit Fachleute aus, die ihr Wissen über längere Zeit in besonderem Maß mit der Entwickler-Community teilen. Zugleich war er Hauptautor der offiziellen Zend-PHP-Zertifizierungen. Damit steht er an einer spannenden Schnittstelle zwischen Microsoft und .NET einerseits und PHP und Open Source andererseits. In den letzten Jahren ist Web Security in seiner Arbeit immer stärker in den Vordergrund gerückt. Auf Konferenzen wie We Are Developers World Congress oder DWX Developer Week und Technorama spricht er über Web Application Security, von den OWASP Top 10 über sichere APIs bis zu Sicherheitsfeatures moderner Browser. Beim Rheinwerk Verlag erschienen unter anderem PHP 8 und MySQL, das umfassende Handbuch, gemeinsam mit Tobias Hauser. Christian ist dem Rheinwerk Verlag schon lange verbunden. Die Zusammenarbeit reicht zurück bis in die Galileo-Zeit des Verlags. Aus dieser Phase stammen Titel wie JavaScript, das umfassende Handbuch und Einstieg in ActionScript. Hallo Christian.

2:02

Christian Wenz Hallo Christian.

2:04

Christian Ullenboom Ja, Christian zum Quadrat heute. Du hast super viele Bücher geschrieben und ich glaube, das ist absolut beeindruckend. Und ich habe mir überlegt, wer denn in Deutschland sonst so viele Bücher geschrieben hat oder bekannt ist. Und dann ist mir eingefallen, irgendwie Karl May. Und irgendwie habe ich gedacht, du bist im Grunde der Karl May der Fachbücher. Das ist doch nett.

2:23

Christian Wenz Aber da muss ich natürlich gleich einhaken. Mein alter Kumpel Günther Born, der hat glaube ich noch 100 mehr oder so. Also da schaue ich.

2:32

Christian Ullenboom Aber das ist schon echt ziemlich massiv. Ich würde mal ganz gerne anfangen bei deiner akademischen Ausbildung. Du hast studiert. Ab welchem Zeitpunkt hast du gemerkt, Computer und IT und Technik ist was für dich?

2:47

Christian Wenz Das habe ich in den letzten Schuljahren schon gemerkt für mich, weil mir das halt Spaß gemacht hatte. Gut, wahrscheinlich mehr Computerspiele als dann irgendwas, was mal in professionelle Arbeit ausarten könnte. Aber da hatte ich mich eben damit schon beschäftigt, erste Programmiererfahrungen gemacht. Und dann hatte mein Vater, der war Jurist und der hat bei Beck-dtv Rechtslexikon gemacht. Und die hatten dann so irre riesige RTF-Dokumente. Und das konnte dann irgendwie von der Textverarbeitung damals nicht mehr wirklich verarbeitet werden. Und deswegen hat der irgendwas gebraucht, der dann da Sachen sortiert, aufteilt, nach was sucht. Und das habe ich dann halt so gemacht, weil ich hatte halt gesehen, das konnte ich anscheinend. Das war also meine erste Berührung mit einem Buch, sozusagen, genau. Und genau, hat mir dann Spaß gemacht. Und dann habe ich tatsächlich, ich wollte erst Mathematik studieren, aber habe dann auf Informatik gewechselt, weil ich dachte, ah ja, Computer, super, macht mir eh Spaß. Habe dann festgestellt, dass das Studium jetzt mit Programmierung extremst wenig zu tun hat. Nein, also ich sage mal, mein theoretischer Unterbau, ist es jetzt vielleicht nicht korrekt, war exzellent in der Hinsicht. Ich war jetzt nicht viel in der Uni, weil ich parallel schon gearbeitet habe. Aber ich erinnere mich noch an viele Sachen und hat mir auch Spaß gemacht. Hat es mir beruflich extrem viel jetzt gebracht, also für das, wo ich mich entschieden habe zu machen, Eher nein. Aber ich habe es durchgezogen. Man sagte irgendwann, es gibt ja so eine Regelstudiendauer, hieß das, glaube ich. Und ich hatte parallel eben schon gearbeitet. Das war dann auch mein Fokus eigentlich schon. Und dann hieß es, naja, ab Regelstudiendauer fällt man dann jedes Semester, wo man nicht zur Prüfung antritt, einfach einmal durch. Und das konnte ich mit meinem Ego irgendwie nicht verheiraten. Und dann bin ich halt gelernt und bin angetreten. Ja, okay.

4:56

Christian Ullenboom Aber letztendlich hast du ja nochmal ein Zweitstudium draufgesetzt. Warum? Also du hättest nicht sagen können, eins reicht?

5:03

Christian Wenz Ja, das stimmt. Es gibt ja auch Leute, da würden vielleicht sogar null reichen oder man macht was vielleicht noch praxisbezogeneres, irgendwie Fachhochschule oder Ausbildung. Aber es gab dann eben die Möglichkeit, wenn man einen Abschluss in bestimmten Fächern hat, dass man dann in einem, ich glaube, zweieinhalbjährigen Studium dann noch den Wirtschaftsteil draufsattelt. Also ich bin ja Diplom-Informatiker geworden und das wurde dann ein Diplom-Wirtschaftsinformatiker, so als Zusatzstudium. Und da ich ja auch schon früh Firma gegründet habe und deswegen auch mit betriebswirtschaftlichen Dingen zu tun hatte, ohne da irgendwie eine Ausbildung genossen zu haben, dachte ich mir, das wäre doch eigentlich ganz interessant. Und witzigerweise, das war eigentlich auch ganz interessant. Und deswegen habe ich da auch so ein bisschen noch was dazugelernt. Hat es mir jetzt direkt was gebracht, dass ich jetzt mich in Volkswirtschaft irgendwie auch in manchen Grundlagen teilweise ordentlich auskenne, kann man auch diskutieren. Aber also ich finde, ich lerne immer gern dazu. Und das war halt für mich einfach eine Möglichkeit, das zu machen mit auch so ein bisschen Druck dahinter oder mit einem Ziel. Lass mich so formulieren, mit einem Ziel, dass ich also das mache und das hat irgendeine Form von Purpose. Das heißt, ich habe ein Ziel, aber auch ein definiertes Ende und genau so habe ich das dann drauf gesattelt.

6:31

Christian Ullenboom Interessant. Das klingt so, dass das Wirtschaftsinformatikstudium für dich mehr abgeworfen hat, als das eigentliche Informatikstudium mit dem Impact, was du tatsächlich gebrauchen konntest. Also ich habe ja auch Informatik studiert und ich würde auch sagen, das ist ein Bruchteil von meiner Arbeit. Eigentlich ist es verschwindend gering. Also es ist schön, manche Sachen zu wissen, aber für den Alltag ist das eher uninteressant.

6:52

Christian Wenz Und ja, also es war mehr so, das habe ich aus Spaß an der Freude gemacht. Also da waren natürlich auch manche Sachen, wie soll ich sagen, also ich war dann teilweise auch echt ordentlich in so Buchhaltung.

7:06

Christian Ullenboom Warst? Ist das …

7:08

Christian Wenz Aber jetzt nicht unbedingt machen muss. Ja, erstens warst. Und zweitens, es gibt so Dinge, die erledigen Profis. Ja, und das ist bei mir zum Beispiel alles Steuerliche. Und also deswegen, das war mal interessant, da sozusagen reinzuschnuppern, mit jetzt auch vielleicht etwas weniger Druck und halt sozusagen die Neugierde. Aber ja, es hat mir was gebracht, außer jetzt irgendwie so ein bisschen Freude und halt noch einen Abschluss kann man natürlich im Nachgang immer diskutieren. Aber es hat dann auch spannende Leute kennengelernt, auch im ersten Studium, war ich dann auch irgendwie in angedockten Themen. Also zum Beispiel, ich hatte mir in Jura dann ein bisschen was angehört, was jetzt angedockt war an die Informatik. Und ich hatte ja überhaupt keine Vorgabe oder Erwartungen vom Elternhaus, auch ob ich studiere oder nicht. Das war jetzt überhaupt nicht relevant. Nur hatte mir mein Vater immer den Tipp gegeben, also vielleicht kein Jura zu nehmen. Und dann dachte ich, okay, der kennt sich aus, halte ich mich da dran. Aber ich fand das Thema sehr interessant. Und dann war da auch mal der Bundesbankchef, hatte dann mal in dem Kurs, in dem ich war, hat er dann auch mal einen Vortrag gehalten. Ja. Das waren schon spannende Zeiten und natürlich irgendwie, wenn man dann irgendwie jung ist und dann irgendwie in einer Großstadt, in einer attraktiven Großstadt, dann das Studiumsleben genießt, gibt Schlechteres. Also ich bin dankbar, dass ich das machen konnte und da ich ja parallel gearbeitet habe, war es auch, jetzt konnte ich es mir auch leisten.

8:39

Christian Ullenboom Das ist eigentlich ein schönes Stichwort. Was war deine erste Arbeit? Du hast gesagt, du hast es schon während deines Studiums gemacht. War das schon etwas im Bereich Softwareentwicklung?

8:49

Christian Wenz Ja, tatsächlich. Ich hatte schon so kleinere Projekte gemacht. Das hat sich irgendwie ergeben, Mundpropaganda ist vielleicht das Falsche, aber man kennt halt einen und der und so weiter. Und dann habe ich, da hatte die Mutter meiner damaligen Lebensgefährtin irgendwo eine Anzeige in der Zeitung gesehen. Völlig irre. Irgendwas mit Software meinte, ruf doch da mal an. Völliger Wahnsinn. Naja, und da bin ich dann letztendlich bei einer Agentur gelandet und deren, Hauptkunde war Compaq Deutschland. Die gab es ja damals noch, deswegen kann ich das jetzt entspannt erzählen. Und genau, und dann war ich halt bei denen als fester Freier und habe dann dort halt ...

9:39

Christian Ullenboom Fester Freier, die Bemerkung ... oder?

9:42

Christian Wenz Ja, ich war halt dauernd da, aber war nicht angestellt. Ich weiß ehrlich gesagt nicht warum, aber genau, also war dann da schon selbstständig tätig, und genau, habe dann eben unter anderem für die Compaq-Website viel gemacht und das war da ja im Web schon so ein bisschen, wilder Westen, muss man sagen. Das war also späte 1990er Jahre. Da haben wir auch viel experimentiert, habe dann für einen anderen Kunden dort auch erstmals PHP in die Hand genommen, zu PHP Version 3, bin da also auch Early Adopter. War auch Early Adopter von dem Microsoft Webstack damals, Active Server Pages. Die sind ja gleich alt. PHP und ASP sind ja ungefähr aus 1996. Und mit den jetzigen Iterationen der Technologien arbeite ich immer noch. Also das hatte mich natürlich schon geprägt. habe ich also was für mich gefunden, was auch dauerhaft Traktion hat am Markt. Genau, und dann habe ich eben dort dann Langzeit gearbeitet, dann parallel auch mit zwei Schulfreunden so eine kleine Art Web-Agentur gegründet und dann 2005 eine, Digitalagentur in München. Wir nehmen Mitte Juni auf und wir holen das 20-Jährige nächste Woche nach. Große Feierlichkeitsvorbereitungen laufen schon, genau, und das war sozusagen mein Start da, also wie so oft am Anfang ein bisschen mit Zufall und irgendwie Glück und dann, Dann war ich halt in der glücklichen Lage, dass das sowohl für mich persönlich als auch auf dem Markt was langfristiges ist. Und deswegen bin ich der Branche weiterhin erhalten geblieben.

11:29

Christian Ullenboom Das heißt, du hast ja noch die Anfänge des Webs eigentlich miterlebt. Wie war denn das dann damals gewesen? Was war denn so ein riesengroßer Unterschied, zwischen damals und heute? Also wo siehst du die eigentliche Evolution jetzt zum Beispiel am Beispiel von PHP? Also wo sagtest du, also das war damals eine Katastrophe gewesen und wenn ich das mit heute vergleiche, wow, das hat sich so und so weiterentwickelt?

11:50

Christian Wenz Da gibt es, glaube ich, mehrere Aspekte. Also zum einen natürlich das Ökosystem. Wir haben damals halt alles von Hand gemacht, jetzt überspitzt formuliert. Und ich nehme jetzt mal KI aus. Mittlerweile kann man ja irgendwie programmieren ohne programmieren innerhalb gewisser Grenzen. Aber es gab halt noch nicht so viele Frameworks. Man musste viel einfach selber machen, viele Probleme selber lösen, die auch Dutzende andere haben oder Tausende andere haben und dann halt auch individuell gelöst haben. Das war auf jeden Fall eine Herausforderung, eine größere Herausforderung, die jetzt mit dem Server-Stack gar nicht so viel zu tun hat, war die ganze Client-Seite des Frontends mit einfach verschiedenen Browsern. Man sprach da ja sehr martialisch vom ersten Browser-Krieg, was einfach darum ging, dass die verschiedenen Browser-Hersteller versucht haben, dass ihre Software möglichst inkompatibel ist. Zur Konkurrenzsoftware. Ja, und das war damals das Unterscheidungs- oder Alleinstellungskriterium. Mein Browser unterstützt was ganz was Tolles, in der Hoffnung, dass dann Web-Anwendungen sich darauf setzen und die Web-Anwendung dann natürlich nur in diesem Browser läuft. Das ist heute ein bisschen anders. Zwar gibt es heute auch, sage ich mal, fiese politische Spielchen, vor allem von einer der beteiligten, Browser-Entwicklungsfirmen, so möchte ich es mal nennen, aber die Browser können mehr oder weniger dasselbe ähnlich gut, das heißt, die unterscheiden sich dann eher durch Geschwindigkeit, vielleicht Sicherheit, Profilverwaltung, irgendwelche Usability-Aspekte, KI-Integration, solche Dinge. Das ist also ein angenehmeres Arbeiten, weil man einfach nicht mehr doppelt entwickeln muss in fast allen Fällen. Und früher war das tatsächlich so, wenn man die beiden Hauptbrowser unterstützte, dann war das so ein Aufwand von, ich würde mal sagen, 1,5. Und heute ist es halt von 1, wenig.

13:47

Christian Ullenboom Ich denke immer noch an solchen Lösungen wie jQuery, was man damals eingesetzt hat, um das zu abstrahieren.

13:54

Christian Wenz Ich liebe jQuery. Jeder, der was Böses über jQuery sagt, kann nicht mein Freund sein. Und das ist nicht, weil sogar ganz kleiner Code von mir in jQuery steckt. Also es ist immer toll, wenn es so ein Release-Announcement steht. Nein, wenn du dir das jQuery-Projekt anschaust auf GitHub, 73 Issues.

14:15

Christian Ullenboom Boah.

14:16

Christian Wenz 73. jQuery ist nahe an, wie bei Donald Knuth, nahe an der perfekten Software. Knuth hat es vielleicht eher erreicht, aber. Für seine Zeit war es natürlich eine unfassbare Erleichterung, gerade als die Browser noch so unterschiedlich waren. Mittlerweile ist die Signifikanz deutlich geringer, weil ja moderne Browser dann jetzt gerade, wenn es um DOM-Manipulation geht, die haben ja schon fast alles drin. Wobei jQuery auch für so manche super exotische Fälle, die werden halt dort abgefangen, weil die Bibliothek, die ist ja millionenfach im Einsatz. Ich erinnere mich, die haben irgendwann einen Bug geschlossen, weil auf irgendwelchen, japanischen Handhelds die Auflösung nicht 1024 mal 768 war, sondern 1023 mal 768, was dann in irgendeiner Konstellation zu einem Fehler geführt hat. Oder der Safari-JavaScript-Optimierer hat in bestimmten Konstellationen nicht deterministisch Listenelemente in der Reihenfolge geändert. So was fangen die ab. Völlig irre. Nein, aber es ist halt wenig Issues, weil die Software... Klar, Komplexität ist jetzt natürlich was anderes, als wenn man ein Riesen-Framework nimmt, aber das ist einfach gut gemacht, gut gemanagt. Wenn du jetzt andere Sachen anschaust, hast du dann halt eine vier- oder höherstellige Anzahl von Issues. Deswegen, also mein Herz schlägt riesig für jQuery. Wenn du mich natürlich fragst, wann ich das letzte Mal jQuery bewusst genutzt habe, muss ich doch ein bisschen zurückgehen.

15:57

Christian Ullenboom Also was mir bis heute super gefällt, ist die Möglichkeit, über einen Dollar-Ausdruck eine Selektion über mehrere Elemente zu fahren und dann direkt die Listener an alle diese Elemente dran zu hängen. In reinem JavaScript musst du immer eine Schleife schreiben. Also selbst dafür finde ich es schon praktisch, aber mir geht es auch so, ich habe alle jQuery-Bezüge gelöscht und habe das dann durch, Vanilla.js ersetzt, um auch hier die Bibliothek, selbst wenn sie klein ist, zu ersetzen. Wann fing das an mit dem Bücherschreiben? Also wir waren jetzt beim Studium, bei dem Job. Wie bist du dazu gekommen, Bücher zu schreiben? Hattest du vorher Blogbeiträge geschrieben? Oder wie bist du in das Schreiben selber reingekommen?

16:38

Christian Wenz Ja, das war auch wieder so eine unglückliche Kombination von Zufällen. Also muss man wirklich so sagen. Die Idee, mal irgendwann ein Buch zu schreiben, hatte ich, weil mein Vater ein paar geschrieben hatte. Und vielleicht eifert man ja immer seinen Eltern nach, aber das fand ich irgendwie ganz nett und dachte ich, ach ja, cool und dann ähm. Da hatte ich mal so Verlage irgendwie angeschrieben und mit, dem Tobias Hauser, den ich ja aus der Schule kannte, dem ich auch die kleinere Agentur und vor allem jetzt auch die Digitale Agentur gegründet habe und der auch Co-Autor von mir ist oder umgekehrt bei einer ganzen Menge von Büchern. Und mit denen waren wir dann auch zum Beispiel auf der CeBIT und haben uns da so umgeschaut. Also ganz irre und witzig, hatten nach der Schule irgendwie Zeit. Und ich hatte dann irgendwie mal Kontakt geknüpft und ich weiß leider nicht mehr wie, zu einem kleineren Verlag in München. Und der hatte für Beck-dtv das Internetlexikon gemacht. Also, das erschien bei Beck-dtv, aber dieser kleine Verlag hat sich dann irgendwie um die Abwicklung gekümmert, keine Ahnung, wie das organisatorisch lief. Und mit denen hatte ich Kontakt, Grund unbekannt. Und dann haben die sich bei mir gemeldet und haben gesagt, ja, also der Autor wird irgendwie nicht fertig oder da gibt es irgendwie Probleme im Projekt. Könnte ich das fertig machen?

18:10

Christian Ullenboom Ja.

18:11

Christian Wenz Und dann habe ich das halt irgendwie in wüster Hauruck-Aktion, wenn man jünger ist, ist man ja noch belastbar, habe ich das dann irgendwie fertiggestellt. Irgendwie der Umschlag war schon gedruckt. Also mein Name stand dann auch wirklich nur im Kolophon oder Schmutzblatt. Aber dann habe ich das halt irgendwie durchgezogen und dann hatte ich halt schon mal ein Buch und dann ergaben sich halt durch die Random-Kontakte. Von der CeBIT, ergaben sich dann eben dann für Tobias und mich, dann ab dem Folgejahr dann auch irgendwie Optionen. Dann haben wir zuerst so exotischere Themen irgendwie behandelt, aber sind dann, zumindest aus meiner Warte, zeitnah Richtung Web-Entwicklung gegangen. Ich hatte erzählt, ich war bei dieser Agentur, die für unter anderem Compaq gearbeitet hat. Dann hatte ich ja dann schon irgendwie so das Buch als quasi Statement und dann habe ich dort zwei Kollegen überredet, wir müssen doch mit diesem Microsoft-Stack arbeiten und da gibt es ja fast kein Material. Wollen wir da nicht ein Buch zu machen? Und daraus wurde dann, jetzt lerne ich Active Server Pages. Ein Buch, was dann auch in mehrere Sprachen übersetzt wurde und so. Wirklich, wirklich witzig. Und auch bei der CeBIT ergab sich dann der Kontakt zum damals noch nicht existierenden Rheinwerk Verlag. Die Geschichte ist ja bekannt. Addison-Wesley, die saßen ja in Bonn. Und die wurden ja von Pearson aufgekauft. Oder so rum lief, glaube ich, der Kauf. Und sind dann zusammengegangen mit Markt und Technik. Markt und Technik saß in München. Dann wurde Addison-Wesley nach München verlegt, weil die keine zwei Standorte wollten. Und also ich als waschechter Münchner, Ich verstehe natürlich niemanden, der eine Gelegenheit, nach München zu ziehen. Und dort für Generationen weiter zu leben, verstehe ich nicht. Aber ich verstehe natürlich sehr wohl, dass nicht alle nach München ziehen wollten. Und die Großteil der Verbleibenden hat dann eben einen neuen Verlag gegründet, Galileo Press. Und der wurde ja gegründet, ich glaube, Mitte 99, haut das ungefähr hin, also irgendwann so die Zeit. Und der war noch nicht gegründet, als ich auf einer CeBIT war, die ist ja gleich im März, aber da wurden schon irgendwie, sag ich mal, in Ecken und irgendwie in dunklen Zelten wurden dann da schon Gespräche geführt Und so habe ich dann das JavaScript-Handbuch für Galileo gemacht und war ISBN Nummer 1 sozusagen.

21:02

Christian Ullenboom So ging es weiter. Ich habe hier einen Begriff gefunden, dass du dich selber mal als Occasional Author bezeichnet hast. Kann das sein? Also ich sage mal, jemand, der irgendwie Dutzende von Büchern geschrieben hat, da passt der Begriff natürlich nicht so wirklich. Warum nur gelegentlich, beiläufig? Das ist ja schon eine Haupttätigkeit. Wie ist jetzt die Verteilung zwischen Bücherschreiben, zumindest in der Vergangenheit, und einer anderen Tätigkeit?

21:30

Christian Wenz Das ist ein guter Punkt. Ich glaube, das Occasional Author habe ich irgendwann mal angefangen. Ich glaube, es war auf meinem X-Konto. Das habe ich, glaube ich, gemacht, als irgendjemand mal gezählt hat und gesagt hat, hey, du hast jetzt die 100 voll. Das kann doch eigentlich gar nicht sein. Also ich habe festgestellt, also ich... Ich bin jetzt so ein semi-guter Autodidakt, würde ich sagen. Und was mir immer hilft beim Lernen, ist wirklich zu verschriftlichen. Verschriftlichen vielleicht gar nicht, aber ich muss was jemand anderem solide erklären können. Das ist für mich auch immer so der Lackmustest. Und da habe ich halt festgestellt, dass ich das nach arroganter Eigeneinschätzung, ziemlich gut kann. Zum einen. Und zum anderen, dass ich auch ziemlich schnell da drin bin. Das heißt, so ein Buch zu schreiben war jetzt für mich irgendwie nicht so, wie jetzt so bei richtiger Literatur oder bei manchen Leuten, so ein Lebensziel, wo man dann irgendwie ein Jahr lang Privatleben sein lässt, ja, und dann irgendwie, sondern nö, das ging irgendwie... Geht halt irgendwie vergleichsweise flott und halt vor allem mit einem absteckbaren Zeitrahmen. Also es ist etwas, was planbar ist. Und wenn etwas planbar ist, dann kann man es ja öfters machen. Und jetzt gerade in den Anfangszeiten und auch in den Web-Boom-Jahren, dann war das ja auch sehr, sehr einkömmlich. Also jetzt nicht so wie der schon von mir angesprochene Günther Born, der dann irgendwelche Windows-Titel hatte. Ja, also ich weiß nicht, so ein Haus pro Buch oder so, sage ich immer zu mir, er streitet das ab. Nein, aber also das waren natürlich ganz, ganz andere Zeiten. Aber das habe ich also eben regelmäßig gemacht, aber interessanterweise sah ich das nie als so meinen Hauptberuf an, weil ich ja dann doch was für die Praxis irgendwie machen wollte und dann halt Projekte. Und ich habe dann Anfang der Nullerjahre habe ich dann das Thema Web Security, also jetzt nennt man es ja Cyber Security, klingt irgendwie besser, dann auch für mich entdeckt und habe da auch viel gemacht und dann auch viel für Firmen. Und wie gesagt, Agentur war ja noch. Und das mit den Büchern, das war dann halt so irgendwie nebenbei. Aber es war dann ja teilweise wirklich so, ich hatte irgendwann mal dann alles zusammengefasst, dass alle zwei Monate dann irgendwie ein neues Buch rauskam, wo ich beteiligt war. Also das war dann irgendwie schon... Aber ich habe da irgendwie schon auch nebenbei gearbeitet. Nein, aber also, ich habe wirklich eine Zeit lang das exzessiv betrieben. Und vor dem Buch ist nach dem Buch.

24:08

Christian Ullenboom Eine Sucht, Schreibsucht.

24:11

Christian Wenz Ja, ja, irgendwie schon, irgendwie schon. Und also, wobei ich immer sagen muss, auch als dann mal Zeiten kamen, wo es weniger wurde, das Schreiben hat mir gar nicht gefehlt. Dieses, kennst du ja selber vielleicht, ja gut, vielleicht ist es dieselbe Sucht wie ich vielleicht nicht. Wenn so ein neues Buch kommst, du das auspackst, die sind mittlerweile ja ohne Plastik und dann so aufmachst und du dann so diesen ganzen Druckstaub einmal einatmest und den Leim der Verklebung der Seiten am Rücken. Das, das fehlt mir. Das Schreiben selber, das ist einfach so ein Prozess. Also mir macht das Planen Spaß. Wie baue ich es didaktisch auf? Aber das Schreiben per se.

24:55

Christian Ullenboom Das ist… Ja, kann ich unterschreiben. Also auch ich werde das natürlich schon immer wieder gefragt. Und also ich finde das Interessanteste, das didaktisch aufzubereiten. Und ich finde auch, dass Recht, Juristik und Informatik irgendwie ähnlich sind, weil für mich ist es so, du bewegst dich innerhalb eines gültigen Regelwerkes und du musst die Regeln so zusammenbringen, dass du einen Fall gewinnst. Und Softwareentwicklung ist für mich genau das gleiche. Du hast ein paar Grundbausteine und du musst gucken, wie den Algorithmus so legst, dass das ein Problem löst. Und das finde ich eigentlich auch das Schöne beim Bücherschreiben, dass man sich genau das überlegt, wie baut man Sachen auf, wie kann man Sachen erklären. Und ich sage auch immer, beim Schreiben stellt man sich die miesesten Fragen. Und das ist eigentlich der Beweis, dass man es verstanden hat. Wenn man es nicht erklären kann, hat man es nicht verstanden, ganz, ganz simpel. Aber was löst es denn für dich aus? Ich sage mal, so nach vielen, vielen Büchern kriegst du jetzt mal wieder deine 20 Präsenzexemplare. Ich glaube, bei dem ersten Buch ist das was anderes als jetzt bei dem 20., 30., 40. Buch. Also wie nimmst du das jetzt wahr? Was empfindest du, wenn jetzt mal wieder irgendwelche Präsenzexemplare kommen? Also was löst das aus immer noch?

26:02

Christian Wenz Also es löst vor allem aus, dass ich im Vertrag in der Regel darauf bestehe, dass es nicht 20 sind, sondern nur noch drei, weil ich inzwischen einfach keine oder nicht mehr genug Abnehmer habe im privaten Umfeld, denen ich das irgendwie mitbringen könnte. Nein, es ist natürlich trotzdem, das ist ja wie wenn man ein Projekt hat und dann hat man irgendwie Live-Gang oder Abnahme oder sowas. Ja, das ist schon... Ein Moment, wo man sagt, okay, ich habe jetzt was erreicht, weil, das ist ja auch so, wenn man an was arbeitet, egal ob lang oder kurzfristig, man braucht ja, glaube ich, für den Endorphinausstoß jetzt nicht nur dieses, ah, jetzt habe ich gerade ein Problem gelöst, sondern so, jetzt habe ich mal richtig Pflock rein, jetzt habe ich was geschafft. Aber, und das hat mich vielleicht auch die Masse an Büchern, also abstumpfen klingt jetzt ein bisschen negativ konnotiert, aber. Es ist jetzt nicht mehr so, dass ich sage, okay, ah, dieses eine Buch und mein Leben und alles, sondern es ist halt einfach eine Arbeit, die ich sehr gerne und ich denke auch gut mache. Aber ja, ich mache die halt und dann ist es fertig. Dann gibt es irgendwie kurz Freude oder mein Problem, mich selber zu belohnen. Keine Ahnung, ich gehe irgendwie schick essen oder trinke eine Spezi. Aber ja, dann geht halt die Arbeit weiter. Ich finde, man ist ja als Autor eh oder sollte als Autor eh Dienstleister sein an den Leserinnen und Lesern. Und das ist dann einfach eine Dienstleistungstätigkeit. Da geht es auch nicht um mich. Und deswegen freue ich mich, wenn das Buch draußen ist. Ich freue mich auf Rückmeldungen. Ich blättere es durch. Ich finde immer einen Fehler beim Durchblättern. Das ist unglaublich. Und dann mache ich es wieder zu, ärgere mich kurz und dann geht es weiter.

27:53

Christian Ullenboom Wie bist du jetzt zu den Vorträgen gekommen? Also das ist ja auch ein wichtiger Baustein. Also auf der einen Seite die Agentur, auf der anderen Seite schreiben, auf der anderen Seite reist du durch die Welt und gibt es spannende Vorträge. Wie ist es zu dem Vortragen gekommen?

28:05

Christian Wenz Du kennst die Antwort, denke ich, wieder eine unglückliche Verkettung von Zufällen. Ich war bei dieser Agentur und da war ich zwar, wie einige andere auch, freier Mitarbeiter, aber eben fester Freier. Das heißt, die Agentur hat irgendwann gesagt, so, wir schicken jetzt mal ein paar aus dem Entwicklungsteam auf so eine Fachkonferenz. Da haben wir auch die Freien mitgeschickt, was also wirklich ein feiner Zug war. Und dann war ich dort und dann sah ich halt die Vorträge. Und also das war teilweise sehr interessant, aber teilweise fand ich das jetzt irgendwie nicht so doll. Kritisieren ist immer einfach. Also läuft ja gerade ein großes Sportturnier. Ich glaube, da gibt es ja auch immer ganz viele Leute, die da ganz viel Ahnung haben im Kolportieren, ohne selbst im Sport zu frönen. Naja, und da bin ich dort und dann sitze ich am Abend irgendwie bei der Abendveranstaltung und unterhalte mich irgendwie nett mit dem Typen, der mir gegenüber sitzt und sage halt, ja, also das fand ich irgendwie schon so ein bisschen schwach, so den Forderungen, ganz offen, ja. Bin da ja immer ehrlich. Und ja, das war der Veranstalter von der Konferenz. Sagt, ja, du, dann sprich doch nächstes Mal selber. Das ist der Hannes Preishuber gewesen. Und nächste Woche jährt sich dann zum 25. Mal mein erster Vortrag. Das war bei ihm. Also das war sozusagen Zufall Nummer eins. Und dann hatte ich ja eben schon viel PHP gemacht und. Zwei Jahre später oder so, weiß nicht, weil irgendwo, habe ich gesehen, war eine PHP-Konferenz in San Francisco, dann New York. Die war zweimal, ich weiß nicht, welche zuerst war. Und dann war halt auch, ja, Veranstalter und wir suchen irgendwie Referenten. Dann dachte ich, ja, okay, anschreiben kannst du den ja mal, ja, obwohl, also ob dir dann extra jemanden über Teich fliegen lässt. Also war ich dann einmal an der Westküste und bei der nächsten Ausgabe an der Ostküste und habe dann dort irgendwie einen Vortrag gehalten. Und dann hat sich das auch so ein bisschen verselbstständigt. Und ich mache das immer noch sehr, sehr gerne. Also ich rede ja beruflich oft jetzt mit so Entwicklungsteams, und mache da irgendwie Workshops oder spreche über Sachen, aber einfach mal so, konzentriert eine Stunde oder eine Dreiviertelstunde einfach ein Thema für eine komplett diverse heterogene Zielgruppe einfach zu beackern, auch so sich auszutauschen. Weil man da auch, also das ist ja so dieses übliche Informatiker-Problem. Also mir geht es so, ich halte mich ja eigentlich für unfehlbar in dem, was ich mache. Also nein, das nicht, aber ihr wisst, was ich meine. So wie ich es mache, das ist wohl der beste Weg, weil deswegen mache ich es ja so. Deswegen rede ich immer so gern mit anderen. Weil nur so lernt man ja irgendwie Dinge außerhalb des eigenen Fahrwassers. Genau, und so hat sich das dann halt zufällig ergeben. Dann parallel auch noch, Bücher für einen englischen Verlag, Der englische Verlag hat ja bei dieser Konferenz in den USA ausgestellt, habe ich mich dann auch unauffällig vorgestellt. Dann war ich gleich Abendessen mit PHP-Erfinder Rasmus Lerdorf, haben immer noch spontan Kontakt und so. Also einfach Glück gehabt und im richtigen Moment am richtigen Ort gewesen.

31:28

Christian Ullenboom Hast du heute noch Lampenfieber, wenn du auftrittst? Oder ist das auch etwas, was du professionalisierst, genauso wie das Schreiben irgendwann etwas Alltägliches wird, dass auch das Sprechen bei Konferenzen, dass das Lampenfieber abnimmt? Oder hast du noch so einen Kick-Moment? Du gehst auf die Bühne, da sitzen 2000 Leute und wenn du jetzt stört das ist, ist es peinlich.

31:47

Christian Wenz Ich war auf dem Weg zur Lampenfieber Freiheit und dann habe ich mit dem Tobias Hauser zusammen einen Vortrag gehalten und da saßen irgendwie in der ersten Reihe irgendwelche Kumpels von uns. Dann haben wir irgendwie uns gefreut, die zu sehen, haben mit denen nett gequatscht bis ungefähr 10 Sekunden pro, Vortragsstart. Dann sind wir kurz auf die Bühne gehetzt, beide ein bisschen außer Atem und dann haben wir die ersten fünf Minuten einfach hardcore verbockt. Das ist einfach, das hat echt gedauert, bis wir das dann wieder eingefangen hatten alles. Weswegen ich jetzt immer mit Demut in so ein, also der Vortrag lief sonst okay und alles, aber trotzdem, also ich überlege mir immer, was schief gehen kann, weil ich finde, eine gute Vorbereitung ist einfach die halbe Miete. Die Leute sind ja nicht wegen mir da oder also manchmal ist das vielleicht so, aber die sind ja vor allem wegen dem Thema da, ja, und ich muss irgendwie die dann zufriedenstellen. Aber nein, ich überlege mir schon, natürlich, was kann schiefgehen, um einfach sozusagen vorbereitet zu sein. Ich habe auch manchmal blöderweise in den ein, zwei Stunden vorher auch noch irgendwelche Ideen, was ich auch noch irgendwie spontan anders machen könnte. Das ist, sage ich mal, okay. Aber deswegen, ich habe schon so eine gewisse Anspannung. Und ich könnte jetzt nicht eine Buchseite schreiben in der Stunde vorm Vortrag. Weil da bin ich jetzt nicht so im Tunnel oder so. So wichtig muss ich mich wirklich nicht nehmen. Aber... Ich bin dann schon im Fokus oder ich habe dann den Vortrag schon irgendwie im Fokus. Also deswegen spannt mich das schon an. Aber, also gut, ich messe jetzt meinen Puls nicht, aber es ist jetzt nicht so, dass ich dann irgendwie das in meinen Händen anfange zu zittern oder ich irgendwie, keine Ahnung, zum Essen könnte oder so. Also da habe ich dann schon die Routine, die mir hilft. Aber trotzdem. Vorträge sind immer so nicht vorhersehbar und gerade, wenn man eben gerne probiert, doch irgendwie was zu ändern vom Plan oder spontan auf irgendwas eingeht. Keine Ahnung, jemand ruft was rein oder es war gerade was aktuell oder so. Nein, aber sorry für die lange Antwort auf die kurze Frage, aber also ich glaube schon, ich habe Routine, aber, ich probiere schon zu antizipieren, was geht schief und stelle dann sicher, dass es nicht schief geht.

34:15

Christian Ullenboom Ja, ich würde ganz gerne mal den Fokus jetzt so ein bisschen mehr auf PHP legen. Was denkst du, hat sich in PHP in den letzten Jahren verändert, dass PHP heute besser macht? Du hast schon ein paar Sachen erwähnt, also ich denke so an Composer oder an Frameworks. Richtig. Was sind für dich so die größten Verbesserungen von PHP, ich will jetzt nicht böse sagen, dass man PHP endlich nutzen kann, anders als vor 20 Jahren, aber was sind denn so die Hauptinnovationen gewesen?

34:43

Christian Wenz Markige Worte von dem Mann mit dem Java-Buch, wo ja Web jahrelang aus Applets und JavaFX bestand.

34:51

Christian Ullenboom Ja, genau.

34:52

Christian Wenz Alles tot. Wir kennen uns lange, ja, also wir können solche Späße gerne machen. Ja, Ich denke, die Professionalisierung ist vielleicht so der Oberbegriff, unter dem alles steht. Ich meine, PHP begann ja wie so vieles einfach als Hobbyprojekt, wo der Gründer von PHP einfach eine Notwendigkeit hatte und diese Notwendigkeit dann für sich erfüllt hat. Das hat dann Traktion gefunden. PHP war immer extremst einsteigerfreundlich oder einstiegsfreundlich, was dann halt immer zu bestimmten Kompromissen und Abkürzungen führt, was dann für Probleme letztendlich gesorgt hat an manchen Stellen. Die Sicherheit, die Wartbarkeit. Und deswegen hat ja PHP lange Zeit jetzt so einen Semi-Leumund gehabt. Aber tatsächlich, es wurde besser. Die Sprache hat sich gewandelt, ohne ihre Wurzeln irgendwie zu verbergen. Also klar, alte Zöpfe werden immer mal abgeschnitten, ist ja in allen Technologien so. Aber also gerade jetzt als Objektorientierung wurde ja quasi zweimal versucht und der zweite Versuch, der hat dann noch ganz gut gesessen. Der erste war halt so wie so Objektorientierung in frühen JavaScript-Zeiten. Also da hat sich sehr viel getan, auch Sachen, die hinzugefügt wurden, Fibers auch damals als Generatoren kamen, teilweise auch früher als in anderen Hochsprachen. Also das ist schon solide gebaut, halt immer auf der Grundlage von dem, was schon da war. Und seien es jetzt einfach nur Sonderzeichen, was weiß ich, wie markiere ich eine Variable. Zum Beispiel so, die Syntax für Namespaces, die verwendet in PHP einen Backslash. Während da Java oder .NET einen Punkt verwenden. Punkt ist aber syntaktisch schwierig, weil Punkt unter anderem die String-Konkatenation macht. Das heißt, eine Entscheidung von 96 oder 95 sogar. Sorgt halt dafür, dass die Syntax manchmal ein bisschen merkwürdig ausschaut. Aber nein, wie gesagt, rein funktional super. Eine, wie ich finde, ziemlich gesunde Community. Das heißt, die Sprache per se ist wahnsinnig performant und wie gesagt, weiterhin einstiegsfreundlich, aber auch sehr, sehr mächtig. Und man kann mit extrem professionellen entwickeln. Und jetzt im KI-Zeitalter, ich meine, KIs werden ja angefüttert mit, viel angefüttert mit bestehendem Wissen und bestehendes Wissen gibt es natürlich bei PHP als in Anführungszeichen Marktführer eine ganze Menge. Ob das jetzt immer gutes Material ist, andere Diskussionen, ja, müssen wir nicht führen. Aber also deswegen, bist du mal im Mainstream, dann hast du, glaube ich, heutzutage weiterhin eine hervorragende Position mehr als jetzt beim Nischenprodukt. Außerdem haben sich hat sich das Ökosystem, ich hatte es ja auch schon kurz angesprochen, hat sich weiterentwickelt, auch so ein bisschen gewandelt. Früher bestand das Ökosystem ja jetzt überspitzt formuliert aus WordPress als Blog-System. Und mittlerweile ist das ja ein richtiges CMS. Gibt aber auch andere CMS, die dann aber auch wirklich in Konzerneinsatz sind, global eingesetzt. Gibt auch diverse andere Systeme, irgendwie Shopping, DMS.

38:10

Christian Ullenboom Ja, Drupal, denke ich jetzt gerade dran.

38:12

Christian Wenz Ja, also von diesen kleineren, auch jetzt im Corporate-Bereich gibt es da PHP ganz viel. Was es halt nicht so gibt, ist wie jetzt im .NET-Bereich, wo ich ja auch viel unterwegs bin, auch schon lang. Es steht halt nicht so die eine Firma drüber. Das ist vielleicht so ein kleiner Knackpunkt, gerade wenn es jetzt um Corporate geht, weil. Ab einer gewissen Firmengröße schaust du halt oft auch, ist da irgendwo so ein schöner Konzern, der uns dann irgendwie da unterstützt. Das war ja eine Zeit lang bei PHP Zend. Jetzt ja Zend by Perforce. Die wurden ja aufgekauft. Die sind da auch immer noch aktiv. Also ich bin ja der Hauptautor der Zertifizierung. Die hat jetzt ja auch letztes Jahr eine neue Auflage bekommen nach einer Pause. Also das gibt es auch weiterhin. Das ist auch aktiv, aber die Marktmacht ist da natürlich eine andere. Das heißt, man hat halt, gibt natürlich auch ein .NET, ein Ökosystem und Firmen, die was anbieten. Also ist jetzt etwas vereinfacht dargestellt von mir natürlich. Aber es sind halt sehr viele unterschiedliche Protagonisten mit dabei für so die wichtigen Punkte. Und das ist vielleicht so ein bisschen ein Unterschied, aber nichtsdestotrotz, es gibt viele PHP-Entwicklerinnen und Entwickler. PHP-Marktanteil ist sehr hoch, selbst wenn man WordPress rausrechnet oder WordPress bei dem... Die Betreiber einer Website keinen eigenen Code geschrieben haben. Ich würde sagen, so könnte man es ja vielleicht formulieren. Und deswegen ist auch PHP eine sehr, sehr solide Wahl.

39:54

Christian Ullenboom Ich vergleiche das gerade jetzt mal ein bisschen mit Java. Java hat schon mittlerweile nicht mehr so sehr, aber früher eher das Problem gehabt, auch wenn es kein Problem mehr war, Java ist langsam. In der Anfangszeit war Java grottenschlecht. Es war interpretiert, es ist einfach fürchterlich gewesen. Aber das war eher so 1.1 und 1.2. Mittlerweile sind wir bei Java 26, also es ist lange, lange her, 30 Jahre.

40:15

Christian Wenz 80 viel getan, ja.

40:16

Christian Ullenboom Genau, aber dieses Vorurteil hält sich halt immer noch hartnäckig, Java ist irgendwie langsam, obwohl es eigentlich überhaupt nicht auf die JVM, zu schließen ist. Also die ist richtig schnell. Im Moment arbeite ich an einem Buch über Java Vector API, das ist so SIMD-Programmierung, guck mal den Assembler-Code an, den der Java Compile zur Laufzeit generiert, der ist ziemlich fein. Also da braucht man nicht meckern, also das ist Welten entfernt vor 30 Jahren. Aber trotzdem hat man auch im Java-Umfeld immer noch dieses Vorurteil, ja, ja, was langsam. Ich könnte mir vorstellen, dass es bei PHP ganz ähnlich ist. Also was ist so eins dieser Vorurteile von PHP, wo du sagst, ey, das ist ja überhaupt nicht mehr so, laber doch nicht. Also was ist so ein typisches Vorurteil, was eigentlich Quatsch ist?

40:57

Christian Wenz Die Geschwindigkeit bei mir noch nicht. Es gibt ja diese verschiedenen, wie ich immer sage, hingetricksten Performance-Vergleiche. Ich glaube, der von Empower zum Beispiel. Der ist eigentlich als Idee ganz cool, aber wenn man da schaut, was dann die verschiedenen Technologien für Code einreichen und wie da optimiert wird, das ist schon nah an frech, aber nur meine persönliche Meinung. Also, PHP nur Skriptcode, also nur funktionsbasierte, nicht funktionale, funktionsbasierte Programmierung, das ist natürlich Schmarrn oder kann kein OOPs, Schmarrn, und PHP ist unsicher. Das Einzige, was tatsächlich auf die Sicherheit in Anführungszeichen einzahlt, ist folgendes. Bei der Sicherheit von Web-Applikationen ist das Einschleusen von JavaScript, zumindest zahlenmäßig, immer noch quasi die Top-Gefahr. Und wenn man jetzt irgendeine Technologie hat, wo man irgendeine Web-Anwendung erstellt, dann hat man ja oft irgendeine Form von Templating-Engine oder man hat so ein MVC-Muster, ja, oder Spring Boot oder ASP.NET Core. Dann hat man halt sein HTML, das man ausgibt und da hat man die Platzhalter, wo man dann die vom Server oder von der jeweiligen Technologie berechneten Werte ausgibt. Hast du eine Templating Engine, dann ist die meisten so eingestellt, dass das, was du ausgibst, HTML-codiert wird. Also wenn da JavaScript-Code drinsteht, erscheint der als Text, läuft nicht als Code. PHP hat keine extra Templating Engine. PHP ist die Templating Engine, weil PHP ja immer im HTML drin ist. Das heißt, wenn man gar keine Ahnung hat und einfach sagt: So, hallo Welt, wie lerne ich mit PHP, Daten aus dem Query-String, also aus der URL auszulesen? So heißt da die Zugriffsmöglichkeit, gebe ich einfach aus. Schon JavaScript-Einschleusung oder Cross-Site-Scripting. Und das ist auch damals, das hat mich immer tierisch genervt und ich habe dann auch, glaube ich, so einen halb akzeptablen Workaround gefunden. Wie machst du das didaktisch in einem Buch? Weil als ich mal geschaut hatte in Büchern, das war auch so eine Motivation, es einfach mal probieren, besser zu machen, gab es zwei Varianten. Variante eins ist, es wird genauso erklärt, so greifst du auf den Wert zu. Sicherheit wird nicht thematisiert. Das heißt, du lernst vom dritten Kapitel an, so baue ich eine Sicherheitslücke in meine Web-Anwendung ein und das kriegt man nicht mehr raus. Oder es wird so erklärt, das ist Kapitel drei, und in Kapitel 20 gibt es noch so fünf Seiten zur Sicherheit. Du kannst aber auch nicht sagen, okay, hier ist Kapitel 3, wir können gerade die Sprachsyntax und sonst gar nichts. Ich mache mal einen 20-seitigen Sicherheitsexkurs. Geht auch nicht. Das heißt, du musst da die Sicherheitsmechanismen sanft einführen, aber dass die von Anfang an vorhanden sind und dann halt irgendwann später vielleicht nochmal größer ausholen. Und daher kommt, glaube ich, auch dieser Sicherheitsleumund von PHP, weil natürlich dann viele PHP-Anwendungen... Nicht sicher erstellt wurden. Und dann gibt es natürlich auch noch das Problem mit den absoluten Zahlen im Vergleich zu relativen Zahlen. Wenn du einfach nur misst, wie viele Sicherheitslücken pro Technologie gibt es, dann ist natürlich die Technologie, die teilweise 80% Marktanteil hat, wahrscheinlich relativ gut vorne dabei.

44:25

Christian Ullenboom Siehe Windows, wobei man jetzt unterstellen kann, dass es vielleicht wirklich ein inneres Problem mit Windows gibt. Das ist das Gleiche. Linux ist einfach so, weiß ich nicht, drei Prozent. Da ist es halt nicht so spannend, irgendwie Exploit zu programmieren. Ja, wenn du heute PHP nimmst und neue Entwickler müssen sich entscheiden für PHP oder gegen PHP, was denkst du spricht weiterhin für PHP oder eine Web-Anwendung exklusiv mit PHP zu schreiben?

44:56

Christian Wenz Ich würde das, also da stecken ja zwei Dinge drin, das mit dem ich fange an mit einer Technologie und ich will eine Web-Anwendung machen. Anfangen mit einer Technologie, das klingt jetzt ein bisschen herzlos, aber letzten Endes ist es ja nur Syntax. Und ich würde letzten Endes behaupten, wenn du eine Technologie wählst, die irgendwie modern ist und wo eine Community vorhanden ist, ob du jetzt die oder die, also wenn du jetzt PHP oder ASP.NET Core nimmst oder ob du ASP.NET Core und Java Spring nimmst, machen wir vielleicht mal das, so diese beiden etwas mehr Corporate angehauchten. Ich habe abhängig vom Projekt vielleicht Präferenzen, aber letzten Endes ist es egal. Wenn du gut entwickeln kannst, dann kriegst du das mit beiden solide hin und, kannst auch eine Lösung schaffen, die jetzt kein temporär Proof of Concept ist, sondern die auch hält. Also deswegen, ich würde es so ein bisschen von der Anwendung abmachen, weil man ja heutzutage, gerade weil es eben so viele Frameworks gibt und viele Dinge schon gelöst ist, Software sehr konfigurierbar ist, Was soll die Web-Anwendung machen, wenn du jetzt sagst, ich würde mir gerne einen Shop programmieren? Dann würde ich sagen, ja.

46:11

Christian Ullenboom Erstmal nicht programmieren, dann guckst du erstmal.

46:13

Christian Wenz Was es an der fertigen Lösung noch mal gibt. Aber dann natürlich reicht so ein Standard-Shop oder soll da viel erweitert werden? Dann könnte man natürlich schauen, wie ist das Erweiterungsmodell des jeweiligen Shops, Lizenz etc. Also ich würde da eher systembasiert ausgehen, was ich für meine Web-Applikation verwende. Wenn es jetzt einfach nur darum geht, ich möchte Web-Entwicklung machen, Punkt. Wie sieht es aus mit dann Chancen auf dem Arbeitsmarkt? Dann würde ich entweder was nehmen, was gerade im absoluten Hype ist, oder ich würde was nehmen, was absoluter Mainstream ist.

46:50

Christian Ullenboom Genau, da wären wir wieder bei Java abgehangen und deswegen nimmt man es. Ob es gut ist oder nicht gut ist, ist eine andere Frage, aber hey, kann jeder und wie IBM, damit kann man sich nicht ins Knie schießen.

47:00

Christian Wenz Im TIOBE-Index, ja, PHP, .NET, sorry, C-Sharp und Java belegen ja da immer noch, Plätze weit vorne. Klar, und dann natürlich Python ist jetzt ja auch gerade, im KI-Umfeld natürlich wieder stark angestiegen, relativ überraschend, weil Python ist ja auch relativ alt, aber es dümpelt ja relativ lang, ja, aber jetzt geht's bergauf, aber ist jetzt nicht so eine Primär-Web-Technologie, auch wenn man es natürlich kann, und natürlich JavaScript-Type-Script, aber es schließt jetzt das Beginnen mit dem einen aus, dass man erfolgreich ist, oder dass man immer dabei bleibt technologisch und nie wechseln muss. Ich glaube nicht.

47:46

Christian Ullenboom Wenn ich mir das klassisch angucke, steht PHP für mich immer noch für serverseitig generiertes HTML. Wenn ich mir modernere Anwendungen anschaue, dann haben wir eigentlich nur noch so einen REST-Endpunkt oder so einen GraphQL-Endpunkt und so eine Web-Anwendung, die jetzt weiß ich nicht in React oder Angular oder wie auch immer programmiert ist, das greift die Daten ab und das war's, wo bewegt sich PHP da, also macht man mit PHP immer noch so klassische Anwendungen, also serverseitig generiertes HTML, oder siehst du auch da eine Tendenz, auch in PHP auf der Serverseite reine Daten anzubinden? Aber dann braucht man eigentlich PHP gar nicht mehr, also als Darstellungs...

48:30

Christian Wenz Ja, das ist tatsächlich, das ist eine häufig geführte Diskussion, weil diese Single-Page-Applications, wie die ja immer etwas verniedlicht genannt werden, also JavaScript-basierte Anwendungen, wo die ganze Logik im Client läuft, die sind ja Fluch und Segen zugleich. Ja, der Segen ist, dass die, Anwendungen dann halt sehr schnell reagieren können, weil ja alles clientseitig stattfindet und man ist schon sehr nah an so einer klassischen Desktop-Anwendung, ja, mit irgendwie sofortiger Veränderung. Das hat man früher mit jQuery gemacht, aber jetzt mit diesem ganzen Single-Patch-Application-Framework, den du genannt hast, geht das natürlich auf einem ganz, ganz anderen Level, ja. Und da ist es tatsächlich so, Kommunikation mit dem Server funktioniert über eine API und da ist es wurscht, was genommen wird. Erklärt auch zum Beispiel den Anstieg von JavaScript oder TypeScript für serverseitige Bestandteile, weil wenn man die Client-Aspekte eh schon mit JavaScript oder TypeScript macht, dann hat man ja keinen Sprachbruch auf dem Server. Ja, also das könnte man versuchen. Microsoft probiert ja sowas andersrum mit Blazor. Das heißt, man schreibt C-Sharp-Code und die Oberfläche wird dann da irgendwie generiert. Aber es ist eigentlich alles C-Sharp. Technisch irgendwie brillant, aber hat jetzt natürlich nicht die Traktion wie die Kombination JavaScript und JavaScript. Was man dann auf dem Server nimmt, ist meiner Meinung nach dann primier eine Entscheidung hinsichtlich, was denn da sonst noch so läuft. Also wenn ich jetzt... Ganz viele .NET-Dienste irgendwie hätte bei mir, vielleicht für meinen Legacy-Desktop-Anwendungen oder irgendwie mit dem Mainframe wird da kommuniziert. Ja, dann nehme ich natürlich das, weil eine JSON-Serialisierung, also ich sage mal so: PHP hatte von allen Webtechnologien die, glaube ich, als erste, ja, von den serverseitigen. Das ist keine große Kunst. Die Frage ist eben das, was dahinter ist. Sind da andere Systeme? Ist es eine Datenbank? Ist es irgendein anderer Layer, mit dem kommuniziert wird, dann ist die Entscheidung für die Server-Technologie eigentlich wirklich eine Entscheidung für, was kann das Team oder was ist schon da. Weil wie gesagt, Daten holen plus in JSON umwandeln.

50:52

Christian Ullenboom Ja, kann jeder. Das gibt es auch in ABAP oder in anderen Sprachen. Ich finde das interessant, weil letztendlich bedeutet das ja auch, dass das Buch, was du geschrieben hast oder was ihr geschrieben habt, sich ja eigentlich auch vielleicht mitändern muss. Also wenn ja sozusagen das Einsatzfeld von PHP sich ändert, dass dann vielleicht auch das Buch so eine andere Richtung bekommen müsste. Ist das so? Also wie viel müsstet ihr eigentlich beim Buch umschreiben oder, ich weiß nicht, ob einem noch die Lust irgendwann vergeht, wenn man sagt, um Gott, um Gott, heute hat sich das total verschoben, eigentlich müssen wir das komplett ändern. Also wie geht ihr jetzt mit einer Neuauflage damit um?

51:31

Christian Wenz Also Änderungsresistenz sind wir da, glaube ich, auf gar keinen Fall. Liegt natürlich auch daran, dass man, also wäre es ein Buch mit Schreibmaschine gewesen oder so, dann wäre das natürlich schmerzhaft. Aber also irgendwie umstellen, Kapitel austauschen, Referenzen, das ist ja zum großen Teil automatisierbar. Und also das ist prinzipiell kein Problem. Wir führen diese Diskussion auch regelmäßig, nämlich immer direkt nachdem eine neue Auflage erschienen ist. Weil man dann ja, da hat man ja ein Konzept, dann hat man es gemacht. Man kann während dem Doing auch nicht unendlich abweichen vom Plan, weil man ja eine Timebox hat, also irgendeine Deadline, an die man sich hält. Das heißt, wir sprechen das dann immer ganz gern danach. So, okay, haben wir die Sachen, die es jetzt nicht geschafft haben oder die auf der Wunschliste waren und da nicht genug Priorität haben. Und dann, wenn es an die Planung geht für die neue Auflage, was so ein Jahr vorm Erscheinen meistens ist. Bei PHP ist es so, das ist ja jetzt in anderen Technologien auch häufig so, dass eine neue Major-Version einfach jedes Jahr quasi nach Kalender erscheint und wir aktualisieren halt, wenn sich genug getan hat. Weil bei so einem umfangreichen Buch ist das ja auch für einen Verlag, man muss ja immer sehr viel drucken und irgendwie abverkaufen. Der freut sich natürlich auch, wenn man dann mal ein Jahr lang auslasst. Genau, aber zurück zu der Frage. Wir haben uns ja damals auch bewusst entschieden und beibehalten. Ein allumfassendes PHP-Handbuch zu machen, weil wir vor allem auch in unserer Agentur gemerkt haben, diese Grundlagen, das Verständnis für die Sprache ist total unterschätzt. Ja, weil wir arbeiten ja heutzutage so viel mit Frameworks und Bibliotheken und allem, dass wir es halt oft erleben, dass manche Leute Framework super beherrschen. Also vor allem im Bewerbungsprozess ist es immer was, worauf wir genau schauen. Aber wenn es dann um irgendwelche Details oder Grundlagen geht oder wenn mal was abseits der Norm gemacht werden muss, dann wird es zu einer Herausforderung. Und ich glaube, der Vorteil von dem Buch ist ja immer die didaktische Aufbereitung. Weil wenn man spezifische Informationen möchte, die findet man jetzt ab einem gewissen Skill-Level, findet man Informationen, die auf einen so zugeschnitten sind, dass man dann da die Informationen rausziehen kann. Vor über 20 Jahren haben wir mal Leserzuschrift gekriegt. Ich habe mir ihr 800-Seiten-Buch gekauft und ich wollte eigentlich nur wissen, und da kam so ein ganz, ganz, exotischer Anwendungsfall. Ah, jetzt bin ich enttäuscht. Das ist ja gerade so bei fortgeschrittenen Büchern immer auch eine gewisse Hürde. Also wie gut kennst du das Publikum, wie gut kannst du es einschätzen und die Erwartungshaltung. Und deswegen finde ich so ein Handbuch eigentlich spannend, weil du halt alles abdeckst. Uns sind eben die Grundlagen so wichtig, dass man sagt, ah ja, ein PDF muss ich generieren. Was für Ansätze gibt es denn da? Haben wir ein Kapitel zu? Sicherheit, was ja oft übersprungen wird, haben wir ein Kapitel zu? Neue Features haben wir auch natürlich was zu, aber eben die Grundlagen, weil dieses Verständnis so essentiell wichtig ist. Und wir haben über die Auflagen, haben wir natürlich immer Sachen hinzugenommen, die irgendwie relevant waren. Eine Zeit lang war ja großer – Hype klingt immer so negativ – großer Fokus auf so Entwurfsmuster. Also einfach mit der Idee, dass du eine Art Blaupause hast für Teile der Architektur deiner Anwendung. Jetzt ist ja Architektur an sich als Thema eins. Wo es ja nicht nur eine Meinung gibt bei manchen Stellen. Das heißt, das ist dann immer ganz schwierig. Man ist entweder super, wie sagt man, neudeutsch opinionated. Oder man gibt halt allgemeine Hinweise und belässt es dabei. Und da haben wir immer so zu Letzterem tendiert. Aber haben zum Beispiel auch zu Entwurfsmustern was beigetragen. Wurde total oft gewünscht. Dann so im Nachgang bei der Auswertung haben wir dann irgendwie herausgefunden, also das Kapitel, was mit am wenigsten gelesen wird, ist das. Und das ist halt dieses Spannungsfeld. Und deswegen haben wir halt jetzt erweitert. Also die ganze KI-Thematik wird in der nächsten Auflage sicher auch thematisiert, aber halt auch nur als ein autarker Bestandteil. Wir versuchen immer, dass alles auch autark benutzbar ist. Also ich interessiert was zum Thema JSON-Generierung, weil ich eine API schreiben will, dann gibt es dazu ein Kapitel, aber es ist nicht so, dass in einem Kapitel ein Beispiel ist, wo das halt mal als kleines Detail eingefügt wurde, sondern nein, nein, das wird da einfach holistisch behandelt, und dann habe ich die Information und das Wissen und kann das dann anwenden und gerade in den Grundlagenteilen, da wird dann halt nicht nur die Syntax, sondern auch so Zusammenhang und wie baut man eine Software gemacht. Und dann kann ich da diese Transferleistung erbringen. Aber das heißt, es kommen immer wieder Dinge dazu, groß jetzt Aufbau und Reihenfolge ändern. Also wir hinterfragen das jedes Mal. Aber wir kommen eigentlich jedes Mal für uns, bis jetzt, zum Schluss nee, das ist genau richtig, so wie wir es machen. Ich würde auch so lernen wollen. Und es gibt ja auch andere Ansätze. Neulich hatte ich ein Buch von einem guten Bekannten in der Hand und der hat das Buch quasi, das bestand aus Implementierungen. Also der hat dann mehrere Projekte implementiert und hat dann da am Rand immer irgendwas erklärt. Ich fand das auch nett aufbereitet. Auch die Beispiele waren wirklich didaktisch ganz gut, weil man muss ja dafür sorgen, dass es ein halbwegs realistisches Beispiel ist, aber dass alle Dinge, die da drin sind, auch eine Relevanz haben. Und das klingt nach A. Und jetzt machen wir noch einen Markdown-Export, den wir zwar nicht brauchen, aber dann kann ich diese Markdown-Bibliothek vorstellen. Und das war irgendwie gut gemacht. Das war auch sehr schön zum Lesen. Es war aber nichts zum Nachschlagen. Und ich mache gern was zum Nachschlagen.

57:41

Christian Ullenboom Ja, ja, ja. Wie läuft die Zusammenarbeit mit dir und deinem Co-Autor? Also zu zweit ein Buch zu schreiben, stelle ich mir eher schwierig vor, weil ich müsste eigentlich immer überlegen, okay, ist es mein Part, ist es sein Part? Gerade auch, wenn man Begriffe zum ersten Mal nennt, aber vielleicht sie später erst mal genauer erklärt. Wie funktioniert sowas in der Praxis?

58:02

Christian Wenz Das ist also tatsächlich, das hat bei uns immer sehr gut funktioniert, aber vielleicht auch durch die Masse und die Routine. Wir machen im Vorfeld einfach einen genauen Plan. Wie schaut das Buch aus? Welche Kapitel? Und dann wer macht welches Kapitel? Ungefähr der Länge. Wenn wir Dinge haben, wo sich nicht aus der Kapitelreihenfolge schon ergibt, das muss man wissen. Dieser Begriff muss eingeführt werden. Dann wird das besprochen. Ansonsten, weil wir auch immer mit Deadlines sehr gut waren, haben wir uns intern auch immer vorab eine Deadline gesetzt, wo wir dann solche Sachen auch abgeglichen haben. Und dann muss ja auch immer noch der Index erstellt werden. Also manche lieben, manche hassen das. Also, wir sehen uns ja während der Aufnahme. Ich habe so eine Ahnung. In welchem Camp der Christian ist. Und wenn man dann da durchgeht, das finde ich einen total wichtigen Punkt, diesen Index zu machen. Weil da sieht man dann nämlich, ob noch irgendwas glattgezogen werden muss. Nee, aber tatsächlich ansonsten, die Kapitel schreibt, sind einfach verteilt. Also wir haben sehr, sehr wenig Artikel, die sozusagen eine Co-Produktion sind. Die Artikel sind verteilt und jeder ist komplett autark. Also klar, vorher macht man sich halt so einen Styleguide und wie heißen die Dateien und allgemein Richtung und gibt's bei den Beispielen irgend so ein Thema, was sich dann irgendwie durchs ganze Buch zieht, ja, also irgendeine Domäne. Aber die sind einfach autark. Aber trotzdem, und das haben wir halt relativ früh rausgefunden, weil diese Fragen wurden ja auch dann von Lektoren irgendwie erstellt und dann auch geprüft im Manuskript, dass wir zwar unterschiedliche Stile haben, aber die irgendwie trotzdem nah genug beieinander sind, dass sich das gut ergänzt und dass das Buch dann trotzdem außen im Fluss ist, plus da jedes Kapitel ja autark ist, also haben wir bei den meisten Büchern so gemacht, jedes Artikel, jedes Kapitel autark ist. Kann man es auch individuell lesen und dann wäre jetzt eine stilistische Änderung zum nächsten Kapitel vielleicht gar nicht so schlimm. Und wenn ich das noch ergänzend sagen darf, das Buch besteht ja oft aus mehreren Teilen und wir haben es häufig so, dass dann alle Kapitel oder fast alle Kapitel in einem Teil auch beim selben Autor sind, weil jeder hat auch so bestimmte technische, Präferenzen oder Stärken oder thematische Schwerpunktgebiete. Deswegen ist es dann trotzdem, finden wir, aus einem Guss.

1:00:29

Christian Ullenboom Kann es sein, dass Tobias ein bisschen lockerer schreibt als du?

1:00:33

Christian Wenz Das weiß ich nicht, weil wir wahrscheinlich irgendwann beide aufgehört haben, die Kapitel der anderen ausführlich zu lesen. Ist das dein Eindruck?

1:00:44

Christian Ullenboom Ich fand einige putzige Formulierungen, ich sammle witzige Wörter. Und eins der Wörter habe ich jetzt vergessen, welches, musste ich unbedingt auf mein Buch übernehmen, weil ich das so toll fand. Ich glaube, Fiesling oder so könnte es vielleicht gewesen sein.

1:00:58

Christian Wenz Das ist von mir, das klingt eher nach mir.

1:01:00

Christian Ullenboom Großartig. Bei irgendeiner, Formulareingabe muss man darauf achten. Und ich fand das Wort so toll, dass ich gedacht habe, das muss ich unbedingt in meinem C-Buch übernehmen. Also, du bist Teil von dem Buch.

1:01:15

Christian Wenz Vielen Dank, vielen Dank. Ich bin über dieses Wort tatsächlich bei einer Überarbeitung gestolpert, weil man merkt ja bei der Überarbeitung von Text auch, ich meine, das Buch wird immer komplett überarbeitet, aber es gibt halt Dinge, die stimmen, da ändert sich technisch nichts, da, ist man ja irgendwie versucht, es quasi zu belassen, wie es ist. Und manche Formulierungen von vor zehn Jahren würde ich vielleicht heute irgendwie anders machen. Und da bin ich auch über das Fiesling gestolpert. Da dachte ich, das ist eigentlich ein schönes altes Wort. Ich habe da auch so ein Faible für, nein, das bleibt drin. Hoffentlich korrigiert es das Sprachkorrektorat nicht raus. Und tatsächlich, es wurde beibehalten. Ja, aber das ist tatsächlich.

1:01:52

Christian Ullenboom Ja, sehr cool. Also das bedeutet ja auch, wenn ihr das Buch plant oder Bücher plant, dass ihr großen Fokus auf die Strukturierung und das Inhaltsverzeichnis legt, bevor ihr eigentlich anfängt zu schreiben. Also das steht am Anfang. Und erst dann, wenn im Grunde das alles ausgelegt ist, dann verteilt ihr die Themen und dann geht es ans Schreiben.

1:02:11

Christian Wenz Richtig. Ich finde es wichtig, dass man immer, wenn man eine Arbeit hat, ein Ende hat, dass man auch sieht, also die Ziellinie sieht. Und wenn du ein Buchkapitel vorher dir mit den einzelnen Hauptüberschriften zum Beispiel schon ausgedacht hast, dann kannst du ja immer sagen, So... Wie viel Uhr ist es gerade, ich schreibe noch dieses Unterkapitel zu Ende. Du hast also immer ein Ziel, auf das du hinarbeiten kannst. Und wenn du einfach so überspitzt gesagt, dein gesamtes Buch wäre ein langes Wörtdokument und du fängst einfach mal an wie so ein Roman oder so. Ich hatte neulich erst ein Interview mit einem Fiction-Roman-Autor gelesen, und der schreibt da so 400-Seiten-Bücher und der sagt, ja, er hat ein Exposé, das ist 80 Seiten lang. Dann hat er seinen Rahmen und dann füllt er. Ähnlich machen wir es auch.

1:03:00

Christian Ullenboom Wie ist denn deiner oder vielleicht auch sein Herangehen beim Schreiben? Also das ist etwas, was ich bisher allen Autoren gefragt habe. Schreibst du jeden Tag ein bisschen? Oder bist du jemand, der sich einschließt, zurückzieht und dann große Teile en bloc schreibt? Also immer so tröpfchenweise oder einmal Gewitter?

1:03:21

Christian Wenz Also es hängt vielleicht ein bisschen davon ab, vom jeweiligen Zeitpunkt, als ich oder auch wir das noch, also ich will nicht sagen permanent, aber eben zahlreiche Bücher gemacht habe, Schrägstrich haben, da war das der normale Job. Also da hat man halt irgendwie gesagt, so, ich setze mich hin und schreibe jetzt halt und war da noch so ein paar andere Sachen zu tun. Und ich habe für mich festgestellt, wenn ich am Vormittag nicht irgendwie ordentlich in die Pötte komme, dann komme ich es irgendwie nachmittags auch nicht. Weil man muss schon, das ist schon eine andere Art von sich konzentrieren, finde ich. Also muss da wirklich in den Fokus kommen. Schlimmer als beim Programmieren. Und deswegen war dann tatsächlich der Zeitplan halt gesetzt. Man weiß ja ungefähr, wie lange man braucht, weil man seinen Output, also Buchseite pro Zeiteinheit, den kann man irgendwann ja ganz gut einschätzen und dann ist das einfach eine geblockte Zeit gewesen. Jetzt, wo wir ja vor allem, oder ich vor allem, Bücher primär überarbeite, dann ist das ja etwas, was dann wirklich ein bestimmter Zeitblock ist, in dem das dann überhaupt zeitlich stattfinden kann. Was weiß ich, eine neue Version der Technologie kommt raus, Datum weiß man vorher, daraus ergibt sich schon ein Abgabezeitpunkt und dann ist es da tatsächlich geblockte Zeit. Also da ist nicht so, ich mache den halben Tag dessen, einen halben Tag was anderes, sondern damit eigentlich dann rausgeblockt. Genau. Aber das Wichtigste beim Buchschreiben für mich ist ja immer neben einem guten Plan wirklich das Zeitmanagement. Und ich bin eben in der glücklichen Lage immer gewesen, dass ich den Zeitaufwand einschätzen konnte. Und dann muss man sich das halt einfach die Zeit nehmen. Ich meine, jeder kennt das irgendwie aus Schule oder Ausbildung oder irgendwie Studium, so der Klassiker Hausarbeit oder Diplomarbeit oder was ist jetzt, Bachelorarbeit, Masterarbeit, Referatsvorbereitung, so die Nacht vor der Abgabe ist irgendwie immer, die endet nicht. Aber wenn du das halt dauerhaft machst, ist das ja nicht tragfähig und deswegen, also.

1:05:31

Christian Ullenboom Irgendwann kennt man sich. Das ist der Vorteil vom Altsein, dass man sich kennt und weiß, was man mag und was man nicht mag.

1:05:36

Christian Wenz Klingt jetzt weniger schön als meine Formulierung.

1:05:38

Christian Ullenboom Aber ja. Wie siehst du die Zukunft des Buches? Also du hast vorhin was Schönes gesagt, was ich unterstreichen würde, dass ein Buch wertvoll ist, weil es eine didaktische Reihenfolge vorgibt. Also das heißt, ein Buch ist wichtig, aber trotzdem, wie siehst du die Zukunft des Buches jetzt mit KI und dass wir KI punktuelle Fragen stellen können, aber auch vielleicht didaktisch etwas aufbauen können? Wird es das Buch, das Fachbuch in 30 Jahren noch geben? Wo denkst du, entwickelt sich das hin?

1:06:08

Christian Wenz Ich gehe davon aus, ich könnte mir aber vorstellen, nein, ich bin mir eigentlich ziemlich sicher, dass nicht mehr jede Art von Fachbuch publiziert wird. Aber es ist ja auch immer so. Zu den Hochzeiten, da gab es ja extremst exotische Buchtitel, aber die wurden einfach gemacht und irgendjemand hat sie wohl auch gekauft. Aber also ich glaube, wie gesagt, didaktische Aufbereitung von Grundlagenthemen ist, glaube ich, etwas wo man so dieses, ich habe so dieses Nachschlagewerk, ich habe was in der Hand und da hat sich einer wirklich Gedanken gemacht und, hat dann da was für mich durchkomponiert, ich glaube, das könnte zumindest Zeitpunkt jetzt die KI schlagen. In 30 Jahren, wie gesagt also ganz schwer, da eine Prognose zu tätigen, ja Da hängt ja auch was mit Token pro Watt oder so zusammen. Wenn es da irgendwie eine große Veränderung gibt, dann mag das natürlich ein Punkt sein. Und was man ja zurzeit auch sieht, ist, dass ja viele Firmen jetzt gerade KI, teilweise als Ausrede auch genommen haben, die Belegschaft ein bisschen zu reduzieren. Teilweise war es sicher auch begründet, aber oft war das einfach eine günstige Begründung. Und dass eben vor allem diese Junior-Positionen weggefallen sind. Und irgendwann wird man Leute wieder anlernen müssen. Und dann könnte ich mir vorstellen, dass das so eine didaktische Aufbereitung eine sehr lohnenswerte Sache ist. Auch natürlich könnte ich mir vorstellen, dass irgendwelche Publikationen von, Leuten, die eine gewisse Traktion oder Berühmtheit überspitzt formuliert in ihren Communities haben, dass da es immer Abnahmemöglichkeiten gibt. Also ich bin Buch-Influencer, indem ich das Buch schreibe. Aber schwieriger sind, denke ich, nischigere Titel, also Titel über Thema, wo eh schon die Käuferschaft eingeschränkt ist. Das heißt, die eh betriebswirtschaftlich schwer abzubilden sind. Und eben auch Technologien, die vielleicht wenig Traktion haben und wo es halt sehr viel Konkurrenz gibt. Ich meine, es gab ja auch in der Computerbuch-Verlagswelt gibt es ja jetzt Synergien durch Zusammenschlüsse von Verlagen und da gab es auch in den letzten Jahren. Das heißt, so viele Konkurrenztitel gibt es dann zumindest auf dem deutschsprachigen Markt nicht mehr. Beim englischsprachen Markt habe ich jetzt nicht so den guten Überblick.

1:08:40

Christian Ullenboom Da haben wir noch einige Apress.

1:08:43

Christian Wenz Manning's.

1:08:43

Christian Ullenboom Also da haben wir schon ein paar.

1:08:45

Christian Wenz Manning ist ein gutes Beispiel, weil die ja auch wirklich extremst exotische Titel machen. Und ich habe ja auch einen Titel bei Manning gemacht zu ASP.NET Core Security. Und das ist also wirklich eine ganz spannende Erfahrung, weil die unglaublich viel Aufwand in die Bucherstellung haben. Stellen und Reviews an allen Ecken und Enden. Das finde ich zum einen natürlich total cool, aber das war auch vom Zeitaufwand natürlich eine ganz andere Schiene und ich weiß nicht, ob sich das im Ertrag mappt. Also mein Datenbasis ist natürlich nicht groß genug mit N gleich 1, aber ich könnte mir vorstellen, gerade bei so exotischeren Titeln, die viel machen, also da kenne ich jetzt die Zahlen nicht gut genug, aber ich weiß nicht, wie tragfähig dann sowas ist.

1:09:30

Christian Ullenboom Ja, das ist so ein bisschen so wie bei den Schulungen. Also wenn du irgendwie eine Java-Schulung machst, das macht irgendwie jeder. Aber das Volumen ist auch groß. Also das heißt, irgendwie fällt doch immer was ab. Bei einem sehr, sehr speziellen Thema, das macht keiner. Und wenn du als einziges Schulungsunternehmen das machst, kriegst du trotzdem einen Auftrag, selbst wenn das exotisch ist. Aber irgendjemanden brauchst trotzdem. Das heißt, in der Summe ist es doch das Gleiche. Vielleicht ist es bei diesen exotischen Büchern dann auch so. Ich hatte nach der Vector API geguckt und hatte gesehen, dass bei Apress, glaube ich, ein Buch erschienen ist, wo ich dachte, Mist, jetzt gibt es da schon ein Buch. Also das heißt, die Wahrscheinlichkeit, dass noch jemand ein Buch verlegen will zu dem Thema, ist dann eher unwahrscheinlich. Aber das ist mein erstes Spaßbuch, was ich schreibe, an ein Thema, wo ich wirklich Lust zu habe, weil mich das wirklich interessiert. Nicht so, dass mich Java oder Spring jetzt nicht interessieren würde, aber es gibt so Lieblingsthemen, wo man sagt, das ist ja mal echt knackig, interessiert keine Sau, aber ich find's geil. Ja, du meinst das.

1:10:31

Christian Wenz Weil du's kannst, genau. Ja, super cool, super cool. Du weißt ja, wo du's hinschicken musst, signiert.

1:10:36

Christian Ullenboom Ja, genau. Abschlussfrage, was würdest du kommenden oder werdenden Autoren mit auf den Weg geben?

1:10:44

Christian Wenz Also, ein Buch zu schreiben ist super, um was selber zu lernen. Und Planung ist alles. Weil ich kriege es ja immer wieder mit von, aber das ist jetzt nicht nur bei denen, die das Projektmanagement für ein Buch machen, sondern es ist ja oft zum Projektmanagement. So dieses Deadline-Einhalten ist ja immer eine große Hürde und bei einem Buch hängen halt ganz viele andere Prozesse dran. Das Papier in der Druckerei muss bestellt werden. Die haben das auch nicht immer so rumliegen. Es muss das Korrektorat gebucht werden, Satz, Layout, Farbe. Na gut, Farbe müsste in der Druckerei mal da liegen. Nein, aber da hängen ganz viele andere Prozesse noch dran, weil es ist wirkliches Teamprojekt. Es steht nur einer vorne drauf und im Impressum stehen dann irgendwie noch so sechs, sieben andere, relativ klein, aber es gibt irgendwie viele Beteiligte und deswegen einen Plan zu haben, dass man immer so einzelne Stücke hat, die ein Ende haben und dass man dadurch, zumindest halbwegs deterministisch am Ende was abgeben kann. Das ist gar nicht ein wichtiger Punkt.

1:11:56

Christian Ullenboom Ich glaube, für uns ist es auch noch anders, weil wenn wir ein Buchprojekt beginnen, werden wir das auch beenden. Und ich könnte mir gut vorstellen, wenn man ein neuer Autor ist, dass man vielleicht am Anfang dafür brennt. Und dann spricht man mit dem Verlag und der Verlag sagt, interessantes Thema wollen wir machen. Und dann irgendwie nach ein paar Monaten vergeht dir die Lust und dann sagt, ich habe jetzt andere Sachen zu tun und lässt den Verlag irgendwie hängen. Das könnte ich mir für neue Autoren irgendwie schwierig vorstellen, da dran zu bleiben. Also wir wissen nach vielen 10.000 Seiten, wie so der Aufwand ist. Wir können das einschätzen. Wir kennen unsere eigene Performance beim Schreiben. Aber ich glaube, wenn du anfängst, weißt du das halt noch nicht. Da kennt man sich noch nicht so, ob man dabei bleibt.

1:12:34

Christian Wenz Ich habe einmal im Monat, wenn ich das erzählen darf, einen Albtraum. Ungefähr einmal im Monat. Ich schlafe immer sehr gut, aber ich habe diesen einen Albtraum, dass da dieses eine Buch ist, wo ich 15 von 20 Kapiteln oder so schon habe. Und ich muss doch noch ein Kapitel schreiben. Das habe ich total vergessen. Das hätte ich schon vor 'nem Jahr abgeben müssen. Aber es fehlt immer noch ein Kapitel. Furchtbar, furchtbar. In dieser Situation war ich noch nie zu Glück.

1:13:02

Christian Ullenboom Interessanterweise habe ich was Vergleichbares, und zwar beim Studium. Ich weiß nicht, warum. Also ich bin schon, keine Ahnung, wann ich meine Studie abgeschlossen habe, ist jetzt auch schon 20 Jahre oder sowas her. Aber manchmal habe ich genau das Gleiche, dass ich denke, Christian, hast du eigentlich deinen Abschluss gemacht? fehlte da nicht noch irgendwas? Ich weiß nicht, warum. Das ist total bescheuert eigentlich. Aber manchmal denke ich, das Ende kam irgendwie so schnell. Irgendwie so zack, die ganzen Prüfungen waren fertig, hab die Arbeit abgegeben und buff, das war's. Und irgendwie in meinem Kopf ist da noch, da fehlt noch irgendwas. Das ist noch nicht abgeschlossen. Merkwürdig. Naja. Na gut, ich danke dir ganz herzlich fürs Gespräch. Hat mich gefreut, dass wir so ein schönes Gespräch hatten können. Ich wünsche dir alles Gute für die Zukunft und auf viele weitere Bücher. Dankeschön, Christian.

1:13:45

Christian Wenz Danke, Christian. Ciao.