»Game of Drones«: Buchlesung »Cyberspionage« (Florian Dalwigk)
Ep. 08

»Game of Drones«: Buchlesung »Cyberspionage« (Florian Dalwigk)

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Episode description

In seiner Lesung zum Buch »Cyberspionage – Wie Nachrichtendienste um Informationen und Kontrolle kämpfen«, das im Juli 2026 im Rheinwerk Verlag erschienen ist, widmet sich Florian Dalwigk dem Kapitel »Game of Drones«: Wie werden Drohnen im Bereich der Cyberspionage eingesetzt? Er liest aus dem Buch, teilt aktuelle Informationen und ordnet ein, wie es um die Drohnensituation in Deutschland und weltweit steht – von Drohnensichtungen über Militärflugplätzen bis zum Vorfall am Flughafen Leipzig. Dabei geht es um hybride Bedrohungen, die Asymmetrie moderner Kriegsführung, die schwierige Attribution im Cyberraum sowie um Aufklärung, Lauschangriffe und Fake-WLANs per Drohne. Das Buch ist kein Enthüllungsroman, sondern ein aus öffentlichen Quellen zusammengestelltes Werk.

Aufgezeichnet am 19. August 2026 bei einer Lesung zum Buch »Cyberspionage« an der Hochschule Erfurt.

Themen des Vortrags

  • Wie Drohnen in der Cyberspionage zum Einsatz kommen
  • Drohnensichtungen über deutschen Militärflugplätzen
  • Hybride Bedrohungen als Zusammenspiel von Spionage, Sabotage, Cyberangriffen und Informationsmanipulation
  • Asymmetrie der Kriegsführung
  • Warum Attribution im Cyberraum so schwierig ist
  • Grenzen der Drohnenabwehr
  • Lauschangriffe und Fake-WLANs per Drohne
  • Anbahnung und Social Engineering am realen Beispiel einer gefälschten E-Mail
  • Taktische Drohnenfabriken per 3D-Druck

Über den Speaker

Florian Dalwigk ist Experte für Cybercrime, Cyberspionage und IT-Sicherheit. Nach seinem Studium der Informatik hat er in einer Sicherheitsbehörde gearbeitet und ist seit 2024 ehrenamtlicher Dozent, unter anderem für die Module »Ethical Hacking«, »IT-Forensik«, »Cyberspionage«, »Cybercrime und Krypto-Forensik« sowie »Post-Quanten-Kryptographie«. Als Fachbuchautor vermittelt er sein Wissen anschaulich und anwendungsbezogen. Sein besonderes Interesse gilt der Schnittstelle zwischen technischer Innovation und Sicherheit, insbesondere im Spannungsfeld von staatlich gesteuerten Cyberoperationen und kryptografischer Resilienz im Post-Quanten-Zeitalter.

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Vortrag Hallo zusammen, mein Name ist Florian Dalwigk und ich bin Autor von unter anderem dem Buch Cyberspionage – Wie Nachrichtendienste um Information und Kontrolle kämpfen. Und dieses ist eine Aufzeichnung von meiner Lesung zu genau diesem Buch, die ich am 19.8. an der Hochschule Erfurt halten durfte. Ich wünsche Ihnen viel Spaß dabei. Ich habe da in dem Buch Cyberspionage mehrere Kapitel drin. Unter anderem das Kapitel 10, Game of Drones, da geht es im Prinzip darum, wie Drohnen im Bereich der Cyberspionage eingesetzt werden. Und ich werde jetzt hier zum einen aus dem Buch vorlesen, zum anderen so ein paar Informationen mal mitteilen und auch ein bisschen darüber diskutieren, wenn ihr euch da gerne darauf einlassen wollt, wie es denn mit der aktuellen Drohnensituation hier in Deutschland aussieht und generell auf der Welt. Wir haben ja im Ukraine-Krieg Drohnen als sehr dominantes Kriegswerkzeug, was eingesetzt wird. Wir haben jetzt im Flughafen Leipzig den Fall gehabt, dass dort eine Drohne geflogen ist mit einem Sprengsatz drauf. Und da wollen wir mal so ein bisschen einordnen, wie das Ganze zu verstehen ist und was das alles mit Cyberspionage dann letztendlich zu tun hat. Für die, die mich noch nicht kennen sollten, mein Name ist Florian Dalwigk. Ich bin ehrenamtlicher Hochschuldozent. Also ich mache neben meiner Autorentätigkeit, was jetzt mittlerweile mein Hauptberuf mehr oder weniger ist, also ich schreibe halt Bücher, wie man hier sehen kann, bin ich eben auch in der Hochschullehre unterwegs. Zum einen natürlich, um den Kontakt mit den Studenten aufrechtzuerhalten und auch so ein bisschen neuen Input zu bekommen. Also gestern Abend, als wir unterwegs waren, haben wir wieder ganz tolle Sachen entdeckt, auf die wir vielleicht im Laufe des Vortrags auch nochmal näher zu sprechen kommen. Hat auch mit Sicherheitslücken zu tun und seltsamen Implementierungen im Gastronomiewesen. Aber da kann man dann bei Gelegenheit nochmal gerne drauf zu sprechen. Was unterrichte ich so? Also ich unterrichte halt alles, wozu ich auch Bücher schreibe. Also Ethical Hacking, Postquantenkryptografie, Cyberspionage und diverse andere Themen. Cyberspionage ist eben das, was jetzt so momentan mein Hauptthema ist, weil da eben auch, wie gesagt, das neue Buch dazu erschienen ist. Dann nochmal der Hinweis, dieses Buch ist kein Enthüllungsroman, sondern es handelt sich um ein aus öffentlichen Quellen verfügbar und zusammengestelltes Werk, in dem ich so natürlich ein bisschen meine eigene Meinung auch mit reingebracht habe. Trotzdem, das nur als rechtlicher Disclaimer, es ist kein Enthüllungsroman, ich gebe keine Interna preis. Zum Einstieg lese ich jetzt einfach mal einen kleinen Absatz aus dem Buch vor, das so dieses Thema Game of Drones einführt. Und danach werden wir dann in die tatsächliche Thematik inhaltlich einsteigen. Ein kühler, leicht regnerischer Abend in einem Industriegebiet am Stadtrand. Die Straßenlaternen werfen gelbe Lichtinseln auf den nassen Asphalt. Ein Sicherheitsdienst fährt seine Runde, prüft die Schließsysteme, wirft routiniert einen Blick auf die Kameramonitore. Nichts Auffälliges, bis auf ein rot blinkendes Licht am Himmel, das von einem Summen begleitet wird. Der Wachmann tritt vor die Tür, schaut nach oben, kneift die Augen zusammen und da ist sie. Eine Drohne, vielleicht 100 Meter in der Luft schwebend entfernt. Sie bewegt sich ein Stück seitwärts und stoppt dann wieder. Als hätte jemand sie exakt dorthin gelenkt, wo sie sein soll. Der Wachmann greift zum Funkgerät. Drohne über Hof 3, sagt er, bemüht sachlich zu klingen. Klang jetzt nicht sachlich, ich weiß. Während er spricht, erscheint eine zweite Drohne, weiter hinten in Richtung der Zufahrtsstraße. Und dann flackert kurz das Bild der Überwachungskamera. Ein Softwarefehler? Ein Wachmann merkt sich den Moment, ohne ihn sofort einordnen zu können. Am nächsten Morgen kursiert die Geschichte von dem Vorfall bereits in der Belegschaft. Nicht nur im Sicherheitsdienst, sondern überall. Schon wieder Drohnen, sagt jemand. Die wurden letzte Woche auch am Flughafen gesehen. Ein anderer erwähnt ein Gerücht aus der Nachbarschaft, dem zufolge Drohnen über einem Umspannwerk, über einer Bahntrasse und über einem Forschungscampus gesichtet wurden. Jetzt auch über den Flughafen Leipzig, wusste ich zum damaligen Zeitpunkt aber noch nicht. Es wird gelacht, kommentiert, relativiert. Vielleicht Hobbyflieger, vielleicht ein Fotograf, vielleicht ein Unternehmen, das Luftaufnahmen macht. Natürlich. Und vielleicht sind es genau diese Relativierungen, die das Ganze so gefährlich machen. Das ist der Einstieg in das Thema Game of Drones und wir gucken uns jetzt mal an, was der Agent Florian Dalwigkoff dazu zu sagen hat. Der ist natürlich jetzt auch in der Buchlesung wieder mit dabei und zwar gibt es wieder eine kleine Challenge. Ich habe ja bereits erwähnt, dass Florian Dalwigkoff ein aktueller KGB-Agent ist, der als Low-Level-Agent angefangen hat. Also als jemand, der sehr einfache Agententätigkeiten durchführt, wie zum Beispiel das Steuern einer Drohne über einen Bundeswehrflugplatz oder eine Bundeswehrkaserne oder sonst irgendwo. Und eure Aufgabe ist es diesmal herauszufinden auf Basis dieses Bildes hier, das ihr euch jetzt gerne einmal abfotografieren könnt. Wir machen es jetzt ein bisschen schwieriger als vorhin. Da konntet ihr ja auf Instagram sehen, wo sich Florian Dalwigkoff aufhält. Jetzt geht es darum herauszufinden, wo er sich denn aktuell aufhält. Ihr habt ja eben schon gesehen, er hat sich im KGB-Museum, im Hotel Viru, da wo früher der KGB auch tätig war, FSB ja sozusagen eine Nachfolgeorganisation des KGB, den KGB gibt es ja heute so nicht mehr. Vielleicht hält er sich ja immer noch im selben Land auf, vielleicht in derselben Stadt, aber vielleicht an einem anderen Ort. Findet mal raus, wo er sich konkret aufhält. Ich würde vorschlagen, um mal so ein bisschen die Dimension klar zu machen. Was wir hier, über was wir hier eigentlich reden bezüglich der ganzen Drohnensichtung, habe ich mal so ein paar Drohnensichtungen einfach mitgebracht, die jetzt in den letzten Monaten und Jahren eben vorgekommen sind. Der neueste Vorfall, den werden wir nochmal separat diskutieren. Drohnensichtungen über deutschem Gebiet. Hier sind einige Beispiele für Drohnensichtungen und ihre Folgen. Über den Militärflugplatz Manching in Bayern wurden mehrfach mehrere Drohnen gemeldet. Die Bayerische Polizei veröffentlichte dazu einen Zeugenaufruf, nachdem die Suche nach einem verantwortlichen Piloten jedoch erfolglos blieb. Anfang Oktober 2025 führten Drohnenmeldungen am Flughafen München zu massiven Einschränkungen mit gestrichenen und umgeleiteten Flügen, was die Verwundbarkeit großer Verkehrsknotenpunkte durch kleine Flugobjekte verdeutlicht. Das ist ein klassisches Merkmal hybrider Kriegsführung, bei der asymmetrische Mittel gezielt eingesetzt werden, um mit geringem Ressourceneinsatz eine maximale Störwirkung zu erzielen. Dann werden wir gleich nochmal darauf zu sprechen kommen, wenn wir uns über hybride Bedrohungen unterhalten, weil das sozusagen das Kernproblem ist, was wir aktuell haben und die damit verbundene Asymmetrie in der Kriegsführung. Für die Immelmann-Kaserne in Celle wurde öffentlich berichtet, dass Drohnen auch im gesperrten Luftraum gesichtet wurden. Etwas komisch, weil normalerweise ist es ja so, jeder, der von euch so eine DJI-Drohne oder von irgendeinem anderen Drohnenhersteller hat, der wird schon mal bemerkt haben, dass wenn man sich einem Flughafen nähert oder irgendeinem spezifisch. Ausgeschilderten Bereich, dann sagt die Drohne schon, hier geht es nicht weiter, entweder fliegt sie zurück oder sie senkt sich ab. Das nennt man Geofencing. Das Problem beim Geofencing ist jedoch, dass sich der Hersteller daran halten muss. DJI hält sich daran. Wenn du jetzt aber natürlich einen Flughafen attackieren möchtest, wie jetzt in Leipzig, dann bringt das beste Geofencing nichts, weil man versucht, diesen Mechanismus des Geofencings einfach zu umgehen. Im Mai 2024 wurde eine Drohne im Bereich des Reichstags gemeldet, obwohl dort ein Flugbeschränkungsgebiet gilt. Diese Drohne hatte ein Ukrainer mit einer Russlandflagge versehen und aufsteigen lassen. Für 2024 wurden mindestens zwei Dutzend Ermittlungsverfahren im Zusammenhang mit mutmaßlicher Spionage aus der Luft über Militäreinrichtungen und Unternehmensgeländen beschrieben. Also mindestens zwei Dutzend Ermittlungsverfahren nur für 2024. Das deutet darauf hin, dass es sich bei Drohnensichtungen längst nicht mehr um Einzelfälle handelt. Und wenn man die Meldungen verfolgt der letzten Monate oder allein schon jetzt im Juli, dann hat man ja einen sehr prominenten Fall gesehen, nämlich den des Flughafens Leipzig, bei dem der Betrieb eingestellt wurde am 05.08.2026. Später hieß es dann zwei Tage danach, Sprengstoffdrohnen in Leipzig, Russland sieht Provokation. Weil natürlich hat man gesagt, oder was heißt natürlich, man hat die Vermutung geäußert, dass dieser Drohnenangriff oder zumindest diese Drohne, die mit Sprengsatz ausgestattet am Leipziger Flughafen gesichtet wurde, dass die den Russen zuzuordnen ist. Weil sich das ja auch in der Nähe von einem ukrainischen Frachtflugzeug befunden haben soll. Also da liegt die Vermutung natürlich nah. Aber immer bedenken, das lernt man auch im Buch, bei Cyberspionage generell, die Attribution ist sehr schwierig. Also Attribution heißt, ich versuche herauszufinden, wer steckt eigentlich wirklich dahinter. Und wenn man sich so die Meldungen anguckt, dann wird im Regelfall gar nicht so klar beschrieben von offiziellen Stellen, das war Russland, das war die Ukraine, das war China, weil man da auch eine gewisse politische Dimension mit drin hat. Es gibt dann einen Attributionsprozess, der mehrere Stufen hat und an dessen Ende meistens dann eher so eine schwammige Aussage steht, nach außen hin zumindest. Intern kann man das natürlich verwerten, aber man hält sich sehr stark zurück mit wirklichen Schuldzuschreibungen. Und dann US-Geheimdienst am 8.8., also drei Tage nach dem Vorfall, Sprengstoffdrohne gehört wohl zu Russland. Auch da wieder, man sagt nicht, gehört zu Russland, sondern gehört wohl zu Russland. Man hat Informationen gesammelt, die könnte man jetzt veröffentlichen, dann könnte sich ja jeder selbst ein Bild draus machen. Das Problem ist nur, weil dann, dass darüber dann Informationen über den Attributionsprozess selber klar werden. Und das will man vermeiden, weil wenn ich weiß, wie zum Beispiel die Bundesregierung attribuiert. Dann kann ich entsprechend auch Gegenmaßnahmen treffen, um zum Beispiel eine False-Flag-Aktion durchzuführen. Also dafür zu sorgen, dass jemand anderes verdächtigt wird auf Basis des Attributionsprozesses, weil ich den kenne. Das ist wie in Social Media, wenn YouTube seinen Algorithmus veröffentlicht, dann werden alle Videos, die jetzt vorher vielleicht nicht so gut gerankt sein werden und wenn man versteht, wie das funktioniert. Dieser Algorithmus, dann werden die entsprechend angepasst auf diesen spezifischen Algorithmus, dass diese Videos besser gerankt werden. Es wurde mittlerweile das gemeinsame Drohnenabwehrzentrum, das GDAZ, gegründet, Dezember 2025. Darüber hinaus hat man dann auch noch im Juni 2026, das ist jetzt noch gerade mal zwei Monate her, das gemeinsame Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen gegründet, unter anderem vom Verfassungsschutz auch veröffentlicht. Und da lohnt es sich jetzt nochmal, sich kurz anzuschauen, was überhaupt hybride Angriffe sind. Man hört das ja überall, hybrider Angriff, hybrider Krieg, hybride Bedrohung. Aber was steckt da eigentlich genau hinter? Also viele denken, das hat nur was mit KI zu tun. Hat auch was mit KI zu tun, aber nicht nur. Hybride Angriffe erfolgen durch Kombinationen verschiedener Mittel, zum Beispiel Spionage, Sabotage, Cyberangriffe, Informationsmanipulation, transnationale Repression, Staatsterrorismus, aber auch wirtschaftlichen Druck und politische Einflussnahme, sowie weitere hybride Hebel. Die, die ich jetzt hier markiert habe, das sind die Aspekte, die wir auch in der Cyberspionage im Buch konkret behandeln. Nämlich Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und Informationsmanipulation. Und Informationsmanipulationen. Das ist eben dann wieder dieser mit KI-Bezug. Also zum Beispiel, ich habe Deepfakes, ich habe Voice-Clones, ich habe irgendwelche Texte, die automatisiert von KI-Agenten in Social Media gestreut werden. Wir haben ja im vorigen Vortrag schon gesehen, dass es mit KI-Agenten sehr einfach ist, solche Prozesse zu automatisieren. Die Frage ist jetzt natürlich auch, seit wann gibt es das? Also hybride Bedrohungen gab es schon sehr lange. Durch Technologie entsteht jetzt aber eben diese Asymmetrie. Wenn ich jetzt Drohnen abschießen will, die sehr günstig sind, weil ich die sehr einfach herstellen kann, sehr günstig herstellen kann, manche Drohnen, brauche ich ein Riesenapparat auf der anderen Seite. Entweder muss ich selber Abfang-Drohnen bauen, ich muss mir irgendwelche Drohnenkäfige mühsam produzieren, vielleicht muss ich irgendwelche Jammer-Guns einkaufen, die bei Glasfaser-Drohnen nicht funktionieren, ich muss irgendwelche. Anderen Maßnahmen treffen, große Raketen und sonstiges, die überhaupt in gar keinem Verhältnis zu dem Nutzen stehen, weil ich schieße im Prinzip mit Kanonen auf Spatzen. Die Spatzen sind unsere kleinen Drohnen, die irgendwas machen können, aber ich habe sehr große Probleme, die abzuwehren. Hacker-Angriffe, genau das Gleiche. Taiwan hat jetzt vor einer Woche ungefähr die Meldung rausgegeben, dass sie von KI-Agenten attackiert wurden. Also da waren acht KI-Agenten, die versucht haben, Taiwan, also sicherheitskritische Infrastruktur, zu attackieren. Und auch da wieder, KI-Agenten kann man sehr leicht bauen. Jeder von euch wird wahrscheinlich schon mal den einen oder anderen entwickelt haben. Mittlerweile geht das ja auch mit natürlicher Sprache. Ich sage einfach, was der KI-Agent können soll und Claude Code als Beispiel generiert mir den dann entsprechend auch in dem Format, wie es das braucht. Das ist auch eine Asymmetrie, die da herrscht. Die Taliban haben beispielsweise auch einfach Consumer-Drones gekauft, also solche, die man überall dann bekommt für wenig Geld, haben dort Sprengsätze drauf installiert, teilweise mit Panzertape festgemacht und die dann einfach geflogen, und damit Ziele angegriffen. Effektiv, günstig und ein weiteres Beispiel für eben diese hybriden Bedrohungen. Und ich habe jetzt hier noch eine kleine Geschichte, ein fiktives Szenario, das nochmal verdeutlicht, wie das Ganze auch mal in der Praxis aussehen könnte. Und ihr könnt euch mal überlegen, ob ihr vielleicht so einen ähnlichen Fall schon mal irgendwo in den Medien mitbekommen habt. Es ist kurz nach 6 Uhr morgens, als in einer deutschen Großstadt die ersten Meldungen eingehen. In mehreren Stadtteilen sei der Wasserdruck ungewöhnlich niedrig. In einigen höher gelegenen Gebäuden komme überhaupt gar kein Wasser mehr aus den Leitungen. Beim zuständigen Wasserversorger beginnt die Frühschicht damit, die Ursache zu suchen. Zunächst deutet alles auf einen technischen Defekt hin. Eine Pumpstation meldet fehlerhafte Messwerte, gleichzeitig ist die Verbindung zu mehreren Sensoren unterbrochen. Ein Techniker wird losgeschickt, die Leitstelle schaltet auf Ersatzsysteme um. Eine Stunde später verbreitet sich über soziale Netzwerke ein Screenshot. Darauf steht, Warnung, Trinkwasser verunreinigt. Darunter ist das Logo des Wasserversorgers zu sehen. Angeblich seien bei einer routinemäßigen Kontrolle gefährliche Stoffe festgestellt worden. Die Bevölkerung solle Leitungswasser weder trinken noch zum Kochen verwenden. Die Meldung ist gefälscht. Doch das erkennt zunächst kaum jemand. Der Screenshot wird über Messenger-Gruppen weitergeleitet. Eltern schicken ihn in Klassenchats, Beschäftigte teilen ihn mit Kollegen. In mehreren Supermärkten bilden sich Schlangen vor den Getränkeregalen. Klar, wir kennen das ja auch noch aus der Corona-Pandemie. Sobald in den Medien so etwas verkündet wird, gehen dann bei vielen die Hamsterkäufe los. Wenig später kursiert ein kurzes Video, in dem vermeintlich braunes Wasser aus einem Wasserhahn läuft. Wo und wann es aufgenommen wurde, ist nicht zu erkennen. Auch nicht, ob es vielleicht mit KI erstellt wurde. Der Wasserversorger reagiert. Es gebe keine Hinweise auf eine Verunreinigung. Die Wasserqualität werde permanent überwacht. Doch inzwischen geht es längst nicht mehr nur noch um Wasser. Gegen 9 Uhr fällt die Webseite des Unternehmens aus. Wer die offizielle Stellungnahme überprüfen möchte, erhält lediglich eine Fehlermeldung. Das könnte natürlich auch, wenn es jetzt ein gezielter Desinformationsangriff gewesen ist, so etabliert worden sein, dass man versucht hat, die Webseite lahmzulegen, die offiziellen Stellen können nicht mehr gegensteuern und Social Media macht sein Ding. Auch die telefonische Hotline ist kaum noch erreichbar. Zehntausende Menschen versuchen gleichzeitig anzurufen. Zusätzlich gehen automatisiert tausende weitere Anrufe ein. Die Information, die das Gerücht widerlegen könnte, ist plötzlich schwerer erreichbar als das Gerücht selbst. Währenddessen erreicht ein Techniker die betroffene Pumpstation. Äußerlich ist nichts Auffälliges zu erkennen. Im Inneren entdeckt er jedoch eine geöffnete Abdeckung an einem Schaltschrank. Ob jemand tatsächlich etwas manipuliert hat, lässt sich vor Ort so nicht feststellen. Der Fund wird fotografiert und an die Leitstelle gemeldet. Wenige Minuten später erscheint das Foto im Internet. Behörden bestätigen Sabotage am Trinkwassernetz, schreibt ein anonymer Account. Bestätigt hat es niemand. Am frühen Nachmittag kommt ein weiteres Problem hinzu. Vor dem Betriebsgelände des Wasserversorgers versammeln sich Menschen. Einige wollen wissen, ob ihr Trinkwasser noch sicher ist. Andere filmen mit ihren Smartphones. Zwischen ihnen stehen Personen mit Plakaten, auf denen die Geschäftsführung vorgeworfen wird, einen schweren Zwischenfall zu vertuschen. Die Stimmung wird zunehmend aggressiv. Im Lagezentrum versucht man inzwischen ein Bild aus Ereignissen zusammenzusetzen, die auf den ersten Blick kaum miteinander verbunden sind. Gestörte Sensoren, eine möglicherweise manipulierte Pumpstation, eine nicht erreichbare Webseite, automatisierte Anrufe, gefälschte Warnmeldungen und Accounts, die innerhalb weniger Minuten auf jeden neuen Informationsstand reagieren. Dann meldet sich der Stromnetzbetreiber. An zwei Umspannwerken in der Region seien in der vergangenen Nacht Drohnen beobachtet worden. Ob es einen Zusammenhang gibt, weiß niemand. Und genau das macht die Situation gefährlich. Denn eine hybride Bedrohung gegen kritische Infrastruktur muss nicht mit einer spektakulären Explosion oder einem flächendeckenden Stromausfall beginnen. Sie kann technische Störungen, Cyberangriffe, physische Aktivitäten und Informationsoperationen, oder auch PsyOps teilweise miteinander verbinden. Der eigentliche Angriff richtet sich dann nicht ausschließlich gegen Pumpenleitungen und Server. Er richtet sich auch gegen die Fähigkeit einer Gesellschaft, eine Situation zuverlässig einzuschätzen. Am Abend steht fest, dass das Trinkwasser zu keinem Zeitpunkt verunreinigt war. Die Pumpen laufen wieder, die Webseite ist erreichbar und die Versorgung stabilisiert sich. Technisch betrachtet ist die Krise damit beinahe beendet. Gesellschaftlich jedoch nicht. In den sozialen Netzwerken wird die Entwarnung inzwischen als weiterer Beweis für eine angebliche Vertuschung interpretiert. Unter einem Beitrag des Wasserversorgers schreibt jemand, wenn wirklich nichts passiert ist, warum sollen wir euch denn jetzt überhaupt noch irgendwas glauben? Vielleicht war genau das von Anfang an das eigentliche Ziel. Und wenn wir uns jetzt mal in Social Media begeben und über verschiedene Vorfälle, die vielleicht neutral betrachtet gar nicht mal so problematisch sind, sehen, was da teilweise für Kommentare geschrieben werden, dann glaube ich, ist dieses Szenario ja keine Fiktion mehr, sondern einfach wirklich Realität. Also, mal Hand hoch, wer schon mal irgendwie sowas in diese Richtung auf Social Media gelesen hat. Ja, das sind alle. Und gefährlich wird es vor allem dann. Wenn das massenhaft passiert. Und mit KI-Agenten kann man da ganz wunderbare Sachen mitmachen. Wenn man zu viele Tokens noch übrig hat, baut man sich einfach ein Desinformation-Subagent in Claude Code und legt dann damit los. Natürlich wird Claude Code und Anthropic da sagen, nee, das dürft ihr nicht machen. Und das empfehle ich euch auch nicht, irgendwie Desinformation zu verbreiten. Aber es ist ja auch schon teilweise problematisch, Desinformation zu definieren. Also was ist die Definition von Desinformation? Hängt Information und deren Interpretation nicht immer auch vom Blickwinkel ein bisschen ab? Also schwierige Fragen, mit denen wir uns jetzt in Zukunft auseinandersetzen müssen. Drohnen sind ja für sich genommen erstmal Flugzeuge, unbemannte Flugzeuge, billige Flugzeuge. Sie könnten aber auch als teure Kugeln interpretiert werden, wenn ich sie jetzt zusätzlich auch mit einem Sprengsatz beispielsweise ausstatte. Dann wird aus so einer kleinen Drohne, die ja ursprünglich mal für Hobbyflüge, Überwachung aus der Luft, also Überwachung im Sinne von Ich-mach-Fotos aus der Luft gedacht war, zu einem Geschoss, zu irgendetwas, was wirklich Schaden anrichten kann. Und man kann da unterscheiden, grob zwischen zivil-kommerziellen Drohnen und militärischen Drohnen. Also zivile Drohnen, die findet man in der Landwirtschaft, in der Vermessung, Katastrophenschutz und im Bauwesen. Dass man dann hohe Gebäude sich zum Beispiel da mit einer Drohne ein Bild von machen kann. Oder was ich auch schon gesehen habe, dass man in solchen schwer zugänglichen Höhlen versucht hat, dann da so drüber zu fliegen oder wenn da irgendwelche Aktivitäten sind, irgendwelche Giftstoffe, die machen der Drohne natürlich nichts aus. Also militärisch, das ist dann die andere Seite, da haben wir die Aufklärungsdrohnen, die Kamikaze-Drohnen, wie beispielsweise vom Iran, die Schahed-Drohnen, Kampfdrohnen, taktisch, mittelgroß und strategische Drohnen und dieser Zwischenbereich, diese Dual-Use-Thematik. Ich kann eine große Militärdrohne auch für Rettungsoperationen einsetzen, sie aber auch gleichzeitig nutzen, um eben Krieg zu führen. Und diese Dual-Use-Thematik kennen wir aus der Cybersicherheit. Ein Programm zum Passwörterknacken kann auch dafür eingesetzt werden, um Passwörter wiederherzustellen. Ein Programm zum Verschlüsseln von Dateien kann auch dazu genutzt werden, um eine Ransomware zu implementieren. Also es kommt immer auf den Blickwinkel drauf an. Und jetzt komme ich zu der Geschichte, die ich vorhin in dem Vortrag eigentlich noch erzählen wollte. Aber da wir so viel Spannendes gelernt haben, haben wir das leider nicht mehr geschafft. Und zwar Anbahnung. Ich wurde nämlich angebahnt. Was ist Anbahnung? Man versucht eine Zielperson zu identifizieren, man sammelt Informationen über diese Person, zum Beispiel erstellt man sich ein Fake-Profil mit KI. Wenn man sehr viel von sich im Internet preisgibt, hat man vielleicht auch direkt einen Ankerpunkt, an den man anknüpfen kann. Man versucht Motive und Schwächen zu erkennen, Gemeinsamkeiten zu finden, Vertrauen aufzubauen und den Kontakt zu intensivieren. Also haben wir eben schon drüber gesprochen, es gibt ganz viele verschiedene Möglichkeiten des Social Engineering und der psychologischen Manipulation. Mit KI wird das Ganze natürlich noch leichter. Bei mir ist Folgendes passiert. Ich habe vor vier Monaten, also im März 2026, eine Firma in Finnland besucht, in Helsinki, Sensofusion. Sensofusion, die sind eine Antidrohnenfirma, also die sorgen dafür, dass man eben... Sich vor Drohnen schützen kann, indem man Abfangdrohnen baut und diverse Technik, wie zum Beispiel solche Jammer und andere, die gleich nochmal genauer drauf eingehen, mit denen versucht wird, das einzudämmen, dass eben jetzt mal als fiktives Beispiel im Russland-Ukraine-Konflikt eben jetzt die ein oder andere Seite nicht mehr mit Drohnen effektiv kämpfen kann. Da habe ich einen LinkedIn-Post veröffentlicht, günstige Flugzeuge oder teure Kugeln, dann ein bisschen was dazu geschrieben und eben gesagt, jo, ich war bei dieser Firma, hier, guckt mal, ich habe ein bisschen Videomaterial aufgenommen und, da hatte ich gerade so ein, ja, im Prinzip ist das so ein mobiles Drohnenerkennungssystem. Das kann sich ein Soldat irgendwo platzieren. Also entweder hält er das in der Hand, aber meistens hat man da irgendwie eine Vorrichtung an der Ausrüstung beziehungsweise an der Uniform. Da macht man das fest und dann kann man genau immer sehen, wenn jetzt eine Drohne in der Nähe ist. Also nicht nur, man hört die dann nur, also manchmal hört man die ja auch, aber so kann man das in einem größeren Radius direkt erkennen. So, und da habe ich eben den Sicherheitsexperten Mikko Hyppönen interviewt. Den kennt man vielleicht aus verschiedenen Bereichen der Cybersicherheit. Malware-Analyse hat er eine Zeit lang gemacht und ist da auch in Finnland zumindest eine ziemliche Berühmtheit. Und mit dem habe ich eben dieses Interview geführt und auch gesagt, demnächst kommt dann ein Video online. Das hat irgendjemand zum Anlass genommen, mir die folgende E-Mail zu schreiben. Und zwar soll die angeblich von Mikko Hyppönen kommen, also demjenigen, mit dem ich da gerade dieses Bild aufgenommen habe. Da hieß es drin. Hello Florian, thank you so much for visiting us last week. It was truly a pleasure having you here. I really appreciated your time and the conversations we had together. Could you please send us the complete raw footage that you recorded with us? We need to review it for security reasons. You are always welcome to come back whenever you like. We look forward to seeing you again. Und dann unten noch der entsprechende Hinweis, "Chief Research Officer". Klingt ja erstmal plausibel. Wir haben ja auch vorher schon darüber gesprochen. Ja, ich schicke dir das Video dann am Ende zu, dass du dann eben nochmal gucken kannst, habe ich da vielleicht irgendwie einen Mitarbeiter versehentlich auf der Kamera? Habe ich irgendwas gefilmt, was ich nicht filmen darf? Weil da gab es ja auch Dinge, die wurden gesagt, bitte nicht filmen, aus verständlichen Gründen. Ja, 18.3. war dieser Post auf LinkedIn, 30.3., also zwölf Tage später, habe ich diese E-Mail erhalten. Mir kam das ein bisschen komisch vor, weil Mikko und ich normalerweise nicht über diese offizielle, mit auch Signaturen und so weiter kommunizieren, sondern er schreibt halt, Hi Florian, wie geht's dir hier, bla bla bla und dann unten noch, viele Grüße Mikko, fertig. Nicht so. Und mir kam das komisch vor, also habe ich versucht, darauf zu antworten und dann kam schon das erste, ah, okay, die geht irgendwo ins Nirwana, diese E-Mail. Also das war eine E-Mail, die von so einem Proton-Mail-Account geschickt wurde, und die war offensichtlich dann nicht von offiziell Sensofusion. Nachdem ich danach gefragt habe, hey, hast du mir gerade eine E-Mail geschickt mit dem Hinweis, ich soll euch alles Material schicken? Nee, habe ich nicht. Hast du eine E-Mail in die Richtung bekommen? Das Interessante war, Mikko, also er selber. Ist noch gar nicht so lange bei dieser Firma und als er da angefangen hat, hat er zwei Tage, nachdem er dort begonnen hat, eine E-Mail bekommen von einem Kollegen, der auch da arbeiten soll, mit dem Hinweis, ja, er ist gerade im Urlaub, schade, dass ich dich nicht begrüßen konnte. Ich würde dir gerne noch ein bisschen was erzählen, wie es bei uns so abläuft. Und falls du noch hier irgendwie Zugänge brauchst, sag Bescheid. Ich habe übrigens hier noch, da fehlt mir ein Zugang. Könntest du mir da nochmal den Link zuschicken, dass ich da weiß, wie ich da draufkomme? Ja, klar. Gut, dass er auch sich aufgrund seiner beruflichen Erfahrungen aus der Vergangenheit auch schon gedacht hat, dass da stimmt irgendwas nicht. Nach Rückfrage kam dann auch raus, dass die Person gar nicht im Urlaub ist, sondern im Krankenstand. Möglicherweise hat irgendjemand versucht, die Person anzubahnen. Sensofusion hat das versucht zu attribuieren und es deutete zumindest darauf hin, dass es eine russische IP-Adresse ist. Ob es jetzt wirklich eine russische IP-Adresse war, ob es wirklich Russland war, die dahinter stecken, weiß man nicht. Das Attribuieren ist schwierig im Cyberraum, das ist klar. Es würde vieles dafür sprechen. Finnland ist ja direkter russischer Nachbar. Sie teilen sich eine sehr große Grenze mit Russland. Es ist auch, glaube ich, kein Geheimnis, dass Finnland und die Ukraine jetzt auch nicht auf Kriegsfuß stehen, sondern vermutlich miteinander kooperieren könnten. Und gerade in so einem sensiblen Bereich wie Drohnentechnik. Da ist vielleicht für so einen ausländischen Akteur interessant, Personen da anzubahnen, vielleicht auch Rohmaterial direkt aus der Zentrale zu bekommen. Kommen wir nun zum Thema Aufklärung durch Drohnen, wenn wir schon beim Thema Aufklärung sind. Und da habe ich auch wieder einfach eine kleine Geschichte mitgebracht, die mal zeigt, wie man Drohnen kreativ einsetzen kann, um an Informationen zu kommen. Das Treffen findet im 28. Stock eines Hochhauses statt. Wer hier mithören möchte, müsste zunächst an Empfang, der Zugangskontrolle und dem Sicherheitsdienst vorbei. Zumindest ist das die Annahme. Bereits am Nachmittag hat die Lauschabwehr den Besprechungsraum vollständig untersucht. Steckdosen wurden kontrolliert, Möbel überprüft und das Funkspektrum analysiert. Keine versteckten Mikrofone, keine unbekannten Sender, keine auffälligen Geräte. Die Teilnehmer legen ihre Smartphones vor Beginn in einen anderen Raum ab. Laptops bleiben geschlossen, die Jalousien werden teilweise heruntergelassen. Um 20 Uhr beginnt die Besprechung. Sechs Personen sitzen um einen langen Tisch. Es geht um ein vertrauliches Projekt, dessen Existenz bislang nur einen ganz kleinen Kreis bekannt ist. Namen werden genannt, Termine besprochen, Dokumente ausgetauscht. Einer der Teilnehmer scherzt darüber, dass man in dieser Höhe wenigstens keine Gedanken sich machen müsste über jemanden, der vor dem Fenster steht. Fast 100 Meter über der Straße klingt das auch irgendwie plausibel. Doch niemand bemerkt die Drohne. Die nähert sich nicht direkt dem Fenster und bleibt auch nicht minutenlang davor stehen. Sie hält Abstand zum Gebäude und verändert immer wieder ihre Position. Zwischen den Lichtern der Stadt ist sie kaum auszumachen. Hören kann man natürlich auch nichts, weil man ist ja in einem geschlossenen Raum, der ja auch entsprechend von der Lauschabwehr überprüft wurde. Man hat also keine Möglichkeit, da wirklich direkt festzustellen, ist da jetzt irgendjemand. Ihre wichtigste Aufgabe besteht zunächst nicht darin, Gespräche aufzuzeichnen. Sie beobachtet einfach nur. Durch die Fenster lassen sich leichte Bewegungen erkennen. Wann kommen Personen in den Raum? Wie viele sind es? Welche Etage wird genutzt? Wann beginnt die Besprechung? Wann endet sie? Selbst wenn Details nicht lesbar sind, entstehen aus solchen Beobachtungen Informationen. Ja, die Metadaten eben. Doch an Bord befindet sich zusätzlich Funktechnik. Kurz nach Beginn des Treffens erscheint in der Umgebung des Konferenzraums ein WLAN mit einem vertrauten Namen. Es ähnelt dem Netz, das die Besucher aus dem Gebäude kennen. Für die Teilnehmer sieht es zunächst vollkommen gewöhnlich aus. Einer von ihnen öffnet während einer Pause seinen Laptop, der sich in dem anderen Raum befindet. Das bekannte WLAN wird angezeigt. Er verbindet sich. Eine Anmeldeseite erscheint. Sie sieht aus wie das Portal des Gebäudes und fordert ihn auf, seine Zugangsdaten erneut einzugeben, weil man ein Update durchgeführt hat. Vielleicht ist die Sitzung abgelaufen, vielleicht wurde das WLAN auch neu gestartet. Solche Dinge passieren eben. Er meldet sich an, die Seite lädt einige Sekunden, dann funktioniert die Verbindung scheinbar wieder und der Teilnehmer klappt seinen Laptop zu und kehrt an den Tisch zurück. Was er nicht weiß, das WLAN gehörte nicht zum Gebäude. Und ihr könnt euch ja denken, wo dieses WLAN herkam, nämlich von der Drohne, die da draußen rumgeflogen ist. Das heißt, man hat jetzt die Möglichkeit, mit solchen einfachen, auch sehr günstigen Technologien, wie jetzt so eine Drohne, im 28. Stock 100 Meter über dem Boden Lauschangriffe durchzuführen oder Fake-WLANs zu etablieren, ohne dass man überhaupt in dem Gebäude sein muss. Das heißt, wenn man jetzt von außen irgendwo oder wenn man jetzt intern eine Untersuchung durchführen würde, würde man sehen, da ist niemand in dem Stockwerk gewesen, auch nicht drumherum. Wir haben keinen Fake-Access-Point entdeckt. Ja, man braucht ja auch Hardware, um sowas dann zu installieren irgendwo. Wurde nichts entdeckt. Als ich in dem KGB-Museum war, da auch in Tallinn. Das habt ihr ja in der Challenge vorhin rausbekommen. Da hat er sich auch gefragt, ob überhaupt bekannt ist, ob der KGB vielleicht nicht doch noch irgendwie Mikrofone, Videokameras oder irgendetwas an Überwachungstechnik in den Wänden verbaut hat. Weil das Hotel wurde ja nicht komplett abgerissen, nachdem der KGB abgezogen ist. Und da hat man mir nur gesagt, ja... Es wurde saniert, aber natürlich ist da nichts auszuschließen. Das heißt, es kann sein, dass da heute noch irgendwas an Überwachungstechnik drin ist. Ob die noch funktioniert? Ich war jetzt da drin, auch in diesen Gebäuden, wo die da vom KGB früher operiert haben, in so einem Raum, der auch entsprechend aufbereitet wurde. Und die Technik, die erinnert eher an das, was wir hier aus Deutschland kennen. Also keine Gefahr, glaube ich, für die Zukunft. Am nächsten Morgen wird der Raum erneut überprüft. Die Lauschabwehr findet nichts, weil es im Raum nichts zu finden gibt. Erst einige Tage später fällt bei der Auswertung der Netzwerkprotokolle auf, dass sich der Laptop eines Teilnehmers während des Treffens kurzzeitig mit einem unbekannten WLAN verbunden hatte. Der Name unterschied sich von dem Legitim-Netzwerk nur in einem ganz kleinen Detail. Zu diesem Zeitpunkt ist längst klar, dass die Sicherheit des Treffens nicht dort endet, wo die Wände des Raums endeten. Und damit kommen wir zum Thema Drohnenabwehr. Wenn wir jetzt so einen einfachen Angriff fahren können, mit Technik, die jetzt wenige 100 Euro vielleicht kostet, dann müssen wir uns überlegen, wie können wir das dann tatsächlich abwehren. Und eine Möglichkeit ist eben das bereits schon angesprochene Geofencing. Beim Geofencing haben wir halt immer das Problem, das ist etwas, das muss der Hersteller selber auch etablieren und einrichten. Also man bekommt dann zum Beispiel gesagt, man darf nicht an einen Flughafen näher operieren, dann brauchen wir eben eine Möglichkeit, das auch softwaretechnisch abzubilden, dass sobald die Drohne merkt, oh, Flughafen, ich fliege zurück oder lande. Das Problem sind dann Jailbreaks. Ich kann diese Hardware, die Software, die dann darauf läuft, die kann ich dann entsprechend versuchen zu reverse-engineeren und dieses Geofencing umgehen. Das hat man dann ja auch gemacht, um eben zum Beispiel solche Drohnen, Consumer-Drohnen mit Sprengsätzen auszustatten. Weil das bringen die, wenn ich die dann nicht zu dem beabsichtigten Ziel fliegen kann. Jammer-Guns, das sind so große Pistolen, die eben einen Impuls sozusagen an die Drohne schicken und die dann dafür sorgen, dass die nicht mehr richtig funktionieren. Da haben wir das Problem, dass es sogenannte Glasfaser-Drohnen gibt, die jetzt hier auch in dem Bild einmal zu sehen sind. Und diese Glasfaser-Drohnen, die funktionieren eben über, wie schon gesagt, so eine Glasfaser. Das heißt, man hat keine Funktechnik mehr, die da drauf ist. Man hat nur so ein Gerät, das sieht aus wie so ein großes Display, so ein kleines iPad vielleicht auch. Und damit kann man dann steuern. Eine Drohne über ein Glasfaserkabel. Diese Glasfaserkabel, die können bis zu 60 Kilometer lang sein oder auch noch mehr. Das heißt, da ist auch richtig viel Reichweite mit drin. Aber wenn man 60 Kilometer weit weg ist, kann man trotzdem noch eine Drohne über eine Kabelverbindung steuern. Da bringen Jammer-Guns nichts, da bringen Airfence-Systeme, die bringen da auch alle nichts. Man könnte Abfangdrohnen nutzen, also andere Drohnen, die dann diese Drohnen versuchen zu attackieren. Da brauchen wir aber auch wieder gute Drohnenpiloten für. Dann kommt noch hinzu, dass es eben mittlerweile auch die Möglichkeit gibt, Drohnen vor Ort 3D zu drucken. Da zeige ich mal einen kleinen Ausschnitt aus dem Videointerview mit Mikko, der uns so ein bisschen durch diese Drohnenfirma mal durchgeführt hat, um mal zu zeigen, wie sieht das eigentlich da aus, wenn man jetzt sich vorstellt, da werden Drohnen gedruckt. Im Prinzip sind es dann so Plastik-Außenhüllen und die versieht man dann eben mit so Mikroelektronik und dann hat man eben eine funktionierende Drohne, die man dann steuern kann. Und das Tolle ist, das kann man dann vor Ort machen, in so einem Container, da hat man dann 3D-Drucker, sonstige Mikroelektronikstationen und vielleicht noch irgendwo, wo man dann so Kampfmittel mit verbaut. Und das baut man dann alles so schrittweise zusammen. Alles quasi auf dem Schlachtfeld ist das theoretisch möglich. So this is the construction area for Sensofusion's Airfence 7. Over here we have people building this. It's the Airfence 7 Unit, which is in use by our customers in different places. And here we have a prototype for what's inside the Sensofusion tactical drone factory. The container will have one wall filled with 3D printers which will then be printing parts for a drone. This printer is right now printing part of a wing for a drone for an interceptor system. So, we use European-made 3D printers, these are Prusa printers, made in Czechia, because we like from the point of view of supply chain security, it's nice to have European Technology. The tactical drone factory can have different amounts of printers, 8, 12, 16 and then you have 2 or 3 or 4 men operating the factory. And then we have the actual construction of the parts coming out of the printer. So when you look at all these fiber plastic parts that the printer produces there is still a lot of manual work to be done, putting in the engines, putting in the propellers, putting in the radios, putting in the flight controllers. And then of course testing that they actually fly. But the end results then look like this. That's an interceptor drone. You can also add an small explosive charge to it, but just the battery and the electrics, when it's flying at over 300 kilometers per hour should take down most Shahed-like drones when it hits them. And this is also a good example on how we can make a large variety of different kinds of drones with the same tactical drones factory. So these are wing drones using the same parts, but completely different designs. And that's the whole point. We don't want to warehouse existing drones, they simply can be outdated. We want to have the agile capability of building the drones we need when we need them. Es ist ein verregneter Mittwoch im Jahr 2036, 50 Jahre nach 1986. Über einer deutschen Großstadt befinden sich hunderte Drohnen in der Luft. Einige liefern Medikamente aus, andere kontrollieren Stromleitungen, vermessen Baustellen, unterstützen Feuerwehren, Polizei oder transportieren Ersatzteile. 2036 bei uns, gelebte Realität heute schon in China. Aber wenn man sich mal anguckt, teilweise gibt es da ja auf so Parkanlagen in Shenzhen, gibt es dann solche Drohnen-Lieferdienste, also man möchte jetzt ein Picknick machen, geht man da hin und sagt, ich hätte gerne das und das und dann kommt da irgendwie kurze Zeit später so eine Drohne und bringt einen dann das Essen. Das ist schon... Sehr erstaunlich. Die meisten Menschen nehmen sie kaum noch wahr. Dann fällt in einem Stadtteil Strom aus. Innerhalb weniger Minuten ändern mehrere Drohnen selbstständig ihre Routen. Eine Gruppe beginnt, Umspannwerke und Leitungen zu überprüfen, andere liefern mobile Kommunikationssysteme an Einsatzkräfte. Ein autonomes System entdeckt eine beschädigte Leitung und meldet die Position, noch bevor der erste Techniker vor Ort ist. Doch zwischen all diesen legitimen Systemen bewegen sich drei weitere Drohnen. Auch sie handeln vollständig autonom. Eine beobachtet die Einsatzkräfte, eine zweite versucht, deren Kommunikation zu stören. Die dritte filmt das entstandene Verkehrschaos. Doch während die Techniker versuchen, die Stromversorgung wiederherzustellen, erscheinen in den sozialen Netzwerken KI-generierte Videos, die einen angeblich viel größeren Zusammenbruch der Infrastruktur zeigen. Menschen, KI-Agenten, autonome Drohnen reagieren gleichzeitig aufeinander. Einige helfen, andere stören, wieder andere versuchen herauszufinden, was überhaupt passiert. Zehn Minuten später ist der Strom wieder da. Doch niemand im Lagezentrum weiß zu diesem Zeitpunkt mit Sicherheit, ob gerade ein technischer Defekt, ein Unfall oder ein Angriff stattgefunden hat. Vielleicht liegt genau darin die größte Veränderung der kommenden zehn Jahre. Drohnen werden zu handelnden Akteuren, in einer zunehmend komplexen Welt. Und die entscheidende Frage wird nicht mehr sein, ob eine Drohne über uns fliegt, sondern warum sie über uns fliegt. Und damit bedanke ich mich für eure Aufmerksamkeit und wünsche euch noch einen schönen Tag.