Markus Und ich habe das mal so grob zusammengefasst, wie viele Trainingstage ich denn in meiner Laufbahn gehalten habe. Und ich bin auf 800 Stück gekommen. Und wenn man dann überlegt, 800 Stück, das sind ja quasi zweieinhalb Lebensjahre, die ich dann vor irgendwelchen Leuten gestanden bin. Und das macht auch etwas mit einem. Und ich glaube, diese Zeit, die hat mich dann auch da hier ein Stück weit am meisten geprägt.
Christian Mein heutiger Gast ist Markus Widl. Er ist Diplom-Informatiker und arbeitet seit mehr als 25 Jahren in der IT. Zunächst als Berater, Entwickler und Trainer mit einem klaren Schwerpunkt auf Microsoft-Technologie. Seit 2009 schreibt er Fachbücher. Irgendwann reicht es ihm nicht mehr, nur über Microsoft zu beraten und zu schreiben. Seit 2015 wechselte er direkt zum Unternehmen. Markus übernahm dort im Laufe der Jahre verschiedene technische und strategische Rollen rund um Microsoft 365 und Teams. Heute ist er Partner Solution Sales Manager im Bereich AI Business Solutions. Dort bringt er Microsoft Partner und Unternehmen zusammen, damit KI nicht nur eingeführt, sondern im Arbeitsalltag sinnvoll eingesetzt wird. Geschrieben hat er die ganze Zeit weiter, man kann es so zusammenfassen, Vater von drei Kindern und geistiger Vater von einer ganzen Reihe an Fachbüchern. Sogar ein Elternratgeber zum Thema sicher im Netz ist dabei. Die Testumgebung steht vermutlich am eigenen Küchentisch. Daneben laufen die großen Rheinwerk-Handbücher. Microsoft 365, das umfassende Handbuch. Inzwischen in der siebten Auflage und über 1200 Seiten stark, sowie Microsoft Teams, das umfassende Handbuch. Vom April 2025 stammt der Titel Microsoft 365 Copilot Einstieg Prompts Best Practices. Genau zu dem Thema möchte ich heute hin. Hallo Markus.
Markus Hallo Christian, freut mich dich zu sehen und zu hören.
Christian Dankeschön, dass du bei diesem Podcast dabei bist und du bist schon sehr, sehr lange in der IT unterwegs und hast so eine kleine Runde auch gedreht in einem Nicht-IT-Bereich unbedingt mit dem Kinderbuch. Da sprechen wir nochmal ganz gesondert drüber. Aber ich würde ganz am Anfang beginnen. Was hat dich an IT gereizt, dass du in diesem Berufsumfeld arbeiten wolltest?
Markus Oh je, also bei mir war das irgendwie schon vorbestimmt, könnte man sagen. Ja, ich gehöre jetzt schon auch zu den älteren Semestern. Ich werde dieses Jahr 51 Jahre alt. Das heißt, meine Computerzeit, die hat schon sehr, sehr früh begonnen. Das war halt so in den 80er Jahren, wie es damals halt ab und zu gang und gäbe war. Damals hat man noch so ein bisschen dieses Nerdtum noch als negativen Begriff verstanden. Es war ganz komisch, wenn man irgendwas mit diesen Computern zu tun hatte. Und der erste Computer, der bei uns in der Familie war, das war ein Commodore 116. Das war quasi noch ein bisschen schwächer als ein Commodore 64 vor langer, langer Zeit. Dort hatte man noch eine Datasette, also die Jüngeren haben den Begriff wahrscheinlich noch nie gehört. Das heißt, man hatte Audiokassetten, also Kassetten genommen, um dort Software drauf zu speichern oder zu laden. Also eine ganz, ganz gruselige Zeit. Und damals hat mich das schon fasziniert und hat mich auch nie wieder losgelassen. Von daher war das dann auch in der Schulzeit dann irgendwann für mich ganz klar, ja, nach der Schulzeit möchtest du das damit machen? Und dann habe ich dann halt noch ein Informatikstudium, wie man es damals halt so gemacht hat, draufgesetzt. Und von daher war der Weg eigentlich schon vor langer Zeit dann ja quasi gebahnt worden.
Christian Ja, Datasette, das stimmt. Ich hatte damals mal ein Museum gehabt für Heimcomputer und Videospielkonsolen und regelmäßig Führungen gemacht. Und tatsächlich stand da auch eine Datasette. Und bei den Führungen habe ich die Menschen mal gefragt, so, was ist das? Und die lustigste Antwort, die ich gehört habe, ist, dass jemand schon erkannt hat, dass es Kassetten sind und meinte dazu, ja, das hat man gemacht, damit man während der Computernutzung Musik hören konnte.
Markus Wow, auch schön.
Christian Das war eine total süße Antwort, aber nee, da waren Daten drauf.
Markus Ja, aber guck, auf der anderen Seite ist es ja auch lustig. Unser jüngster Sohn, der ist elf Jahre alt. Und ich hatte der letzte Mal zufällig mal wieder eine Diskette in der Hand. Habe die halt irgendwo gefunden. Da habe ich sie ihm vor die Nase gehalten, habe gefragt, weißt du, was das ist? Und hat halt bloß die Schultern gezuckt. Aber auf der anderen Seite, ich meine, selbst so eine Diskette finden wir heute ja beispielsweise in Word noch in der aktuellsten Version als Speicherbutton.
Christian Ja, genau.
Markus Heute kennt das kein Mensch mehr von den Jüngeren, aber es ist halt nach wie vor noch unser Alltagsding.
Christian Genau, als Symbol ist es halt geblieben und wenn man das mal ersetzen würde durch irgendwas anderes, da wäre die Frage, wo? Also wenn man ein Wölkchen hin, wie alles ist in der Cloud, da fragt man sich, wie Wolke regnet es, wenn ich da drauf drücke? Jetzt hast du ja nach deinem Studium eine ganze Reihe von Positionen eingenommen, also Berater, Entwickler, Trainer. Wenn du die drei Bereiche nochmal nimmst, was hat dich am meisten geprägt und Spaß gemacht von den drei Berater-Entwickler-Trainer?
Markus Ja, ich glaube, das muss sogar auch nochmal trennen zwischen Spaß gemacht und geprägt. Das sind ja nochmal zwei Unterschiede.
Christian Ja, Dimension, ja.
Markus Also, was ich nach dem Studium tatsächlich viel gemacht habe, ich war da etwa acht Jahre lang selbstständig und habe dort dann für Microsoft Partner gearbeitet. Und das war dann primär eben im Consulting und im Trainingsbereich. Und ich habe das mal so grob zusammengefasst, wie viele Trainingstage ich denn in meiner Laufbahn gehalten habe. Und ich bin auf 800 Stück gekommen. Ja, und wenn man dann überlegt, ja, 800 Stück, das sind ja quasi zweieinhalb Lebensjahre, die ich dann vor irgendwelchen Leuten gestanden bin und das macht auch etwas mit einem. Ja, und ich glaube, diese Zeit, die hat mich dann auch da hier ein Stück weit am meisten geprägt. Ja, und ich meine, von Spaß her, ja klar, also Training macht mir schon Spaß, mache ich heute auch noch gerne, wenn ich mal Leuten irgendwas erklären darf. Ja, aber das haben die anderen Dinge Spaß, haben die anderen auch gemacht, mal mehr, mal weniger. Von daher würde ich das gar nicht mal so sehr, eine Rolle in eine bestimmte Spaßkategorie einsortieren.
Christian Ich finde es immer angenehm, als Trainer zu arbeiten. Das ist das, was ich so viele Jahre gemacht habe. Man erzählt was. Wird dafür gut bezahlt, man trinkt ein Käffchen, isst Plätzchen, dann geht man in die Mittagspause und am Ende des Tages oder der Woche gehen alle glücklich nach Hause. Im besten Fall, weil die Teilnehmer viel gelernt haben und man sagt, ach, das war aber wiederum nett gewesen. Also eigentlich der perfekte Job.
Markus Exakt und man kriegt ja auch viel mit von den Herausforderungen, die dann quasi sein eigenes Publikum, was man eben dann in den Trainings drinnen hat, was denn da in der realen Welt tatsächlich passiert. Und das ist ganz oft, je nachdem, in welchem Umfeld man ist, ist es ja schwierig noch zu sehen, was denn in dieser realen Welt wirklich passiert. Und von daher fand ich das dann auch immer sehr, sehr wertvoll, eben auch diese unterschiedlichen Perspektiven dann mitzubekommen.
Christian Absolut, das kann ich unterstreichen, weil normalerweise kriegst du von außen nicht mit, was das Unternehmen macht, mit welchen Technologien sie arbeiten, das ist so wie so eine Blackbox und manchmal gibt es so einen Blick in die Blackbox, wenn die Mitarbeitenden irgendwie auf Konferenzen vielleicht davon erzählen, aber normalerweise ist es ein relativ geschütztes Umfeld und als Trainer, Trainerin kommst du da rein, sprichst mit den Leuten, dann erzählen die von ihren Problemen und du merkst auch, ah, dafür benutzen die diese Technologie. Also ich komme aus dem Java-Umfeld, Programmierumfeld und dann merkt man erst mal, ah, das machen die mit dieser Programmiersprache. Diese Probleme lösen die damit. Normalerweise, wie gesagt, wenn du von außen dir das Unternehmen anguckst, siehst du das nicht unbedingt.
Markus Ja, genau, das ist es. Und die Vielfalt macht es ja aus.
Christian Jetzt bist du ja zu Microsoft gekommen. War das immer so ein Wunscharbeitgeber für dich, weil du dich schon so viele Jahre mit Microsoft-Produkten beschäftigt hast? Dass du irgendwo davon so angezogen wurdest, dass du sagst, das ist immer ein Arbeitgeber, da möchte ich gerne hin? Oder wie ist der Wunsch entstanden und letztendlich ein Job rausgeworden?
Markus Ja, also der Bezug zu Microsoft, der hat mich schon die ganze Zeit eigentlich mit begleitet. Also so die ersten Microsoft-Produkte, die ich verwendet habe, das war damals MS-DOS 3.0, glaube ich, und Windows 2.0, so aus diesen Zeiten komme ich. Und ich habe aber eigentlich auch diese Microsoft-Entwicklung immer mit weiterverfolgt. Also ich war nie so derjenige, der dann außerhalb dieses Microsoft-Imperiums dann mit Mac oder mit Linux gearbeitet hat. Ja, kann ich schon auch irgendwo, aber ich bin schon eher in dieser Microsoft-Welt zu Hause. Und da bin ich eigentlich auch nie groß davon rausgekommen. Und mit der Arbeit, die ich dann halt über diese Jahre gemacht habe, war dann natürlich Microsoft war schon ein Unternehmen, dass man sich hier gut vorstellen hätte können, dort zu arbeiten. Aber ganz ehrlich, so in diesen jungen Jahren war das für mich weit weg. Das war halt so dieser amerikanische Konzern, der sitzt da irgendwo in den USA oder halt in Deutschland, irgendwo in München. Das war für mich eigentlich nie erreichbar gewesen. Und dann ist es halt, wie es ist. Manchmal gehen dann halt Türen auf und gerade durch meine Arbeit eben im Consulting oder durch die Trainings oder eben auch mit der Arbeit mit den Microsoft-Partnern hat man dann eben auch Kontakt gehabt zu Microsoft selbst, hat Leute kennengelernt, hat Netzwerke geknüpft. Und irgendwann war dann eben die Situation, dass dann eben jemand für eine gewisse Stelle gesucht wurde. Und ich wurde gefragt und habe mir das angeguckt und das hat dann eben geklappt. Ja, und jetzt bin ich hier.
Christian Das ist ja großartig, dass Microsoft auf dich zukommt und sagt, bitte Markus, du würdest so toll ins Unternehmen passen. Ohne dich würde uns was fehlen.
Markus Ja, es war nicht in diesem Tonfall.
Christian Aber so in etwa. Genau, so der Kniefall, so mit den betenden Händen. Wie ist es denn allgemein, bei so einem Megakonzern zu arbeiten? Wie ist denn so die Arbeitsatmosphäre da?
Markus Ja, es hat natürlich wie immer und wie überall hat es seine guten und seine weniger guten Seiten. Ja, also ich meine, Microsoft selber ist ja schon wirklich ein großer Konzern. Ich weiß die aktuelle Zahl nicht, aber weltweit haben wir so 200.000 Mitarbeitende.
Christian Das ist viel, ja.
Markus Eben, genau. Und dann ist die Frage, wie wird denn so ein Konzern geführt? Und natürlich ist es so, die Konzernmutter, die ist bestimmend. Also gerade dann, wenn wir eben jedes Jahr, jedes Geschäftsjahr neu aufsetzen, kommen dann die Planungen und die Zielsetzungen, die Fokusbereiche, die kommen dann eben aus den USA und werden dann eben auf die Länder jeweils runtergebrochen. Und das bedeutet dann natürlich auch, dass man eben auch von dieser Konzernmutter so ein Stück weit abhängig ist. Auch wenn man dann eben lokal vielleicht manche Dinge anders sieht oder anders handhaben möchten, trotzdem ist es halt innerhalb dieser Konzernstruktur. Auf der anderen Seite ist es dann aber auch so, diese Konzernstruktur bietet auch viele, viele Vorteile. Weil beispielsweise auch so diese Vielfalt, die wir gerade vorhin besprochen haben, die habe ich in meinem Arbeitsumfeld halt auch. Also ich sehe jeden Tag arbeite ich mit unterschiedlichen Leuten zusammen. Die sitzen irgendwo auf der Welt. Das heißt quasi dieses Prinzip, wir haben alle unterschiedliche Aspekte, wir haben alle unterschiedliche Herausforderungen. Das ist bei uns gang und gäbe. Und natürlich, was auch sehr schön ist, dadurch, dass es ein so großer Konzern ist, ist, haben wir natürlich auch intern die Möglichkeit, uns in gewisse Richtungen zu entwickeln. Ja, also ich bin jetzt seit etwa zehn Jahren bei der Microsoft, aber allein schon in diesen zehn Jahren hatte ich drei Rollen. Und dass ich drei unterschiedliche Rollen hatte, das ist jetzt nicht ungewöhnlich. Ja, also es ist sehr, sehr ungewöhnlich bei Microsoft, wenn da jemand ist, der macht seit zehn Jahren nichts anderes, der macht seit 20 Jahren nichts anderes, sondern aufgrund der schnellen Entwicklung oder der schnellen Fokusänderung, die wir haben, ändern sich dann eben auch unsere Rollen oder was wir denn in diesen Rollen erleben oder ausleben, ändert sich sehr, sehr schnell. Und wenn man das mag, man muss das natürlich nicht mögen, aber wenn man das mag, dann kann man sich dort tatsächlich sehr gut entfalten.
Christian Ja, das finde ich spannend und da wäre meine Anschlussfrage, wie hat sich Microsoft denn selber als Unternehmen verändert und wie hast du dich innerhalb von Microsoft verändert? Also was waren deine Es gibt viele verschiedene Rollen und wo siehst du eine große Änderung in der Herangehensweise vielleicht oder in der Unternehmensführung?
Markus Ja, also was Microsoft als Fokusbereich so in diesen zehn Jahren, ja, und ich kann ja nur aus diesen zehn Jahren dann wirklich aus, den Kenntnissen von innen her reden, natürlich ändert sich gerade mit dem, was sich an der Technologie ändert, was sich natürlich auch an den Produkten ändert, die Microsoft eben anbietet oder auch, was die Herausforderungen sind oder auch Umbrüche, wie zum Beispiel Corona hat ja auch viele Aspekte, die dann da mit reingeflossen sind. Das hat halt am Anfang angefangen, ja, also vor zehn Jahren, ja, das kannst du dir vorstellen, da war halt das Thema Cloud, das war das Thema, ja. Und da waren viele Fragen rund um Cloud, ist Cloud gut, ist es nicht gut, was ist das Böse daran, von wem möchte man das, von wem möchte man das auf keinen Fall. Dann später in der Mitte von meinen zehn Jahren war dann eher so, der Fokus war dann Microsoft Teams, ja, und da hat man dann eben geguckt, ja, wie wird denn Teams genutzt, was muss man tun, damit Teams genutzt wird. Man hat sehr stark auf die Nutzung geguckt und heute ist es halt, zumindest in meiner Bubble, ja, Microsoft ist ja mehr als nur das, aber in meiner Bubble ist es halt Copilot. Heute gucken wir halt auf Copilot. Wie wird es genutzt? Was müssen wir tun, damit es genutzt wird? Wie kann es einen besseren Mehrwert kriegen? Und das Spannende ist dann, gerade auch die Metriken, auf die man schaut, die ändern sich dann eben auch ständig. Ja, ganz, ganz, ganz am Anfang, also noch vor Cloud, ja, also könnte man jetzt salopp sagen, da war es dann eher so, Microsoft hat halt Lizenzen verkauft. Was dann aber der Kunde mit diesen Lizenzen gemacht hat, das war erstmal egal, man hat die Lizenzen verkauft. Heute aber seit Cloud ist das ganz, ganz anders und der Ansatz ist auch anders. Wir wollen nämlich nicht nur Lizenzen verkaufen, sondern ganz wichtig ist, dass diese Lizenzen halt auch genutzt werden. Weil nur wenn sie genutzt werden, kann man dann entweder Nachfolge-Lizenzen verkaufen oder überhaupt nur die Verlängerung von den Lizenzen durch die Abo-Modelle, die dabei sind. Also die Betrachtung ist da auch eine völlig andere geworden. Und das spiegelt sich dann auch bei mir in meinen Rollen ein Stück weit wieder. Vor zehn Jahren, als ich angefangen habe, hatte ich eine Rolle, man könnte sagen, das ist technischer Pre-Sales gewesen. Das heißt, ich war dann eben gerade da mit Unternehmen dann in Kontakt, wenn es dann um die Frage ging, macht denn Office 365, hieß es damals noch, macht das bei uns im Unternehmen Sinn oder nicht? Wo können wir das einsetzen oder eben nicht? Was sind die Herausforderungen? Was sind die Voraussetzungen? Und all diese Dinge. Und heute ist das, die Diskussion ist Office 365 oder Microsoft 365, die Diskussion wird noch sehr selten geführt. Später dann meine zweite Rolle, das war dann, man könnte so sagen, Produktmanagement, Marketing übergreifend. Da ging es dann eben genau darum, wie man beispielsweise Teams in die Nutzung bekommt. Da haben wir auch geguckt, ob denn die Teams-Telefonie genutzt wird, wie die genutzt wird, wann sie genutzt wird, um dann eben das Produkt auch dahingehend zu optimieren, um dann eben auch den größtmöglichen Nutzen zu haben. Und bis heute, heute habe ich eine Rolle, da kann ich dir auch den Namen sagen, Microsoft hat immer ganz tolle Rollen bezeichnet und niemand kann sich was darunter vorstellen. In meinem Fall ist es der PSSM und das steht für Partner Solution Sales Manager.
Christian Das passt ja gerade nicht auf eine Visitenkarte drauf.
Markus Krass, oder?
Christian So lange ist es.
Markus Und da sind im Prinzip zwei Begriffe wichtig. Das eine, der Begriff Partner. Das heißt, in meinem Fall arbeite ich jetzt nicht direkt mit Kunden zusammen, sondern ich arbeite mit einem Teil, also einer Anzahl von Partnern zusammen. Also Microsoft-Partner, die dann wiederum Kunden beraten. Und zusammen mit den Partnern versuche ich dann eben für bestimmte Kundenszenarien dann Lösungen zu finden, auf Basis natürlich von Microsoft-Technologie. Und da steckt dann auch der Name Sales wieder mit drinnen. Das heißt auch da, mein Geschäft ist es auch wieder natürlich hier im Verkauf tätig zu sein. Aber so gibt es dann unterschiedlichste Ansätze in Microsoft und diese Rolle, die mache ich jetzt seit fast zwei Jahren. Mal schauen, was ich in zwei Jahren machen werde. Wahrscheinlich wieder was völlig anderes. Bei mir war es dann aber noch einigermaßen gleichbleibend oder das, was gleich geblieben ist, war bei mir eigentlich immer die Modern Work Schiene. Oder das, was man früher Modern Work gesagt hat. Also der moderne Arbeitsplatz bis heute, weil Copilot gehört da nämlich auch dazu. Nur weil sich halt Modern Work heute nicht mehr toll anhört, haben wir da natürlich auch viel bessere Namen. Und zwar, wir sagen dazu heute AI Workforce. Und damit meinen wir Modern Work und Copilot.
Christian Da sind wir eigentlich direkt schon beim nächsten Stichpunkt, Copilot. Microsoft hat ja selber viel Geld in OpenAI damals investiert und ich fände es mal interessant, die Geschichte von dir zu hören. Wie es zu dieser Zusammenarbeit kam, wie es zu der Integration von OpenAI-Produkten in Microsoft-Produkte kam. Kannst du darüber mal ein bisschen schwätzen?
Markus Ja, also ich meine, die Zusammenarbeit mit OpenAI, die geht schon länger, als es Copilot gibt. Ja, also die ersten Ansätze bei der Zusammenarbeit, ich kann das gar nicht mehr genau sagen, aber das war wahrscheinlich so, Anfang der 20er Jahre, dass hier so die ersten Dinge, die man zusammen gemacht hat in Infrastruktur, in der Forschung und dann eben später auch in den Produkten gebaut hat. Das erste wichtige Produkt, das dann hier aus dieser Partnerschaft vorgegangen ist, das war dann Copilot. Und so gesehen ist Copilot ja auch gar nicht mehr neu, weil Copilot wurde nämlich vorgestellt vor gut drei Jahren. Ja, also drei Jahre ist jetzt in der Technologie gar nicht mal mehr so kurz. Ja, also so neu ist Copilot gar nicht mehr. Und damals, als man Copilot sich ausgedacht hat, als man Copilot entwickelt hat, war der Kern natürlich, man braucht ein Sprachmodell. Und ein Sprachmodell wollte Microsoft jetzt nicht selber entwickeln, sondern hat dann da eben zusammen mit dieser Partnerschaft mit OpenAI dann gearbeitet und hat dann damals eben noch ein sehr frühes GPT-Modell als, Standardsprachmodell eben in Copilot eingesetzt. Und heute arbeitet man immer nach wie vor noch mit OpenAI sehr, sehr stark zusammen. Das geht dann beispielsweise so weit, es gibt ja auch von OpenAI gibt es laufend neue Sprachmodelle und es gibt quasi so eine Art Commitment, dass dann, wenn OpenAI ein neues Sprachmodell fertig hat und veröffentlicht, dass innerhalb von 30 Tagen dieses Sprachmodell auch in Copilot zur Verfügung gestellt wird. Also man möchte dann quasi neue Entwicklungen auch möglichst frühzeitig mit in Copilot mit reinnehmen. Ja, und so gibt es diese strategische Partnerschaft noch immer, wobei sie heute aber ein bisschen eine andere Ausrichtung hat. Weil nämlich, ich meine, wenn man sich die News anschaut, die Entwicklung anschaut von Sprachmodellen, dann ist ja das Sprachmodell, das heute top ist, das kann morgen schon wieder veraltet sein. Weil es gibt halt nicht nur die Sprachmodelle von OpenAI, es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Hersteller mit unterschiedlichen Fokusbereichen und nächste Woche habe ich vielleicht ein Sprachmodell, das alles andere in den Schatten stellt. Und dadurch hat Microsoft dann auch den Copilot und OpenAI mit GPT-Zusammenschluss ein Stück weit aufgebrochen. Heute ist GPT nach wie vor eines der Sprachmodelle in Copilot, aber eben nicht nur. Das heißt, das Unternehmen kann im Zweifelsfall dann eben auch zwischen unterschiedlichen Sprachmodellen wählen und je nach Anwendungsfall dann auf das eine oder andere zurückgreifen. Und welches dann eben eingesetzt werden kann, das ist dann wieder Entscheidung vom Unternehmen selber, welche Sprachmodelle dann von den Mitarbeitenden eingesetzt werden dürfen. Von daher ist die Partnerschaft nach wie vor noch da, auch sehr, sehr intensiv, aber man konzentriert sich eben nicht nur auf die GPT-Sprachmodelle von OpenAI.
Christian Was ja immer so ein bisschen überraschend ist, wenn man lernt, dass der Begriff Copilot ja überall dran gepatscht wird und dass man Schwierigkeiten hat, das zu unterscheiden. Wenn man sagt, ich benutze den Copilot, die anderen sagen, ja, aber das ist doch da. Und die Person sagt, nein, nein, das ist da. Und man lernt dann irgendwann so, oh, das ist ja an allen Produkten irgendwie dran. Wo genau finden wir denn jetzt Copilot? Und wo sind denn jetzt die Unterschiede? Vielleicht kannst du das mal aufdröseln.
Markus Ja, das ist eine super gute Frage. Und das hätte ich vielleicht auch schon früher sagen können, weil ich meine, über was reden wir denn eigentlich? Das müssen wir ja tatsächlich erstmal hier klären. Und gerade dieser Begriff Copilot, der ist ja mehrfach überladen. Also es gibt ja auch Copilots nicht nur von Microsoft, sondern der Begriff wird ja auch von anderen Herstellern verwendet. Und es gibt so eine Sache, wo Microsoft wirklich nicht gut ist. Und das ist die Namensgebung, behaupte ich jetzt mal. Und Copilot ist da, glaube ich, das beste Beispiel, weil es gibt halt nicht den Copilot, sondern es gibt ganz, ganz viele verschiedene Dienste, in denen der Begriff Copilot steckt. Wir reden jetzt über den sogenannten Microsoft 365 Copilot. Und das ist der Copilot, der dann eben für Information Worker in Unternehmen genutzt wird. Aber neben diesem Copilot gibt es beispielsweise noch den Security Copilot, es gibt den GitHub Copilot, es gibt den Sales Copilot und es gibt noch eine ganze Reihe weiterer Copilots. Und die haben mit diesem Microsoft 365 Copilot genau nichts zu tun. Und dann kommt noch das Schwierige dazu. Es gibt Microsoft 365 Copilot für Unternehmen. Das, was wir jetzt gerade diskutieren. Es gibt aber auch Microsoft 365 Copilot für Privatanwender. Und da ist der Name gleich. Die Funktionalität ist aber nur in Ansätzen vergleichbar. Ja, von daher ist es dann auch wirklich sehr, sehr schwierig, gerade in der Praxis, wenn man dann etwa auf den typischen Newsportalen etwas über Copilot liest, was Copilot wieder besonders schlecht oder besonders gut macht. Man muss zuerst mal hinterfragen, was meint ihr denn eigentlich? Ja, und damit wird dann vieles dann auch wieder klarer oder besser verständlich.
Christian Ja, das glaube ich. Ich finde den Namen Copilot einfach fantastisch. Der ist richtig toll. Insofern kann ich die Motivation durchaus nachvollziehen, zu sagen, diesen tollen Namen, den setzen wir jetzt überall dran, weil, naja, wie im Flugzeug, das ist halt der Copilot, der mich begleitet. Ich lenke und steuere das Flugzeug und der Copilot assistiert oder greift ein. Also ich finde insgesamt die Namensgebung richtig gut.
Markus Ja, und ich... Und vielleicht auch gerade weil du das ansprichst von der Namensgebung her. Ja, das Schöne ist ja, dass dieser Begriff Copilot ja auch ein Stück weit mitgibt, dass der mit mir arbeitet. Also die Idee ist nicht, dass er mich in irgendeiner Form als Mitarbeiter ersetzt oder dass er dann plötzlich automatisch Dinge tut, sondern ich arbeite mit dem. Ich bin aber immer noch der, der am Ende sagt, das ist gut oder nicht gut und wir gehen in diese Richtung oder nicht diese Richtung. Und das Spannende ist jetzt für die Zukunft, dann hast du und die Zuhörenden das da auch schon mal gehört, wir werden in Copilot dann auch noch die sogenannten Autopiloten bekommen. Also das wird dann eine spezielle Anwendung innerhalb von Copilot sein und die Autopiloten wiederum, die machen dann wirklich selbstständig Dinge. Und mal gucken, was dann in ein paar Jahren passiert. Ob ich dann vielleicht mal so einen Autopiloten statt mir in ein Meeting stellen kann und ich gebe denen vielleicht am Anfang mal mit, hey, bring doch in dem Meeting diese drei Punkte an und diskutiere die dort.
Christian Du hast in deinem Buch geschrieben Angst vor der leeren Seite. Betrifft dich das? Hast du Angst vor der leeren Seite?
Markus Es hängt ein bisschen von der Situation ab. Also je nachdem, um was es geht. Wenn ich jetzt ein neues Thema habe und ich weiß gar nicht, wie ich denn damit anfangen möchte, dann kann es gut sein, dass es toll ist, ich habe dann in irgendeiner Form schon etwas da stehen, wo ich dann gucken kann, geht es in die richtige Richtung oder nicht, wie kann ich das ausbauen oder nicht. Das hängt aber tatsächlich von der Situation ab. Also je nachdem, was es ist, habe ich auch genug eigene Ideen und kann die dann auf die leere Seite dann platzieren. Dann brauche ich dann nicht jemanden, der mir Stichwörter gibt. Aber das hängt ein Stück weit eben davon ab, was man denn tut, ob man dann eine solche Angst hat oder nicht.
Christian Wir können ja mal kurz die verschiedenen Produkte von Microsoft Office durchgehen oder von Microsoft 365 durchgehen. Siehst du, das ist schon das Problem. Also Office ist ein toller Name. Es ist schade, dass Microsoft den irgendwie nicht haben möchte. Kannst du mir mal verschiedene Anwendungen, Szenarios geben, dass du sagst, okay, wenn wir jetzt Teams haben, dann hilft mir Copilot da. Wenn ich ein Office-Dokument habe, hilft es mir da. Also kannst du mal die verschiedenen Office-Suite-Produkte mal kurz durchgehen und mir so ein, zwei hammermäßige Anwendungsfälle geben und sagst, dafür ist es perfekt geeignet.
Markus Ja, also die Grundidee hinter Copilot ist ein bisschen anders, wie es jetzt vielleicht von ChatGPT der Fall ist. Also wir haben ja mit Microsoft 365 schon eine Plattform mit verschiedenen Produktivitätsdiensten und Anwendungen. Teams, Office-Paket und auch die vielen anderen weiteren, die da mit drin sind. Und die Grundidee, die mit Copilot verfolgt ist, diese Funktionalität einer generativen KI dorthin zu bringen, wo sich der Anwender, wenn er den Microsoft 365 verwendet, sich tagsüber sowieso schon hauptsächlich aufhält. Das heißt, die Grundidee war eben nicht nochmal ein Tool, das dann irgendwie separat läuft, sondern möglichst wie viel Funktionalität eben in Microsoft 365 mit einzubinden. Ja, und das heißt, wir finden Copilot an ganz vielen verschiedenen Stellen innerhalb von Microsoft 365. Ein gutes Beispiel, hast du schon genannt, nämlich in Teams. Und das Schöne ist jetzt in Teams beispielsweise, ich muss jetzt, um Copilot in Teams zu nutzen oder einen Vorteil von Copilot in Teams zu haben, da muss ich noch nicht mal prompten, weil das ist ja nochmal ein ganz anderes Thema, muss man können, können wir nachher auch noch drüber reden, sondern in Teams habe ich out of the box bereits eine Copilot-Unterstützung, die ich beispielsweise in meinem realen Arbeitsalltag sehr, sehr stark einsetze. Weil beispielsweise, ich habe es vorhin ja kurz skizziert, wir arbeiten jeden Tag mit Leuten rund um die Welt zusammen. Wir arbeiten schon viel in Meetings. Und wenn ich jetzt nicht aufpasse, ist überhaupt kein Problem, dann könnte ich von morgens 8 Uhr bis abends 20 Uhr nur in Meetings verbringen. Und dann hängt das einen ja auch natürlich noch ab. Manche Meetings ist man ja doppelt gebucht. Also man hat gar keine Chance, in jedem Meeting wirklich dabei zu sein. Und jetzt könnte man ja sagen, ja, kein Problem, Teams kann schon lange Meetings aufzeichnen. Ja, das stimmt schon. Nur wann habe ich denn Zeit, mir eine Stunde lang ein Meeting-Aufzeichnung anzuschauen? Das kommt in der Praxis quasi nicht vor. Und genau für solche Szenarien, da habe ich schon out of the box ganz tolle Copilot-Funktionen, die mir dann nämlich beispielsweise eine Zusammenfassung liefern dessen, was in dem Meeting gesprochen wurde. Und nicht nur eine Zusammenfassung, sondern da steht dann beispielsweise auch, ob ich denn eine Aufgabe bekommen habe oder welche Aufgaben definiert wurden. Und so kann ich mir dann beispielsweise auf Basis dieser Zusammenfassung, kann ich mir schon mal einen Eindruck dazu, darüber geben lassen, ob es denn überhaupt Sinn macht, mir die Aufzeichnung anzuschauen. Und wenn, welche Teile aus dieser Aufzeichnung sollte ich mir denn anschauen? Oder aber auch eine Out-of-the-Box-Funktionalität, die ich nur aktivieren muss, ist dann eben das Erstellen der Besprechung, des Besprechungsprotokolls während dem Meeting. Ja, das ist auch ganz, ganz spektakulär. Ich bin in einem Meeting mit fünf Leuten, mit zehn Leuten. Wir haben diese Funktionalität aktiviert. Man sieht dann am rechten Rand, sieht man die Besprechungsnotizen. Und je länger wir miteinander diskutieren, desto länger wird das Besprechungsprotokoll. Das schreibt sich nebendran. Also nicht nur das gesprochene Wort, sondern wirklich die Zusammenfassung davon. Und man kann dann an dieser Besprechungszusammenfassung, kann man natürlich auch Hand anlegen, aber man muss jetzt halt keine Person delegieren, die dann die unliebsame Aufgabe bekommt. Und du schreibst heute das Protokoll. Das muss man nicht machen, sondern das ist automatisch da. Und das ist dann beispielsweise eben ein Beispiel oder ein Ansatzgebiet, wie ich dann von Copilot als Information Worker dann sofort einen Nutzen habe. Auch einen Nutzen, egal ob ich sonst mit generativer KI arbeite, ob ich weiß, was ein Prompt ist, sondern ich verwende die Funktion, weil sie halt build-in ist. Und so finde ich dann neben Teams natürlich in vielen anderen Dingen dann auch noch eine Copilot-Funktionalität. In Outlook kann man sich das auch gut vorstellen. Beispielsweise, dass ich mir da einen E-Mail-Thread zusammenfassen lasse. Muss ich auch nicht prompten. Das ist eine Funktion in der Outlook-Oberfläche. Oder aber in den Office-Applikationen, dass ich mir dann eben beispielsweise, wenn ich jetzt eine der Office-Applikationen vielleicht nicht so gut beherrsche, also ein einfaches Beispiel wäre jetzt vielleicht in Word. In Word habe ich ein langes Dokument, das will ich jetzt anders formatieren. Das ist mir aber blöd, das selber zu machen, sondern ich weise Copilot an, die Formatierung so anzupassen, wie ich es gerne hätte. Dann macht der das halt für mich. Oder in Excel weiß ich nicht, wie eine bestimmte Formel funktioniert. Dann kann ich Copilot anweisen, eben das Excel-Dokument so umzuformulieren oder zu ändern, wie ich es gerne hätte. Und ich muss mich mit Excel nicht auseinandersetzen. Und genauso ist es dann in den anderen Applikationen auch. Manchmal ist die Integration besser, mal weniger gut. Aber es ist so gemacht, dass ich dann diese Funktionen überall dort finde, wo ich mich typischerweise sowieso aufhalte. Und das Schöne ist dann, dass dann diese Copilot-Funktionalität auch als Plattform gedacht sind. Das heißt, mit Copilot müssen wir uns nicht zwangsläufig ausschließlich in diesem Microsoft 365-Kontext bewegen, sondern es gibt dort auch von technischer Seite Konnektoren für externe Datenquellen. Und da gibt es auch für viele Drittherstellerprodukte gibt es dann Konnektoren, um dann diese Datenbestände eben auch von Copilot verarbeitbar zu machen. So dass ich dann beispielsweise dann etwa in Word, nehmen wir das Beispiel wieder, kann ich dann beispielsweise sagen, gib mir mal die technischen Daten zu Produkt XY. Dann sind die technischen Daten vielleicht in Microsoft 365 gespeichert, vielleicht aber auch nicht, sondern extern. Und wenn die Konnektoren eingerichtet sind, findet Copilot diese Informationen trotzdem, zieht diese Informationen aus der externen Datenquelle und setzt die mir auf das Word-Dokument oder in einem PowerPoint oder in was auch immer. Und das macht dann die Arbeit für mich als Endanwender viel einfacher, weil ich brauche nicht nochmal ein Tool. Und ich brauche nicht hier die KI und dort die KI und noch eine dritte KI, sondern das Ziel ist, ich habe diese eine Plattform, diese eine Oberfläche und mit der erreiche ich einen Großteil dessen, was ich im Arbeitsalltag machen möchte. Das war jetzt der Werbeblock. Ich weiß, in der Praxis ist das nicht immer so. Und an manchen Stellen funktioniert es besser, an manchen weniger gut. Aber das ist die Vision, die hinter Copilot steht und auf die wird hin entwickelt.
Christian Ja, also was ich stark finde, ist bei Copilot die Möglichkeit, auf die ganzen Unternehmensdaten zuzugreifen. Also ich sehe so ein bisschen natürlich auch die verschiedenen Produkte und die Konkurrenz. Ich sage mal, ich kann mir fast jedes beliebiges Modell raussuchen und sagen, schreib mir einen Text. Also da kann man jetzt drüber streiten, ob man das in Office drin haben muss, ob man dafür bezahlen muss. Klar ist es schön, aber die Modelle können das heute schreiben. Das, was, glaube ich, einzigartig ist, ist die Möglichkeit, mit Microsoft Graph verschiedene Informationen im Unternehmen zusammenzusuchen. Das heißt, aus meinen E-Mails, aus meinen Outlook-Terminen. Und das finde ich einen der Stärken dabei. Kannst du da vielleicht mal ein bisschen darüber erzählen, was dieser Microsoft Graph eigentlich ist? Und du hast jetzt gerade schon über die Konnektoren gesprochen. Ich vermute mal, dass genau diese Konnektoren diese Informationen aus dem Microsoft Graph dann anreichern, sodass man dann dort mehr Informationen zur Verfügung hat. Kannst du das mal so ein bisschen einordnen?
Markus Ja, wunderbar. Also der Microsoft Graph selber, das hat jetzt erstmal mit Copilot nichts zu tun, sondern den Graph, den gab es vorher schon. Und der Graph ist einer der wesentlichen Architekturpunkte innerhalb von Microsoft 365. Man kann sich den Graph quasi so vorstellen, als eine Repräsentation all dessen, was man in Microsoft 365 gespeichert hat. Also beispielsweise im Graph steht etwa all das, was in meinem Postfach steht. Jede einzelne E-Mail samt den Metadaten steht im Graph. Oder aber all das, was ich in meinem OneDrive gespeichert habe. All das, was in SharePoint gespeichert ist. Aber da stehen halt nicht nur die Dinge, die gespeichert sind, sondern da stehen auch die Vernetzungen der Dinge untereinander. Im Graph steht dann beispielsweise, dass ich Partner-Solution-Sales-Manager bin. Dass ich der Stuttgarter Niederlassung zugeordnet bin. Da steht auch, wer ist mein Manager? Wer sind meine Teamkollegen? Das sind also eher starre Informationen und jetzt kommt es. Da stehen aber auch dynamische Informationen. Da stehen dann beispielsweise Informationen wie, mit wem arbeite ich denn typischerweise zusammen? Mit wem arbeite ich an welchen Dokumenten? Mit wem arbeite ich in welchen Projekten? Und genau diese dynamischen Informationen, die sind ja nicht statisch. Deswegen dynamisch, sondern die ändern sich mit der Zeit. Wenn ich jetzt beispielsweise die Rolle wechsle, ein Projekt wird beendet, all das ist auch im Graph mit hinterlegt. Und dadurch, dass das ja ein lebender Graph ist, ein dynamischer Graph, sind diese Informationen dann mehr oder weniger tages-, man könnte sogar sagen, sekundenaktuell könnte man sogar fast schon sagen, je nachdem wie schneller aktualisiert wird. Aber er entspricht halt dem aktuellen Stand. Und wenn ich dann eben ein LLM habe, das dann auf diesen aktuellen Stand zurückgreifen kann, dann bietet es gewaltige Vorteile. Weil nämlich in meinem Fall, wenn ich mit Copilot arbeite, dann weiß Copilot halt nicht nur, was in meinem Postfach steht. Copilot weiß nicht nur, was in meinem OneDrive gespeichert ist, sondern Copilot weiß auch, womit ich mich gerade beschäftige und gibt mir daraufhin auch passende Antworten. Das heißt beispielsweise, wenn ich jetzt die Rolle wechseln würde, würde Copilot das merken und würde man dann vielleicht die Antworten etwas anders formulieren oder mit einer anderen Zielrichtung formulieren. Ein ganz einfaches Beispiel. In letzter Zeit habe ich öfter mal einen LinkedIn-Artikel geschrieben. Und ich habe jetzt die Artikel oder die Posts nicht von Copilot formulieren lassen, aber ich habe mir von Copilot schon eine zweite Meinung geben lassen. Ja, was kann ich optimieren? Einen besseren Hook, eine bessere Punchline, was auch immer. Und Copilot wusste dann, dass ich LinkedIn-Posts und Artikel schreibe. Und wenn ich dann eine Anfrage gehabt habe, die hat jetzt mit LinkedIn gar nichts zu tun gehabt. Ich habe halt irgendetwas recherchiert mit Copilot. Dann kam dann am Ende dann gerne eben der Satz, hey du, das wäre eigentlich auch ein super tolles Thema für LinkedIn zu einem Post zum Thema XY, sollen wir da vielleicht dran arbeiten. Oder aber, ich nehme halt, wer hätte es gedacht, auch bei den Büchern, die ich schreibe, nehme ich gerne mal Copilot zur Hand. Auch da, ich lasse jetzt keine Kapitel damit formulieren, aber ich lasse mich assistieren bei bestimmten Dingen, beispielsweise bei der Aktualisierung, bei der Aktualität von den Schrittanleitungen und so weiter. Und auch da als Copilot dann wusste, ah, der Markus, der schreibt ein Buch beispielsweise zu Microsoft 365 und ich dann an ganz anderer Stelle dann beispielsweise eben eine neue Änderung in Microsoft 365 recherchiert habe, dann sagt mir Copilot, hey du, das hast du im Buch aber noch anders formuliert im Manuskript im folgenden Abschnitt, das sollten wir noch anpassen. Und dann kann ich dann direkt darauf eingehen. Das heißt, das, was ich tue, mit wem ich arbeite, wie ich tue, hat eben auch Auswirkungen dessen, wie Copilot mit mir arbeitet. Und das hat Vorteile. Und die Vorteile sind halt besser, als wenn dann das Sprachmodell nur Zugriff hat auf eine E-Mail, auf das ganze Postfach, auf eine Datei in OneDrive. Sondern es geht um den kompletten Kontext.
Christian Ein Thema, was für Unternehmen natürlich relevant ist, ist Freigabe und dass man kein Over-Permissioning hat. Das heißt, man gibt nicht zu viel frei, weil es ist natürlich so, man kommt in ein Team rein, geht wieder raus, geht ein neues Team rein, geht wieder raus, irgendwelche Dokumente werden mal freigegeben und irgendwie kümmert sich keiner mehr darum. Wie kann man in der Praxis damit umgehen? Als Unternehmen selber, weil es ist ja eine Gefahr, dass ich möglicherweise den Mitarbeitenden ein Werkzeug zur Verfügung stelle, Copilot, der alles findet. Dafür ist er ja da, dass er alles findet. Aber vielleicht sollte er Sachen gar nicht finden oder vielleicht sollte er dem Unternehmen oder dem Team Hinweis geben, so hey, Moment mal, da ist was freigegeben. Vielleicht soll das nicht freigegeben werden. Wie geht man in der Praxis damit um? Also wenn Sachen chaotisch irgendwie gewachsen sind und plötzlich hat man so ein mega intelligentes Werkzeug, das alles findet, was gar nicht gefunden werden sollte, weil man es vergessen hat. Was macht man da?
Markus Ja, sehr, sehr guter Punkt. Und das ist auch tatsächlich heute wahrscheinlich die größte Herausforderung bei der Einführung von Copilot. Und das Lustige ist, der Hintergrund, der hat ja noch nicht mal was mit Copilot zu tun, sondern Copilot macht es nur sichtbar. Und wie du schon gesagt hast, du hast jetzt Over-Permissioning gesagt, wir sagen da typischerweise Oversharing dazu, also um was geht es. Daten, die in meinem Unternehmen gespeichert sind, sind für mehr Leute zugänglich, als sie eigentlich sein sollten. Und in meinen Kundengesprächen habe ich öfter mal die Situation, dass ich gesagt bekomme, ja, aber mit Copilot muss man ja schon sehr vorsichtig sein, weil Copilot verrät ja Inhalte. Und dann ist die Frage, verrät Copilot wirklich Inhalte? Klar, Copilot arbeitet mit dem Graph. Und wie ich den Graph vorhin skizziert habe, da stehen die Daten drin aus Microsoft 365. Aber, und jetzt kommt ein ganz, ganz wichtiger Punkt, Copilot wird bei der Generierung der Antworten das Berechtigungsmodell von Microsoft 365 berücksichtigen. Das bedeutet, positiv oder negativ, wenn ich die Möglichkeit habe, über irgendeinen Weg auf beispielsweise eine Datei zuzugreifen, dann wird Copilot diese mutmaßlich auch verwenden. Wenn ich keinen Zugriff habe auf eine bestimmte Datei, wird mir Copilot daraus keinen Inhalt oder keine Antwort generieren. Und jetzt ist es in der Praxis leider so, wie du ja schon skizziert hast, wir fangen ja nicht bei Null an. Viele Strukturen sind gewachsen, über viele Jahrzehnte möglicherweise. Und vielleicht hat man sich mal viele Gedanken gemacht, beispielsweise in der Fileserverstruktur, welche Personen auf welche Ordner Zugriff haben sollen oder in SharePoint oder in OneDrive. Das ist zwar schön, dass man sich diese Gedanken gemacht hat, aber wir sind alle bloß Menschen. Und manchmal wollen Menschen einfach möglichst schnell vorankommen. Und das heißt dann beispielsweise, ich will eine Datei anderen zur Verfügung stellen. Wie mache ich das jetzt? Ah, das geht gerade nicht. Ah, dann kopiere ich sie schön dorthin. Ja, und dann liegt die dort und vielleicht hat das komplette Unternehmen darauf Zugriff. Oder aber das Beispiel, was du gerade genannt hast, finde ich auch sehr schön. Wenn ich Mitglied in einem Teams-Team bin, dann habe ich Zugriff auf die Inhalte. Copilot wird die Inhalte verwenden. Und wenn das Teams-Team jetzt für ein Projekt gedacht ist und ich aber aus dem Projekt rausgehe, wer kümmert sich denn darum, dass ich als Mitglied aus dem Team auch verschwinde? Und wenn ich da weiter drin bin, wird Copilot die Daten da weiter verwenden. Selbst wenn ich vielleicht mit dem Projekt oder der Abteilung gar nichts mehr zu tun habe. Und genau dafür braucht es Lösungen und Konzepte. Und das Schöne ist, es gibt in Microsoft 365 tatsächlich eine ganze Reihe an Funktionen, die dafür gedacht sind, dieses Oversharing im Griff zu bekommen. Und da gibt es Holzhammer-Methoden und es gibt aber auch technologisch sehr ausgefeilte Methoden. Und letztendlich ist dann die Frage, wie denn ein Unternehmen damit vorgehen möchte. Eine Holzhammer-Methode wäre beispielsweise, dass ich als Administrator sage, von den 20 SharePoint-Seiten soll Copilot bloß die folgenden drei verwenden. Also quasi so eine Whitelist.
Christian Dass ich explizit sage, was ich haben will oder Blacklist, was ich nicht haben möchte.
Markus Exakt. Das ist eine Holzhammer-Methode. Die kann ich schnell aktivieren, aber es nimmt dann halt auch viel Funktionalität weg. Eine andere Sache wäre, da sind wir dann schon bei den technisch spannenderen Sachen, Ich habe Analyse-Tools, die mir als Administrator dann eine Übersicht geben oder eine Empfehlung geben, welche Datencontainer ich mir anschauen sollte, weil dort mutmaßlich ein Oversharing stattfindet. Das heißt, ich kriege dann eben eine Liste von Teams, von Ordnern, von Sharepoints, die eben sehr breit geteilt sind. Und das wiederum kann ich dann eben verwenden, um dann vielleicht das Sharing anzupassen oder zu korrigieren, wie auch immer. Und die Königsklasse wäre aber, und das ist halt mit ein bisschen Aufwand verbunden, die Königsklasse wäre, dass ich in Microsoft 365 die Datenklassifizierung aktiviere. Und die Datenklassifizierung wiederum bedeutet dann, dass ich eine Schutzebene habe, die liegt nicht auf dem Container, in dem dann die Datei steht, wie dann eben eine Freigabeberechtigung auf einer Datei, auf einer Ordner oder was auch immer, sondern der Schutz über die Datenklassifizierung wandert mit dem Dokument mit. Das heißt, ich habe dann beispielsweise die Möglichkeit, bei einem Word-Dokument, bei einem Excel-Dokument, kann ich dann ein sogenanntes Sensitivity-Label auswählen. Und dieses Sensitivity-Label wiederum bestimmt dann, wer mit dem Inhalt dieser Datei was machen darf. Und wenn ich dann beispielsweise auf meine Excel-Umsatzzahlen ein Sensitivity-Label gesetzt habe, das dann sagt, diese Datei darf nur von Firmen, internen Personen geöffnet werden, dann kann ich diese Datei im Zweifelsfall auch per E-Mail verschicken an irgendjemanden. Ich kann es auf Social posten, ich kann dann auf einem USB-Stick kopieren und am Marktplatz verlieren. Die Datei wird nur von Firmen, internen Personen geöffnet werden können. Und diese Datenklassifizierung ist dann eben ein Schutz, der dann auf dem Datenobjekt selber arbeitet und nicht auf dem Container. Und damit ist dann ein Oversharing dann deutlich eingeschränkt. Und dann ist sogar das Spannende über die Datenklassifizierung, kann ich dann sogar sagen, der Inhalt dieser Datei soll vom Copilot nicht verarbeitet werden. Selbst sowas wäre denkbar. Wenn ich dann meinetwegen einen Datenbestand habe, dann möchte ich aus welchen Gründen auch immer nicht das Copilot in irgendeiner Form anfasst, dann kann ich das auch über die Datenklassifizierung realisieren. Und es ist ganz egal, wo die Datei gespeichert ist, welchen Weg die im Unternehmen hat. Es ist nicht vergleichbar mit der von früher halt bekannten Ordnerberechtigung.
Christian Ja, ist schön. Wenn ich jetzt praktisch werden darf, du schreibst einen Prompt, weil du das System fragen möchtest, dann hast du damals so ein Prompt-Schema im Buch entwickelt. Du hast vier Punkte genannt, Ziel, Kontext, Quellen und Erwartungen. Und für manche ist es ja schon zu kompliziert, das mit diesen vier Punkten zu beschreiben. Warum scheitert es manchmal an solchen einfachen Dingen? Weil im Grunde ist es ja nicht schwer. Also ist das jetzt eigentlich eine neue Bürokompetenz, dass wir eigentlich minimale Prompting-Fähigkeiten brauchen? Was ist daran schwer?
Markus Ja, also ich meine, man kann es, glaube ich, so ein bisschen vergleichen wie früher. Ja, wenn wir mal so zurückdenken an die Anfänge des Internets, ja, als so Suchmaschinen aufkamen. Also ich meine so Anfang 2000er oder sowas, ja, sowas in der Zeit. Ja. Wenn ich da mal zurückdenke, wie ich so das erste Mal Google verwendet habe, dann war das halt sehr, sehr einfach. Ich habe da irgendwas eingegeben, dann kam da vielleicht in irgendeiner Form was raus, was in die richtige Richtung gab. Aber richtig gut war das dann nicht. Also irgendwann habe ich dann halt gelernt, dass es halt mehr Möglichkeiten gibt, als da ein Wort reinzuschreiben. Und das führt dann mutmaßlich auch dazu, dass dann das Suchergebnis besser ist. Das heißt, ich musste damals ja auch den Umgang mit einer Suchmaschine erst mal lernen. Heute mit Copilot ist es glaube ich wieder ähnlich, wobei es ein wenig komplexer ist, weil viele Menschen haben es in ihrem Arbeitsleben nie gelernt, präzise zu sagen, was sie denn eigentlich haben wollen. Und bei mir selber war das dann, wie Copilot dann eben rausgekommen ist. Und wir hatten das seit Sommer 2023, haben bei uns dann die ersten Copilot bekommen. Ich war damals von dem Tool auch total ernüchtert. Weil wenn ich da dann einen Prompt reingeschrieben habe, da kam dann was raus. Das war mal gut, mal weniger gut, mal brauchbar, mal nicht brauchbar. Es war eher zufällig, ob das, was da rauskam, auch wirklich sinnvoll war für mich, für mein Ziel. Und irgendwann habe ich dann halt gemerkt, was der Hintergrund ist. Meine Prompts waren halt Mist. Ich habe das Tool nicht richtig verwendet. Ich musste erst lernen, eben genau diese Bausteine, die einen guten Prompt ausmachen, dann eben bei meinen Prompts auch so umzusetzen. Und ein Prompt ist halt typischerweise, das hängt natürlich immer vom Anwendungsfall ab, aber ein Prompt ist typischerweise halt nicht ein Wort, ist typischerweise auch nicht ein Satz. Ja, meine Prompts heute, die sind gerne auch mal eine halbe Seite lang oder eine DIN A4 Seite lang. Und das Schöne ist, man muss mit Copilot aber diese Prompts ja auch nicht zwangsläufig selber schreiben. Und damit meine ich jetzt gar nicht die Funktion, wie ich sie vorhin bei Teams und Outlook skizziert habe, sondern man kann ja auch das Sprachmodell nehmen. Um es zu Hilfe bitten beim Formulieren von Prompts. Da gibt es in Copilot sogar auch einen Extradienst dafür, einen sogenannten Agenten, den Prompt Coach. Und dem sage ich, was ich will. Und der guckt dann genau diese vier Bausteine, ob die da drin sind. Und wenn nicht, stellte Rückfragen, bis dann da ein Prompt rauskommt, der eben alles berücksichtigt. Und die Ergebnisse vom Prompt Coach, die sind dann eben so eine DIN-A4-Seite schon durchaus mal lang. Und wenn man sich die anschaut, an die Details, die da drin sind, hätte ich jetzt zumindest tagtäglich nie gedacht. Auf der anderen Seite ist es aber auch ein ganz, ganz wichtiger Punkt, Wenn ich jetzt als Unternehmen möchte, dass meine Mitarbeitenden, Copilot oder auch einen anderen Gen-AI-Dienst, das muss ja nicht ein Copilot sein, sondern es ist bei den anderen Diensten genauso. Wenn ich möchte, dass die zielführend im Unternehmen eingesetzt werden. Dann muss ich dafür sorgen, dass ich meine Mitarbeitenden auch ein Stück weit an die Hand nehme. Es wird immer ein paar Power-User geben, bei denen ich das nicht muss, die das alleine können. Aber das Gros der Anwender, die muss ich mitnehmen, muss denen aufzeigen, wo der Mehrwert ist. Zum einen von der generativen KI auf der einen Seite, aber auch von der Anwendung, wie das geht. Und selbst wie bei Microsoft, also ganz oft merke ich ja so außerhalb von dieser Microsoft-Bubble ist so die Einschätzung, ja, wenn das von Microsoft kommt, dann nutzt ihr das ja halt alle. So ist es aber nicht. Wir sind auch bloß Anwender und wenn da jetzt ein neuer Microsoft-Dienst kommt, heißt das nicht, dass wir den sofort adaptieren und dann absolut die Profis da drinnen sind. Wir müssen das auch lernen. Wir haben das bei Teams lernen müssen und bei Copilot haben wir das auch lernen müssen. Und wir hatten viele, viele, viele interne Schulungsmaßnahmen, in Anführungszeichen, mit denen wir dann gelernt haben, zum einen mit dem Tool sinnvoll umzugehen, zu lernen, wann bringt mir das überhaupt was? Und da war Prompting, war da auch ein ganz, ganz wesentlicher Bestandteil. Ja, da haben wir dann beispielsweise sogenannte Promptathons gemacht, was dann bedeutet, dass wir uns dann in kleinen Gruppen mit so fünf Leuten zusammengesetzt haben. Idealerweise sind die fünf Leute dann auch noch aus der gleichen Abteilung oder haben die gleiche Rolle mit den gleichen Herausforderungen. Und wir haben dann gemeinsam versucht, dann eben für bestimmte Szenarien den goldenen Prompt zu finden. Und jeder wusste es dann besser und man hat dann eben diese Kenntnisse dann zusammengelegt, bis am Ende dann wirklich ein guter Prompt für genau dieses Szenario rausgekommen ist. Und das ist aber eine Trainingssache. Wenn das nie passiert wäre, wahrscheinlich würde ich heute noch da sitzen und ab und zu mal Copilot ausführen und sagen, ja, okay, hätte ich das jetzt manuell gemacht, wäre ich mindestens genauso schnell gewesen.
Christian Ich frage mich nur gerade, ob es ein Problem sein kann, wenn gewisse Nutzer das nur als Spielzeug sehen. Zum Beispiel Bildgeneratoren. Ist das toll, kostet eine Menge Energie und das ist einfach so Spaß, aber nutzt dem Unternehmen ja gar nichts. Ist es nicht auch ein Problem, dass einfach nur Unsinn mit generativer KI betrieben wird? Schreibe mir ein Gedicht, mein Kind hat morgen Geburtstag, schreibe irgendwas und es wird überhaupt nicht benutzt, um irgendwelche Unternehmensaufgaben zu lösen, sondern für Quatsch. Kann man da was machen als Unternehmen? Also nehmen wir mal an, in meinem Unternehmen kaufe ich das, das kostet ja auch ein bisschen Geld. Wie kann ich denn verhindern, dass jemand da ganz klar Blödsinn mitmacht?
Markus Ja, das ist die Frage, wie weit man das verhindern will oder verhindern kann. Grundsätzlich gäbe es schon auch gewisse Einstellungen, mit denen man das macht. Also je nachdem, es gibt auch Protokollierungsfunktionen. Man könnte auch mal die Prompts drüber gucken, was Anwender denn so typischerweise machen. Das gäbe es, das muss man nicht tun, man muss das auch nicht aktivieren, aber potenziell möglich wäre es. Ich denke, es ist aber eher so eine Kulturfrage. Also die Frage ist, wie möchte ich denn in meinem Unternehmen den Einsatz von generativer KI denn gerne haben? Und wie bringe ich das meinen Mitarbeitenden denn bei? Und das ist, glaube ich, da die Frage eher als, wie verhindere ich das? Und ganz ehrlich, was ich gerade so in letzter Zeit sehe, es ist gar nicht mal so sehr der AI-Slop, der da halt generiert wird. Ja, das passiert bei uns sicher auch ab und an mal, sondern es sind auch andere Dinge, die ich jetzt nicht unbedingt als positiv einschätze. Ja, also beispielsweise, früher war es doch eher so, beispielsweise bei unserer internen E-Mail-Kommunikation und hey, wir E-Mailen auch. Jetzt nicht bei der schnellen informellen Kommunikation untereinander in den Teams, sondern halt eher bei offiziellerer Kommunikation. Je offizieller, desto eher ist es eine E-Mail-Kommunikation. Und früher waren diese E-Mails gefühlt relativ kurz.
Christian Knapp, präzise formuliert. Und jetzt sind die alle sprachgeneriert und labern dann einfach.
Markus Exakt. Heute sind es halt solche Pamphlete, wo man dann erstmal gucken muss, was soll das jetzt? Was willst du mir damit sagen? Hast du jetzt eine Erwartungshaltung, dass ich da irgendwas damit tue? Und es kann ja nicht sein, dass wir jetzt dann mit Copilot so ein Ding aufblasen, um es dann nachher mit Copilot wieder zusammenzufassen, damit ich dann verstehe, was eigentlich Phase ist. Ja, also das hängt auch damit zusammen, aber auch das ist quasi ein Kulturthema. Und ich weiß nicht, ob es da so viel Technik gibt, dagegen zu halten. Das ist halt eher die Frage, wie man dem Unternehmen damit umgehen möchte.
Christian Ja, wenn ich jetzt gepromptet habe und ich bekomme ein Ergebnis und aufgrund des Ergebnisses mache ich eine Unternehmensentscheidung. Kann ja sein, dass die Unternehmensentscheidung dazu führt, dass ich einen groben Fehler mache. Wie denkst du, sollte man das zurückführen auf den Prompt oder sollte man das vielleicht dokumentieren, dass man im Unternehmen auch das Verständnis bekommt, okay, hier wurde einfach faktisch was falsch gepromptet oder hier gab es Halluzinationen. Also denkst du, ist es sinnvoll, die Prompts sozusagen als Quelle, woher Unternehmensentscheidungen gefällt wurden, zu speichern? Oder wird das überhaupt gemacht? Wie siehst du das?
Markus Ja, ich glaube, das ist auch wieder mehrschichtig. Also es hängt natürlich davon ab, was mache ich jetzt? Was ist meine aktuelle Aufgabe? Was mache ich mit dem Ergebnis, das da rauskommt? Ich glaube, einen Punkt, den muss man halt immer die ganze Zeit, wenn man mit generativer KI arbeitet, im Hinterkopf behalten. Das Ding kann, wie du sagst, halluzinieren. Das, was da rauskommt, das kann völlig falsch sein. Und es ist in meiner Aufgabe, in meiner Verantwortung zu überprüfen, ob denn das Ergebnis dem entspricht, das ich dann haben möchte und dass da keine wesentlichen Fehler drinnen sind. Also in der Oberfläche versucht man das so ein Stück weit klar zu machen, dass quasi unter jedem Ausgabefenster vom Copilot steht, KI kann Fehler machen im Wesentlichen. Das ist die Frage, ob das dann irgendeine Relevanz hat. Grundsätzlich ist es so, dass ich als Mensch die Aufgabe habe, die Verantwortung zu tragen zu dem, was ich dann weitergebe. So viel anders würde ich jetzt sagen, so in meiner Einschätzung ist es aber nicht davon, ob ich jetzt ein Ergebnis von einer KI habe oder ein Ergebnis von einer Kollegin oder einem Kollegen. Je sensibler es ist, je mehr die Information für mich wichtig ist oder die Entscheidungen davon abhängen, desto mehr hinterfrage ich das. Und es ist egal, wo das herkommt. Übernehme es nicht einfach ungefragt. Dass man aber diesen Reflex hat, diese Sachen in Frage zu stellen, ich glaube, das ist auch so ein Thema von eben KI-Kompetenz. So wie wir Medienkompetenz brauchen, brauchen wir auch ein Stück weit KI-Kompetenz, dass uns eben klar ist, dass das, was da rauskommt, zwar wunderbar formuliert sein kann, auch wunderbar den Anschein zu haben, als plausibel zu sein. Und trotzdem muss man lernen, das vielleicht je nach Situation mal mehr, mal weniger zu hinterfragen. Und auch bei uns bei Microsoft gibt es die Situationen, wo man dann vielleicht hier eine neue Datenanalyse bekommt, die sieht auf den ersten Blick toll aus, man hinterfragt sie, die steht halt auf hölzernen Füßen. Das Ergebnis kam halt von irgendwie einem Prompt, der mehr oder weniger gut war oder die Datenquelle war mehr oder weniger gut. Das Ergebnis war halt Mist. Trotzdem ist es weitergeleitet worden. Und das müssen wir lernen. Das ist, glaube ich, auch ein Prozess, den man im Unternehmen beim Einsatz von generativer KI braucht.
Christian Was denkst du, gibt es Fälle, wo der Nutzen besonders groß ist oder wo der Nutzen von Copilot eigentlich kaum da ist? Also siehst du da gewisse Einsatzfelder, wo du sagst, naja, ehrlich gesagt, weiß ich nicht, weil wir müssen ja immer ehrlich sein, das Produkt kostet Geld, das ist ja nicht umsonst dabei. Das heißt, ich zahle Lizenzkosten für Microsoft 365 und dann kommt nochmal oben was drauf pro Benutzer. Wo würdest du sagen, ehrlich gesagt, ich weiß, das ist jetzt vielleicht nicht in deiner Natur, aber dass du sagst, nein, kauf das Produkt nicht, das brauchst du nicht, spar dir das Geld. Was denkst du, sind Bereiche, wo man das eigentlich nicht braucht?
Markus Ja, also es hängt natürlich wieder davon ab, was denn das Unternehmen für Aufgaben hat, was die Mitarbeitenden für Aufgaben haben und ob dort ein Dienst wie Copilot überhaupt Sinn liefern kann. Ja, weil so wie wir jetzt Copilot gerade diskutiert haben, ist es ja tief integriert in Microsoft 365. Wenn ich jetzt aber halt kein Information Worker bin und nicht den Tag über vor meiner Maschine sitze und dann halt irgendwelche Excels und PowerPoints und Teams mache, dann ist ja schon die Frage, brauche ich denn das? Also beispielsweise Personen, die dann vielleicht in der Produktion sind oder in der Pflege oder im Service, die vielleicht mal einen Rechner haben oder mal nicht. Ja, und da ist dann schon die Frage, kann da so ein Dienst wie Copilot überhaupt sinnig sein? Und auch da hängt es wieder sehr, sehr stark davon ab. Ja, wenn ich jetzt eine Person habe, die eben quasi Office nicht verwendet, dann muss ich mir schon überlegen, macht es Sinn, mir einen Dienst, der stark in Office integriert ist, anzuschauen? Auf der anderen Seite gibt es dann bei solchen Aufgabenfeldern ja durchaus auch Dinge, wo eine generative KI wie Copilot helfen kann. Beispielsweise bei so einfachen Sachen. Ich bin jetzt vielleicht in der Produktion oder im Service oder in der Pflege und habe vielleicht eine Frage an meine HR-Abteilung. Und dann kann ich jetzt versuchen, dort anzurufen. Ich kann aber vielleicht auch mit einem Agenten, der dann eben wieder auf Basis von einer generativen KI arbeitet, mir dann die richtige Antwort liefern. Und vielleicht auch zu Zeiten, wo die Personalabteilung halt nicht im Dienst ist, weil ich produziere oder ich pflege halt vielleicht auch mal um Mitternacht. Von daher hängt es so ein bisschen im Aufgabengebiet auf der einen Seite und auf der anderen Seite, wo ich auch sehr stark drauf gucken würde, ist die Qualität meiner Daten und wo liegen meine Daten. Ja, weil auch heute im Jahr 2026 gibt es durchaus Unternehmen, die noch keinerlei Cloud machen oder nur das Winzigste im Cloud machen. Und Copilot, Microsoft 365 Copilot funktioniert am besten, je mehr ich in Microsoft 365 gespeichert habe. Es gibt durchaus die Möglichkeit, auch mit den Konnektoren wie vorhin, auch lokale Datenquellen, auch On-Prem-Fileserver anzubinden. Aber ich werde nie die volle Funktionalität davon zu bekommen. Deswegen hängt es dann da auch wieder davon ab, wie bin ich denn strukturiert? Wo liegen meine Daten, mit denen meine Mitarbeitenden arbeiten sollen? Und daran würde ich dann auch wieder die Entscheidung setzen, soll ich denn die Mehrkosten für Copilot in Kauf nehmen oder eben nicht. Und übrigens nur der Vollständigkeit halber. Es gibt von Microsoft 365 Copilot zwei Varianten. Und ich meine jetzt nicht Privat und Unternehmen, sondern es gibt eine kostenfreie, in Anführungszeichen kostenfrei, das stimmt nicht ganz, weil man braucht eine Microsoft 365 Lizenz dafür, eine Basislizenz. Da sind bestimmte Copilot-Funktionen schon dabei und darauf gibt es dann noch die große Variante, die kostet extra und da sind dann die Funktionen drin, die ich haben möchte.
Christian Und das ist eigentlich spannend, da haben wir jetzt noch nicht drüber gesprochen, aber das machen wir auch nicht, was zu lange dauern würde. Nur, was ich extrem interessant finde, ist, dass Microsoft für dich sozusagen, die Absicherung macht, falls etwas generiert wird, was unwahr ist und würde sozusagen die rechtliche... Tja, ich weiß gar nicht, wie ich es ausdrücken soll. Die Rechtssicherheit geben. Das heißt, wenn mich jemand verklagt, kann ich zu Microsoft geben, hey, mit euch habe ich einen Vertrag, ihr müsst das ausbaden. Extrem spannende Sache und ich glaube, das ist etwas, was man auch nicht so im Blick hat, dass es sich durchaus lohnt, Geld auszugeben. Weil wenn ich zu Anthropic gehe, zu dem Sprachmodell oder ich frage DeepSeek irgendwas und mache darauf Unternehmensentscheidungen und das ist alles Quatsch, dann bin ich ja derjenige, der liable ist und da kann ich nicht sagen, der hat mir das gesagt. Der sagte, ja, aber du bist ja dafür verantwortlich. Also derjenige, der prompt ist dafür verantwortlich, dass hier Microsoft einspringt, finde ich völlig faszinierend. Aber da haben wir jetzt gar keine Zeit, so dazu reden. Kommen wir mal zu einem anderen Thema, nämlich deinem Buch, was du geschrieben hast. Und du hast ja jetzt eine Menge von Informationen, die wir jetzt auch bis jetzt besprochen haben, in genau das Buch gesetzt. Wie bist du vorgegangen bei der Idee, dieses Buch zu formulieren, bei den Inhalten? Wie lief das ab, dass es überhaupt zu diesem Buchprojekt gekommen ist?
Markus Also es ist ja nicht mehr erstes Buch. Ich habe schon ein paar andere Bücher geschrieben. Allerdings waren die Bücher eher für IT-Pros, also für Administratoren, die dann eben die Verwaltung von verschiedenen Microsoft-Produkten dann eben vornehmen. Und das Copilot-Buch, das ist mehr oder weniger mein erstes Endanwenderbuch. Genau, exakt. Also da beschreibe ich quasi jetzt nicht die Konfigurationsseite, sondern ich beschreibe halt, wie ich jetzt in meinem Arbeitsalltag vorgehen könnte, um dann eben meinen Arbeitsalltag etwas, einfacher zu gestalten, besser zu gestalten, wie auch immer, indem ich halt Copilot einsetze. Und das Ganze ist quasi entstanden dadurch, dass ich in der Vergangenheit ja natürlich auch schon mit Copilot zu tun gehabt habe, mit Kunden zu tun gehabt habe, die Copilot eingesetzt haben. Und immer war halt genau das Thema, was wir jetzt auch schon ab und zu mal diskutiert haben, dass man eben die Mitarbeitenden an die Hand nehmen muss und ihnen zeigen muss, wie denn Copilot in ihrem Umfeld mit ihren Herausforderungen dann auch eine Lösung sein kann für diese Herausforderungen. Und deswegen habe ich mir dann eben überlegt, wie könnte ich denn das letztendlich dann in ein Buch gießen? Und das ist dann das Ergebnis, das da ausgekommen ist. Und zum Glück, der Rheinwerk-Verlag mit meinem Lektor waren da auch dann sehr offen, dieses Buch dann umzusetzen. Und dann habe ich mich hingesetzt, das zu tun. Es war übrigens gar nicht mal so einfach, weil Copilot ändert sich halt auch. Also so gefühlt haben wir jeden Tag in Copilot irgendwas Neues. Das ist nicht immer das ganz Große, sondern vielleicht auch mal ein Detail. Aber trotzdem, es ändert sich. Und beim Schreiben habe ich dann quasi schon so ein Stück weit in die Zukunft geschrieben. Zum Glück, weil wir bei Microsoft haben ja ein bisschen einen zeitlichen Vorsprung. Wir haben dann vielleicht ein paar Monate Funktionen schon früher als die Welt außerhalb von Microsoft. Und da konnte ich dann ganz gut in die Zukunft schreiben. Aber trotzdem, natürlich, es ist schon so, an manchen Stellen ist das Buch heute schon wieder veraltet, weil die Oberfläche vielleicht hier ein bisschen anders aussieht, eine Limitierung so nicht mehr gilt oder was auch immer. Trotzdem habe ich versucht, das Buch dann eben so zu formulieren, dass es mir das nötige Grundlagenwissen vermittelt und ich von diesem Grundlagenwissen dann meinen Alltag beschreiten kann. Und da spielt es dann keine Rolle, ob dann ein bestimmter Begriff heute so oder. Damals anders geheißen hat oder der Button halt vielleicht jetzt grün statt hellgrün ist, dann ist das nicht so tragisch. Aber natürlich, seit das Buch erschienen ist, sind viele Sachen schon wieder neu dazugekommen. Ich bin mir ganz sicher, dass es in Zukunft auch eine Neuauflage, die dann eben den aktuellen Stand berücksichtigt, dass es das geben wird.
Christian Ich finde es schön immer, wenn Beispiele gegeben werden, wie man das im Alltag nutzen kann. Du hast ein Beispielunternehmen eingeführt und hast gesagt, okay, die haben halt folgende Aufgabe und in dem und dem Werkzeug muss das und das gemacht werden. Das finde ich ganz schön, weil hier ist ja genau dieser Transfer möglich, dass ich sage, hey, in dieser Situation bin ich ja auch, das möchte ich ja auch machen.
Markus Genau, das Lustige ist, ich habe dann quasi dieses Beispielunternehmen und das Unternehmen heißt Beispiel AG. Dieses Unternehmen und auch die Hauptprotagonisten, die Lucy Walker, der Robin Ryan und der Juli Stark, das ist quasi durch meine Rheinwerk-Bücher ist das konsistent. Das heißt, zählst du in den Admin-Büchern, habe ich die Beispiel-AG mit diesen Figuren. Die haben vielleicht mal eine andere Rolle, weil einmal sind sie halt Anwender, einmal sind sie halt an Admin. Aber die gibt es überall. Von daher, jemand, der ein Buch schon mal von mir in der Hand gehabt hat, wird sich da heimisch fühlen.
Christian Ich hätte irgendwie Angst, also ich mache das in meinen Büchern auch oder in meinem zum Beispiel Java-Aufgabenbuch, dass irgendjemand mal wirklich so ein Unternehmen anmeldet, genau diesen Namen verwendet und sagt so, hey, ich habe die Namensrechte da dran, die Bücher müssen vernichtet werden oder sowas. Weil ich habe zum Beispiel Captain CiaoCiao, das ist in meinem Java-Aufgabenbuch. Und irgendwo steht drin, Captain CiaoCiao benutzt diesen und diesen X-Handle. Und da habe ich mir schon gedacht, ich muss den unbedingt mal selber reservieren. Sonst reserviert den jemand anders und schreibt da irgendwie Quatsch. So, hey, ich bin Captain CiaoCiao und da kommt eben so ein Blödsinn, warum? Das muss man auch immer im Blick haben, dass nicht vielleicht wirklich das Unternehmen sich verselbstständigt. Wer kam denn eigentlich auf die Idee von dem Buch? Also wer ist auf wen zugegangen? Bist du auf den Verlag zugegangen oder durch die Zusammenarbeit mit dem Verlag, die dich ja schon kennen, über die Teams-Bücher, haben die dich angesprochen oder hast du gesagt so, hey, lass uns doch mal das und das machen, was haltet ihr davon? Und der Verlag sagte, super Idee, Markus, mach.
Markus Ja, also da habe ich tatsächlich einen sehr guten Draht zu meinem Lektor, dem Christoph Meister und einen lieben Gruß an dich, Christoph. Ja, da funktioniert es ganz gut. Wenn ich eine Idee habe und bei dem Copilot-Buch war es meine Idee, dann versuche ich das dann entsprechend zu skizzieren, was denn die Zielgruppe ist, was denn die Inhalte sind. Und damit gehe ich dann zu Christoph und versuche ihn dann dafür zu begeistern. Ja, und Christoph lässt sich von mir typischerweise leichter begeistern. Und er macht dann eben das, was darum dann eben im Verlag erforderlich ist. Also die Marktanalyse verkauft sich das überhaupt, wie dick muss es sein, was darf es kosten. Und dann eben auch intern die jeweilige Konferenzen, wo dann die Buchvorschläge besprochen werden. Da guckt er dann, dass es dann auch entsprechend platziert wird. Von daher funktioniert es ganz gut. Also das Copilot-Buch war tatsächlich mein Vorschlag.
Christian Gab es interessante Wünsche nach der Rückmeldung, als du dann Inhaltsverzeichnis und Zielgruppe ähnliches eingereicht hast, dass überraschende, Wünsche noch von der Verlagsseite kamen, sagen, hey, wie wäre es, wenn du das und das auch nochmal beleuchtest oder dreh das mal so und so?
Markus Nee, also Überraschungen eigentlich nicht. Das sind dann eher Details, dass man dann vielleicht bestimmte Reihenfolgen ändert oder vielleicht einen Aspekt noch mit reinnimmt, den ich nicht berücksichtigt hatte. Aber das sind dann eher Details. Also zumindest war es bei dem Buch so.
Christian Ja, was bist du so für ein Schreibtyp? Also als du die Entscheidung gefällt hast, jetzt schreibe ich dieses Buch und der Verlag sagt, ja, mache das. Wie ging es dann weiter? Also du hast jetzt schon Bücher geschrieben, deswegen weißt du, wie das grundsätzlich funktioniert. Aber setzt du dich dann hin und nimmst du die Zeit dafür eher so an einem großen Block oder schreibst du jeden Tag ein bisschen, wie schaffst du diesen Freiraum, du hast viele Kinder gemacht, du hast eine Frau, also das heißt, das kostet ja auch ein bisschen Zeit und lenkt ab, wie gehst du damit um, wenn du jetzt ein neues Projekt hast, also das ist ja jetzt nicht unbedingt Arbeitszeit, das musst du ja schon irgendwie aus der Privatzeit abzwacken.
Markus Also bei mir ist es im Laufe der Zeit auch ein bisschen anders gewesen. Also bei den ersten Büchern, da war ich dann halt noch Consultant. Als Consultant ist man viel unterwegs, viel in Hotels. Und dann habe ich halt abends und morgens hier an dem Buch geschrieben. Jetzt bei dem Copilot-Buch war es nicht so. Ich bin kein Consultant mehr. Ich habe 100 Prozent Homeoffice. Der Weg in die Arbeit ist sehr, sehr überschaubar. Da brauche ich einen anderen Weg. Und bei den letzten Büchern habe ich mich so angewöhnt, dass ich quasi wenig pro Tag, aber kontinuierlich mache. Also das heißt typischerweise in so einer Schreibphase ist es dann so, dass ich jeden Tag morgens, bevor ich mit meinem Microsoft-Job anfange, zuerst mal schreibe. Und das ist wirklich nicht viel. Das ist dann vielleicht eine halbe Stunde, eine Dreiviertelstunde. Mehr ist es aber am Tag dann nicht. Aber trotzdem, wenn ich das Ganze dann eben mal fünf nehme, ist es dann doch wieder ein Paket, da kann man schon was tun. Ja, natürlich am Wochenende kommt da schon auch noch die eine oder andere Stunde dann in der Schreibphase dazu. Und gerade dann, wenn es dann gegen Ende geht, ja, also bei mir ist es typischerweise so, für ein Buch habe ich meistens ein Jahr Zeit, ja, von ich fange an bis es ist im Laden. Von diesem einen Jahr muss man mal drei Monate abziehen und zwar die letzten drei Monate, die sind dann nämlich für die Sprachkorrektur, für das Lektorat, für die Herstellung, für den Druck da. Das heißt, von diesen zwölf Monaten habe ich dann neun Monate und in diesen neun Monaten mache ich dann quasi die ersten acht Monate, das Manuskript und der neunte Monat ist dann Screenshots. Ja, die Screenshots, die mache ich immer ganz.
Christian Ganz am Schluss, damit die möglichst aktuell sind.
Markus Ja, natürlich, die ändern sich ja permanent. Und für die Screenshots selber, da nehme ich mir dann typischerweise zwei Wochen Urlaub, je nachdem, wie dick auch das Buch ist, um dann halt die dann an einem Stück zu machen. Und das ist dann auch eine sehr meditative Arbeit. Ich weiß nicht, wie du das machst, aber Screenshots, da bin ich auch nicht viel ansprechbar. Da bin ich dann irgendwo in den Beispielsystemen dann verhaftet und mache dann hier die tausend Screenshots.
Christian Ich habe versucht, das zu automatisieren. Zum Glück gibt es in meinem Java-Buch sehr, sehr wenige Screenshots, so Entwicklung, IDE. Und ich habe versucht, das zu skripten, zu automatisieren. Aber dieses Skript zu schreiben, einmal ist so aufwendig, dass ich gesagt habe, ach komm, also für die zehn Screenshots, die ich im Buch habe, lohnt sich das überhaupt nicht. Aber das ist ein Weg, den ich schon mal gedacht habe. Weil du kannst ja durchaus sagen, klicke hier, klicke da mit Automatisierungswerkzeugen. Das benutzt du ja für automatisierte Tests besser gesagt auch. Dass ich das mal überlegt habe, aber wie gesagt, der Aufwand, vor allen Dingen ist es ja auch wirklich undankbar für unsere Kollegen, die jetzt reine Office-Bücher machen. Also bei uns ist ja noch viel Text dabei, also bei mir ist noch mehr Text drin, bei dir ist auch viel Text drin, aber mir tun die Leute leid, die jetzt irgendwie ein Photoshop-Buch machen oder, im Office-Bücher und dann so eine neue Version Microsoft bekommen auf eine Idee, irgendwas zu ändern und so, nein. Vor allem das Gemeinde ist ja, die Leute erwarten ja auch tagesaktuelle Screenshots. Das ist sehr undankbar. Was ich interessant finde in deinem Buch, weil du ein Screenshot drin hast, wo der Microsoft Copilot mit zwei Sternen bewertet ist. Ich konnte nicht so richtig ablesen, ob du das bewusst gemacht hast, ob das eine Pointe ist oder ob dir das durchgeflutscht ist. Mittlerweile sind die Anzahl der Sterne deutlich besser. Also das ist bei 4. irgendwas. Das heißt, Copilot hat sich echt richtig gemacht. Und vielleicht kann man daran ablesen, dass Screenshots sind schnell veraltet und eigentlich müsste man permanent irgendwas aktualisieren.
Markus Ja, weißt du, also tatsächlich, die Screenshot, das war ja aus dem App Store für die Microsoft 365 Copilot App. Ich meine, ich finde es nicht schlimm, da auch mal was Negatives zu zeigen. Ich bin jetzt zwar bei Microsoft angestellt und natürlich ist es in irgendeiner Form gefärbt. Davon kann ich mich, glaube ich, nicht lossagen. Aber ich versuche dann schon ein klares Bild zu zeigen und ich scheue mich dann auch nicht zu sagen, an der oder der Stelle, da gibt es noch Entwicklungspotenzial. Von daher ist das völlig in Ordnung, wenn da halt auch mal zu sehen ist, dass es vielleicht an irgendeiner oder anderen Stelle nicht so gut ankommt.
Christian Ich denke auch. Und aus dem Software, aus dem Java-Umfeld kenne ich das ja auch. Und in der Anfangsversion war Java zum Beispiel super langsam gewesen. Und wenn man damit schlecht Erfahrung gemacht hat, dann überträgt man das vielleicht noch heute. Also Java ist jetzt 30 Jahre alt und du hast halt heute immer noch Leute, die sagen, ja, was aber langsam. Nee, ist es nicht. Das ist echt richtig schnell. Aber du hast halt Menschen, die halt das damals die schlechten Erfahrungen gemacht haben, zu Recht. Und ich fürchte, bei Microsoft Copilot ist es genauso. Also das Produkt war ja am Anfang schlecht. Also jetzt erinnere ich mich an Situationen wie innerhalb von Excel sage ich, mache diese Formel so und so oder mache das und so und so. Und dann kriege ich eine Chat-Ausgabe wie, ja, da musst du hier klicken, da klicken, wo ich denke, das ist dein Job, da zu klicken und die Formel reinzusetzen. Aber das ist früher. Und mittlerweile ist das Produkt großartig. Microsoft macht eine Tonne Geld damit. Das funktioniert richtig gut. Aber da muss man sich halt von lösen, dass die Sachen früher mal schlecht waren. Die Technologien ändern sich. Und da müssen sich auch die Argumente mit ändern. Und da darf man irgendwie nicht so in der Geschichte festkleben. Früher war das mal so. Ja, aber heute nicht mehr. Punkt. Lern dazu.
Markus Perfekt. Super. Besser hätte ich es auch nicht sagen können.
Christian Toll. Microsoft gibt mir jetzt einen neuen Job. Jetzt hast du ja noch ein zweites Buch geschrieben, das Kinderbuch. Das finde ich toll. Kannst du darüber ein bisschen erzählen, wie es dazu gekommen ist und was du in diesem Buch, was ja eigentlich jetzt überhaupt nicht mit Microsoft-Produkten zu tun hat, was du da eigentlich beschreibst und wie es dazu gekommen ist?
Markus Ja, lustig, genau. Ja, also so wie vorhin gesagt, normalerweise schreibe ich für IT-Pros, die Administratoren, vielleicht auch mal für den Anwender jetzt hier bei Copilot. Es gibt einen Ausreißer. Und das ist der Elternratgeber sicher im Netz. Und ich meine, bei der Anmoderation habt ihr schon gehört, ich habe drei Kinder. Mit drei Kindern erlebt man schon auch Dinge im digitalen Raum. Zum Glück ist bei uns jetzt nicht die Katastrophe eingetreten, aber natürlich so die üblichen Dinge. Schon allein, wie lange darf ich denn so am Tag als Elfjähriger vor Minecraft sitzen? Reichen da zehn Minuten oder sollten es eher sieben Stunden sein? Also schon diese ganz alltäglichen Sachen. Ja, und gerade wenn man Kinder hat und die mal in den Kindergarten oder später natürlich auch in die Schule gehen, dann gibt es da ja auch diese typischen Elternabende und da gibt es dann vielleicht auch Elternabende, die dann speziell halt den Medienkonsum im Blick haben oder auf was man vielleicht das Eltern beachten sollte. Und natürlich, ich war auch auf diesen Elternabenden und. Ich grusel mich jetzt manchmal dann immer über diese Dinge, die da halt besprochen werden oder wie sie besprochen werden oder man halt sieht, wo halt, Kenntnisse fehlen oder welche Hilflosigkeit man vorfindet gegenüber Dingen, für die es eigentlich eine Lösung gibt. Ja, natürlich, es gibt nicht für alles eine Lösung, aber man kann vieles, kann man zumindest mal ein Stück weit eingrenzen. Und daraus ist dann die Idee gekommen, ja, dann eben einen Elternratgeber zu schreiben, der jetzt halt nicht hier sagt hier, wie schlimm ist das alles und haltet eure Kinder aus dem Internet fern und bitte keine Medien. Also ich bin kein Medienwissenschaftler, noch bin ich Kinderpsychologe oder sowas. Ich schreibe in dem Buch auch nicht, guckt, dass eure Kinder bis zum fünften Lebensjahr keine Medien konsumieren. Schreibe ich nicht. Ich sage auch nicht, maximal eine Stunde, wenn eure Kinder zehn sind, schreibe ich auch nicht, weil ich habe keine Kompetenz dafür. Aber ich habe ein bisschen Kompetenz im Papa-Sein und ich habe ein bisschen Kompetenz in diesen digitalen Werkzeugen. Und das Ziel ist mit diesem Buch, dass ich dann eben für eine Palette von eben den typischen Dingen, die man heute so nutzt, wie eine Spielekonsole, wie ein Smartphone, wie bestimmte Social Media Dienste, wie bestimmte Spiele, wie man diese dann eben, so einrichten kann, dass sie mehr kinderfreundlich sind, als sie halt vielleicht ausgeliefert werden. Und da gibt es dann eben viele Anleitungen, an denen ich mich dann schon ein Stück weit orientieren kann. Was kann ich denn tun? Wie kann ich denn vorgehen? Was sind die Vorteile? Was sind die Nachteile? Und kann dann vielleicht an der einen oder anderen Stelle so den Diskussionen ein bisschen aus dem Weg gehen. Also es ist kein theoretisches Werk, wie schlimm oder wie gut oder was auch immer, sondern es ist eher ein praktisches Werk. Was kann ich denn jetzt konkret tun, um meine Kinder vielleicht an der einen oder anderen Stelle vor Dingen zu bewahren, die ich nicht möchte, dass sie haben?
Christian Mach doch mal ein paar Beispiele.
Markus Ja, also beispielsweise Elternzeit, ja, beziehungsweise Bildschirmzeit. Elternzeit ist auch gut.
Christian Darf ich, Papa, darf ich dich eine Stunde haben? Ja, das ist Elternzeit.
Markus Also beispielsweise Bildschirmzeit am Smartphone, ja, oder aber beispielsweise, dann Privacy-Einstellungen von typischen Spielen. Ja, was kann ich bei Minecraft machen? Wie kann ich gucken, dass dann eben die Kinder nicht mit anderen Leuten chatten oder nicht frei chatten? Was kann ich tun, um dann beispielsweise bei Instagram mich ein Stück weit vor anderen zu schützen? Wie kann ich denn bei Snapchat dafür sorgen, dass ich nicht für alle sichtbar mit meinem Standort auf einer Karte bin? Was ist denn dieser Hintergrund von dieser ominösen Multifaktor-Authentifizierung und warum sollte ich die aktivieren? All solche Dinge, die sind dahinterlegt, auch beispielsweise für typische Router, wie zum Beispiel eben die FritzBox, was ich dort für Möglichkeiten habe, beispielsweise halt für eine Webfilterung. Und ja, ich weiß, es gibt pfiffige Kinder, die kommen da auch drumherum, aber es geht um die große Ganze.
Christian Mit KI vielleicht sogar noch viel mehr. Oh Gott, hat dieses Buch schon... Und insofern einen Effekt gehabt, dass du angesprochen wurdest, jetzt mal nicht wegen deinen IT-Büchern, sondern genau wegen diesem Buch, zum Beispiel von Eltern, Schulvertretern, von Schulen oder der Gemeinde zu sagen, hey, du hast das Buch geschrieben, finden wir toll. Kannst du mal dazu ein bisschen was sagen? Kannst du mal einen Vortrag machen? Ist sowas passiert?
Markus Ja, also als das Buch neu rausgekommen ist, ist das tatsächlich schon ab und zu mal passiert. Sowas kann ich natürlich nur selektiv machen, weil auf der einen Seite, ich bin ja gar nicht so die richtige Bubble. Also da gibt es Leute, die sich darauf spezialisiert haben. Auf der anderen Seite habe ich ja schon meinen Job bei Microsoft und ich schreibe Bücher und dann noch was Drittes dann irgendwie sinnvoll unterzubringen, ist dann auch irgendwo begrenzt. Von daher war das für mich dann, dieses Buch war dann eher so eine einmalige Sache und dann eben all die Dinge als Hilfestellung mal aufzuschreiben. Das ist aber, glaube ich, nichts, wo ich dann in Zukunft mich dann sehr intensiv dann noch weiter mit befassen werde.
Christian Hast du denn andere Projekte in der Pipeline, also die Aktualisierung des einen Buches, so wie ich das verstanden habe, des jetzigen Buches? Hast du noch was ganz Neues in der Pipeline oder sind es eher Aktualisierungen der vorhandenen Bücher?
Markus Ja, also momentan ist gerade wieder so eine Aktualisierungsphase. Ich habe jetzt gerade ein Update für das Microsoft 365 Buch rausgebracht. Also es ist auch wieder das Admin Buch für Microsoft 365. Und jetzt werde ich mich dann dran machen, das Copilot Buch zu aktualisieren. Aber ich habe es vorhin schon gesagt, meine Zeitpläne sind immer so ein Jahr. Also so arg viel in die Zukunft da dann zu überlegen, das ist dann tatsächlich sehr, sehr schwierig. Und für mehr reicht dann eben auch die verfügbare Zeit dann nicht.
Christian Ja, man kann sich nicht teilen. Eine Frage, die ich bis jetzt allen Autoren gestellt habe und ich bin gespannt auf deine Antwort ist, wenn interessierte Leute zu dir kommen und sagen, ich möchte selber ein Buch schreiben, hast du Tipps für mich? Was wären deine Tipps?
Markus Ja, also Buchschreiben selber hat ja zumindest so in meiner Bubble auch so etwas, Also es scheint toll zu sein, Autor zu sein. Man sitzt dann vielleicht im Café vor seinem Notebook und schreibt da ganz tolle Dinge auf. Und das, was ich dann in solchen Gesprächen versuche, ist ein Stück weit zu reflektieren, wie Autor sein wirklich ist. Und natürlich, es hat schöne Seiten, das würde ich das nicht machen, aber es ist ein sehr, sehr großes Commitment. Commitment einem selber gegenüber, dem Verlag gegenüber, aber dann auch den Leserinnen und Lesern gegenüber. Und dieses Commitment ist über einen langen, langen Zeitraum. Das heißt, man muss dann eben dann auch für sich dann überlegen, ob man wirklich diese Zeit in ein solches Werk dann investieren möchte, ob man. Die Planungsfähigkeiten dazu hat, mal abseits von den Schreibfähigkeiten, ob man den Rückhalt aus seinem Umfeld hat. Also beispielsweise, so wie du vorhin gesagt hast, ich muss da ja auch hier mit drei Kindern und Ehefrau, muss ich da auch haushalten. Und wenn ich dann nur am Wochenende vor dem Manuskript sitze, würde das nicht unbedingt gerne gesehen. Das heißt, das Umfeld muss das ja auch tragen. Und dann versuche ich dann auch so ein bisschen mitzugeben, was heißt denn das eigentlich finanziell? Also was sind denn die möglichen Einkommen oder die möglichen Verkaufserlöse, die da rauskommen? Und mit was kann man rechnen? Und dann muss man sich halt überlegen, ob denn der Aufwand und die Zeit und all diese Dinge, ob das das trägt. Und das, was ich dann letztendlich immer als Ratschlag gebe, bevor du jetzt anfängst, ein komplettes 1000 Seiten Buch zu schreiben, versuch es doch erst mal ein bisschen kleiner. Versuch dir vielleicht mal in einem Fachmagazin den einen oder anderen Artikel zu schreiben. Und da wird man sehr schnell sehen, dass selbst zu einem zwei- oder vierseitigen Artikel, wie viel Zeit allein für so wenige Seiten und für so wenige Bildschirmabbildungen erforderlich sind und multipliziert es dann mal für das Buch, das du dir vorstellst. Und wenn das mit den Fachartikeln nicht klappt, dann wird es mit den Büchern höchstwahrscheinlich auch nicht klappen. Oder wenn es dann unbedingt ein Buch sein muss, vielleicht muss man das erste Buch auch nicht allein schreiben, sondern kann das vielleicht in einem Autorenteam machen, sodass man mal die ersten Kapitel selber formuliert. Bevor man sich dann eben an so ein ganzes Ding ranwagt, weil es ist nicht so easy.
Christian Ich glaube, es gibt Artikel oder Kapitel, die einfacher sind und andere, wo es halt gar nicht läuft. Und das weiß man eben am Anfang noch nicht. Und ich finde den Ratschlag toll zu sagen, ja, schreib doch mal was, mach doch mal Blogbeiträge oder schreib für die Zeitung. Und das vielleicht auch mal regelmäßiger, dann weiß man, ob es einem Spaß macht. Denn du hast recht, das ist ein riesen Commitment. Und vor allen Dingen, wenn man dann wirklich mit dem Verlag was vereinbart hat und man gibt das Inhaltsverzeichnis ab und dann muss man liefern. Und dann ist es wie ein Marathon. Dann kann ich nicht sagen, so nach einem Kilometer, ach nö, jetzt trabe ich mal ein bisschen, gucke ich mal rechts und links und oh, da gibt es ja noch Lakritz und eine Cola und Wein. Nee, nee, 40 Kilometer, boom, durch. Also ja, da muss man sich selber kennen.
Markus Ja, eben, genau. Und da lieber dann kleine Schritte. Also bei mir war das auch nicht anders. Ich habe auch nicht, ich schreibe jetzt mal ein Buch und dann fallen da halt die 500 Seiten raus, sondern ich habe, bevor ich das erste Buch geschrieben habe, habe ich auch Fachartikel geschrieben über viele, viele Jahre hinweg. Und nicht einen, nicht zehn, sondern eher so in der Größenordnung vor dem ersten Buch, so 50, 60, 70. Das heißt, was Schreiben heißt, das wusste ich damals schon. Und das ist dann aber auch, glaube ich, ganz gut zu wissen, was das alles im Kontext bedeutet oder auch allein wie der Prozess aussieht. Die Zusammenarbeit mit einem Verlag, mit einem Lektor, das sind ja alles Dinge, die fallen nicht vom Himmel.
Christian Die fallen nicht vom Himmel. Ich weiß nicht, ob das jetzt ein gutes Schlusswort ist. Vielleicht fallen manche Sachen vom Himmel. Aber Markus, ich danke dir ganz herzlich für das Gespräch. Alles Gute, noch viele weitere Bücher und tschüss.
Markus Tschüss, Christian. Es hat großen Spaß gemacht. Dankeschön.