Christian ist auch ein Autor (Christian Ullenboom)

Christian ist auch ein Autor (Christian Ullenboom)

Episode description

Wie wird man eigentlich Autor eines Standardwerks, ohne es geplant zu haben? Für die Nullnummer von »Readme« dreht Stefan Proksch von Rheinwerk den Spieß um und befragt Christian Ullenboom – Java-Autor, IT-Trainer und Berater – zu seinem Weg vom C64 ins Informatikstudium und ins Schreiben. Du erfährst, warum er Code wie Knete formt, wie aus einer Seminararbeit ein Standardwerk wurde und welche Idee hinter diesem neuen Podcast mit Christian als Host steckt.

Themen der Folge

  • Einstieg in die Computerwelt mit dem C64 – ohne Datasette
  • Vom abgetippten Basic-Handbuch zur ersten eigenen Programmierung
  • Aufschreiben als Methode, die eigenen Wissenslücken sichtbar zu machen
  • Wie aus einer Projektgruppen-Arbeit das Vorwort zum ersten Java-Buch wurde
  • Wie sich Java über 30 Jahre verändert hat
  • Alltag zwischen Consulting, IT-Training und Schreibtisch
  • Konzept und Anspruch des Podcasts: Personen, Arbeitsweisen, Zeitlosigkeit

Über den Gast

Christian Ullenboom, Dipl.-Informatiker, ist Oracle-zertifizierter Java-Programmierer und seit 1997 Trainer und Berater für Java-Technologien und objektorientierte Analyse und Design. Sein umfassendes Wissen teilt er mit unzähligen Besuchern seiner Website, wo er Fragen beantwortet, Inhalte bereitstellt und diskutiert. Seine Sympathie gilt Java Performance Tuning und den sinnlichen Freuden des Lebens.

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Die sind alle ernsthaft und wollen gute Bücher schreiben. Ich habe bis jetzt

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keinen gesprochen, der gesagt hat, das mache ich mal so nebenbei.

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Herzlich willkommen zur Nullnummer eines völlig neuen Rheinwerk-Podcasts.

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Ich bin Stefan Proksch, Marketingleiter beim Rheinwerk Verlag.

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Nullnummer deshalb, weil die erste Folge dann bald hier in diesem Feed erscheinen wird.

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In diesem Podcast wird unser Autor Christian Ullenboom andere Autorinnen und Autoren

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und Speakerinnen und Speaker von Rheinwerk interviewen.

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Und ich dachte, für diese erste Folge drehen wir den Spieß mal um,

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damit ihr auch wisst, mit wem ihr es da als Interviewer zu tun habt.

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Und in diesem Sinne: hallo Christian.

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Hallo Stefan, danke für die Einladung und die schöne Vorstellung.

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Ich habe jetzt den großen Vorteil – im Gegensatz zu allen anderen Hörerinnen und Hörern –,

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dass ich schon in die eine oder andere Aufnahme, die du bereits gemacht hast,

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hineinhören konnte und deshalb weiß, wie du ungefähr deine Gespräche aufbaust.

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Und ich dachte, für den ersten Teil dieses Podcasts machen wir das ganz genauso.

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Ich möchte erst einmal erfahren, wer du eigentlich bist und was dich zum Rheinwerk-Autor

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gemacht hat. Deswegen fange ich gleich mal ganz früh an:

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Du hast Informatik studiert, aber davor gab es noch mehr.

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Wie war denn der Weg bis dahin?

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Ja, meine Eltern haben sich gepaart und irgendwann kam ich dann als Ergebnis raus.

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Ungefähr neun Jahre später haben mir meine Eltern den C64 geschenkt,

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und das war dann mein Einstieg in die Computerwelt.

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Von dort ging es weiter, Stationen Richtung Studium und dann Büchern.

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Dazwischen lag eine Zeit, in der ich angefangen habe zu programmieren.

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Als ich den C64 damals von meinen Eltern bekommen habe, fehlte mir ein Hintergrundspeicher.

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Ich hatte keine Datasette und kein Diskettenlaufwerk.

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Das heißt: Computer einschalten, Computer ausschalten, und das war's.

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Mir blieb nichts anderes übrig, als das Basic-Handbuch abzutippen und auszuprobieren.

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Ich glaube, das hat mich davor bewahrt, in die Spieleszene abzudriften.

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Viele aus meiner Generation haben gerne Spiele gespielt,

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und ich konnte das schlicht nicht.

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Die Datasette gab es erst etwas später, weil Geschenke bei uns

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immer ganz gerne an Weihnachten und Geburtstag gekoppelt waren.

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Ich bin ein Märzkind, ein Fisch.

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Wir wissen alle, wann Weihnachten ist. Das waren

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die großen Tage in meinem Leben, an denen es Geschenke gab.

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So musste das alles ein bisschen verteilt werden. Bis ich den

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ersten Hintergrundspeicher bekam, habe ich mich schon mit dem Basic-Handbuch

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beschäftigt und damit programmieren gelernt.

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Das war mein Einstieg, und ab dem Zeitpunkt wollte ich

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eigentlich nur noch das machen.

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Ich habe mich dann auch durch das Abitur gequält,

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weil ich genau wusste: Note egal, ich will Informatik studieren. Das war's.

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Und dann habe ich das Informatikstudium abgeschlossen.

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Während der Zeit, in der ich studiert habe, habe ich auch Java kennengelernt.

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Java war damals – mittlerweile ist Java 30 Jahre alt – eine neue Programmiersprache.

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Als ich vor vielleicht 45 Jahren mit dem Programmieren

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angefangen habe, war es Basic, lange Zeit Assembler,

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dann C, ein bisschen C++.

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Ich glaube, Pascal war dabei, Oberon nicht wirklich.

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Das waren die alten Programmiersprachen, mit denen ich in Kontakt gekommen bin.

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Im Studium bin ich mit Java in Kontakt gekommen, und es war schon immer

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eine Lernstrategie von mir, das aufzuschreiben, was ich lerne.

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Denn wenn man versucht aufzuschreiben, was man weiß, entlarvt man sich schnell

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dabei, was man nicht weiß.

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Das Gehirn biegt Informationen immer ganz gerne gerade,

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nach dem Motto: Alles ist gut, du weißt alles, das ist ein sehr

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schönes, geschlossenes Weltbild.

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Denk nicht zu sehr darüber nach, sonst kommst du in Bereiche,

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die dir nicht gefallen würden.

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So funktioniert unser Gehirn. Ich habe also viel aufgeschrieben, und

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daraus ist das Buch entstanden.

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War dir sofort

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bewusst, dass dein Gehirn so funktioniert? Auch ich habe Anfänge

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in Basic, allerdings auf dem Amiga 500 seinerzeit.

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Dann habe ich die ersten Listings abgetippt,

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wie das halt so war, aus Spielezeitungen oder was auch immer.

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Ich habe dann eigene Sachen probiert.

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Irgendwann habe ich eine Seite gebaut, da flog ein kleines

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Flugzeug-Sprite von links nach rechts über den Bildschirm, und dann flog es rechts

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raus und kam nicht wieder auf der anderen Seite zurück,

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wie ich das von den Spielen kannte.

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An der Stelle bin ich gescheitert. Da hat meine Programmierkarriere

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geendet, weil ich nicht wusste, wie ich das jetzt mache.

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Wie war das bei dir? Irgendwo muss ja dieses Ding sein:

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Ich möchte da jetzt tiefer rein.

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Das ist schwer zu sagen. Ich glaube, dass Programmieren erst einmal eine kreative

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Tätigkeit auf der einen Seite ist.

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Zum Zweiten ist man natürlich Herr und Meister über einen Computer,

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dem man befehlen kann, etwas zu tun.

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Ich weiß nicht, ob das so eine Ader in mir ist, dem Computer zu sagen:

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Tu das, in diesem imperativen Befehlston, mach das jetzt – wobei wir alle wissen,

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wie toll das in der Praxis funktioniert, denn der Computer macht nie das, was man will.

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Ich hatte Spaß daran, mich kreativ auszuleben, und

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das kann man mit Programmieren wunderbar machen.

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Vielleicht kommen wir nochmal auf das neue Thema KI und LLMs,

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wo wir noch mehr kreativ sein können, ohne wirklich programmieren zu können.

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Aber ich glaube, das hat mich damals gereizt: etwas schaffen zu können.

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Es ist im Grunde eine intellektuelle Spielerei.

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Eine Programmiersprache ist als künstliche Sprache so anzuwenden wie ein Satz von Regeln.

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Und wenn du die Regeln beherrschst, kommt am Ende ein Ergebnis raus.

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Für mich ist Code etwas, was man wie Knete

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formt, und am Ende kommt ein funktionierendes Programm raus.

6:07

Das fand ich schon immer toll und interessant.

6:10

Genau. Und inzwischen bin auch ich – dem der Sprite nicht wieder

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auf der anderen Seite reinflog – durch Vibe-Coding in der Lage,

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solche Sachen zu machen.

6:17

Und dann ist die Kreativität plötzlich wieder da. In der Tat. So:

6:22

Informatik studiert, für Java interessiert.

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Das macht einen ja aber noch nicht zum Bestseller-Autor. Ich kenne die Geschichte natürlich,

6:30

und du erzählst sie auch an der einen oder anderen Stelle in den nächsten Episoden.

6:34

Aber jetzt hast du hier die volle Breite. Wie ging das damals los,

6:38

als der Rheinwerk Verlag noch Galileo Press hieß?

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Wenn ich mal auf Punkt Null zurückspule:

6:45

Als ich damals in der Projektgruppe ...

6:52

Wenn du Student bist, musst du in der Projektgruppe irgendetwas machen.

6:54

Damals war noch nicht richtig klar, welche Programmiersprache wir in der

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Projektgruppe für das Projekt verwenden würden.

7:01

Typische Kandidaten waren damals C++ und eben Java, was super neu war.

7:04

Ich glaube, Version 1.1 dürfte es ungefähr gewesen sein.

7:07

Ich habe einen kleinen Mini-Vortrag vorbereitet

7:10

und gesagt: Okay, das finde ich interessant, das möchte ich den anderen mal vorstellen.

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Das waren die ersten Berührungen, die ich mit Java hatte.

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In der Projektgruppe waren Kommilitonen, die mich gefragt haben,

7:22

ob ich nicht für die Arbeitsagentur, für das Arbeitsamt, Weiterbildungen

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und Schulungen geben könnte.

7:29

Java ist jetzt 30 Jahre alt,

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also müssen das vor 28, 29 Jahren gewesen sein –

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das ist schon echt lange her.

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Damals gab es nicht wirklich Literatur, vielleicht etwas Englischsprachiges.

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Aber für meinen Kurs

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brauchte ich Unterlagen. Ich habe mir das also selbst beigebracht auf

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der einen Seite und niedergeschrieben auf der anderen Seite –

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nicht nur für mich, um eine Struktur im Kopf zu haben und Sachen zu lernen,

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sondern auch, um einen Lehrwert für den Kurs zu haben.

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Das wuchs immer weiter, und interessanterweise wurde aus meiner Arbeit,

8:14

die ich damals in der Projektgruppe über mein Thema Java abgeben musste,

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später das Vorwort des fast schon fertigen Buchs.

8:24

So intensiv habe ich damals geschrieben, dass ich nach der Zeit,

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in der jeder seine Arbeit abgeben musste, im Grunde das Vorwort

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verwurschtelt habe – und das war dann meine Seminararbeit.

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So fing das Ganze an. Ich hatte das Buch damals mit FrameMaker

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gesetzt. Ich denke, ich habe das an der Uni geschrieben,

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ich weiß gar nicht, ob ich auf meinem PC FrameMaker hatte,

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jedenfalls bestimmt nicht legal.

8:51

Früher hatte man ja einfach Software, genau.

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Früher hatte man so etwas. Dann hatte ich das in PDF auf meine Webseite gesetzt.

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Irgendwann sind auch Verlage auf mich aufmerksam geworden

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und haben mich angeschrieben.

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Damals kannte ich die Verlagslandschaft nicht wirklich. Ich kannte natürlich

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die großen Schwergewichte.

9:12

Aufgewachsen – das dürfte bei dir auch so gewesen sein – war so Data Becker,

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das kannte man als Verlag.

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Oder Sybex als Verlag und natürlich Addison-Wesley.

9:22

Es waren ein paar Verlage dabei, die gefragt haben, aber sie haben mir alle nichts gesagt.

9:26

Entweder, weil ich ignorant war und die Verlage nicht kannte,

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oder sie waren wirklich klein, eins von beiden.

9:31

Aber ich habe zu keinem der Verlage Ja gesagt. Ich habe mich da

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nicht so richtig wohlgefühlt.

9:36

Irgendwann gab es dann eine Anfrage von Galileo Computing.

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Als ich mich ein bisschen mit der Geschichte beschäftigt habe – das ist im Grunde

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die Überbleibsel von Addison-Wesley in Deutschland gewesen –, habe ich gedacht:

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Oh, das sind Leute, die sich auskennen, da will ich hin.

9:53

So ist der Kontakt zustande gekommen: Sie sind auf mich zugekommen,

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und ich habe sie quasi ausgewählt.

10:01

Ich sagte: Mit euch möchte ich das gerne machen, hier ist das Buch, wie geht es weiter?

10:06

Dass das Buch irgendwann erfolgreich sein würde,

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konnte ich überhaupt nicht vorhersehen.

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Ich habe ein Buch nie so geplant. Ich sehe mich als Fachdidakt,

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der niederschreibt, was mir in den Sinn kommt, wie

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ich denke: Okay, so funktioniert eine Gliederung, so kann man Leuten Java beibringen.

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Aber dass das Buch jemals erfolgreich sein würde, daran habe ich überhaupt nicht gedacht.

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Man setzt sich als Autor nicht hin und sagt:

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Ich schreibe jetzt ein sehr erfolgreiches Buch, und das wird alle anderen Bücher verdrängen. Juhu!

10:39

So funktioniert das nicht.

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Der Titel des Buches ist "Java ist auch eine Insel". Jetzt arbeite ich ja im Marketing

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und würde sagen: Ein Teil des Erfolgs dieses Buches ist natürlich auch

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dieser verrückte Titel. Erinnerst du dich daran, wie der entstanden ist?

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Absolut. Ich habe nicht nur Informatik studiert – in Paderborn kann

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man nicht rein Informatik studieren, man muss immer ein Nebenfach haben.

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Ich habe mit Mathe als Nebenfach angefangen, habe tatsächlich bis zum Grundstudium

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Mathe mitstudiert und nach dem Grundstudium gemerkt:

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Die Mathematiker sind genauso bekloppt wie die Informatiker.

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Ich will mal mit anderen Bekloppten zu tun haben.

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Da habe ich Psychologie als Nebenfach gewählt. Die haben auch eine an der

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Klatsche, aber anders. Eigentlich haben alle irgendwie einen Schuss weg.

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Dann bin ich quasi zu den Psychologen gewechselt.

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Das war interessant, weil insbesondere einer der damaligen Professoren

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gerne mit Informatikern zusammengearbeitet und auch schöne Themen gehabt hat.

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Im Studium hast du solche Themen wie kognitive Psychologie,

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was ich dann schwerpunktmäßig auch gemacht habe.

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Damals haben wir uns mit Assoziationen und insbesondere mit Assoziationsnetzen beschäftigt.

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Das könnte man als frühes Prediction Model eigentlich schon der KI zuordnen.

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Dann ging es darum, wie Wörter sich in der Assoziation im Laufe der Zeit ändern.

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Und das ist interessant, weil Java für mich ein gutes Beispiel dafür war:

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Wenn du heute einem Softwareentwickler sagst, ich mache was mit Java,

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würde offensichtlich jeder sagen, ja, die Person macht was mit der Programmiersprache.

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Wenn du die Leute vor 30 Jahren gefragt hättest –

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da gab es die schon noch nicht –, hätte jeder sofort an die Insel in Indonesien gedacht.

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Im Grunde drückt der Titel diese Assoziationsänderung aus,

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dass Java immer noch eine Insel ist und nicht nur eine Programmiersprache.

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Das nimmt das pointiert auf die Schippe. So ist der Titel für das Buch entstanden.

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Und nicht wenige sagen, dass die Verlagsgeschichte eng damit

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zusammenhängt, dass manche sogar sagen: Das ist doch der Verlag mit der Insel.

12:49

Eben weil dein Buch so erfolgreich geworden ist. Inzwischen ist es

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in der 18. Auflage erschienen.

12:57

Was macht das mit einem, wenn ein Buch immer und immer wieder aktualisiert werden soll, muss, darf?

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Bis jetzt kam der Wunsch, das Buch zu aktualisieren, immer von mir.

13:14

Ich bin normalerweise derjenige,

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der zum Verlag geht und sagt: Hey, lass uns eine neue Auflage machen,

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eine neue Java-Version ist durch.

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Mittlerweile ist es so, dass durch das LTS-Release, das teilweise drei

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Jahre und jetzt zwei Jahre lang ist, immer ein bisschen gebremst wird.

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Man sagt: Ja, Christian, können wir nicht wieder eine neue Auflage machen?

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Aber eigentlich war ich immer derjenige,

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der sagte: Wir müssen alle neuen Features reinbringen.

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Natürlich gehört es zum Erwachsenwerden dazu, zu lernen,

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dass a) das nicht immer geht und b) die Wirtschaft nicht so tickt,

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dass sie insbesondere bei Java jede Version mitnimmt.

13:57

Gerade Unternehmen schauen schon nach LTS, Long Term Support Releases.

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Das heißt so etwas wie ganz früh Java 8 oder dann später Java 11, Java 17, 21, 25.

14:07

Da sind wir beim Zwei-Jahres-Rhythmus, was in Unternehmen interessant ist.

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Letztendlich habe ich das auch akzeptiert und sehe das heute entspannter:

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Dann machen wir halt nicht jedes Jahr ein Update,

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sondern alle zwei Jahre, damit kann ich auch leben.

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Früher war das anders, da wollte ich immer mehr drin haben

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und auch was aktualisieren.

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Auch, weil in der Anfangsphase noch mehr Ungenauigkeiten in der Insel waren –

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ich würde nicht sagen, dass es in der Insel jemals so richtig harte Fehler gab,

14:40

wo du sagst: Ey, das ist Quatsch. Eher Ungenauigkeiten,

14:43

wo du sagst: Okay, das könnte man fehlinterpretieren, das ändere ich mal.

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Und dann habe ich mir gewünscht, dass eine aktualisierte,

14:51

fehlerfreiere Version sofort auf den Markt kommt.

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Das war immer eine Motivation für mich:

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Oh Gott, ich weiß, da sind so viele Ungenauigkeiten drin,

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wie dämlich, jetzt kann ich das Buch erst in zwei Jahren aktualisieren.

15:03

Damals wollte ich, dass das neueste Buch

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immer mit allen Korrekturen schnellstmöglich auf den Markt kommt.

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Mittlerweile sehe ich das entspannter, weil ich weiß:

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Fachliche Fehler gibt es in der Insel nicht,

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dafür mache ich das schon lange genug. Und ich sehe auch:

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Eine super neue Java-Version zu erklären, wäre auch für den Markt gar nicht so interessant.

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Das habe ich im Laufe der Jahrzehnte gelernt.

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Aber zum Glück zwischen zwei Inseln und wahrscheinlich auch parallel.

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Es ist ja nicht das einzige Buch, das du beim Rheinwerk Verlag geschrieben hast.

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Wenn man in unserem Webshop nach Ullenboom sucht, sieht man das komplette Konglomerat.

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Du hast eben gesagt, das war vor 30 Jahren, das war etwas anderes.

15:48

Ich will gar nicht vorgaukeln, dass ich dazu was sagen

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könnte – aber so eine Programmiersprache,

15:54

verändert die sich auch im Lauf der Zeit, so wie du dich verändert hast,

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so wie ich mich verändert habe? Passiert da was?

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Ja, ich bin dicker geworden und die Programmiersprache auch.

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Ich glaube, diese Analogie dürfte passen.

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Es gibt einige Fehlentscheidungen, die man in Java getroffen hat,

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um möglichst schnell auf den Markt zu kommen, die man heute bereut.

16:16

Wir brauchen jetzt nicht so sehr ins Detail gehen, aber bei den Datentypen

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oder bei der Organisation der Typen in Pakete

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war man etwas bequem und hat gesagt: Ja, das machen wir mal so,

16:28

dann kann man das schneller umsetzen. Und nur ein Typ im Paket – ja,

16:33

das wäre nicht so toll, machen wir alles in einem Paket. So etwas in der Richtung.

16:37

Java hat sich da angepasst und geändert.

16:40

Was mir an Java eigentlich ganz gut gefällt, ist die Tatsache,

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dass man im Java-Universum nicht so arrogant ist,

16:47

sondern sich anschaut, was in anderen Programmiersprachen

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gut funktioniert, und das dann übernimmt.

16:52

Für mich ist ein Gegenbeispiel C#. Wenn man sich die Sprachspezifikation

16:57

von C# anguckt, steht auf den ersten Seiten so etwas drin wie: C#

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ist das Beste aus – und dann kommt irgendwie, ich weiß es nicht genau,

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C++ und Smalltalk. Aber Java steht da gerade nicht.

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Damals war völlig klar: C# ist eine Antwort auf Java.

17:11

Da hat sich Microsoft irgendwie nicht getraut zu sagen:

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Hey, das ist unsere Antwort auf Java.

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Umgekehrt sieht das anders aus. Im Java-Universum sagt man heute gerne

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bei neuen Sprachfeatures: Das funktioniert in C# ganz gut,

17:25

lass uns das auch in Java machen, die haben damit gute Erfahrungen gemacht.

17:28

Insofern lebt eine Sprache immer weiter, weil auch die Anwendungsfälle einer Sprache sich ändern.

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Früher spielte objektorientierte Programmierung eine große Rolle.

17:38

Mittlerweile gibt es etwas, was man datenzentrierte Programmierung nennt –

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der Umgang mit Daten und die Auswahl von Daten ist etwas mehr in den Fokus

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gerückt, und dann nimmt die Sprache diese Trends auch mit auf.

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Daher gibt es eigentlich immer etwas, was sich ergänzt.

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Und es gab eine dunkle Phase, in der Java sich eigentlich gar nicht weiterentwickelt

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hat. Das war so zu Zeiten Java 6, Java 7.

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Java 5 war ein großartiges Release mit vielen Neuerungen.

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Und dann kam ein dunkles Zeitalter, aber in den letzten Jahren hat Java doch

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ordentlich Fahrt aufgenommen und ist weiterhin eine superwichtige Programmiersprache.

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Du schreibst gerade auch an einem C-Buch für den Verlag.

18:17

Du bist ja nicht hauptberuflich Autor. Ist das wichtig, nicht nur für den

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Autor, sondern auch für das berufliche Fortkommen, dass man den Fokus

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immer offen hat in Richtung anderer Programmiersprachen?

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Ich würde erst einmal sagen, dass ich nur über das schreibe, was ich benutze.

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Also Technologien, in denen ich mich gut auskenne. Ich würde nicht

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sagen: Ach, ich glaube, ich hätte mal Spaß am Thema X,

18:42

und deswegen schreibe ich darüber ein Buch. Das würde ich nicht machen.

18:46

Du meinst jetzt aber auch nicht die Plattform, auf der man ja nicht mehr sein möchte.

18:53

Letztendlich, glaube ich, kommt das aus dem Interesse heraus,

18:57

das, was ich in meinem Kopf habe, einmal strukturiert niederzuschreiben.

19:00

Mit dem C-Buch ist es eigentlich genauso. Ich verfolge viele Programmiersprachen,

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weil ich immer ganz gerne Compilerbau gemacht habe und auch ganz früh in meiner

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Jugendzeit schon die ersten Compiler gebaut habe – für den C64

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habe ich schon Spracherweiterungen in Assembler programmiert.

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Deswegen blieb immer das Interesse an Sprachen. So kriege ich grob mit,

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was bei C# passiert, oder was jetzt aktuell – Rust ist ein großes Thema –

19:25

passiert, TypeScript ist ein großes Thema.

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Das verfolge ich, obwohl ich die Programmiersprache nie aktiv benutze.

19:31

Eigentlich bin ich ein Kind von Java und JavaScript, eine Zeit lang von C.

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Diese drei Programmiersprachen, insbesondere Java,

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kenne ich schon sehr, sehr gut, sodass ich mir zutraue, auch ein umfassendes

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Handbuch darüber zu schreiben.

19:46

Und wo nutzt du sie im Alltag, im beruflichen Alltag, jenseits des Darüberschreibens?

19:52

Bei Projekten. Wenn ich Kundenprojekte realisiere,

19:57

dann nutze ich natürlich die Programmiersprachen.

19:59

Was sind das für Projekte? Letztlich wollte ich genau dahin:

20:02

Was machst du eigentlich, wenn du nicht Autor bist?

20:05

Eigentlich Autor sein. Primär bin ich Consultant und IT-Trainer.

20:13

Unternehmen holen mich zu sich, wenn sie Projekte realisieren möchten.

20:18

Dann gebe ich Weiterbildungen beziehungsweise plane mit ihnen die Systemarchitektur.

20:24

Normalerweise ist mein Leben eher einfach: Ich sage anderen Leuten,

20:27

was sie programmieren sollen, gucke dann drüber und sage:

20:30

Aha. Das ist meine primäre Tätigkeit heute.

20:34

Früher war es so, dass ich wirklich auch in Projekten mitgearbeitet habe.

20:38

Das mache ich jetzt aber schon einige Zeit nicht mehr.

20:40

Das ist interessant. Wenn man Autor ist und Bücher schreibt,

20:44

erzählt man den Leuten etwas.

20:45

Wenn man Seminare gibt, so wie du, erzählt man den Leuten etwas.

20:49

Wenn man in Kundenprojekte gerufen wird, haben die Leute ein Interesse,

20:52

aber sie wollen ja, dass du ihnen etwas erzählst, etwas machst, etwas entwickelst.

20:57

Und dann hast du dich beim Verlag gemeldet und gesagt: Ich hätte mal Lust auf so einen Podcast.

21:02

Da bist du aber plötzlich der Zuhörende.

21:05

Wie kommt das?

21:07

Ich sehe da gar keinen Widerspruch drin. In dem Moment,

21:10

wo du über Programmiersprachen schreibst, musst du sie ja auch erst einmal aufnehmen,

21:14

lesen, verarbeiten.

21:16

Genauso wie du dich mit einer Person oder dem Werk einer Person beschäftigst,

21:20

beschäftigst du dich im Grunde mit Bibliotheken und Programmiersprachen.

21:23

Ich glaube, das ist relativ ähnlich: Man nimmt sich Zeit und lässt sich darauf ein.

21:28

Und beim Interview ist es ganz ähnlich. Du sagtest ja auch,

21:31

dass du dich vorbereitet hast auf mich. Du hättest in der Zeit auch eine

21:35

Programmiersprache – man merkt es gleich gerade nicht –

21:37

du hättest auch ein Buch über die Programmiersprache Java lesen können in der gleichen Zeit.

21:43

Ich glaube, das ist ganz ähnlich. Es macht einfach Spaß,

21:46

gewisse Dinge zu lernen, zu verstehen.

21:49

Was ich mir bei den Autoren, die ich im Podcast habe, vorgenommen habe:

21:53

dass ich mindestens eins der Bücher lese.

21:57

Da sind kürzere Bücher dabei.

22:01

Beim Linux-Buch von Dirk und den Co-Autoren ist das Buch zum Beispiel ein bisschen

22:05

dicker und bringt mich in Bereiche, mit denen ich eigentlich nichts zu tun habe –

22:11

Administration ist überhaupt nicht meine Welt, das finde ich auch

22:14

ganz, ganz fürchterlich. Aber das lese ich dann halt, um selber

22:19

etwas zu lernen über das Aufgabengebiet der Autorinnen oder Autoren.

22:27

Als du dich bei uns gemeldet hast und ich gesagt habe, ich brauche

22:31

schon so ein bisschen ein Konzept, wo wollen wir hin mit diesem Podcast,

22:33

wo willst du hin mit diesem Podcast,

22:35

hast du auch gesagt, dass es dir wichtig ist, dass diese Gespräche –

22:39

jenseits dessen, was die Leute beruflich machen und was

22:43

das jeweilige Steckenpferd der Person ist – dass du gerne wissen möchtest,

22:47

wer diese Menschen sind, und dass diese Gespräche zeitlos sein sollen.

22:50

Dieses Thema Zeitlosigkeit hört man auch in den Episoden, die ich jetzt schon hören durfte.

22:56

Warum ist dir das wichtig, dass es eben nicht etwas Aktuelles ist,

23:01

sondern etwas, das man vielleicht auch in zwei Jahren noch mit Gewinn hören kann?

23:04

Ich denke, als Autor machst du eine Tätigkeit, die per se zeitlos ist.

23:11

Als Autor gewöhnst du dir gewisse Arbeitsweisen an,

23:15

wie du Themen aufnimmst, wie du sie verarbeitest. Du hast einen gewissen Ablauf,

23:21

und das finde ich viel interessanter als das Thema als solches.

23:25

Ich wollte im Podcast schon das Thema darstellen, denn diejenigen,

23:29

die den Podcast hören, interessieren sich vielleicht nicht nur für die Person,

23:31

sondern auch für das Thema, was diese Person dazu zu sagen hat.

23:36

Aber es gibt schon ziemlich viele Newsseiten, das kann

23:40

man sich anhören, und das ist weg.

23:42

Wir kennen alle den Spruch: Nichts ist langweiliger als die Zeitung von gestern.

23:45

Wenn ich jetzt die Autoren nach etwas Punktuellem fragen würde,

23:49

was gerade passiert, dann wäre es merkwürdig, sich den Podcast

23:52

in ein, zwei Jahren anzuhören und zu denken: Hä, das ist schon lange vorbei, was ist denn das?

23:56

Deswegen finde ich es interessanter, auf die Methodik der Autorinnen

24:01

und Autoren einzugehen: Wie arbeiten sie, oder wo sehen sie auch in die Zukunft?

24:07

Irgendetwas, was länger anhält von der Information her

24:13

als etwas Punktuelles, das jetzt stattfindet.

24:18

Das finde ich interessanter. Es gibt unglaublich viele Leute,

24:22

die Podcasts haben, in denen das tagesaktuelle Geschehen besprochen wird, News,

24:28

KI-News. KI-News ist vielleicht ein gutes Beispiel:

24:31

Wenn du dir KI-News anschaust, die vielleicht vor mehr aufgenommen

24:34

waren, würdest du denken: Was, wir sprechen von einem Kontextfenster

24:37

von 20.000 Zeichen, ha ha, wir haben jetzt eine Million. Was?

24:43

Wir haben dieses Modell, das so und so viele Parameter hat,

24:47

ha ha. Da merkst du, es wäre völlig veraltet.

24:51

Klar, es gibt Themen, die ich mit den Autoren anspreche,

24:57

die schon ein bisschen im Jetzt sind.

24:59

Aber im Grunde soll es etwas sein, das man sich auch in mehreren Jahren nochmal

25:02

anhören kann und das nicht wirklich veraltet ist. Das wünsche ich

25:07

mir zumindest: dass es etwas Zeitloseres ist.

25:10

Das ist dir bislang gelungen. Das ist jetzt natürlich mein Feedback, und nicht

25:15

um das Ganze zu promoten, sondern weil mir gefallen hat, was ich gehört habe.

25:19

Aber das sollen natürlich die Hörerinnen und Hörer selber entscheiden.

25:23

Du hast eben schon gesagt, du hast dich auf fachfremdes Terrain gewagt.

25:26

Mit Petra Sammer beispielsweise wirst du in einer der zukünftigen Episoden

25:29

über Storytelling sprechen, was, würde ich behaupten,

25:34

nicht direkt dein Steckenpferd ist.

25:36

Du hast hier gleich zwei Sachen: Erstens bist du der Host und musst zuhören.

25:40

Zweitens bei einem Thema, das vielleicht nicht deins ist.

25:43

Willkommen in meinem Leben gerade.

25:46

Was hat das mit dir gemacht? Oh Gott, das war jetzt so eine Markus-Lanz-Frage.

25:51

Was hat das mit dir gemacht? Die Frage ist natürlich sehr gut.

25:57

Tatsächlich war das, was ich mit Petra gemacht habe, aus zweierlei Sicht

26:04

schwierig für mich. Erstens war es das erste Interview, das ich geführt habe.

26:09

Zweitens war es etwas, was absolut fern von meinen Core-Themen ist.

26:16

Deswegen war es für mich schon anspruchsvoll, mich erstens einzuarbeiten

26:20

und zweitens Fragen vorzubereiten.

26:22

Aber ich mache das auch, um neue Themen zu lernen.

26:25

Deswegen möchte ich auch von jedem mindestens ein Buch lesen,

26:29

weil mich das interessiert. Lernen fand ich schon immer schön. Ich fand das

26:33

nie unangenehm – gut, das Lernen in der Schule ist sehr unangenehm. Aber

26:36

das eigene Lernen, wo man sich aussuchen darf, was man lernt, das war immer schön,

26:41

das hat mir immer Spaß gemacht. Das ist jetzt freiwilliges Lernen,

26:44

und es ist einfach schön, auf neues Terrain zu kommen.

26:50

Mir ist wieder aufgefallen, wie isoliert die Fachbereiche sind.

26:56

Das habe ich an Petra ziemlich gut gemerkt, die in ihrem Bereich bekannt

27:00

ist, und ich kannte sie gar nicht.

27:03

Jetzt könnte man sagen: Oh, keine Ahnung von der Welt,

27:06

der kennt das alles nicht.

27:07

Aber ich denke, es ist einfach so normal, dass wir in unserer kleinen

27:10

Bubble leben, und in dieser Bubble

27:16

haben wir wenig Menschen,

27:19

kennen wenig Themen. Dann ist mir das wieder besonders aufgefallen, was

27:25

für ein interessantes Thema das ist.

27:27

Und wie isoliert ich manchmal in meiner Java- oder Programmiersprachen-

27:35

oder vielleicht auch Retro-Computer-Bubble bin,

27:38

dass ich da Leute kenne oder vielleicht auch Personen kenne,

27:41

die Podcasts machen oder YouTube-Kanäle haben.

27:45

Aber fern davon gibt es noch so viel mehr, womit ich – und ich vermute,

27:51

anderen geht das ebenso – einfach auch keine Berührungspunkte habe.

27:55

Wenn du mir jetzt sagst, ich bin totaler Pferdeliebhaber und kann

27:59

dir eine Stunde was über Pferde erzählen, würde ich sagen: Naja, cool.

28:03

Erzähl mir was vom Pferd.

28:04

Pferde? Habe ich keine Ahnung. Erzähl mir was vom Pferd. Ich glaube,

28:08

es gibt einfach so unglaublich viele Themengebiete.

28:12

Deswegen finde ich es interessant, mit Leuten zu sprechen,

28:15

die ein völlig anderes Thema abarbeiten.

28:19

Da kann ich Fragen stellen und etwas lernen. Das finde ich schön.

28:23

Hast du denn jetzt schon nach den ersten wenigen Gesprächen eine Gemeinsamkeit bei euch entdeckt?

28:31

Auch wenn die Themen unterschiedlich sind: dass das,

28:34

was Autorinnen und Autoren ausmacht, sie doch am Ende irgendwie eint?

28:38

Ja, sie sind alle ernsthaft und wollen gute Bücher schreiben.

28:43

Ich habe bis jetzt keinen gesprochen, der gesagt hat: Wir wollen das mal so nebenbei machen.

28:47

Alle nehmen sich sehr viel Zeit, sind sehr gewissenhaft. Keiner

28:53

hat tatsächlich etwas Abfälliges geäußert,

28:56

dass er das Schreiben nicht ernst nimmt.

28:57

Alle nehmen das Schreiben ernst, kleben teilweise länger an Sätzen,

29:04

sind unzufrieden mit Formulierungen, wenn sie später über das Buch

29:08

drübergucken, dass sie große Teile bearbeiten wollen.

29:10

Das konnte ich zumindest bei allen ablesen:

29:13

eine Detailverliebtheit, wirklich ein gutes Buch zu schreiben.

29:20

Und nicht einfach etwas hinrotzen und sagen: Das fällt so ab, ich schreibe

29:24

mal 100 Bücher, mit KI schreibe ich noch 50 dazu, aber eigentlich geht mir das am Allerwertesten vorbei.

29:31

Genau das konnte ich nicht ablesen, sondern wirklich eine Verliebtheit

29:35

in das Thema, auch wenn sie vielleicht wissen, dass es ein exotisches Thema ist.

29:39

Die Liebe zum Thema und zur Verschriftlichung konnte ich bei allen heraushören.

29:45

Das ist vielleicht ein ganz guter Moment. Bislang haben wir überhaupt

29:48

nicht gesagt, wie dieser Podcast hier heißt – weil du das bislang auch

29:52

nicht wusstest, auch wenn du es jetzt doch nicht weißt.

29:54

Das Lustige ist: Alle, die jetzt wahrscheinlich hier eingeschaltet haben,

29:57

wissen es, weil sie schon gesehen haben, wie der Podcast heißt,

30:00

den sie abonniert haben.

30:02

Ich hatte zwischendurch – das war wieder so eine bekloppte Idee aus meinem

30:05

Gehirn – die Idee, wir können das Ding auch "Christian ist auch ein Autor" nennen.

30:10

Hatte da ein bisschen Gegenwind, weil es hieß: Naja, aber wenn der Christian

30:15

das dann nicht mehr moderiert, ist das doof. Und ich sage:

30:17

Wir können ja jetzt nicht schon über das Ende reden.

30:20

Wir sind dann bei dem Titel "Readme – Gespräche mit Autor*innen" gelandet.

30:28

Ja, das ist gut. Woran denkst du, wenn du Readme hörst?

30:30

Ja, lies mich. Eine Readme-Datei ist zumindest im Programmierkontext

30:35

etwas ganz Wichtiges, weil sie immer das Erste ist, womit man zu tun hat:

30:39

Wenn man ein Projekt aufmacht, macht man immer die Readme-Datei auf.

30:42

Ah, Beta-Test bestanden, danke schön.

30:44

Hast du Glück gehabt. Aber das ist vielleicht das falsche Publikum,

30:48

wenn du mich als ITler fragst.

30:51

Ich glaube, das ist auch ein guter Hinweis, dass man grundsätzlich mehr lesen sollte.

30:57

Also lies mich und hör zu. Ja, das passt.

31:00

Genau, und dann eben auch die Frage: Ist das etwas, das du bei allen ausgemacht

31:04

hast, mit denen du gesprochen hast – dass sie gerne gelesen werden wollen?

31:07

Also auch "Read Me" im Sinne von "Read My Book"?

31:11

Das würde ich nicht so sagen. Ich sehe bei allen Autoren keine Selbstdarsteller.

31:20

Das habe ich bei keinem herausgehört, dass sie Bücher schreiben, um berühmt zu werden.

31:25

Es ist eher etwas – ich will nicht sagen unangenehm für diejenigen –

31:30

dass sie ein Buch geschrieben haben und vielleicht damit in der Öffentlichkeit stehen.

31:35

Ich hatte nicht den Eindruck. Das waren eigentlich alles Autoren,

31:40

die nicht selbstverliebt sind und sagen: Ich möchte, dass die Welt weiß,

31:44

wie schön ich bin und wie gut ich bin und wie toll ich ein Thema kann.

31:48

Deswegen schreibe ich ein Buch,

31:49

damit ich berühmt werde, und alle lächeln mich auf der Straße an. Oh ja.

31:53

Nein, also das überhaupt nicht. Bestimmt nicht.

31:56

Ich sehe da gerade noch ganz neue Gebiete für dich.

31:58

Das ist toll.

32:01

Du fragst alle zum Schluss – so kam es mir vor – die Frage: Was würdest du anderen

32:07

Autorinnen und Autoren oder solchen, die es werden wollen, raten?

32:10

Jetzt hast du gerade schon gesagt, was es nicht ist.

32:13

Was ist denn deins, wenn dich das jemand fragt? Was würdest du mir raten?

32:17

Zunächst einmal, ein Thema richtig gut zu beherrschen. Und dann findest du durch

32:23

das Schreiben noch eigene Lücken heraus.

32:25

Bei meinen Seminaren mache ich das – ich habe ein Schulungsunternehmen,

32:28

und immer dann, wenn wir mit neuen Trainern Kontakt haben, würde ich erwarten,

32:32

dass dieser Trainer oder diese Trainerin das Thema perfekt beherrscht, und erst

32:37

dann würde ich der Person

32:39

erlauben, ein Seminar zu halten. Genauso würde ich es

32:43

bei Autoren auch sehen.

32:45

Man muss das Thema perfekt beherrschen, das habe ich vorhin schon mal gesagt.

32:48

Es reicht nicht zu sagen: Ich finde das interessant,

32:51

ich lese mir jetzt drei andere Bücher um und gucke mir ein paar YouTube-Sachen

32:54

an, und dann schreibe ich das Buch, obwohl ich mit der Technologie in der Praxis nie zu tun hatte.

32:59

Das sollte man vergessen. Man sollte die

33:02

Erfahrung in diesem Thema mitbringen.

33:06

Primär, weil man es beruflich macht. Alle diejenigen, die ich bis jetzt

33:10

im Interview hatte, hatten das beruflich gemacht.

33:13

Das ist deren Job. Petra macht die Beratungen.

33:17

Sujivan ist derjenige, der ein eigenes Unternehmen hat, der auch in Unternehmen gearbeitet hat.

33:22

Wenn ich mir Dirk als Systemadministrator angucke: Auch er arbeitet faktisch

33:27

als Systemadministrator.

33:28

Alle Personen arbeiten damit.

33:32

Das Gleiche mit Uwe Post zum Beispiel, der ein Godot-Buch geschrieben hat.

33:35

Er ist derjenige, der wirklich in einem Unternehmen auch mit Godot arbeitet.

33:40

Ich glaube, das ist der Punkt:

33:43

Die Leute verstehen, wovon sie schreiben. Das würde ich auch jedem Autor raten:

33:48

Erst das Thema verstehen, und nicht sagen: Ich habe da Spaß daran,

33:51

ich arbeite mich irgendwie ein und schreibe ein Buch darüber.

33:54

Das reicht nicht, um ein gutes Buch zu schreiben.

33:57

Man kann ein Buch schreiben, gerade mit KI:

33:58

Dann gibt man ein paar Stichwörter und am Ende fällt ein Buch raus.

34:01

Aber was ich beim Java-Buch gemerkt habe: Die Leute schätzen,

34:07

dass viele kleine Detailinformationen drinstehen.

34:10

Performance ist immer so ein Standardthema:

34:13

Aus der Praxis ergibt sich, dass das besser funktioniert als das.

34:17

Wenn man FAQs studiert, häufige Fragen, die Leute haben,

34:22

und irgendwann, wenn du viele Schulungen machst, kannst du verschiedene

34:24

didaktische Konzepte durchprobieren.

34:26

Du lernst dadurch, welche Fragen die Leute im Seminar haben.

34:31

Das kann man wieder in ein Buch zurückspiegeln.

34:34

Ich glaube, das ist eine Voraussetzung, die du als Autor haben solltest:

34:37

die fachliche Kompetenz, gut schreiben zu können.

34:40

Du hast schon einen perfekten Sneak Peek gegeben auf das, was die Hörerinnen

34:44

und Hörer hier in Zukunft erwarten können. Jetzt bin ich aber gemein:

34:47

All das hattest du als Podcaster ja nicht. Was würdest du also anderen Leuten

34:51

mit auf den Weg geben, die sagen: Oh, ich möchte auch gern mal andere interviewen?

34:55

Mach's einfach.

34:58

Ich glaube, es gibt so viele Sachen, in die man einfach reinwächst.

35:02

Wenn ich mir andere Interviewer anschaue oder anhöre, lerne ich natürlich auch

35:07

dadurch, wie man Fragen stellen kann, wie ein Gesprächsverlauf ist.

35:14

Das kann man einfach mal ausprobieren und seinen Podcast hochladen.

35:20

Letztendlich, glaube ich, hören Menschen anderen Menschen gerne zu.

35:23

Wenn man eine Meinung hat, fachlich kompetent ist und für den

35:27

Zuhörer etwas Relevantes dabei ist, wird man auch gehört.

35:32

Es kann gut sein, dass unser Podcast überhaupt keinen interessiert. Warten wir es mal ab.

35:39

Aber einfach machen, wie bei so vielen Sachen im Leben. Einfach machen.

35:42

Man wächst in viele Sachen rein.

35:45

Ich finde, das ist ein superschönes Schlusswort. Vielen Dank, Christian,

35:48

hier in der Nullnummer von "Readme – Gespräche mit Autor*innen".

35:52

Hier wird es bald weitergehen, und dann wechseln wir zum Glück die Seiten:

35:56

Dann wirst du die Leute zu ihrer Autorinnen- und Autorenschaft interviewen.

36:00

Hast du noch irgendetwas, was du jetzt zum Schluss dieser Nullnummer den Hörerinnen

36:04

und Hörern mit auf den Weg geben willst?

36:05

Dann wird es bald weitergehen mit anderen Autoren, und da stelle ich die Fragen, nicht nur du.

36:05

Dann wird es bald weitergehen mit anderen Autoren, und da stelle ich die Fragen, nicht nur du.