Uwe Also ohne Theorie geht es nicht. Wenn man nur Praxis macht, ist es sozusagen schön, macht Spaß, aber dann fehlt etwas. Dann kommt das raus, was mit meinem Videospiel zu Anfang passiert ist. Es hat tatsächlich funktioniert, aber es hatte prinzipiellen Designfehler. Hätte man ja vorher darüber nachdenken können. Und um sowas vielleicht zu vermeiden, ist die Theorie schon irgendwo auch wichtig.
Christian Mein heutiger Gast ist Uwe Altenburg. Er ist in Thüringen aufgewachsen und kam früh mit Elektronik und Computertechnik in Kontakt. Daraus entstand eine Leidenschaft für das Basteln, Messen, Programmieren und Verstehen technischer Systeme, die er letztlich auch zu seinem Beruf machen konnte. Sein akademischer Weg begann an der Technischen Universität Ilmenau, wo er Feinwerkmechanik studierte und später im Bereich Systemanalyse promovierte. Schon während der Promotionszeit wechselte er in die industrielle Praxis und arbeitete ab 2001 als Softwareentwickler in Ludwigsburg. 2017 führte ihn die Verbindung aus wissenschaftlichem Hintergrund und industrieller Praxis an die FH Erfurt, wo er Professor für technische Informatik und eingebettete Systeme wurde. Nach einigen Jahren in der Hochschullehre zog es ihn noch einmal zurück in die Industrie. Seit Mai 2026 ist er zurück in der akademischen Welt als Professor für Embedded Systems an der Hochschule Fulda. Beim Rheinwerk Verlag hat er das Buch »Embedded Systems: Entwurf und Anwendung von Single-Chip-Systemen mit STM32« veröffentlicht. Sein Thema sind also Computer, die man oft nicht sieht, Microcontroller in Geräten, Maschinen und Anlagen. Darüber sprechen wir heute. Herzlich willkommen, Uwe.
Uwe Hallo Christian. Erstmal vielen, vielen Dank, dass ich bei dir eingeladen bin in deiner Runde mit den Autoren.
Christian Das freut mich, dass ich dich an die Strippe bekommen habe und das Erste, wo ich gerne anfangen möchte, wäre, wie bist du überhaupt zu Elektronik gekommen? Erinnerst du dich noch an deine erste Schaltung, die du zusammengesetzt hast? In welchem Alter war das wohl und was hast du damals gemacht? Weißt du das noch?
Uwe Also die erste Schaltung, da wird es schon ein bisschen dünner werden. Aber wie das angefangen hat, das weiß ich schon noch. Also ich bin ja, wenn ich da ein bisschen aushole, ich bin ja eigentlich DDR-Kind, wenn man das mal so formulieren will. Und hatte eigentlich auch, also abgesehen davon, dass es schon manches Mal, weil manche Sachen gab, die nicht so gefallen haben, hatte ich eigentlich eine super Kindheit. Und ich hatte eben auch viel Berührungspunkte mit so elektronischen Geräten, mit Schaltungen. Und das kam zum einen, weil mein Vater im Büromaschinenwerk, in der Stadt, wo ich aufgewachsen bin, gab es das Robotron Büromaschinenwerk. Da hat mein Vater gearbeitet bei der Druckerentwicklung. Also er war sozusagen direkt in der Entwicklung tätig und hat die Mechanikkonstruktion für die Drucker gemacht. Das waren so Drucker, die gab es eigentlich auch, konnte man, glaube ich, einen Neckermann-Katalog kaufen, Präsident K63, irgendetwas. Also das waren gute Geräte. Und die wurden in der kleinen Stadt, in der ich aufgewachsen bin, da wurden die hergestellt. Unter anderem auch noch PC 1715, verschiedene andere Bürocomputer und, und, und. Und ich hatte schon quasi von ganz früh, hatte ich da immer so ein bisschen Kontakt. Und irgendwann habe ich auch angefangen mit so Bausätzen, habe ich irgendwas zusammengebaut und gelötet. Aber dann kam eigentlich der Durchbruch schlechthin, wenn ich es mal so sage. Will jetzt aber nicht einen Monolog anfangen. Aber es ist interessant insofern. Ein Freund hatte so ein Videospiel. Heute sind das so Klassiker, so Vintage-Videospiele. Die haben so eine Lumineszenz-Anzeige. Richtig schön bunt. Damit habe ich bei ihm gespielt und jetzt wollte ich so ein Ding haben. Das gab es aber nicht. Das war unmöglich. Also es führte kein Weg hin. Aber was soll ich sagen? Ich habe einfach angefangen zu üben und zu lernen, wie das funktioniert. Wir haben das sogar auseinandergenommen bei ihm. Ich wollte wissen, was da drin ist, aber da war nur ein Schaltkreis.
Christian Habt ihr es wieder zusammenbekommen?
Uwe Ja, vielleicht. Auf jeden Fall habe ich mich hingesetzt und habe mich mit Schaltungstechnik, digitaler Schaltungstechnik, da war ich 13, 14, sowas, beschäftigt und dann habe ich meinem Vater einen Zettel geschrieben, ich brauche Zählerschaltkreis, der hieß dann D192, D193 und da hat er sich dann schlau gemacht und ob man das bei Robotron vielleicht irgendwo kriegen kann und hat mir die Schaltkreise mitgebracht und das hat sich dann so ein bisschen verstetigt. Ich brauchte dann immer mehr. Zum Schluss habe ich ein Videospiel gebaut mit 20 Leuchtdioden, also nichts mit Lumineszenz-Anzeige und so, aber 20 Leuchtdioden und die habe ich auch oben so angefeilt. Ja, da habe ich dann mit schwarzer Farbe habe ich da so ein kleines Raumschiff drauf gemalt und das andere war die Meteoriten und es hatte einen ganz kleinen Fehler. Es war aus, ich glaube, über 20 Schaltkreisen, TTL und ich habe es mit Batterie versorgt, das waren so Flachbatterien und man konnte leider die Höchstpunktzahl nicht erreichen, weil dann die Batterie schon runter war. Das war sozusagen ein kleiner Designfehler.
Christian Ja, okay. Und Wechsel ging nicht, weil sonst wäre der Stand ja weg gewesen.
Uwe Aber das war so der Einstieg. Aber ich muss auch sagen, also mein Bruder ist ein paar Jahre älter als ich und der ist genau dieselbe Kategorie. Und der hatte dann auch schon immer verschiedenste Sachen. In der DDR gab es den U-880, das war so ein Z-80. Und damit hat er schon immer, der war schon ein bisschen weiter experimentiert und irgendwann hat er mir auch mal ein Board gegeben mit dem 68HC11. Dann habe ich da einen Assembler drauf rumgehackt. Also das sind so die Anfänge. Und dann, ja, irgendwann kam dann auch die Wende, C64, Amiga, DOS, PC, also der übliche Weg.
Christian Meine Frage, der Z80-Nachbau, wurde der in der ehemaligen DDR wirklich gefertigt oder kam der aus der UdSSR damals?
Uwe Ja, wo der herkam, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Also ich weiß auch nicht, ob der gekupfert war. Das will ich jetzt gar nicht in den Raum stellen. Aber U-880 gab es tatsächlich als Schaltkreis 40-poliges Teil. Da waren auch die 1715, die waren damit gebaut. Also das war sozusagen die Technologie, die verfügbar war.
Christian Woraus hast du damals dein Wissen genommen? Also ich finde es interessant, weil vielleicht hängt ja auch ein bisschen deiner Lebensgeschichte wirklich daran, dass du in der ehemaligen DDR aufgewachsen bist, und möglicherweise war auch der Zugang zu Wissen beschränkt. Welche Möglichkeiten hattest du damals, dich weiterzubilden und Informationen dran zu holen? Weil logischerweise Internet gab es noch nicht. Wie sah das aus mit Büchern? Gab es schon Schaltpläne, die verfügbar waren, Datenblätter? Woher hast du die Informationen genommen?
Uwe Also es gab erstaunlich viele gute Elektronikbücher. Das muss ich jetzt mal so sagen, also ohne, dass ich da jetzt übertreiben möchte. Es gab das große Schaltplan-Bastelbuch. Hagen Jakubaschk war, glaube ich, der Autor. Der hatte viele Bücher in der DDR geschrieben. Dann gab es sowas wie Fernsteuerung, selbst gebaut, auch so ein Elektronikbuch. Und die hatten alle so diesen selben Charakter, will ich mal sagen. Also das ging vom Transistor. Wie funktioniert der Transistor? Oder bei dem Schaltplan-Bastelbuch, da war das dann irgendwann mit TTL angefangen. Und danach kamen dann so Selbstbauschaltungen. Also das war eigentlich so immer derselbe Aufbau. Und da konnte man recht gut lernen. Das war für mich so das, wo ich mein Wissen hergezogen habe. Und außerdem konnte ich meinen Bruder fragen oder ich konnte meinem Vater irgendwie einen Auftrag mitgeben, dass der sich mit einem Elektroniker mal kurz schließt. Wenn es einen Schaltkreis nicht gab, habe ich vielleicht einen anderen gekriegt. Und dann habe ich da wieder nachrecherchiert, wie der funktioniert. Also es gab schon ganz gute Bücher. Und das war eigentlich auch das, wo ich da mein Wissen herausgezogen habe.
Christian Wie kam es jetzt von dem privaten Interesse auf der einen Seite hin zu einem Studium? Das ist ja durchaus ein Schritt, quasi ein Hobby basteln, zu einem Studium zu machen und da professioneller einzusteigen. Also ich habe Informatik studiert und das hat erstmal überhaupt nichts mit Computerprogrammieren zu tun. Wie war das bei dir gewesen, zu sagen, okay, das macht mir Spaß, ich möchte jetzt das akademisieren?
Uwe Also ich will gar nicht sagen, dass ich da so weit schon geblickt hätte, aber dass ich studiere, das stand eigentlich sowas von felsenfest. Und auch die Materie, wobei das Studium, was ich jetzt zuerst quasi gemacht habe, das war Feinwerktechnik, hieß das in der DDR. Ja, Gerätetechnik könnte man das heute, glaube ich, oder, also das ist so eine Mischung quasi aus Elektronik, Mechanik, auch mit Programmierung gemischt, also so.
Christian Mechatronik, kann das sein?
Uwe Ja, Mechatronik könnte man das hier ganz gut übersetzen. Es wird es treffen. Also wir hatten viel so Konstruktionsgeschichten, also richtig Mechanik, auch Optik. Also das Spektrum war so breit und es gab auch noch einen kleinen Vorteil. Das war jetzt aber nicht der Grund, warum ich genau das Studium gewählt habe: Wer dieses Studium machen wollte, musste nicht zur Armee. Das war so im Bedarf, dass man da alles toleriert hat und ich wollte das sowieso, von daher gab es eigentlich überhaupt keinen ... Was dann später daraus geworden ist, das war da nicht abzusehen, würde ich mal sagen. Wenn ich dann selber vielleicht irgendwie Interesse hätte, was zu schreiben oder kann sogar dann irgendwie an eine Hochschule gehen, das war überhaupt nicht geplant. Der Plan, wenn man es jetzt mal so sieht, zu den DDR-Zeiten, als ich angefangen habe zu studieren, das war 1989, da war ja gerade so, also alles, was vorher war, da konnte man das ja noch gar nicht absehen, sage ich mal. Und da war eigentlich quasi gesetzt, dass ich hinterher bei Robotron in dem Büromaschinenwerk arbeite.
Christian Ja, ja, ja.
Uwe Aber das ist jetzt gar nicht DDR-typisch oder so. Das wäre sicherlich auch in den alten Bundesländern so gewesen. Wenn man eben in der Nähe von, ich sage mal, Telefunken oder so gearbeitet hätte, dann hätte man automatisch dort angefangen. Das stand so fest.
Christian Das kann ich nachvollziehen. Also ich habe in Paderborn studiert und Wincor Nixdorf war dort. Und klar, viele haben da gearbeitet. Also das ist jetzt nichts Ungewöhnliches. Da wo ein großes Unternehmen ist, da viele Leute arbeiten. Also bei Nixdorf, später Wincor Nixdorf, war das ganz ähnlich gewesen. Nach deinem Studium ging es dann los mit der ersten Arbeit. War das im Elektronikumfeld? War das schon mit Microcontrollern oder war das noch was anderes? Oder wie war deine Laufbahn nach dem Studium?
Uwe Ja, direkt nach dem Studium, da war eigentlich erst mal so, wie soll ich sagen, was soll ich eigentlich tun. Jetzt habe ich ein schönes Studium, ich war fertig, war eigentlich ganz happy, und das Erste, was dann so eigentlich aufkam, das war ein Ingenieurbüro und da gab es also eins, was sich für Mikroelektronik interessiert hat oder wo auch so Schaltungen entstanden sind, und da habe ich angefangen, das war im Sommer da. Das war quasi ja nochmal ein Studium. Das war Elektronik im Rahmen von Automatisierungsanwendung. Also dieses Ingenieurbüro hat kleine Steuerungen hergestellt, auf Deutsch gesagt. Mit dem Z8 habe ich da programmiert, mit Z80, mit allem Möglichen. Und Schaltung auch so ein bisschen Operationsverstärker, Schaltung für Sensoranpassung. Und PC-Software habe ich gemacht, lustige PC-Software, so Bediensoftware, damit man irgendwie so Automatisierungsanlagen steuern kann. Heute würde man sagen Visualisierungen. Und dann hatte ich auch eine ganz coole Aufgabe. Das waren diese ersten Shelf-Label, diese heute zum Beispiel im Media Markt oder Saturn und, aber das ist eigentlich praktisch überall. Ich will jetzt keine Werbung machen. Das sind solche elektronischen Preisetiketten. Die werden ja über Funk aktualisiert. Und das war seinerzeit ein Auftrag von Wincor Nixdorf. Siemens Nixdorf?
Christian Ja, kann sein. Oder Diebold.
Uwe Und wie so eine Art Prototyp zu bauen einfach. Und da ging es eigentlich los. Es war also eine Kooperation mit der TU Ilmenau. Die Hochschule hat die Funktechnik gemacht. Und wir hatten so einen ersten Prototypen gebaut. Ich glaube, so ist das nie in Serie gegangen. Wir konnten nie diesen Low-Power-Bereich erreichen, den man sich da vorgestellt hat. Aber wir haben tatsächlich … ein Patent bekommen auf die Funk-Übertragung, dass man von einer zentralen Stelle auf tausende solcher Labels Daten überträgt. Das ist aber inzwischen ausgelaufen. Ich habe davon auch nichts wirklich gehabt. Das hat einfach Wincor Nixdorf eingetütet. Das ist das Patent. Dann war's das, gut. Aber es war eine interessante Aufgabe. Und so ein bisschen ist das eben quasi auch so der Einstieg. Weil dann gab es Kontakte zur TU Ilmenau wieder. Da habe ich zwar studiert, aber nach dem Studium war dann eigentlich nicht mehr groß. Und da entstand dann quasi wieder so ein bisschen: Ach, eigentlich wäre es ja gar nicht schlecht, vielleicht noch eine Promotion dran zu hängen oder so. Und das war dann eigentlich der Weg Richtung Promotion.
Christian Was war denn die eigentliche Motivation dann heraus? Ich sage mal, du hast gearbeitet, wie ich das gehört habe. Warst du froh nach dem Studium jetzt zur Arbeit und zu einem interessanten Thema zu kommen, dass du dann plötzlich den Bruch hast und sagst, ach nö, ich möchte wieder zurück an die Uni gehen. Ich möchte studieren, ich möchte mich mit einer Dissertation beschäftigen. Und erst mal die Abkehr von der Praxis, das ist doch eigentlich eine Abkehr, oder?
Uwe Da lagen ja schon ein paar Jährchen dazwischen. Also wann war ich denn fertig? Das war, ich habe angefangen, 1994 war ich fertig. Dann habe ich ein bisschen gearbeitet und ich glaube so 1999. Also fünf Jahre lagen da dazwischen. Ja, was ist die Motivation? Irgendwann denkt man, man könnte es vielleicht und macht das dann halt. Vielleicht war auch die Überlegung, soll ich jetzt bis zur Rente weiter Elektronik entwickeln oder will ich was anderes machen? Also nicht, dass es mir keinen Spaß gemacht hätte, so kann man das nicht formulieren. Aber einfach, ja, es war irgendwann dann so ein innerer Antrieb und die Motivation war eigentlich ruckzuck geboren. Und dann kamen auch Kontakte, also dann waren halt Diskussionen, wer könnte da der Doktorvater werden und sowas. Und dann gab es Gespräche mit Ilmenau. Also war eigentlich so ein Prozess. Das ist nicht so von einem oder anderen Tag, wo ich gesagt hätte, jetzt, ja, ich will, sondern so über ein paar Monate würde ich mal vielleicht insgesamt sagen, bis man sich wirklich entschieden hat.
Christian Erinnerst du dich noch an den Titel deiner Dissertation?
Uwe Ja, gute Frage. Ein Beitrag zur Entwicklung von Strategien zur koordinierten Steuerung autonomer mobiler Multirobotersysteme.
Christian Typisch akademisch langer Titel.
Uwe Ja, in gewisser Weise ist das aber korrekt, weil je kürzer der Titel, desto größer müsste der Umfang sein.
Christian Ja, verstehe. Also letztendlich, je feiner man irgendwo reingeht, desto leichter ist es auch ein Thema zu finden, was es dann noch nicht gab und was es noch nicht abgehandelt gab. Gab es zu dem Zeitpunkt, als du deine Dissertation geschrieben hast, gab es da schon Microcontroller?
Uwe Aber ja, ganz gewiss.
Christian Ja, ja.
Uwe Also wann habe ich die geschrieben? Das war 1999 bis 2005 oder sowas. Also da gab es schon Mikrocontroller und ich habe auch mit Mikrocontrollern programmiert und das war alles schon Stand der Technik quasi. Also das, was in der Arbeit neu war, waren eigentlich so die Strategien, wie man jetzt mehrere Roboter koordiniert steuern kann.
Christian Das heißt, du hast ja eigentlich die gesamte Entwicklung der Microcontroller auch mitgemacht. Von den Anfängen bis zu den modernen Geräten. Also im Grunde, genauso wie du auch die Entwicklung von Heimcomputern ja miterlebt hast, hast du auch die Entwicklung von Microcontrollern mitgemacht. Da würde ich gleich mal einsteigen und fragen, wie würdest du einen Microcontroller charakterisieren? Also was ist das Besondere dabei? Und was ist der Unterschied zwischen: Ich habe eine normale CPU und ein bisschen drumherum? Also was ist das Besondere bei so einem Microcontroller? Warum ist es auch interessant für Hobbypersonen oder auch in der Industrie? Was macht das so wichtig?
Uwe Also eigentlich sind es zwei Sachen. Das eine ist, würde ich jetzt mal so sagen, ist der Punkt, dass ein Mikrocontroller eben alles in sich vereint. Da ist der Speicher schon drin, da ist die Peripherie quasi schon drin. Auch die Anschlüsse bis hin zum IOPIN, das ist ja alles schon im Mikrocontroller drin. Bei einem Prozessor hat man eine CPU und dann schließt man Speicher an und dann schließt man vielleicht noch irgendein Peripherie-Element an. Mikrocontroller hat alles in sich. Und das Zweite, was ich jetzt noch spannender finde, ist, dass man eigentlich Mikrocontroller immer einsetzt, um etwas zu steuern. Nie ein Mikrocontroller, der eine Textverarbeitung macht. Das kommt praktisch nicht vor. Aber dass man Motoren steuert, dass man vielleicht, ja, ich weiß jetzt gar nicht, eine Fernsteuerung für ein Auto macht, würde man heute auch mit Mikrocontroller bauen. Oder dass man irgendein Display ansteuert, einfach um irgendeine Kurve zu zeigen. Das ist das, was das eigentlich für mich jetzt persönlich ausmacht.
Christian Was ich interessant finde, ist, dass du ja auch den Umbruch mitbekommen haben musst, zwischen: Es gab noch keine Mikrocontroller, man muss alles selber bauen, hin zu: Plötzlich gibt es da ein Gerät, das können wir nehmen. Gab es da einen gewissen Widerstand? Ich finde das mal ganz interessant, das mal so zu hören, wie du das bewertest, ob es in der Industrie, einen Widerstand gegen sowas Neues gab oder ob man das mit offenen Armen empfangen hat, wow, super, wir können die Hälfte unserer Elektronik wegschmeißen, das, was wir damals zusammengebastelt haben, brauchen wir gar nicht mehr, das können wir durch ein System-on-the-Chip ersetzen, juhu. Aber wie war der Umbruch gewesen? Wie kann ich mir das vorstellen?
Uwe Also eigentlich war es eine willkommene Sache mit den Mikrocontrollern, würde ich mal interpretieren. Also man hätte vieles von dem, was ich jetzt da mitgekriegt habe, gar nicht bauen können. Oder wenn, dann hätte das einen sehr, sehr großen Aufwand bedeutet. Also Industriesteuerungen sind zwar schon eher so in Richtung PC einzuordnen, aber ist ja alles in einem Gehäuse und das muss integriert sein. Also von daher ohne Mikrocontroller, ohne integrierte CPUs wäre das nicht möglich gewesen. Also der Schritt ist definitiv gekommen gewesen.
Christian Wie viel ist eigentlich bei einer Arbeit mit Mikrocontrollern wirklich noch Hardware versus Software? Weil ich mir vorstelle, dass wenn jetzt so ein Mikrocontroller so viele Aufgaben übernimmt, brauche ich ja insgesamt weniger Elektronik als vielleicht noch vor 20 Jahren. Und plötzlich verschiebt sich vieles auf die Software. Ist es tatsächlich so, dass der überwiegende Teil, wenn man mit Mikrocontrollern in der Industrie arbeitet, eigentlich eher ein Software-Teil ist? Also wie viel Hardware ist da eigentlich noch dabei?
Uwe Ja, also es verschiebt sich schon stark in Richtung Software. Ich würde mal so sagen, das Know-how steckt in der Software. Aber natürlich, wenn es irgendetwas ist, was sehr, sehr schnell gehen muss, wo die Software einfach nicht mehr hinterherkommt, dann wird man immer noch auf Hardware zurückgreifen. Und die zu bauen oder die zu konzeptionieren, das ist schon noch eine gewisse Herausforderung. Aber ich denke mal, tendenziell geht es eher Richtung Software. Wenn ich zum Beispiel an Filteralgorithmen denke oder an ähnliche Sachen, wo mehr Algorithmisches enthalten ist, dann ist die Software doch klar vorn. Aber es gibt eben auch schon Mikrocontroller, die irgendwelche Filter in der Hardware haben. Auch da gibt es immer wieder Entwicklungen, die verblüffend sind. Also so gesehen, die Software wird weiterhin meines Erachtens nach, das Intelligentere sein. Die Hardware ist schon wichtig, braucht man, aber die ist ersetzbar, während das Know-how in der Software steckt.
Christian Ja, es gibt ja verschiedene Mikrocontroller beziehungsweise Ökosysteme. Also sowas wie STM32, das war dein Thema gewesen im Buch, aber wir haben ja auch die Familie der ESP32-Geräte jetzt mit WLAN oder ohne WLAN. Wir haben die ganze Arduino-Plattform. Wie würdest du die ganzen untereinander, trennen? Also wer oder welche Familie hat wo welchen Schwerpunkt? Was ist für Bastler interessant? Was ist für Unternehmen und Industrie interessant? Kannst du das mal einordnen?
Uwe Also das sind eher so persönliche Meinungen. Ich würde jetzt nicht sagen, dass jemand da jetzt drauf setzen muss. Oder wenn ich das sage, ist es definitiv richtig. Ich sehe eher so die STM32-Schiene, das ist Industrie. Der Maker kann das natürlich auch verwenden, ist keine Frage. Aber man muss sich halt doch mehr damit beschäftigen, wenn man etwas erreichen möchte. Wenn ich mit dem Arduino zum Beispiel da vergleiche, da gibt es so viel Vorgefertigtes und das geht auch relativ schnell, da was zu laufen zu bekommen. Aber dann ist eben auch Ende der Fahnenstange. Wenn ich etwas Besonderes haben möchte, dann muss ich da eintauchen. Ich müsste jetzt dieses Framework anfassen. Und da ist dann eben Schluss. Also es geht viel schnell, aber dann ist irgendwo, ich will nicht sagen Sackgasse, aber dann wird die Luft dünn. Und da möchte man lieber etwas haben, was man dann vielleicht auch noch im Detail programmieren kann, was den Einstieg allerdings dann auch wieder ein bisschen schwieriger macht. Also Arduino ESP32 wird auch in der Industrie eingesetzt, keine Frage, aber ich würde es eher in die Maker-Richtung, ohne das jetzt schlecht machen zu wollen oder sowas, da würde ich es verorten. Und die STM32-Schiene oder auch andere Mikrocontroller, das ist ja jetzt gar nicht nur STM32, das sehe ich eher so als im professionellen Bereich.
Christian Wenn man damit anfängt, also wenn man zum Beispiel das als Hobby betreibt oder wenn du das den Studierenden beibringst, wie viel Hardware muss ich eigentlich verstehen, um das Gerät oder den Mikrocontroller programmieren zu können? Muss man viel verstehen oder ist das eigentlich heutzutage so weit abstrahiert und einfach, dass man eine JavaScript, Python oder C-Bibliothek hat, dann sagt man, ja, an dem Pin möchte ich gerne den auf Low oder High schalten. Wie programmiert man das? Ist das eher einfach oder ist das eher schwierig?
Uwe Also sowohl als auch. Also das gibt alles. Es gibt ja auch zum Beispiel MicroPython. Läuft ja auch auf so einer STM-Plattform. Also super Sache. Ich glaube, das ist etwas, überhaupt so Scripting für Mikrocontroller, da ist noch viel Luft. Also ich habe selber eine Skript-Sprache geschrieben, die ich auch in dem Buch erwähne. Und das ist etwas, wo ich denke, dass man Leute abholen kann, die eher so ein Bereichswissen haben, die jetzt gar nicht den Mikrocontroller als ihr Ziel sehen, sondern die möchten etwas damit lösen, eine Aufgabe. Und dann möchten sie möglichst auch nur einfache Programme schreiben müssen. Also da sehe ich das Skripting, da sehe ich MicroPython, es gibt auch Lua, es gibt sogar JavaScript, glaube ich, für Mikrocontroller. Also es gibt schon einiges. Und das ist ganz cool, dass es das gibt. Aber es gibt eben weiterhin auch diese C-Schiene, das klassische C, C++ würde ich jetzt auch sagen. Und da gibt es eher so in Richtung Algorithmen, wo es dann halt schwieriger wird. Das direkt ein Pin anzusprechen, das ist genauso einfach wie in MicroPython, würde ich sagen. Also da ist nicht viel. Und Hardware-Kenntnisse braucht es insofern jetzt auch noch nicht, wenn ich einfach nur einen Pin ansprechen möchte oder wenn ich vielleicht ein Display, das geht auch noch ein einfaches. Es wird dann schwieriger, wenn man jetzt zum Beispiel irgendeinen Sensor anschalten möchte, da musst du irgendeine Analogschaltung bauen. Da wird man nicht umhin kommen, dass man da vielleicht auch ein bisschen mit Operationsverstärker oder sowas arbeitet. Aber das ist jetzt gar nicht, also es sollte einen nicht abschrecken, würde ich jetzt mal so sagen. Wenn jemand sagt, oh, das ist Hardware und das mache ich nicht, das kann ich nicht. Ich glaube, das wäre falsch.
Christian Muss man Datenblätter wälzen, um mit dem Microcontroller arbeiten zu können? Ist das nötig oder ist das tatsächlich heute so vereinfacht geworden, dass das eigentlich gar nicht mehr nötig ist für Hobbybastler? Oder würdest du sagen, naja, auch wenn man das hobbymäßig macht, sollte man schon so ein Datenblatt lesen können, auch wenn es langweilig ist. Wie siehst du das?
Uwe Man kommt zwangsweise dahin, würde ich mal sagen. Also wenn man das nicht gleich lesen muss, das ist auch im Sinne des Erfinders. Also ich glaube auch die, zum Beispiel, wenn ich jetzt an ST denke, STMicroelectronics, die jetzt die STM32 herstellen, die machen ja Boards und die wollen ja auch ihre Mikrocontroller verkaufen und deswegen machen sie auch die Evalboards. Die sind auch super. Und was hat man? Da hat man alles. Und da gibt es auch eine tolle Software, die dir das konfiguriert und das kann man auch leicht zu laufen bringen. Aber irgendwann, da will man an den Timer ran. Ja, was bleibt einem über? Dann muss man lesen. Es sei denn, man hätte vielleicht ein gutes Buch, was einem das ein bisschen abnimmt.
Christian Was für eine schöne Überleitung. Du hast ja ein Buch geschrieben, als ob das nicht abgesprochen wäre. Nein. Du hast ja ein Buch geschrieben zum STM32 und Mikrocontroller Programmierung, das du, vorstellst und uns auf die Reise nimmst, was kann man mit seinem Mikrocontroller machen, wie kann man einen Bootloader schreiben, ein kleines Betriebssystem oder auch einen Basic-Interpreter. Du beschäftigst dich so mit Ausblicken, wie könnte man Programme kompilieren, wie kann man das optimieren. Wie ist das Buch entstanden? Warum dieser Chip? Warum das Buch? Warum diese Inhalte? Was hat dich dazu gebracht, dieses Buch zu schreiben?
Uwe Also eigentlich, ja, was bringt einen so ein Buch zu schreiben? Das ist doch schon irgendwie das Material, was man hat. Man denkt, okay, jetzt habe ich doch eigentlich eine ganze Menge gemacht. Ich habe jetzt verschiedenste Experimente. Ich kann also auch Bilder machen. Ich kann vielleicht auch etwas konkret beschreiben. Und dann denkt man sich, jetzt könnte ich das mal zusammenfassen. Das ist zwar in dem Fall von dem Buch jetzt beim Rheinwerk Verlag nicht exakt so entstanden, aber letztlich ist es dann doch so geworden. Also das ist eine Diskussion auch mit dem Rheinwerk Verlag gewesen, so ein Geben und Nehmen. Das fand ich übrigens sehr, sehr spannend. Also ich bin mit einer Idee an den Rheinwerk Verlag angetreten. Da ging es eher um den letzten Teil im Buch. Das ist so eine Art Compiler, aber der Rheinwerk Verlag hat schon ein gutes Buch zu Compilern. Und natürlich macht man das nicht doppelt, das macht ein Verlag nicht. Und deswegen war die Diskussion, ob man vielleicht mit dem Mikrocontroller als solchen noch etwas mehr machen könnte und da habe ich gesagt, na, ich habe da schon eine ganze Menge und dann haben wir das Konzept in die Richtung, ich will nicht sagen gebogen, das klingt so nach passend machen, sondern haben uns darüber so unterhalten und das wäre eigentlich doch eher so das, was letztendlich die Leser oder Leserinnen interessieren könnte, und so ist der Inhalt entstanden und dann geht das natürlich auch in so Runden, das kennst du ja wahrscheinlich auch, also der Verlag möchte natürlich auch eine gewisse Kontrolle darüber haben. Auch der Verlag hat sich erst mal schlau gemacht, was ist denn eigentlich ein STM32, wenn wir jetzt da draufsetzen? Sind wir dann in einem Jahr völlig überholt? Also haben wir dann ein Buch im Regal stehen, wo niemand mehr was mit anfangen kann, weil es STM32 nicht gibt. Also das waren schon Fragen und das wollte auch der Verlag geklärt wissen und das ist auch richtig und gibt einem dann auch so ein bisschen Selbstvertrauen, wenn man dann gesagt hat, also STM32, da könnt ihr euch schon drauf verlassen, das ist auch nächstes Jahr noch.
Christian Und in zwei Jahren, in drei Jahren und in zehn Jahren.
Uwe Und in zwei Jahren und in drei Jahren. Wobei, jetzt kommen natürlich auch andere. Ja, das ist auch sehr am Kommen, weil ja ARM, aber das ist eine andere Diskussion. Also technisch gesehen ist das so ein Geben und Nehmen mit dem Verlag und die Idee, ein Buch zu schreiben, das ist so, weil man denkt, ja, man hätte eigentlich alles. Man könnte es jetzt machen und dann durch die Frage, ob man das Konzept, aber da redet der Verlag auch mit und das ist auch gut. Also ich finde es sehr, sehr gut, wie das gelaufen ist.
Christian Nutzt du das Buch aktiv in der Lehre?
Uwe Ich bin aber vorsichtig. Natürlich könnte ich jetzt in jeder Lehrveranstaltung als erstes das wichtigste Buch bringen und sagen, das müssten Sie leider alle lesen.
Christian Kaufen?
Uwe Es gibt ja Bibliotheken. Die Studentinnen und Studenten müssen sich die Bücher glücklicherweise nicht alle kaufen, weil die Bibliotheken das natürlich vorhalten. Das wäre auch sonst zu viel verlangt. Es ist eine Kostenposition bei Studentinnen und Studenten. Das ist natürlich klar. Aber ich empfehle es, ich habe auch einen Kurs, der heißt Betriebssysteme für eingebettete Systeme und da bringe ich das mit an. Das ist zwar jetzt nicht ein vollwertiges Betriebssystem, aber ich bringe es an, weil man eben das selber schreiben kann, so wie es im Buch beschrieben ist. Während ein Betriebssystem, FreeRTOS oder andere, die würde man jetzt nicht selber schreiben. Also ich bringe es schon mit an, aber nicht jetzt im Sinne von Verkaufsanregungen.
Christian Ja. Jetzt haben wir eine kleine akademische Phase übersprungen, nämlich hin zur Professur. Wie ist es dann weitergegangen? Also aus deinem Lebenslauf weiß ich, dass du ja nach der Dissertation nochmal zurück in die Arbeitswelt gegangen bist und wie ging jetzt dann der Sprung wieder weiter zur Professur? Also war das etwas, was parallel lief oder war das etwas, was wiederum in Phasen lief? Also du hast die Dissertation geschrieben, bist wieder zur Arbeit und dann das gleiche Spiel ging wieder von vorne los. Oh, ich glaube, ich möchte nochmal was anderes machen und dann zack, wieder zurück zur Uni und wieder Lehre. Wie war da der Weg?
Uwe Also wenn ich das so selber so reflektiere, ich muss sagen, es ist nie so, dass ich einen Masterplan hatte. Also es gibt nicht ein Skript, wo dran steht, ab dem Alter, jetzt hast du deine Dissertation fertig, jetzt musst du eine Professur anstreben. Das war eigentlich nie der Fall, sondern das ist so... Was könnte ich eigentlich jetzt noch machen in dem Augenblick? Man steht an irgendeinem Punkt in seinem Leben und dann sagt man, ich habe jetzt einen tollen Job und Familie ist auch toll, alles super, aber vielleicht könnte ich ja noch etwas Besonderes erreichen. Und genau das sind eigentlich so die Momente, wo sowas entsteht, würde ich mal sagen, wo sich der Gedanke bildet. Aber das ist vielleicht bei jedem auch anders. Ich kann jetzt nicht sagen, dass das, manch einer hat wirklich vielleicht die Intention, also ich schreibe doch keine Dissertation, wenn ich nicht hinterher vielleicht eine Professur kriege. Ja, aber für mich war das eigentlich nicht so gesetzt. Also ich hätte nie gesagt, jetzt Dissertation und zwei Jahre später muss ich irgendwo an einer Hochschule sein. Das war jetzt nicht der höhere Sinn dabei, sondern ich habe sowohl das eine gemacht, weil es mich interessiert hat. Und ja, die Professur, das war tatsächlich in Erfurt dann eine Gelegenheit. Es ist eh so, dass eine Professur zu bekommen nicht so einfach ist. Und ja, ich habe es dann halt einfach probiert und das hat dann also quasi auch funktioniert. Und dann war ich dann halt sozusagen den Schritt gegangen, aber nicht im Sinne von einem Masterplan. Und das musste jetzt abgehakt werden.
Christian Ja, also im Grunde stellst du ja heute als Professor die Lehrpläne auf und bestimmst die Inhalte und entscheidest dich ja auch aktiv, jetzt dafür, so ein STM32 in der Lehre einzusetzen. Wie ist denn deine Erfahrung insgesamt mit dem Gebiet Microcontroller oder jetzt dem STM32 insbesondere? Gut aufgenommen, haben die Studierenden daran Interesse, haben die Bock darauf? Also siehst du da eine große Motivation, sich mit Microcontrollern zu beschäftigen?
Uwe Definitiv, definitiv. Also das kann ich sowas von felsenfest behaupten. Eigentlich ist es alles, wo die Studierenden etwas praktisch machen können, wo sie sich selber, ja, ich sag mal, ausprobieren können. Da sind sie sofort dabei. Ja, wenn ich jetzt lange Referate halte über irgendwas, was im Betriebssystem irgendwie passiert ... ja, das hören sie sich an. Dann fragen sie als Nächstes, was davon kommt bitte in der Klausur? Ja, okay. Aber wenn ich sage, jetzt wollen wir das programmieren oder vielleicht jetzt gerade aktuell, da versuche ich mit den Studierenden eine Funkstrecke zu machen, wie so eine Art kleines Chat-Tool über LoRa. Und das geht. Das ist ein Selbstläufer. Also sie haben Interesse, sie wollen, dass das funktioniert. Sie probieren dann auch aus, und ich habe jetzt auch tatsächlich so ein Experiment gemacht. Ich habe gesagt, hier sind die Chips, das ist schon quasi vorbereitet, allerdings fehlten noch die Anschlüsse. Da hinten steht der Lötkolben, hier ist die Schaltung im Internet, bitte machen Sie mal. Und das hat ohne Probleme ... also die sind so selbstständig, es war kein Fehler drin. Keiner hat ein Draht falsch angelötet. Es sind jetzt nicht unendlich viele gewesen, also ich will es auch nicht über den Klee loben, aber sie haben es sofort von sich aus gemacht, überhaupt kein Problem. Ich wusste nicht mal, wo der Lötkolben angeht, die Lötstation. Und sie wussten das sofort, also sie haben offenbar auch schon in anderen Fächern gearbeitet. Und das ist sehr, also das ist sehr, sehr schön. Das macht Spaß und das ist so ein Geben und Nehmen auch. Es ist ja bei mir quasi nur eine Anregung. Ich habe auch ein bisschen noch Quellen dazu getan, weil ich mit LoRa auch schon ein bisschen was gemacht habe. Und da konnte ich etwas beisteuern, damit sie nicht bei null anfangen, sonst ist die Hörde einfach zu groß auch. Aber das macht dann auch Spaß. Es geht voran und passiert auch was.
Christian Das ist schön. Und was ist problematischer oder gefährlicher? Zu wenig Theorie oder zu wenig Praxis?
Uwe Ja, puh, also ohne Theorie geht es nicht, würde ich sagen. Also wenn man versucht, die Theorie wegzulassen, dann, nee, das wird nicht funktionieren. Wenn man nur Praxis macht, ist sozusagen schön, macht Spaß, aber dann fehlt etwas. Ja, also dann kommt das raus, was mit meinem Videospiel zu Anfang passiert ist. Es hat tatsächlich funktioniert, aber es hatte prinzipiellen Designfehler, hätte man ja vorher darüber nachdenken können. Und um sowas vielleicht zu vermeiden, ist die Theorie schon irgendwo auch wichtig. Man muss die Balance finden. Also nur Theorie, da holt man sie nicht ab. Das ist nicht spannend.
Christian Ich könnte mir das didaktisch stark vorstellen, weil es eher so ein Example-First-Ansatz ist. Ich hatte das mal irgendwie, weil ich auch Didaktik oder ich habe Psychologie als Nebenfach studiert und Didaktik war ein großer Schwerpunkt da drin. Und ich hatte damals gelernt, dass so zwei verschiedene didaktische Ansätze gibt. So den amerikanischen Ansatz. Ich weiß nicht, ob das heute immer noch so gilt, aber das war so example first. Also quasi Erklärung, völlig egal. Hier hast du ein Beispiel, wie es läuft. Und dann kann man sowas wie Dekonstruktionen verwenden, um das auseinanderzunehmen und zu gucken, okay, wie funktioniert das? Aber man fängt ganz, ganz früh mit einem Beispiel an. Während der deutsche Ansatz eher der Ansatz ist, so, ja, wir erklären erstmal alles schrittweise und ta-da-da-ta, am Ende haben wir das Ergebnis und bauen was zusammen und wow, läuft. Und wir wissen jetzt auch genau, warum das so ist. Und ich finde es spannend, quasi wieder zurückzugehen oder mal in der Lehre wirklich aktiver mal den Ansatz auszuprobieren, was du ja irgendwie machst, wenn du den Leuten Teile gibst und sagst, baue das zusammen, dass danach anschließend die Fragen kommen und die man sich dann beantworten muss, weil das weckt ja die Neugierde nach dem, warum funktioniert das denn jetzt wirklich?
Uwe Da habe ich mich gerade ertappt gefühlt, ja. Weil du sagst, ja, hier ist vielleicht eher der andere Ansatz. Ich erkläre auch immer erst nicht alles, sondern, ja, ich bringe die Theorie zuerst. Ich werde mich da mal, ein bisschen umorientieren müssen. Also vielleicht ist der Ansatz, wo du sagst, einfach mal jetzt mach mal und dann hinterher klären bei der Theorie, ist vielleicht gar nicht so schlecht. Also ich nehme mir das gerade mit.
Christian Na gut, völlig andere Lehre jetzt. Ich würde gerne nochmal zum Bücherschreiben zurückkommen, weil das ja interessant ist, weil so ganz viele Phasen so ein Buch durchläuft. Erster Kontakt mit dem Verlag, dann Absprache, Gliederung. Dann schreiben, dann Lektorat, Abgabe und freuen und dann Rezensionsexemplare verteilen. Erinnerst du dich noch an die ersten Kontakte, wie das lief, wer da auf wen zugegangen ist? Du hattest gerade schon ein bisschen was darüber erklärt, aber wie war das nochmal von den Anfängen her? Also wer hat da wen kontaktiert und gesagt, ich habe da eine Idee zu einem Buch?
Uwe Also ich habe erst mal angefangen zu schreiben. Also ohne, dass ich irgendjemanden informiert hätte oder gefragt hätte, sondern habe mich einfach mal hingesetzt und ich habe mit der Einleitung angefangen. Also so ein bisschen Prosa, so ringsherum, das, was so leicht fällt erst mal. Und das habe ich eben so hingeschrieben und dann hatte ich so 20 Seiten, vielleicht waren es auch schon ein paar mehr. Und jetzt habe ich gedacht, das müsste ich mal jemandem zeigen. Und dann habe ich tatsächlich recherchiert, welcher Verlag ist denn für mich interessant? Da guckt man sich natürlich an, was da so für Bücher verlegt werden. Also man sucht schon etwas, was so ein kleines bisschen in dieselbe Schiene geht oder zumindest wo die Bücher auch so spannend sind. Und ich hatte in der Tat das Compiler-Buch.
Christian Ja, okay.
Uwe Und das habe ich auch gelesen. Also die Sample-Sprache, die da drin ist. Und ich habe mich ja lange mit Compiler-Bau auch beschäftigt, also für die Firma, für die ich gearbeitet habe. Das heißt, ich kannte das alles und ich konnte mich da auch sofort wiederfinden und ich fand auch das Buch sehr spannend. Und jetzt habe ich aber gesagt, okay, ich will ja ein kleines bisschen in eine andere Richtung, nicht exakt Compilerbau in dem Sinne, sondern habe das so, wie ich es geschrieben hatte, mal dem Verlag geschickt. Und da kam auch sofort eine Reaktion, dass sie sich das anschauen und ja, dann so ein bisschen, ich will nicht sagen ablehnend, aber schon, ja, wir haben ja eigentlich was in die Richtung. Und das ist zu nah dran, das würde man jetzt nicht unbedingt gerne machen. Aber wenn sie einen anderen Vorschlag hätten, dann ging das so ein kleines bisschen hin und her. Und ich wollte ja auch nicht lockerlassen. Also da bin ich ja dann auch. Und dann war aber sehr gut. Also ich muss mehrfach wieder betonen, oder wenn ich mich jetzt auch wiederhole, der Verlag hat ja auch eine gewisse, Verantwortung, etwas zu verlegen, was er selber vertreten kann. Und da ist natürlich nur rechtens, dass der Verlag das auch in gewisser Weise prüft oder auch Mitsprache hat. Und dann ging das eine Weile, ob ich vielleicht ein Buch machen sollte im Sinne von einem Lehrbuch. Da hatte ich mich ein klein wenig gesträubt. Ich wollte nicht ein Lehrbuch mit Fragen und Antworten drin haben, Das war so die Intention erst vom Rheinwerk, sondern ich wollte eher sowas haben, was einen mitnimmt. Ja, ich will nicht sagen, sorry, eine Story hat das Buch jetzt nicht als solches, aber wie so ein Baubuch. Weil die Bücher, die ich früher hatte, waren so. Da war tatsächlich vom Transistor bis zum Gehäuse alles erklärt. Und ich wollte es so ähnlich, ohne dass man jetzt aber gezwungen wäre, das alles nachzubauen Schritt für Schritt. Also es soll keine Bauanleitung werden. Und ja, da ist der Verlag auch ein Stück weit ein Risiko mit eingegangen und hat gesagt, na gut, mit dem STM32 gehen wir d'accord und wenn das Konzept so auch passt, dann machen sie mal. Und dann haben wir uns stückchenweise vorgetastet. Also ich habe dann erst mal weitergeschrieben und habe dann auch wieder Texte eingereicht, sodass der Verlag also auch immer mehr Kontrolle – klingt jetzt falsch. Also es ist nicht so, dass der Verlag mich da irgendwie gesteuert hätte, aber dass der Verlag zumindest sieht, wie die Entwicklung ist in den Texten. Das war eigentlich auch, das ist der richtige Weg, finde ich.
Christian Also ich glaube, es gibt ja immer so die Frage, macht man Bücher zu einem Thema und sowas wie konkrete Architektur oder konkrete Programmiersprache, fällt da irgendwie drunter? Oder macht man quasi ein Buch pro Architektur? Und ich denke schon, dass es sich lohnt, ein Buch über den ESP32 zu machen, das es ja auch gibt. Beim Rheinwerk Verlag. Es gibt Arduino, mindestens ein Arduino-Buch und da finde ich es auch nur logisch, dass es auch ein Buch zum STM gibt. Also ich finde es eher merkwürdig, wenn man sagt, ein Mikrocontroller-Buch und innen drin wird erklärt, so, ja, nehmen Sie, was Sie wollen. Also ich glaube, man will in der Praxis ja immer was Konkretes nutzen und deswegen finde ich eher so diese technologiespezifischen Bücher eigentlich immer besser. Also da ist zwar eine gewisse Entscheidung, für was ich mich entschieden habe, für welchen konkreten Typ, die muss natürlich vorher schon gefällt sein, bevor man zu dem Buch greift, aber dann ist das so. Also ich glaube, dass so ein generisches Buch ja schon irgendwie wichtig ist, aber wenn ich wirklich Maker oder Bastler wäre, dann muss ich mich ja entscheiden für irgendwas und dann möchte ich für diesen konkreten Typ die Toolchain erklärt haben oder ich möchte wissen, wo ist ein Pin und was kann ich damit machen. Also das fände ich irgendwie wichtiger, als jetzt so ein Buch und dann quasi ist in jedem Kapitel immer so eine Einteilung dann so, wenn du das benutzt, machst du das so. Wenn du das benutzt, machst du diesen Import und Include oder bindest du da so und so ein und machst das. Das ist ja lästig, wenn quasi immer zwei Drittel von den drei Architekturen für mich uninteressant sind und ich es überlesen muss. Das ist ja viel lästiger, als wenn ich dann irgendwie ein konkretes Buch für eine Architektur habe.
Uwe Also da gehe ich ein Stück weit mit. Da hast du absolut recht. Wo ich jetzt vielleicht noch so meinen Punkt mit einbringen würde, ist, dass man eben versucht, weder einen Bauplan zu machen, also dass der Leser oder die Leserin nicht Schritt für Schritt etwas tun müssen. Damit sie zu einem Ziel kommen, das finde ich, ja, das ist Nachmachen auf einem speziellen Niveau vielleicht, aber das ist sozusagen nur, jetzt klicke hier, dann klicke da, das gefällt mir nicht, sondern das ist so eine Art, Ideenlieferung ist das Buch. Also was könnte man tun, wenn man den STM32 nimmt, man könnte es auch mit einem anderen Mikrofon. Also insofern ist es auch transportierbar oder man könnte es auch übertragen auf andere Architekturen. Aber letztendlich, ja, ich würde auch nicht versuchen, heute machen wir den ersten Teil mit dem Arduino und den zweiten Teil machen wir mit dem STM32 und den dritten, dann nehmen wir uns, weiß ich nicht. Das ist, glaube ich, Kuddelmuddel.
Christian Wie leicht ist dir das Schreiben insgesamt gefallen? Also durch die Dissertation und durch die Habilitation hast du ja schon eine Menge geschrieben. Fiel dir das Schreiben des Buches daher eher einfach, weil du schon so geübt bist? Oder war das noch ein bisschen was anderes gewesen, so ein Fachbuch jetzt zu schreiben?
Uwe Na, es ist so, dass das so in Phasen passiert. Also ich habe ja nur ein Buch mit 400, knapp über 400 Seiten. Also deine Bücher sind deutlich. Vielleicht sagst du jetzt auch, nee, bei mir läuft das ganz anders. Aber ich sage mal, wie es bei mir ist. Die ersten 20 Seiten, das läuft wie ein Länderspiel. Ja, das geht so, da klickst du so schnell, so schnell kannst du gar nicht tippen. Das läuft, das sprudelt. Aber es kommt an den Punkt, wo man sagt, oh, muss ich jetzt hier noch mehr schreiben oder will ich lieber erst mal dazu was? Und dann fängt man so an und verteilt sich so ein klein wenig. Also das Ganze verliert so einen roten Faden insgesamt. Dann guckt man sich das nochmal an und sagt, nee, so richtig einverstanden bin ich damit jetzt nicht, gefällt mir nicht, jetzt müsste da wieder biegen und müsste da ... Das heißt, man ist so ein bisschen raus. Und dann kommt so eine Phase, wo man einfach ins Stocken gerät. Das läuft nicht mehr. Und es fängt dann wieder an, wenn man sich an einen Punkt erst mal ranmacht: Den gucke ich mir jetzt an. Und dann baut sich das wieder so wie so ein kleiner Kern auf und dann passen die anderen vielleicht wieder dran. Dann ergibt das wieder ein Bild. Ja, so war es zumindest bei mir. Aber es gibt auch die Durststrecken. Da ist leider, glaube ich, da ist keiner vor sicher. Weiß jetzt nicht, sag du, nach welcher Seitenzahl bist du an der Durststrecke?
Christian Gar nicht so an der Seite, sondern eher so an den Themen. Also was ich ja überhaupt nicht mag, sind irgendwelche Installationsanleitungen, aber du hast halt immer solche Tools, die du installieren musst und so. Das finde ich das Ätzendste überhaupt. Also ich bin jetzt gerade dabei, ein neues Buch zu schreiben über SIMD-Programmierung, also Parallelprogrammierung. Und da hast du auch irgendwelche Java Virtual Machine Schalter, um so die Autovektorisierung ein- und auszuschalten oder JSON-Dateien, mit denen du das steuern kannst. Solche Beschreibungen finde ich einfach nur total ätzend. So, ja, fügen Sie das und das als Datei mit dem und dem Inhalt dazu und damit steuern Sie das und das. Oh, ne, keine Ahnung, das ist einfach überhaupt nicht, was mir irgendwie gefällt oder bei jeder Auflage von der Java-Insel muss ich neue Screenshots machen, wie man in IntelliJ eine neue Klasse anlegt oder ein Projekt anlegt. So klicken Sie da, klicken Sie hier, neue Screenshots machen oder Versionsnummern aktualisieren. Oh, das finde ich immer so grausam und das schiebe ich immer bis ganz, ganz, ganz ans Ende. Also da habe ich überhaupt keine Lust. Also das sind für mich so Punkte, die mir einfach keinen Spaß machen. So alles rund um Konfiguration, Administration und irgendwelche Schalter beschreiben. Ja, mit dem Schalter steuert man dieses Verhalten.
Uwe Aber wenn der Leser oder die Leserin dann rangehen und sagen, ach, hier steht es. Ich meine, es sagt ja keiner, wir haben es endlich gefunden. Maximal käme vielleicht das Gegenteil. Es fehlt noch die Beschreibung von dem und dem Schalter. Aber du kannst ja vielleicht dann denken und sagen, ich mache das jetzt, das macht mir Mühe und auch wenn es nicht gerade das Lieblingsthema ist, es hilft jemandem. Ich glaube, mit der Motivation ist es dann doch wieder zu ertragen.
Christian Ja, aber das schiebe ich meistens immer auf. Und ich fange ganz stark mit einer Gliederung an. Also bevor die Gliederung nicht nahezu perfekt ist, schreibe ich tatsächlich keinen Text. Also jetzt zum Beispiel für das SIMD-Buch. Die Gliederung steht, würde ich sagen, zu 99 Prozent, verschiebt sich um absolute Nuancen. Aber ich habe einen ganz, ganz genauen Plan, was ich an welcher Stelle haben möchte. Und für mich ist irgendwie so ein Fachbuch genauso wie auch ein belletristisches Buch, dass ich zu jedem Punkt wissen muss, also stell dir vor, du nimmst dein Buch und schlägst eine Seite auf, steckst deinen Finger hin. Und an dieser Stelle, wo dein Finger steht, musst du als Autor wissen, was weiß mein Leser schon und was wird noch kommen. Ich glaube, das ist die wirkliche Herausforderung, die du als Autor haben musst, dass du eine absolut präzise Vorstellung haben musst, was wissen meine Leser schon bis zu diesem Zeitpunkt, was wissen sie noch nicht, was können sie noch nicht wissen und wie geht es jetzt weiter, damit sie ihr Wissen halt auf 100% bringen. Und deswegen investiere ich super viel in die Gliederung. Und erst dann, wenn das fertig ist, dann fange ich wirklich an. Und dann fällt das einfach so runter. Und dann ist es eigentlich auch nicht mehr so schwierig, weil das alles nur so kleine in sich geschlossene Bausteine sind, die ich einfach nur noch hintereinander setzen muss. Weil ich ja genau weiß, was wissen meine Leser schon? Was wissen sie noch nicht? Und dann kann ich isoliert den kleinen Baustein schreiben, weil der quasi, ja, der hat zwar Abhängigkeiten, aber durch diese Gliederung weiß ich ja schon, ja, wenn ich diesen Abschnitt schreibe, kann ich das und das schon als gegeben voraussetzen, weil das habe ich ja vorher schon beschrieben.
Uwe Definitiv. Also den Ansatz finde ich gut, weil ich mache zwar auch die Gliederung so aus, ich glaube, anders geht es auch nicht. Also ich glaube, der Verlag will sogar zu Anfang das Inhaltsverzeichnis als Erstes mal zur Kontrolle haben. Also letztlich braucht man zumindest mal das Inhaltsverzeichnis. Wie weit man das dann für sich selber noch untersetzt. Das ist ja dann auch noch, kann jeder Autor für sich entscheiden. Aber dass man zumindest so eine Gliederung hat, das ist definitiv das A und O. Aber dann gibt es auch noch so eine andere Sicht drauf, also die jetzt mit deinem Zeigefinger. Und bis dahin muss der Leser das und das wissen. Das finde ich auch eine gute Sicht. Ich mache noch einen anderen Blick drauf, wo ich das jetzt auch noch nicht mehr so ein bisschen ... Es ist jetzt nicht unbedingt nur der Blick, den man zum Beispiel auch für Bachelorarbeiten oder sowas nimmt. Wenn Punkte sind, dann weiß man etwa, wie viel Aufwand da stecken muss in diesem Punkt. Und wenn ich jetzt sehe, dass das zum Beispiel fünf Seiten sind, dann weiß ich, dass das zu kurz ist. Es ist unmöglich, diesen Punkt in fünf Seiten abzuhandeln. Man kann ein Werk, jetzt eine technische Abhandlung, ein klein bisschen nach Seitenzahlen bewerten. Nicht im Sinne von inhaltlich, das stimmt natürlich nicht, also da sollte man nicht Rückschlüsse ziehen, aber wenn etwas eine gewisse Bedeutung hat, inhaltsmäßig, also einen entsprechenden Überschriftsabschnitt hat, dann muss es auch eine gewisse Anzahl Seiten haben, sonst ist es einfach nicht vollständig beschrieben. Es kann natürlich das Gegenteil herauskommen, dass viel zu viel beschrieben steht und dass das dann gar nicht zielführend ist. Aber so einen Blick versuche ich dann auch drauf anzuwenden, einfach so eine Plausibilitätskontrolle, eine Quersumme oder wie man das auch immer bezeichnen möchte. Aber das hilft natürlich nicht beim Schreiben, denn wenn man anfängt zu sagen, jetzt muss ich aber hier noch zehn Seiten schreiben, dann kann man die sich auch schenken. Die werden nicht gut.
Christian Ja, ich muss.
Uwe Genau. Nee, aber im weitesten Sinne würde ich schon sagen, es macht Spaß, aber es gibt eben auch solche Durststrecken. Ich weiß jetzt nicht, ob du das bestätigen kannst oder ob du sagst, na ja, bei dir läuft das. Bei den Seitenzahlen, die du hast, ist das wahrscheinlich auch ganz einfach ein anderes. Du gehst da wahrscheinlich viel schneller zu Werke auch und du bist da viel effektiver. Aber wenn ich das jetzt mal aus, das wirklich das ganze Buch, was ich geschrieben habe, da ist man noch ein kleines bisschen langsam, sage ich mal. Vielleicht wird das aber im nächsten auch ein bisschen effektiver.
Christian Also der Vorteil bei der Mehrzahl der Bücher ist ja, dass ich das in meiner Lehre nutze. Also ich mache viel Inhouse-Seminare und das heißt, Kunden rufen mich und sagen, Herr Ullenboom, ich möchte gerne ein Java-Seminar bei Ihnen buchen oder ich möchte Spring Boot lernen. Also das heißt, bei mir geht es immer los mit den Schulungen, wo ich einen klaren Ablauf habe. Und die Bücher sind eigentlich nur Übersetzungen meiner Schulungen. Das heißt, ich schreibe nur das runter, was ich sonst labere. Also deswegen weiß ich schon ganz genau, was in jedes Kapitel reinkommt. Und auch diese Gliederung, die habe ich im Prinzip schon, könnte man sagen, hunderte Male durchlaufen. So ein Seminar ist ja das, was du machst, nur noch kompakter innerhalb von drei oder fünf Tagen. Das heißt, ich habe dutzende Male quasi die Themen immer wieder durchgespielt, bis ich eine nahezu perfekte Reihenfolge habe. Dass ich sagen kann, so funktioniert das ganz gut. Und wenn ein Seminar mal von der Reihenfolge irgendwie nicht so passt und die Beispiele passen nicht, wo ich denke, hier könnte das noch anders funktionieren, könnte das besser sein, dann mache ich das drei Wochen später bei einem neuen Seminar neu. Also das ist der große Vorteil im Grunde. Und du kannst das auch. Bei dir dauert das aber immer ein Jahr wahrscheinlich oder zwei Jahre, bis du mal irgendein Konzept komplett einfach neu machen kannst. Bei mir ist es halt einfacher, weil, wie gesagt, die Java-Seminare oder die Spring-Seminare habe ich dutzende Male, vielleicht sogar hunderte Male, keine Ahnung, echt, echt richtig oft gehalten. Und das heißt, die Reihenfolge ist dadurch erprobt. Und ja, das, was ich schreibe, ist wirklich nur das, was ich erzähle.
Uwe Ja, aber du kennst wahrscheinlich auch schon die, ich sag mal, du weißt, worauf du achten musst beim Schreiben, weil du die Fragen quasi deiner, ich sag jetzt mal, Kundschaft oder deiner, Schüler im Sinne der Erwachsenenbildung, dass du die quasi schon vorweg im geistigen Auge kennst. Also kannst du nur so schreiben, dass du das quasi beantwortest. Das ist natürlich, ja, den Vorteil habe ich jetzt so noch nicht ganz.
Christian Als du dann das Buch fertig hattest oder große Teile fertig hattest und das wieder zum Verlag ging, wie hast du das Lektorat empfunden? Also, dass es eine Korrekturfahne gab, dass es Rückmeldungen gab. Wie war das für dich, deinen eigenen Text wiederzubekommen und da ist einiges rot oder vielleicht auch nicht rot?
Uwe Also das Anstreichen war jetzt nicht mein Problem. Das war meistens alles gerechtfertigt. Aber wo ich einen kleinen, wie soll ich sagen, wo die Welt ein bisschen zusammengebrochen war, ich habe das mit Word geschrieben und habe auch auf die Formatierung geachtet. Also ich habe die Ränder eingestellt in Word und ich war stolz darauf, wie schön das aussieht. Und der Verlag macht daraus, ja wie soll ich das beschreiben, so eine Art HTML oder so. Und ich verstehe das, macht absolut Sinn, aber dann ist es kaum noch zu lesen. Also man muss das ganz anders anschauen. Und dummerweise sind auch ein paar Tippies drin, weil ich Trennzeichen gesetzt habe, die dann hinterher automatisch erfolgt wären. Ich hätte sie nicht setzen sollen, aber ich wollte das ja schön ausgerichtet, ich wollte es ja so sehen, wie es aussieht. Und da ist die Welt ein kleines bisschen erschüttert worden, aber das, was vom Verlag angestrichen wurde, das war alles gerechtfertigt. Da war nie irgendwo was... Sie haben auch keine Passagen gestrichen oder so. Es hat keiner gesagt, den Teil, den kannst du gleich weglassen.
Christian Das ist ja auch so.
Uwe Also das waren vorrangig, ja, das klingt vielleicht ein bisschen penibel, aber wenn jetzt zum Beispiel englische Wortkombinationen sind, dann sind da keine Trennstriche dazwischen oder keine, da werden keine Zeichen gesetzt, aber im Deutschen wird durchgekoppelt geschrieben.
Christian Genau, schönes Wort, gekoppelt, genau, ja.
Uwe Und das ist aber eine Logik, die hat der Verlag. Und das ist auch wichtig. Also es muss ein Buch meines Erachtens nach da wie das andere aufgenommen sein. Es kann nicht sein, dass man das irgendwie vom Werk zu Werk anders hat. Aber diese Sachen, das weiß der Verlag und hat das auch alles korrigiert. Ich habe dann zwar, das ist dann halt Mühe, alles nochmal durchgelesen und habe also die Striche auch gesetzt. Und ein paar sind dummerweise eben noch durchgerutscht. Aber das machen wir der nächsten Auflage dann weg.
Christian Ja. Ich habe aus deinem LinkedIn-Beitrag etwas von dir gefunden, was du mal gepostet hast. Ich habe jetzt nicht genau mir notiert, wann, aber du hast geschrieben, es ist soweit: fünf Jahre Programmieren und ein Jahr Schreiben. Hat das echt so lange gebraucht?
Uwe Ja, würde ich schon sagen. Also das Schreiben definitiv, ja. Aber da muss man ja, ich weiß jetzt nicht, wie viel Zeit du pro Tag aufwenden kannst zum Schreiben, neben deiner ganzen Unterrichtsgeschichten und vielleicht auch noch, weiß ich nicht, Steuererklärung machen oder was man so rechnet.
Christian Was man so zum Spaß macht.
Uwe Was man so noch machen muss, letztendlich, es bleibt ja nicht so viel Zeit vom Tag. Und das muss man dann halt möglichst effektiv nutzen. Und die Familie will ja vielleicht auch noch ihren kleinen Tribut haben, recht zu Recht. Und deswegen das Schreiben, also ich würde sagen, ein Jahr hat das gedauert, bis das fertig war. Und das Programmieren, ja, mag sein, dass ich da vielleicht auch ein bisschen übertrieben habe, aber das ist ja alles über eine gewisse Zeit hin entstanden. Also es kommt trotzdem, glaube ich, hin, ja. Bis ein Interpreter funktioniert und bis der Compiler dazu.
Christian Natürlich, ja. Ja. Wie hast du denn deinen Tag eingeteilt? Also das ist auch noch eine Frage, die ich ganz gerne stelle, weil es ja, glaube ich, vielleicht so zwei Typen gibt oder Mischtypen. Der eine Typus sagt, jeden Tag ein bisschen. Also das ist zum Beispiel bei mir, jetzt bei dem Vector-API-Buch, meistens am Vormittag, dass ich mir dann Zeit nehme, setze mich aufs Sofa und schreibe meistens ein Unterkapitel. Also das ist so ungefähr der grobe Rahmen. Das ist mal eine Viertelstunde, mal eine Stunde. Und dann lasse ich dann aber auch sein, weil ich finde es schlimm, zu viel zu schreiben, weil da ist so eine Ermüdung. Und deswegen gibt es so einen geschlossenen Teil. Und dann habe ich schon eine Idee, super, da freue ich mich auch, dass ich morgen mit einem anderen Thema weitermachen kann. Ich würde mich eher in diese Gruppe einordnen. Aber es gibt natürlich auch die andere Gruppe, die sich im Holzhaus in Schweden einschließt und dann zehn Stunden am Tag schreibt und abends mit dem Whisky dann schön schlafen geht. Was ist so deine Herangehensweise bei dem Buch? Eher so jeden Tag ein bisschen oder einmal ganz viel und ich schließe mich ein und darf mich ansprechen?
Uwe Nein, irgendwas muss man geschafft haben. Jeden Tag. So ist der Plan. Also ich will jetzt nicht sagen, dass es eine Stunde ist. Manchmal ist es dann auch mehr gewesen. Wenn es läuft, läuft es. Dann wird man nicht abbrechen. Dann ist man eher so im Flow drin. Dann ist man ja froh, wenn es so ist. Und wenn man jetzt gerade nicht so eine Schreibphase hat, dann wenigstens, dass man sich ein paar Stichpunkte irgendwo an die Kapitelnummern dranschreibt, was ich hier noch beschreiben wollte. Also sozusagen To-dos dahin schreibt. Das fällt einem dann leichter, wenn man da hinkommt und das ausfüllen will. Dann weiß man, was man da vielleicht gleich mal, wo man einsetzen könnte. Also so ist meine Arbeitsweise. Und da kommt schon am Tag auch eine Stunde zusammen. Ich glaube, das kann man ja leicht hochrechnen. Wenn man ein Jahr, das sind 365 Tage. Also sind etwas, das muss ein paar mehr sein, sind 400, aber man schafft auch manchmal zwei. Also eine Seite pro Tag. Ja, dann das Ergebnis. Man schreibt auch nicht jeden Tag. Irgendwann ist man auch im Urlaub. Also so in der Dreh rum würde ich mal sagen, eine Seite pro Tag.
Christian Ja, ich finde es schön, dass du deine Familie gedankt hast für die Unterstützung. Also auch aus deinem gleichen LinkedIn-Beitrag, wo du geschrieben hast. Vielen Dank auch an meine wundervolle Familie für all ihre Unterstützung. Inwiefern hatte ich denn deine Familie unterstützt und dir den Freiraum gegeben? Hast du denn wirklich mal gesagt, Papi muss jetzt nach oben gehen und schreiben? Oder wie kann ich mir das vorstellen?
Uwe Und allein den Freiraum zu haben, ist ja eigentlich schon die Unterstützung, das ist ja das Wesentliche. Natürlich könnte meine Frau auch sagen, nee, du musst jetzt den Müll raus schaffen. Das ist jetzt nicht so, dass ich das nicht mache, sie hört gerade nicht zu, jetzt darf ich mal ein bisschen lästern. Aber natürlich ist das sowas ganz Banales auch. Und da klingt man sich ein Stück weit aus. Und das heißt, dass das dann einfach übernommen wird, ist sozusagen der Beitrag, den ich damit erwähnt haben wollte. Natürlich auch die guten Worte und sagen, naja, bist du bald fertig?
Christian Damit du wieder Müll raustragen kannst.
Uwe Genau. Nein, also, da geht schon viel Zeit, die man jetzt direkt mit der Familie haben könnte, verloren. Oder verloren ist falsch. Also nicht verloren, aber die Familie hat sie halt nicht direkt.
Christian Wenn du neuen Autoren, auch das ist eine Frage, die ich ganz gerne stelle, wenn du neuen Autoren Tipps geben müsstest, ob sie Bücher schreiben sollen, wie sie Bücher schreiben sollen, was wären deine Tipps und Ratschläge für neue Autoren?
Uwe Also man kann nichts falsch machen. Man kann schlicht nichts falsch machen. Der Verlag kontrolliert ja. Also so gesehen hat man eine gewisse Sicherheit, dass man keinen Blödsinn veröffentlicht. Also natürlich, der Verlag wird jetzt nicht jedes Wort auf die Goldwaage legen und kontrollieren, aber ist so etwas, was man als Idee beim Verlag einreicht, ist das überhaupt vertreibbar? Kann man das überhaupt als Buch machen? Da weiß der Verlag schon ganz gut Bescheid. Und falls der Verlag Fragen hat, dann kann er ja auch andere Autoren, die in ähnliche Richtungen unterwegs sind, fragen. Also wenn jemand Interesse hat, so ein Buch zu schreiben, meiner Meinung nach ein Manuskript, ein Anfang, eine Idee, eine Skizze, ein Inhaltsverzeichnis vielleicht sogar schon und, so eine Art Konzeption einfach zum Verlag hinschicken und fragen, ob sie bereit wären, das zu drucken. Und dann ergibt sich das. Also sie haben mein Buch nicht gleich zerrissen und haben gesagt, nee, das brauchst du gar nicht, da brauchst du nicht wiederkommen. ... ein gewisses Risiko auf sich genommen. Jetzt weiß ich nicht, ob sich das rein kommerziell rechnet, aber das war jetzt überhaupt nicht meine Intention. Also ich wollte eigentlich eher so die Idee publizieren, wie das mit dem Mikrocontroller geht, was man Schönes bauen könnte. Und das hat der Verlag gemacht. Ich glaube, es wird sich schon rein kommerziell irgendwie zu wenigstens null ergeben. Und wenn jemand anders ein Interesse hat, etwas zu veröffentlichen, also man sollte nicht rangehen und glauben, man wird irgendwie jetzt Millionär oder sowas. Das ist nicht die Intention, die man haben sollte.
Christian Stimmt, dafür sind wir keine Autoren von Harry Potter Büchern.
Uwe Aber das wäre vielleicht noch der Plan.
Christian Harry Potter lernt Microcontroller-Programmierung und rettet die Welt.
Uwe Ja, freilich, da muss ja irgendwie das Schloss ... das ist ja gesichert mit einem, weiß ich nicht, einem Linux-Rechner. Und da muss man natürlich erst mal eine SSH-Verbindung, die das Passwort errät oder das steht irgendwo auf dem Schild ganz groß drauf. Keiner hat es gesehen bis dato. Und sowas könnte man vielleicht nochmal.
Christian Neues Framing. Siehst du KI als Problem für uns Autoren, dass wir Autoren irgendwann mal arbeitslos werden durch KI? Ich weiß nicht, ob du das in deinem Alltag an der Uni ablesen kannst, dass Studierende vielleicht weniger zu einem Buch greifen, weil sie sagen, das ist langweilig, wenn ich eine Frage habe, ChatGPT, bla bla bla bla bla, was sagst du dazu? Wie denkst du über den Buchmarkt in Zukunft? Und kannst du an deinen Studierenden vielleicht schon irgendwas ablesen, wie sie mit Büchern umgehen.
Uwe Fällt mir im Moment noch schwer. Also ich sehe KI nicht als Problem. Ich sehe es eher als eine Bereicherung. Aber natürlich kann das auch schnell dazu führen, dass man sich sagt, jetzt lasse ich mir doch mal von der KI so ein Buch schreiben. Also vielleicht als kleine Anekdote. Wir waren im Urlaub und meine Frau wollte ein Buch lesen. Und wir haben aber keins gefunden im Buchladen.
Christian Habt ihr kurz eines geschrieben.
Uwe Wir haben uns auch ein Buch schreiben lassen. Und da habe ich zu ChatGPT: Kannst du uns ein Buch schreiben? Ein ganzes Buch kann ich nicht, aber wenn du willst, mache ich dir das erste Kapitel. Da habe ich gesagt, okay, wir brauchen. Die Person soll drin vorkommen, die soll das und das tun und das ist etwa die Aufgabe. Und es kam tatsächlich ein erstes Kapitel raus.
Christian Ach, schau.
Uwe Also nicht, dass meine Frau sich jetzt hingesetzt hätte und das voller Begeisterung gelesen hat, aber es war quasi ein Kapitel. Und wenn ich jetzt gesagt hätte, jetzt setz das mal fort, ja, mach ein zweites Kapitel, da wäre ein Buch rausgekommen. Ob das jetzt wirklich gut ist oder nicht, das kann ich jetzt nicht so sagen. Aber man könnte sich das tatsächlich von der KI schreiben lassen. Und eine KI könnte auch ein Programmierbuch schreiben, würde ich fast sagen. Aber ich glaube, dass dieser menschliche Faktor, wenn der nicht in dem Buch drin ist, das ist für den Leser langweilig oder es wird für den Leser langweilig. Ich habe die Hoffnung, dass da trotzdem noch so eine Art Funke in dem Buch drin stecken muss, der von dem Autor kommt und der überspringt über den Text.
Christian Also zumindest merke ich das bei Beispielen. Also natürlich experimentiere ich auch mit Kapiteln, die ich schreiben lasse. So für Unterlagen, wo ich denke, vielleicht kannst du mal irgendwie Unterlagen schnell entwickeln, aber merke dann ganz schnell, dass die ganzen Beispiele eben überhaupt nicht zusammenpassen. Also die KI vergisst quasi, dass sie vielleicht... Dass du dein ganzes Kapitel anhand von gewissen Aufgaben oder kleinen Beispielen aufbaust, das fängt da irgendwie an, die Sachen zwar gut zu beschreiben, aber die Aufgaben oder der Stil ist plötzlich ein ganz anderer. Also da wechselt er irgendwie die Datentypen. Dass er komplett neue Beispiele aus dem Hut zaubert. Ich sage mal, in den ersten Beispielen ist es noch ein Datumsobjekt und plötzlich ist es ein Punktobjekt, wo du denkst so, hä, warum machst du nicht mit Datum weiter? Also solche Sachen passen überhaupt noch gar nicht. Also ich glaube, durch eine Steuerung kommt man recht gut. Aber ich denke auch, sich ein Buch über die KI schreiben zu lassen, einfach nur so durchs Prompten kann ich mir nicht vorstellen. Aber wie gesagt, wechseln wir auf die Studierendenseite. Also, wie siehst du das da, dass das Interesse, Bücher zu lesen, in die Bücherei zu gehen, ein 400-Seiten-Buch zu lesen oder so ein lächerliches, dummes 1000-Seiten-Java-Buch, dass die Motivation abnimmt, sondern dass die Studierenden eher punktuell die KI fragen. Kannst du sowas ablesen oder würdest du sagen, nö, die lesen weiterhin noch die Fachliteratur von der ersten bis zur letzten Seite, Punkt.
Uwe Also ich kann es ehrlich gesagt noch nicht ablesen. Da fehlt mir noch ein bisschen, der Einblick, wie das von den Studierenden jetzt gehandhabt wird. Aber wir haben in Fulda eine ganz tolle Bibliothek. Also man wäre selber schuld, würde man da nicht hingehen. Also ich frage auch viel ChatGPT. Ich fotografiere eine Formel und sage, erklär mir die. Und dann kriege ich eine Erklärung und die ist topfit. Und dafür nehme ich die KI. Wenn ich jetzt erst das Buch suche, in dem die Formel erklärt steht, dann ist das natürlich viel mehr Zeit, die ich investieren müsste. Das will ich mir schon abkürzen. Aber dass ich jetzt auf das Lesen verzichte oder dass ich das so kreativ finde, was ChatGPT generiert, das sehe ich noch nicht. Also auch wenn die KI besser wird. Ich glaube schon, dass die KI noch einiges können wird in kürzester Zeit, von dem wir jetzt noch gar nicht so richtig uns das vorzustellen wagen. Aber das, was ich vorhin meinte, ist diesen Funken. Wenn ein Autor ein Buch schreibt, dann hat er eine gewisse Intention. Und die KI hat diese Intention nicht. Das wird man merken. Das springt nicht über. Das Buch wird nicht so sein, wie von einem Autor geschrieben. Fachlich korrekt. Es wird auch alle Formeln enthalten und es wird wunderbar formatiert sein. Aber es wird nicht dieses Menschliche haben, was da drin steckt. Und ich glaube, da müssen wir uns jetzt nicht unbedingt Sorgen machen. Programmierer müssen sich eher sorgen.
Christian Ja, die sind als Erstes dran, genau. Ich weiß gar nicht mehr, wo, in dem Podcast oder so, da hat man eine schöne Aussage gehört, dass im Grunde die Programmierer ja durch ihre Software in den letzten 60, 70 Jahren die Jobs von anderen Leuten kaputt gemacht haben. Und jetzt sind wir erstmalig selber dran und machen uns selber kaputt. Und jetzt jammern wir rum, die KI macht unsere Jobs kaputt, aber in den letzten 70 Jahren hatten wir nie Mitleid damit. Wenn wir irgendwelche Human Computers ersetzt haben, wir haben auch genug Leute auf die Straße gesetzt. So viel zum Thema soziale Verantwortung.
Uwe Sozusagen, du meinst, das ist eine gewisse Gerechtigkeit.
Christian Die wiederhergestellt wird, jetzt bist du dran, genau. Okidoki, ich habe noch eine abschließende Frage. Welche Thüringer Spezialität sollte man unbedingt probieren?
Uwe Thüringer Bratwurst. Aber die Thüringer Bratwurst, das ist wichtig, die muss auf einem Holzkohlegrill gemacht sein. Selbst die Thüringer nehmen tendenziell jetzt mehr doch die Gasgrills, weil das einfach nicht so eine Schweinerei ist. Ja, diese Kohle ist ja dreckig und naja, und hinterher den Rost sauber machen, das macht auch keiner so gerne. Aber eigentlich muss Thüringer Bratwurst auf dem Holzkohlegrill gebraten werden. Und dann mit Senf, nicht mit Ketchup.
Christian Das erinnert mich an so eine Aussage von Olaf Schubert. Was sagt der so? Mit Senf, du Vogel. Ja, passt. Okay, dann danke ich ganz herzlich für das Gespräch und wünsche dir alles Gute. Vielen Dank.
Uwe Tschüss. War total cool. Vielen Dank. Tschüss.